Vorstellungsgespräch: "Wir müssen mit dieser Interview-Scharade aufhören"
PwC in Frankfurt hat gefragt...
„Wie viele Briefkästen der Deutschen Post stehen auf den Straßen Deutschlands?“ Diese Frage sollte ein angehender Senior Consultant in Frankfurt am Main beantworten. Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei PwC finden Sie bei Glassdoor.
Foto: dpaZeb wollte wissen....
„Wie viele Smarties passen in einen VW-Bus?“ Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei Zeb.
Foto: dpaTrainees bei Vodafone werden gefragt...
„Sie steigen in den Aufzug ein und im Aufzug befindet sich der CEO. Was würden Sie ihm sagen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?“ Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei Vodafone.
Foto: REUTERSThyssenkrupp hat einen angehenden Manager gefragt...
Wenn Sie alle Wohnungen in NRW mit Parkett ausstatten wollen würden, wie viel Holz müsste im Schwarzwald abgeholzt werden? Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei ThyssenKrupp.
Foto: dpaAccenture will von seinen Strategy Consultants wissen....
„Wie viele Cappuccinos werden täglich in Manhattan verkauft?“ Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei Accenture.
Foto: dpaHappy Thinking People in München will wissen...
„Wenn der Schokoriegel „Mars” eine Person wäre, wie wäre sie?” Mehr Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei Happy Thinking People.
Foto: dpaEine Münchner Bank wollte wissen...
Laut dem aus Schweden stammende Personalvermittler Academic Work stellte der Personaler einer Münchner Bank einem Bewerber die Frage: "Warum sollten Regenwürmer Lederhosen tragen?"
Foto: dpaGoldman Sachs fragte im Vorstellungsgespräch:
Wie viele Square Feet (Flächenmaß, 1 entspricht ca. 0,09 Quadratmetern) Pizza werden jedes Jahr in Amerika gegessen?
Foto: dapdEstée Lauder
"Wenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie?"
Foto: dpaProcter & Gamble
Verkaufen Sie mir einen unsichtbaren Stift!
Foto: FotoliaFraunhofer-Gesellschaft
"Erklären Sie, wie man perfekt Eier kocht."
Foto: dpa25 Rennpferde, keine Stoppuhr, fünf Bahnen. Ermitteln Sie die drei schnellsten Pferde in so wenig Rennen wie möglich!
Foto: dapdRoland Berger
"Welche 30 Unternehmen sind im DAX?"
Foto: dpaGryphon Scientific
Wie viele Cocktail-Schirmchen werden in den gesamten USA an einem Abend ausgegeben?
Foto: FotoliaUnicredit Management Consulting
"Wie würden Sie vorgehen, um die Höhe eines Gebäudes mit einem Barometer zu messen?"
Towers Watson
Schätzen Sie bitte, wie viele Flugzeuge zurzeit in der Luft fliegen.
Foto: dpaeFront Financial Solutions
„Welches ist Ihr Lieblingsereignis der Geschichte?“
Targobank
Was ist ihre Strategie beim Tischtennis?
Foto: dapdPottery Barn
Wenn ich ein Flaschengeist wäre und Ihnen Ihren Traumjob geben könnte – wie sähe er aus und wo wäre er?
Foto: FotoliaApple
"Was ist Ihr persönliches Geheimnis?"
Brown & Brown Insurance
Wie würden Sie Ihr Leben bewerten – auf einer Skala von 1 bis 10?
Foto: FotoliaZalando
"Wie nennt man möglichst schnell alle Primzahlen bis n?"
UBS
Angenommen, wir beide spielen russisch Roulette mit nur einer Kugel und ich habe schon einmal abgedrückt, ohne dass etwas passiert ist: Würden Sie die Pistole nehmen und noch mal abdrücken oder die Trommel noch einmal drehen?
Foto: FotoliaReckitt Benckiser
"Bitte versuchen Sie, den jährlichen Verbrauch von Clearasil in Deutschland einzuschätzen!"
Merrill Lynch
Erzählen Sie mir was über Ihr Leben nach dem Kindergarten!
Foto: dpaHitFox Group
"Nennen Sie mir 7 Dinge, die man mit diesem Stift machen kann."
