Preisfrage: So teuer ist handgemachte Seife
Seife ist in jedem Haushalt im täglichen Gebrauch – ob als Stück oder flüssig. Dabei reicht die Spanne von günstigen Drogerieartikeln für ein Stück Seife von 1,50 Euro bis zu handgemachten Stücken für 5 Euro.
Wer seine Seife nicht in einer Drogerie, sondern in einer kleinen Manufaktur kauft, bezahlt nicht nur für Sauberkeit, sondern für Handarbeit, hochwertige Zutaten und liebevolle Verpackung.
Der Unterschied zwischen industrieller und handgemachter Seife beginnt bei der Herstellung – und zieht sich durch jeden Schritt. Während in großen Betrieben hochautomatisierte Prozesse laufen, Rezepturen standardisiert sind und hunderte Kilo Masse pro Stunde verarbeitet werden, geht in der Manufaktur vieles von Hand.
Auch die Zutaten unterscheiden sich deutlich: Statt günstiger Fette wie Palmöl oder tierischer Bestandteile verwenden kleine Hersteller hochwertige Pflanzenöle. Außerdem werden statt synthetischer Duftstoffe ätherische Öle verwendet, statt industriellem Tempo wird eine langsame, schonende Verarbeitung angewandt.
Das alles braucht mehr Zeit, mehr Platz, mehr Aufmerksamkeit – und macht das Seifenstück am Ende teurer. Gut sieht man das am Beispiel eines handgemachten Stücks Lavendelseife.
Deutlich teurere Rohstoffe
Die Herstellung eines Stücks Lavendelseife beginnt mit dem Abwiegen der Zutaten: Olivenöl, Rapsöl, Rizinusöl, Shea-Butter, Natronlauge, ätherische Öle und kosmetische Farbpigmente. Allein die Rohstoffe kosten etwa 1,24 Euro pro Seife – dabei handelt es sich ausschließlich um hochwertige Zutaten ohne synthetische Zusätze oder tierische Fette.
Die reinen pflanzlichen Fette werden gemeinsam mit der Lauge zu einem Seifenleim verarbeitet und anschließend in eine Form gegossen. Dieser Arbeitsschritt kostet rund 74 Cent pro Stück – inklusive dem Zusammenbauen der Form und dem eigentlichen Rühren und Abfüllen.
Es folgt ein chemischer Prozess: die Verseifung. Innerhalb von 24 Stunden härtet der Seifenleim aus – etwa auf die Konsistenz von Käse. Dann wird die Seife ausgeformt und in einzelne Stücke geschnitten. Anschließend muss sie mehrere Wochen lagern: Zwischen sechs Wochen und vier Monaten braucht es, bis das überschüssige Wasser verdunstet ist und die Seife reif für die Verwendung ist.
Nach der Reifung wird jedes Seifenstück von Hand gestempelt, die Kanten werden gebrochen, Etiketten aufgeklebt und Verpackung gefaltet – ein Aufwand, der mit weiteren 1,24 Euro zu Buche schlägt.
Auch Seife will dokumentiert sein
Hinzu kommt die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation: Jede Charge muss mit einer eindeutigen Nummer versehen werden, und es muss genau nachvollziehbar sein, welche Rohstoffe verwendet wurden – inklusive Hersteller und Haltbarkeitsdatum. Das ist Teil der EU-Kosmetikverordnung. Dieser organisatorische Aufwand schlägt mit rund 60 Cent pro Stück zu Buche.
Am Ende ergibt sich ein Verkaufspreis von 5,10 Euro – inklusive eines kalkulierten Gewinns von 1,32 Euro. Wer viel und gerne Seife benutzt, ist vermutlich auch eher bereit, etwas mehr dafür zu zahlen.
Denn wie häufig zur Seife gegriffen wird, unterscheidet sich deutlich: Rund 9,6 Millionen Deutsche waschen sich nur einmal am Tag oder seltener die Hände. Etwa 8,6 Millionen Bundesbürger nutzen Seife zwei- bis dreimal täglich, bei vier- bis sechsmal pro Tag sind es nur noch rund 5,1 Millionen.
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