Teambuilding-Maßnahmen: Ein Spaßtag macht noch lange kein Team

Teambuilding-Maßnahmen: Ein Spaßtag macht noch lange kein Team

von Katja Joho

In der Theorie heben Teambuilding-Programme die Laune im Büro und verbessern die Arbeitsmoral. Aber nicht jeder Kanutrip oder Kochkurs macht aus Mitarbeitern wirklich bessere Kollegen.

Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Teams und wie stellt man es zusammen? Um diese Fragen zu beantworten, hat der Internetriese Google im vergangenen Jahr eine großangelegte Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist allerdings ziemlich enttäuschend:

Es gibt keine belastbare Erklärung, was ein Team erfolgreich macht. Konkreter, als dass ein erfolgreiches Team Teamgeist, Vertrauen und eine gute Kommunikation braucht, wird es nicht.

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Rafting, Segeln und Kochen sind in

Trotzdem schicken Chefs ihre Mitarbeiter gerne zu externen Teambuilding-Maßnahmen. Neben In-House-Coachings im üblichen Arbeitsumfeld und Seminaren zur intensiven Beschäftigung mit Rollenmodellen, Arbeitsaufteilung und Co. bieten immer mehr Dienstleister Rafting, Kochen, Klettern, Escape-Rooms und sonstige Abenteuer- und Spaßprogramme an. „Ganz viele betreiben Teambuilding nur sehr stark an der Oberfläche mit Riverrafting, Segeln und Kochkurs“, sagt Svenja Hofer, Geschäftsführerin von Teamworks GTQ, einer Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung. „Davon halten wir nichts. Solche Maßnahmen sind gut, um zum Beispiel Beziehungen untereinander für eine gewisse Zeit zu stärken oder bei einem virtuellen Team – damit die Teammitglieder einmal etwas gemeinsam erleben, aber das reicht nicht.“

Teambuilding auf hoher See Was Manager von Kapitänen lernen können

Wer seine Kollegen wirklich kennenlernen will, sollte mit ihnen in See stechen, sagt Rick Bomer. Er überquerte in acht Tagen mit einem Segelboot den Atlantik. Was Bomer dabei über Teams und Führung gelernt hat.

Team-Management: Segeln Quelle: Steelcase

Der Effekt sei einfach zu schnell verpufft. „Es geht zurück in den Arbeitsalltag und dann geht es im Team nicht darum, dass man gemeinsam einen schönen Tag hatte, sondern in der Lage ist, sich auf die Kollegen einzulassen, seine Rolle zu kennen und im Team dem gemeinsamen Ziel näher zu kommen.“

Wirkung des Events hält nicht lange

Auch Psychologe Peter Weber stellt die Frage nach der Halbwertszeit solcher Maßnahmen. Er ist Lehrstuhlinhaber für Kommunikation und Beratung an der Fachhochschule der Diakonie in Münster. Wenn die Maßnahme dazu beitragen, dass sich die Zusammenarbeit im Team verbessere, sei sie grundsätzlich erst einmal gerechtfertigt, sagt er. Wenn der Effekt aber nur relativ gering sei und dafür Aufwand und Kosten hoch, solle man genau überlegen, ob es sich lohnt, gibt der Hochschulprofessor zu bedenken. „Einen Teamspirit kann man recht gut in externen Veranstaltungen erlebbar machen. Doch dieser Effekt nimmt vermutlich irgendwann exponentiell ab und dürfte nach ein paar Wochen schon deutlich nachgelassen haben.“

Die unterschiedlichen Typen eines Teams

  • Der Teamkapitän

    Er übernimmt gerne die Vorbildfunktion, hält das Team zusammen und spornt die anderen an. Außerdem spricht er Bedenken an und präsentiert Lösungen für Probleme. Um ihn zu motivieren, kann der Chef ihm zusätzliche Verantwortung übertragen – sowohl hinsichtlich inhaltlicher Entscheidungen als auch beim Führen der restlichen Mannschaft. Sich immer wieder neu zu beweisen, ist seine zentrale Motivation.

