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InvestorKKR übernimmt die Macht bei WMF

Bei dem schwäbischen Traditionsunternehmen hat Finanzinvestor KKR vollständig die Kontrolle übernommen. Er will WMF von der Börse nehmen. 28.08.2014 - 14:00 Uhr

Finanzinvestoren

Der Topf- und Besteckhersteller WMF gehört seit Mitte 2012 dem Finanzinvestor KKR. Der amerikanische Eigner war einst Pionier der Idee des Private-Equity-Investors. Die Idee: Firmen mit Wachstum- oder schlummernden Einsparpotenzialen aufkaufen, auf Rendite trimmen und mit Gewinn weiterverkaufen. In der Finanzkrise gerieten die als „Heuschrecken“ verschrieenen Investoren unter die Räder, da sie viele Zukäufe mit Kredit finanziert haben.

Unsere Übersicht zeigt, wer bei Investoren am meisten Geld eingesammelt hat, um als Firmenjäger durch die Welt zu ziehen.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 10 mit 10,8 Milliarden Euro Volumen:

CVC Capital Partners ist eines der führenden internationalen Private-Equity-Unternehmen. Es wurde 1981 gegründet und ist heute mit 19 Niederlassungen und über 130 Investment Professionals in Europa, Asien und den USA präsent. Im Juli 2008 wurde der CVC European Equity Partners V Fonds geschlossen, der auf Platz 9 im Ranking landet.

Zu den größten Beteiligungen des Unternehmens gehörte 2005 der Kauf von 86 Prozent der Anteile am Unternehmen SLEC Holdings, der Unternehmensgruppe, die die Formel 1 betreibt. Ein Jahr später erwarb CVC die übrigen 14 Prozent. In Deutschland ist CVC an Unternehmen wie Elster Group, Ista, Flint, Evonik Industries AG (25,01 Prozent seit 2008) und der Metzeler Automotive Profile Systems beteiligt.

Foto: PR

Platz 9 mit 14,7 Milliarden US-Dollar:

Nicht ganz so erfolgreich wie der Vorgänger-Fonds, aber immerhin Platz 9 im Ranking. Im Dezember 2008 wurde der Apollo Investment Fund VII mit einem Volumen von 14,6 Milliarden US-Dollar geschlossen. Obwohl die Kapital-Sammelaktion mehr als 16 Monate dauerte, wurde das 15-Milliarden-Dollar-Ziel knapp verfehlt.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 8 mit 15,4 Milliarden US-Dollar

Seit der Gründung der Texas Pacific Group 1992 hat das Unternehmen mehr als 57,5 Milliarden Dollar mit 18 verschiedenen Fonds eingesammelt. Im Ranking sind gleich zwei TPG-Fonds vertreten: Platz 7 belegt der im Jahr 2006 mit einem Volumen von 15,4 Milliarden US-Dollar geschlossene Texas Pacific Group Partners V.

Trotz der beeindruckenden Größe der Fonds haben sie nicht immer eine positive Performance hingelegt. So verstieg sich der Fonds in einem Engagement in den Finanzdienstleister Washington Mutual, der 2008 teilweise kollabierte. Gemeinsam mit dem Folgefonds TPG Partners VI verlor TPG Partners V insgesamt 1,35 Milliarden Dollar.

Ein bekanntes Investment von TPG in Deutschland: der Armaturenhersteller Grohe.

Foto: REUTERS

Platz 7 mit 16, 2 Milliarden US-Dollar:

Mit rund 16 Milliarden Dollar ist Blackstone's Capital Partners VI der siebtgrößte Fonds, der jemals von Finanzinvestoren initiiert wurde. Ursprünglich wollte Blackstone (im Bild Verwaltungsratschef Stephen Schwarzman) das Geld für den neuen Fonds bereits bis Mitte 2010 eingesammelt haben. Das Interesse der Investoren an Private-Equity-Fonds hat nach der US-Hypothekenkrise jedoch nachgelassen, sodass sich der Abschluss der Kapital-Sammelaktion auf Anfang 2012 verschob.

Einen Teil des Geldes hat Blackstone in Emdeon, einen drei Milliarden US-Dollar teuren IT-Dienstleister der Gesundheitsbranche investiert. Zu den Großanlegern des BCP VI gehören unter anderem einige große Pensionsfonds. Beispielsweise sind Gelder für die Altersversorgung der kalifornischen Staatsdiener in den Fonds geflossen.

