Top-Managerinnen: Die Chefinnen der Zukunft

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Top-Managerinnen: Die Chefinnen der Zukunft

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Selina Piening, 39 ist Vertriebsdirektorin bei der Privatbank Edmond de Rothschild. Die studierte Finanzwirtin hat sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet.

von Kristin Schmidt

Weiblich, ambitioniert, verzweifelt gesucht: Unternehmen beklagen den angeblichen Kandidatinnenmangel für Top-Jobs. Doch Netzwerke wie Generation CEO zeigen: Das Reservoir an bestens qualifizierten Frauen wird größer.

Der Anrufer klang resigniert. Er habe einen Posten in seinem Gremium zu besetzen und würde gern eine Frau einstellen, brummte der Aufsichtsratschef einer großen ausländischen Bank ins Telefon. „Aber ich finde einfach nicht die Richtige.“ Zwei prominente Damen habe er schon gefragt und sei abgeblitzt, Alternativen kenne er nicht. „Dann muss es doch wieder ein Mann machen.“

Gespräche wie diese hat Personalberaterin Angela Hornberg oft geführt. „Viele Unternehmen bemühen sich nicht genug darum, gute Frauen zu finden“, sagt sie.

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Kurz gesucht, niemanden gefunden: Wollen Unternehmen hochrangige Posten mit Frauen besetzen, läuft das Prozedere allzu oft nach diesem Muster. Ein Grund: Egal, ob in der Automobil-, Pharma- oder Finanzbranche, ob für Führungspositionen im operativen Management oder im Aufsichtsrat – durch die Köpfe vieler Aufsichtsräte, Personalchefs und Headhunter geistern stets die gleichen Namen.

Aus dem Vollen schöpfen

Wer hätte nicht gern erprobte Fachkräfte wie die Ex-Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro, Opel-Marketingvorstand Tina Müller oder Multiaufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner in seinen Reihen – drei der etwa ein Dutzend Vorzeigefrauen der deutschen Wirtschaft, die jeder kennt und viele schätzen. Die aber nur wenige Anfragen akzeptieren – weshalb Top-Manager wie BMW-Produktionsvorstand Harald Krüger wahlweise „die schwach gefüllte Talentpipeline für technische Führungsfunktionen“ beklagen oder sich „ein größeres Reservoir an Top-Frauen wünschen“, wie Air-Berlin-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber.

Dabei könnten die Herren durchaus aus dem Vollen schöpfen. Steht doch eine neue Generation ambitionierter, gut ausgebildeter Frauen bereit, Verantwortung zu übernehmen. Britta Fünfstück etwa: Die 41-Jährige leitet bei Siemens den Bereich Klinische Produkte und ist die erste Managerin mit operativer Verantwortung direkt unterhalb des Vorstands. Personalberater Heiner Thorborg sagt ihr Vorstandsqualitäten nach – und nicht nur ihr. „Es gibt genügend Frauen, die Vorstandsposten übernehmen können, man muss sie nur suchen.“

Der 69-Jährige tut es gezielt: 2007 gründete Thorborg das Frauennetzwerk Generation CEO, um „das Bewusstsein für das ungenutzte Führungspotenzial zu schärfen“. Rund 20 Frauen nimmt er seitdem Jahr für Jahr in den exklusiven Zirkel auf, die Potenzial für einen Posten in Geschäftsführung oder Vorstand haben. Die mittlerweile mehr als 140 Frauen nutzen das Netzwerk, um sich über Erfahrungen im Job auszutauschen, Tipps für das erste Aufsichtsratsmandat oder die weitere Karriereplanung zu geben. „Neben intensiven beruflichen Kontakten sind wertvolle Freundschaften entstanden“, sagt etwa Andrea Ebinger, bei der Otto Group für die Entwicklung des Einzelhandels verantwortlich und seit 2011 bei Generation CEO.

Wie wichtig solche Bündnisse sind, mussten zuletzt einige anfangs gefeierte Talente feststellen: Sie machten die Erfahrung, dass es unter Männern zwar en vogue ist, Frauen zu befördern. Es aber mit der Unterstützung schnell vorbei sein kann, sobald der Bonus für die Frauenfreundlichkeit eingeheimst ist. „Symbolisches Besetzungsmarketing als Freikaufaktionismus“, nennt Managementautor Reinhard Sprenger diese Attitüde.