  • Der Top-Performer

    Er kann ständig Höchstleistungen abrufen, liebt Herausforderungen und reagiert schnell auf neue Anforderungen – auch unter Druck. Der Top-Performer erwartet regelmäßige Belohnungen für Erfolge. Diese können sowohl materieller Natur sein, aber auch Lob und Aufstiegschancen motivieren ihn.

  • Der Schiedsrichter

    Er ist neutral und fair gegenüber allen Beteiligten, egal ob Kollegen, Kunden oder Lieferanten. Er hat die Gabe Emotionen und Fakten zu trennen. Dieser Typ fühlt sich besonders in Abteilungen beziehungsweise Betrieben wohl, die ihr Handeln an Unternehmenswerten ausrichten. Auch ihn motiviert eine gewisse Entscheidungsfreiheit, allerdings braucht er Richtlinien, an denen er sich orientieren kann.

  • Der Profi

    Er ist ein langjähriger Mitarbeiter, auf dessen Leistung man sich verlassen kann. Außerdem teilt er sein Wissen gerne, bringt so das gesamte Team voran. Auch der Profi will durch neue Aufgaben gefordert und gefördert werden. Motivieren Sie ihn, in dem Sie ihn als Mentor für neue Mitarbeiter oder Verbindungsmann zwischen verschiedenen Abteilungen einsetzen. Das zeigt, wie sehr Sie seine Erfahrung schätzen.

  • Der Neuzugang

    Die meisten Neuen wollen schnell lernen und sich im Team einfügen. Sie bringen neue Ideen und wertvolles Wissen mit. Mit einem Einarbeitungsplan könnte der Vorgesetzte den Neuankömmling motivieren. Seine Rolle sollte darin ebenso geklärt werden, wie die übergeordneten Geschäftsziele. Regelmäßiges Feedback sind besonders für die Neuen wichtig.

Er sagt: „Besondere Erlebnisse schweißen für eine gewisse Zeit zusammen, aber wenn im Arbeitsalltag echte Konflikte aufkommen, dann ist die tolle Stimmung von damals in einer solchen Situation vergessen.“ Natürlich gebe es auch Methoden mit nachhaltigem Erfolg: „Wer eine halbwegs passende Outdoor-Übung für sein Team findet, die im Anschluss ausführlich ausgewertet und auf den Arbeitsalltag transformiert werden kann, für dessen Team kann auch eine solche Maßnahme durchaus erfolgsversprechend sein.“ Die ausführliche Reflektion fehle jedoch bei vielen der bekannten Unterhaltungs-Team-Events.

Los, habt Spaß – und werdet erfolgreich!

Auch aus Sicht des Gruppen- und Einzelcoaches Jörg Romstötter sind Teambuilding-Maßnahmen mit Event-Charakter kein Allheilmittel. „Sie sind gut als Rahmenprogramm, um gemeinsam ein wenig Spaß zu erleben, eine gute Erinnerung zu schaffen – etwa während eines Klausurwochenendes“, sagt er. Am Ende seien Teambuilding-Erlebnisprogramme eher der moderne Betriebsausflug als eine sinnvolle Förderungsmaßnahme für eine bessere Zusammenarbeit in der Abteilung. „Das Team ist ja nicht zusammengekommen, um  zu raften oder zu kochen, sondern weil sie gemeinsam arbeiten – technische Anlagen erstellen, Projekte planen oder ähnliches“, so Romstötter.

Außerdem warnt der erfahrene Teamcoach vor dem Druck, der durch so eine geplante Veranstaltung entstehen könnte: „Es weht dann häufig das Kommando über dem Programm ‚Wir haben danach ein besseres Team zu sein‘“, so Romstötter. Für ein entspanntes Miteinander, bei dem man sich kennen und mögen lernen sollte, ist das nicht förderlich.

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