Foto: REUTERS

Platz 6 mit 17,6 Milliarden US-Dollar

Mit diesem Fonds tätigten Henry Kravis (Mitte) und seine Partner einen der größten fremdkapitalgestützten Käufe der Geschichte. Der Kohlberg Kravis Roberts – KKR Fund 2006 war einer der ersten großen Buyout-Fonds der New Yorker Gesellschaft und gemeinsam mit der Texas Pacific Group (heute TPG) akquirierte KKR darüber TXU, Texas größtes Energieunternehmen. Der Deal erwies sich rückblickend als fatal, das Unternehmen stand 2012 vor dem Bankrott. Der KKR Fonds 2006 investiert typischerweise in Konsumprodukte, auch Supermarkt-Portfolios, außerdem im Versicherungswesen, im Kommunikations- und Unterhaltungsbereich wie auch elektronischen Medien und in der Gesundheitsversorgung.

2012 hinkte der einst so furios gestartete Fonds bezüglich der internen Ertragsrate dem Branchenschnitt hinterher, ein neu aufgelegter KKR Fonds in diesem Jahr bekam außerdem nur knapp die Hälfte des Investitionskapitals des 2006er Fonds zusammen. Beobachter schätzten, dass die Lust der Anleger auf Megadeals jenseits der zehn Milliarden Dollar-Grenze in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen hat. Insgesamt konnte KKR in den vergangenen zehn Jahren 51,9 Milliarden Dollar für das Private Equity Geschäft einsammeln.

Foto: REUTERS

Platz 5: 11,2 Milliarden Euro

Auch hier lässt sich Geld verdienen: Gesundheitsversorgung gehört zu den fünf Kerninvestmentbereichen der Londoner Kapitalbeteiligungsgesellschaft Apax. Die Firma führt mit dem 2007 in die Investitionsphase gestarteten Apax Europe VII Fund den größten Investmentfonds Europas – und den viertgrößten der Welt. Das Private Equity Portfolio von Apax beinhaltet den Schuh- und Accessoire-Hersteller Cole Haan, die nordamerikanische Versicherungsgruppe HUB International und die General Healthcare Group Großbritanniens größten Krankenhausbetreiber. Bis 2005 gehörte der in den 80ern als kleines Venture Capital gestarteten Kapitalbeteiligungsgesellschaft übrigens auch die Fastfood-Kette Nordsee. Das Unternehmen hatte sie 1997 von Unilever erworben und verkaufte sie dann an den Besitzer der Bäckereikette Kamps.

Während Apax mit dem stärksten Fonds-Schluss im Krisenjahr 2008 aufwarten konnte, hatte die Gesellschaft in den vergangenen Jahren auch viele Probleme. Apax Europe VII wies laut dem Washington State Investment Board Ende 2012 nur knapp 2,8 Prozent Ertragsrate auf, zudem herrschte eine hohe Personalfluktuation: Knapp die Hälfte der Händler in verantwortlichen Positionen hatten laut Reuters das Unternehmen zwischen 2007 und 2012 verlassen. 2013 hingegen lag die Ertragsrate bei 4,3 Prozent.

Foto: dpa

Platz 4 mit 18,4 Milliarden Dollar Volumen:

Das Portfolio des erst Anfang Januar geschlossenen Investment Fonds VIII von Apollo Global Management soll 25 Firmen in den „Kernbereichen“ von Apollo umfassen. Dazu gehören laut Apollo Chemikalien, Vertrieb und Transport, Finanzdienstleistungen, produzierendes Gewerbe, Medien, Freizeit, natürliche Ressourcen, Verpackungen und Kommunikation – also so ziemlich alles. Leon Black, CEO bei Apollo sagte zum Start der Investitionsperiode „Wir sind sehr dankbar für die überwältigende Unterstützung für Fonds Nummer 8, die sich in signifikanten Anlagen relevanter internationaler Investoren zeigt, deren Kreis sich sowohl aus dem Lager langjähriger Partner als auch aus vielen neuen Investoren zusammensetzt.“ Mit 18,4 Milliarden Dollar Volumen, das sich aus 17,5 Milliarden Dollar Investorenkapital und knapp 900 Millionen Dollar aus Management- und Partnerkreisen von Apollo zusammensetzt, ist Apollo Fonds VIII der größte Fonds, der seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 gestartet wurde.