Einige Frauen aus Thorborgs Netzwerk haben gezeigt, wie man diese Falle umgeht: Hauke Stars, seit vier Jahren Mitglied, ist seit Dezember 2012 IT-Vorstand der Deutschen Börse. „Bei so vielen hochkarätigen Frauen dürften die Gespräche sehr ergiebig werden“, sagt Ursula Soritsch-Renier, CIO beim Maschinenbauer Sulzer, die in diesem Jahr zu den 22 neuen Mitgliedern von Thorborgs Netzwerk zählt. Was sie und weitere Managerinnen auszeichnet, lesen Sie auf den nächsten Seiten.

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3 Kommentare zu Top-Managerinnen: Die Chefinnen der Zukunft

  • Zitat: "Zwei prominente Damen habe er schon gefragt und sei abgeblitzt, Alternativen kenne er nicht."

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    Der "Aufsichtsratschef einer großen ausländischen Bank" kommt also nicht auf die Idee, Headhunter zu beauftragen? Entweder stimmt etwas nicht mit diesem Aufsichtsratschef, oder es stimmt etwas mit diesem Artikel nicht.

  • Zu keiner Zeit wurden die Frauen so schlecht behandelt wie heute bei uns: nicht etwa weil sie die sog. Führungspositionen nicht bekämen, nicht weil sie keine techn. Berufe ergreifen dürften, nicht weil sie benachteiligt würden. Das hämmern nur die Lohnschreiber.

    Schlecht behandelt werden die Frauen, weil sie mittels gnadenloser Propaganda in eine hoffnungslose mainstream-Sackgasse getrieben werden, aus der sie nie mehr zurückkommen können, denn

    a) die Zeit fürs Kinderkriegen läuft ab
    b) die besten Männer sind schnell weg
    c) das Alleinsein der Frau im Hochtechnologiezeitalter ist für sie nicht zu bewältigen
    d) sie müssen in technisierte Berufe, die mit den Stärken der Frauen nichts zu tun haben
    e) sie müssen aufsagen, daß Kochen, Haushalt und Kinder minderwertig ist
    f) sie müssen aufsagen und hochloben, daß de facto geistlose Tätigkeiten wie PR oder Sprücheklopfen von politischen oder ideologischen Phrasen zum wahren Glück führen
    g) sie müssen damit leben, daß viele intellektuelle Fähigkeiten von hohem Anspruch, die den Frauen ungemein liegen, von den Männern als überflüssig eingestuft wurden: z.B. die Fremdsprachen als wirkliche Hochsprache. Männliche Ideologen haben es geschafft, den ganzen Sprachbereich so zu verderben, daß heute sprachliche Fähigkeiten, die Kernbestandteil der Kultur darstellen, nichts mehr zählen: Grammatik, Orthographie und Ausdruckfähigkeit. Auch Berufe wie den der ideologiefreien(!!) Kindergärtnerin für Mädchen mit geringerem intellektuellen Anspruch gibt es nicht mehr.

    Klardenkende Frauen so um die 30 wissen heute, daß in 50 Jahren (ab 2060) Altersarmut bei den Singles herrscht und daß sie für das Leben einen Mann brauchen, gewiß keine Karriere. Die weniger hübsch aussehenden Frauen kapieren es zuerst, schnappen sich die besten Männer weg und haben Kinder. Die hochnäsigen Pseudoschönheiten lernen es nie, machen eine Karriere, die sowieso keine ist, stellen Ansprüche, die sie selbst umgekehrt nicht erfüllen und vergeigen ihr Leben.

  • "Klardenkende Frauen so um die 30" - also, ich bin inzwischen deutlich über 50 und im technischen Bereich zugange, aber solche Frauen sind mir kaum begegnet. Mir kann niemand vormachen, das liegt nur an den Männern. Wo sind sie denn nun, die klardenkenden Frauen? Oder haben diese nur andere Interessen? Das liegt dann aber auch nicht an den Männern...

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