Susquehanna International Group
Fünf Männer in unterschiedlichem Alter betreten eine Bar und setzen sich der Reihe nach an den Tresen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Reihenfolge ihres Alters dort Platz nehmen?
Foto: dapdBain Company
"Man stelle sich eine Maschine vor, die alle Milch produzieren kann, die Starbucks weltweit an einem durchschnittlichen Tag benötigt. Dazu muss nur die richtige Anzahl von Kühen durch diese Maschine gehen. Wie viele Starbucks-Läden gibt es weltweit? Wie viele Kühe würde ich brauchen? Wie schnell müssten sie durchgehen?"
Die richtigen Antworten…
Achso: Wie man darauf antwortet? Hier finden Sie einige clevere Antworten auf fiese Personalerfragen. Ansonsten gilt: Tief durchatmen – und langsam und laut denken…
Foto: Fotolia"Wie würden Sie die Hungersnot auf der Welt lindern?", "Wie viele Smarties passen in einen Bus?", "Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie und warum?" Solche Brainteaser-Fragen beunruhigen Bewerber noch bevor sie tatsächlich im Vorstellungsgespräch sitzen. Die fiesen Fragen sind eine Spezialität der Unternehmens- und Strategieberatungen, sagte Thomas Belker, Vizepräsident des Bundesverbandes der Personalmanager, kürzlich im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Wir haben deshalb bei Hans Ochmann, Geschäftsführer von Kienbaum, und Markus K. Reif, Leiter des Bereichs Recruiting & Employer Branding bei EY (vormals Ernst and Young), nachgefragt, auf welche gemeinen Fangfragen sich Bewerber bei ihnen einstellen müssen.
WirtschaftsWoche: Über die Beraterbranche gibt es einige Klischees: viel Geld, viel Reisen, viel Arbeit, knallharter Auswahlprozess...
Hans Ochmann: Der Selektionsprozess ist enorm. Wir erwarten eine ganze Menge von den Bewerbern: Mit einem sehr guten Bachelor- und einem sehr guten Masterabschluss sowie hervorragenden Fremdsprachenkenntnissen ist es nicht getan. Wünschenswert ist auch ein privates soziales Engagement, das belegt, dass der Kandidat vielfältige Interessen und Talente hat.
Thomas Belker, Vizepräsident des Bundesverbandes der Personalmanager, sagt, dass gemeine Brainteaser-Fragen eine Spezialität der Unternehmensberatungen sind. Wie fies sind Sie wirklich zu Ihren Bewerbern?
Ochmann: Das analytische Denken der Berater ist unglaublich wichtig. Aber das überprüfen wir nicht durch solche Fragen a lá „wie viele Smarties passen in einen Bus“. Wir lassen die Bewerber Fallstudien analysieren. Dabei handelt es sich wahlweise um reale Problemstellungen von Unternehmen, mit denen wir zusammen arbeiten oder um fiktive Fälle mit sehr realen Geschäftsbedingungen.
Marcus K. Reif: „Wir haben ein großes Interesse daran, die Menschen, die zu uns kommen wollen, wirklich kennenzulernen. Und zwar im gegenseitigen Interesse. Schließlich geht es darum, Kandidaten zu finden, die möglichst gut ins Team passen, bei EY zurechtkommen und im Job nachhaltig aufblühen. Durch Brainteasern erfahren wir relativ wenig darüber, was der künftige Mitarbeiter unter realen Bedingungen wahrscheinlich leisten kann. Denn Brainteaser-Fragen adressieren im Wesentlichen die Analyse-Kompetenz, und das erscheint mir als zu eindimensional.“
"Wie viele Cappuccinos werden täglich in Manhattan verkauft?", "Wie viele Flugzeuge befinden sich derzeit in der Luft?", "Wie viele Cocktail-Schirmchen werden in den gesamten USA an einem Abend ausgegeben?" - das sind echte Fragen aus Vorstellungsgesprächen bei Unternehmensberatungen...