Foto: REUTERS

Platz 3 mit 18,9 Milliarden Dollar Volumen:

Er ist einer der Mitbegründer der TPG Investment-Group: David Bonderman, hier bei einer Pressekonferenz 2005. Der erfolgreichste TPG-Fonds ist der 2008 geschlossene TPG Partners VI, der 18,9 Milliarden US-Dollar Volumen hat. Er ist auf Nordamerika und Asien spezialisiert und investiert vor allem in Firmen im Technologie- und Telekommunikationsfirmen. In dem Fonds sind besonders viele institutionelle Anleger involviert, so hat der New York State Common Retirement Fund 300 Million Dollar angelegt, das California Public Employees’ Retirement System ging sogar mit einer Milliarde Dollar ins Rennen. Das Pennsylvania State Employees’ Retirement System gab etwa 400 Million Dollar hinein. Mit 2,5 Milliarden Dollar ist die chinesische Behörde zur Aufsicht des Devisenhandels und des Handels auf internationalen Märkten, die State Administration of Foreign Exchange.

Foto: REUTERS

Platz 2 mit 20,3 Milliarden US-Dollar:

Goldman Sachs Merchant Banking Division ist nur einer der Private Equity Arme von Goldman Sachs, neben Goldman Sachs & Partners, and Goldman Sachs AIMS Private Equity. Doch von den 54.4 Milliarden US-Dollar, die die Gesellschaft im zurückliegenden Jahrzehnt eingesammelt hat, geht der größte Batzen auf die Merchant Banking Division zurück: 53,2 Milliarden. Der größte Fonds ist mit 20,3 Milliarden US-Dollar Volumen der GS Capitals Partners VI Fonds der Division. Er umfasst eine Reihe von Transaktionen, zum einen fremkapitalfinanzierte Akquisitionen, Rekapitalisierungen und Wachstumsinvestments in bestehende Firmen.

Foto: REUTERS

Platz 1 mit 21,7 Milliarden US-Dollar:

Aus den größten Erfolgsjahren der Finanzinvestoren-Branche rührt auch der größte Fonds. Von Januar 2005 bis Mitte 2006 sammelte Blackstone Geld dafür ein.

Quelle: Preqin

Foto: AP

Beim Küchengerätehersteller WMF haben Finanzinvestoren jetzt uneingeschränkt das Sagen. Ein vom US-amerikanische Finanzinvestor KKR vorgelegtes Erwerbsangebot für WMF-Vorzugsaktien sei erfolgreich gewesen, wie der Investor am Donnerstag mitteilte. Zusammen mit dem zweiten WMF-Großaktionär, dem österreichischen Finanzinvestor Fiba, werde eine Beteiligungsquote von etwa 90,3 Prozent erreicht. KKR beabsichtigt nun, die WMF-Aktie von der Börse zu nehmen.

Dazu sollen die Anteile der verbliebenen Minderheitsaktionäre über ein sogenanntes Squeeze-out, einen Zwangsausschluss, „gegen eine angemessene Barabfindung“ gekauft werden, wie KKR im Juli verlauten ließ. Zum weiteren Vorgehen wurde am Donnerstag zunächst nichts bekannt. KKR hatte über seine Holdinggesellschaft Finedining Capital zunächst 53 Euro pro Aktie angeboten und das Angebot später noch einmal auf 58 Euro erhöht. Es war am Montagabend ausgelaufen.

KKR und Fiba hielten bislang zusammen gut 66 Prozent der WMF-Aktien. Durch den Kauf von 74,7 Prozent der Vorzugsaktien, die bislang insgesamt mehr als 33,2 Prozent des Gesamtkapitals des Küchenspezialisten ausgemacht hatten, haben die beiden Großaktionäre bei WMF nun die vollständige Kontrolle.

