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Produktionsprobleme "Deutsche Wirtschaft betroffen"

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Ein Toyotahändler in Quelle: REUTERS

Wie sind die Chancen der Unternehmen, dass sie das schaffen?

Kerkhoff: Auch das ist allgemein schwer zu beantworten. Unternehmen, die über ein Risikomanagementsystem für ihren Einkauf verfügen und die schon mal Szenarien für den Komplettausfall bestimmter Lieferanten durchgespielt haben, sind auf jeden Fall besser dran, als die, die von den Ereignissen unvorbereitet überrascht wurden. Funktionsfähige Risikomanagementsysteme haben nach unserer Erfahrung aber nur wenige Unternehmen. Nach einer Untersuchung, die wir gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt haben, verfügen gerade mal 29 Prozent der deutschen Unternehmen über ein umfassendes Risikomanagementsystem für den Einkauf. In der Automobilindustrie, die oft als Vorreiter gilt, sind es auch nur 36 Prozent. Mit anderen Worten: Nur rund ein Drittel der Unternehmen sind auf Krisen wie die im Moment halbwegs umfassend vorbereitet.

Zum Beispiel wer?

Kerkhoff: Als Berater nennen wir grundsätzlich keine Namen oder kommentieren öffentlich Unternehmen. Aber ich gebe Ihnen ein Beispiel aus unserem Projektgeschäft: Wir haben vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, die durch drohende Insolvenzen teilweise ähnliche Probleme verursachte, für einen indischen Fahrzeughersteller ein Konzept entwickelt, mit dem die Basis der Alternativlieferanten stark erweitert werden konnte. Dieser Hersteller hat vorher fast ausschließlich in Niedriglohnländern Teile für seine Fahrzeugproduktion eingekauft, um die Kostenvorteile mitzunehmen. Wir sollten prüfen, ob osteuropäische Zulieferer zu Alternativlieferanten aufgebaut werden können – mit höherer Qualität als in Asien aber niedrigeren Kosten als im Westen. Wir haben dann hunderte von Lieferanten in Osteuropa untersucht. Das Ergebnis: Bei vielen Teilen gibt es sehr gute Alternativen zu den Lieferanten aus Asien. Unser Kunde hat viele davon in sein Lieferantenportfolio integriert. Dadurch hat er seine Lieferrisiken deutlich reduziert – seine Lieferkette ist nicht mehr einseitig von einer Region abhängig .

Was raten Sie den jetzt betroffenen Unternehmen?

Kerkhoff: Unsere Empfehlungen sind ähnlich wie nach der Wirtschaftskrise: Die Unternehmen müssen den Weltmarkt sehr schnell nach Alternativlieferanten durchforsten. Das Problem: Unternehmen, die kein Risikomanagementsystem haben, kennen die Alternativen nur selten. Da es jetzt vor allem darauf ankommt, schnell einen Ersatz zu finden, kann die Suche häufig nicht als strategischer Prozess aufgesetzt werden. Damit die Liefersicherheit aufrecht erhalten werden kann, müssen die Verträge mit den neuen Lieferanten schnell unterschrieben werden. Eine langfristig ausgerichtete Mehrlieferantenstrategie zu entwickeln, die dann auch unterschiedliche Wirtschaftsräume abdeckt, braucht Zeit.

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