Reif: Ich glaube nicht an das Unter-Stress-Setzen von Bewerbern. Das ist eine überholte Form der Selektion. Schon gar nicht glaube ich an Brainteaser als eine Art 1000-Dollar-Frage, die nach der einen hundertprozentig korrekten Antwort verlangt. Viel wichtiger ist nach meiner fast zwanzigjährigen Erfahrung, dass wir mit der Interview-Scharade aufhören. Kandidaten sind vorbereitet und wollen, insbesondere bei der Frage nach Stärken und Schwächen, kaum Fläche für Unzulänglichkeiten bieten. Um diese Scharade zu beenden und eine wirklich wertvolle Unterhaltung über die Bedürfnisse, Neigungen und Erwartungen zu führen, helfen Brainteaser nicht weiter.
Ochmann: Wenn sich der Bewerber durch Fangfragen oder Ähnliches künstlich in Stress versetzt fühlt, geht er zur Konkurrenz. Das kann sich heute niemand mehr erlauben.
Hat die Beraterbranche Nachwuchssorgen?
Ochmann: Gute Berater zu bekommen, ist tatsächlich schwierig geworden. Das Image der Branche ist längst nicht mehr so strahlend wie noch vor ein paar Jahren. Der Beruf ist nach wie vor sehr vielseitig, interessant und verspricht eine hohe Lernkurve, ist jedoch auch sehr arbeits- und sehr reiseintensiv. Das möchte nicht jeder machen.
Die Unternehmen müssen also heute netter sein, um die wenigen Bewerbern nicht zu vergraulen?
Reif: Bewerbungsgespräche stellen heute für beide Seiten eine Testsituation dar. Auch die letztlich nicht angenommenen Kandidaten nehmen aus dem Bewerbungsgespräch einen subjektiven Eindruck mit. Und den teilen sie mit vielen anderen in den sozialen Netzwerken.
Ochmann: In einem Vorstellungsgespräch testen wir die Qualität eines Bewerbers ab, werben aber zeitgleich auch um ihn.
Wie sieht ein Vorstellungsgespräch bei Ihnen heute aus?
Ochmann: Wir geben den Kandidaten sehr komplexes Datenmaterial mit wichtigen sowie unwichtigen Materialien an die Hand. Damit kann er sich eine Stunde lang auseinander setzen. Anschließend muss er eine halbe bis Dreiviertelstunde lang in einem Auswertungsgespräch erklären, was er dem Kunden anhand des Datenmaterials raten würde oder was seine Lösungsansätze sind.
Keine Aufgabe, die man richtig oder falsch lösen kann...
Ochmann: Es gibt hier keinen Königsweg, aber wir können in diesem Auswertungsgespräch gut erkennen, ob der Kandidat das hat, worauf es für uns ankommt. Das sind die Fähigkeit, sich mit den Problemen der Kunden auseinanderzusetzen, Problemlösekompetenzen und analytisches Denken.
Reif: Uns Recruitern geht es doch gerade um den Blick auf die Kombination der verschiedenen Kompetenzen. Erst dadurch entsteht ein Bild, das uns die mögliche Performance eines Bewerbers – basierend auf seinem Potenzial und Talent– besser einschätzen lässt.
Ein Spaziergang ist ein Vorstellungsgespräch bei einer Unternehmensberatung vermutlich trotzdem nicht.
Ochmann: Das ist für die Kandidaten natürlich eine Stresssituation, aber wir spielen nicht mit unseren Bewerbern. Und diese Gespräche finden, unabhängig von den Antworten des Bewerbers, immer in einem sehr wertschätzenden Umfeld und auf Augenhöhe statt. Wir versuchen dem Kandidaten schon im Vorstellungsgespräch eine Arbeitsprobe seiner künftigen Tätigkeit zu geben. Dabei soll niemand vorgeführt werden.
Was machen Sie, wenn jemand eine Frage nicht beantworten kann?
Ochmann: Innerhalb des Interviews werden natürlich Vertiefungsfragen gestellt. Es kommt immer mal wieder vor, dass jemand dann bei einer Frage blank ist und nicht weiter weiß. Dann wechseln wir das Thema, wir pieksen dann nicht weiter.
Also ist die Branche doch netter geworden.
Ochmann: Fiese Fragen gibt es – auch in der Breite – schon seit Jahren nicht mehr. Da hat sich die Welt wirklich verändert. Eben weil sich auch der Markt verändert hat. Speziell der Markt für gute Berater ist sehr eng geworden.