WMF auf einen Blick
1853 gründete der Mühlenbesitzer Daniel Straub gemeinsam mit den Metalldrückern Friedrich und Louis Schweizer in Geislingen die Metallwarenfabrik Straub & Schweizer mit anfänglich 16 Mitarbeitern.1862 wurden die silberplattierten Tafel- und Serviergeräte von Straub & Schweizer auf der Weltausstellung in London mit Medaille ausgezeichnet. 1868 wurde die erste Verkaufsfiliale in Berlin gegründet.1880 schloss sich das Unternehmen mit der Metallwarenfabrik Ritter & Co aus Esslingen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft zur Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) mit Sitz in Geislingen zusammen. Damit gilt die WMF als älteste Aktiengesellschaft Württembergs.
Zur WMF-Gruppe gehören aktuell die Marken WMF, Auerhahn, Kaiser Backform, Silit und Alfi, sowie im Gastronomie- und Großküchenbereich Boehringer, Hepp und Schaerer. Stammsitz der WMF mit rund 2000 Mitarbeitern ist Geislingen an der Steige, insgesamt arbeiten über 6000 Menschen für die Gruppe.Umsatz 2013: 1 Milliarde Euro; Gewinn: 25 Millionen Euro Größter Umsatzbringer sind Tisch- und Küchenartikel, zweitgrößter die Kaffeemaschinen.
Seit 1. August 2013 ist Peter Feld Chef der Württembergischen Metallwaren Fabrik. Seine Karriere begann der Diplom-Ingenieur Feld 1992 bei Procter & Gamble als Manager Product Supply. 2004 ging er zu Johnson&Johnson und stieg dort 2009 zum Chef für Mitteleuropa auf und verantwortet unter anderem den Bereich der Konsumgütersparte sowie des Geschäft mit rezeptfreien Apothekenprodukten.2010 wechselte er zum Konsumgüterhersteller Beiersdorf nach Hamburg. Als Vorstand war er dort für die Märkte in Europa und Nordamerika zuständig.
Christopher Cheng verantwortete von 2008 bis 2011 für Starbucks Coffee die Region Greater China, davor war er bei Jeans-Label Levi’s. Ab 1980 war in unterschiedlichen Positionen zunächst als Regional General Manager Taiwan, Hong Kong, China später North Asia und schließlich als Vice President Asia Pacific Non Apparel tätig. Vor seiner Berufung zum Regional Präsident Greater China bei der WMF AG arbeitete Cheng seit 2011 bei einem Unternehmen der Modeindustrie, der chinesischen Hoplun, als Leiter Retail Operations und Vice President Leasing & Development.
Die „Fischhalle“ beherbergt heute den Fabrik-Verkauf der WMF-Gruppe. Den Namen trägt sie, weil das Unternehmen dort ab 1912 in Zeiten steigenden Fleischpreise seinen Mitarbeitern Fisch zum Selbstkostenpreis anbot. Heute hat sich rund um die Fischhalle ein Outlet-Center mit rund zwei Dutzend weiteren Marken wie Nina von C., Kärcher, Kneipp oder Seltmann Weiden entwickelt.
Das Management möchte jährlich 30 Millionen Euro einsparen. 700 Stellen sollen gestrichen werden. Die Logistik wird umgebaut und auf zwei Standorte konzentriert. Verwaltung und Marketing soll in Geislingen gebündelt werden. Die Marke Auerhahn wurde Ende 2014 eingestellt, Alfi an die Thermos-Gruppe verkauft.

Bei dem schwäbischen Kaffeemaschinen-, Topf- Besteck- und Küchengerätehersteller rumort es seit längerem. Hintergrund ist ein striktes Sparprogramm, das sich WMF auferlegt hat. Bis zu 600 Stellen in Gefahr, gut 50 Filialen sollen geschlossen und 33 Logistikzentren an zwei Standorten zusammengefasst werden. WMF beschäftigte zuletzt rund 6100 Mitarbeiter. Die Gewerkschaft IG Metall und zahlreiche Beschäftigte haben immer wieder dagegen protestiert, dass die Finanzinvestoren ihren Einfluss noch ausbauen.

Neben der Machtübernahme wurde am Donnerstag bekannt, dass WMF seinen Vorstand verkleinert. Künftig wird der Vorstand nur noch aus zwei Managern bestehen, wie das Unternehmen mitteilte. Der bisherige Leiter des Kaffeemaschinen- und Hotelgeschäfts, Ulrich Müller, verlasse WMF zum 31. August, hieß es. Der Schritt folge aus persönlichen Gründen und im Einvernehmen mit dem Vorstand.
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Das Geschäftsfeld Kaffeemaschinen wird zum 1. September Florian Lehmann übernehmen, der bisher für das konzernweite Umstrukturierungsprogramm zuständig war. Lehmann werde nicht in den Vorstand berufen, sondern auf Präsidentenebene tätig sein, wie ein Sprecher sagte. Um das Hotelgeschäft soll sich Vorstand Bernd Stoeppel kümmern. Vorstandsvorsitzender bleibt Peter Feld.

Warum die Chefetage bei WMF umgebaut wird, war zunächst unklar. Ein Unternehmenssprecher wollte sich dazu nicht äußern. Ein Zusammenhang mit dem Machtausbau des Finanzinvestors KKR bestehe dem Sprecher zufolge aber nicht.

dpa
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