Istanbul: Dutzende Tote bei Anschlag auf Silvesterfeier
Rettungskräfte und Sicherungskräfte sind nach einem Angriff auf einen der größten Nachtclubs im Zentrum Istanbuls am 1. Januar 2017 in Istanbul im Einsatz. Bei einem Angriff sind in der Silvesternacht nach offiziellen Angaben mindestens 39 Menschen getötet und 69 verletzt worden. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sagte, es habe sich um einen Terrorangriff gehandelt. Sahin sagte, der Angreifer habe mit einer langläufigen Waffe in einer sehr "grausamen und gnadenlosen Art auf unschuldige Menschen gefeuert, die dort das Neue Jahr feierten und Spaß hatten“.
Foto: dpaDer türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will weiter entschlossen gegen Terrorismus kämpfen. Die Türkei werde alles Nötige tun, um „die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten“, erklärte Erdogan am Sonntag. Ziel der Angreifer sei, „Chaos“ zu stiften, doch die Türkei werde diese „schmutzigen Spiele“ nicht zulassen. Vielmehr werde man „bis zum Ende“ gegen die Angriffe der „Terrororganisationen und der Kräfte dahinter“ kämpfen. Damit seien nicht nur bewaffnete Angriffe gemeint, sondern auch solche gegen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Foto: dpaBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem türkischen Präsidenten Erdogan ihr Beileid ausgesprochen. Wie ein Sprecher am Neujahrstag mitteilte, erklärte sie: „Wieder haben Terroristen in Ihrem Land zugeschlagen. In Istanbul haben sie einen menschenverachtenden, hinterhältigen Anschlag auf Menschen verübt, die gemeinsam den Jahreswechsel feiern wollten.“
Foto: dpaIsraels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat einen weltweiten Kampf gegen den Terror gefordert. „Kanzlerin Merkel hat am Wochenende gesagt, was wir schon seit vielen Jahren sagen: Dass die größte Bedrohung der globalen Zukunft der Terror des radikalen Islams ist“, sagte Netanjahu am Sonntag bei der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. Der Anschlag in Istanbul beweise dies erneut. „Wir sprechen den Angehörigen der Opfer unser Beileid aus“, sagte Netanjahu.
Foto: dpaDer russische Präsident Wladimir Putin hat der Türkei seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert. „Es ist unsere Pflicht, entschlossen Widerstand gegen die terroristische Aggression zu leisten“, schrieb der Kremlchef am Sonntag in einem Telegramm an seinen türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan. „Es ist schwer, sich ein zynischeres Verbrechen vorzustellen, als den Mord an Zivilisten auf dem Höhepunkt des Neujahrsfestes“, schrieb Putin einer Mitteilung des Kremls zufolge.
Nach einem tiefen Zerwürfnis wegen des Abschusses eines russischen Kampfjets 2015 durch die Türkei hatten sich Moskau und Ankara zuletzt wieder angenähert.
US-Präsident Barack Obama sprach der Türkei in einer ersten Reaktion sein Beileid aus und bot den Behörden des Nato-Partners Unterstützung an, wie Obamas Sprecher mitteilte. Obama macht mit seiner Familie derzeit Urlaub auf Hawaii.
Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses, Ned Price, sagte, bei dem Angriff seien unschuldige, feiernde Menschen zu Opfern geworden. Dies verdeutliche die Grausamkeit des mutmaßlichen Attentäters.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: „Wir stehen in diesen schweren Stunden an der Seite der Türkei.“ Er sprach von einem „feigen Anschlag“ auf Menschen, „die einfach nur wie Millionen andere überall auf der Welt zum Jahreswechsel eine gute und unbeschwerte Zeit miteinander verbringen wollten“.
Foto: dpaBundespräsident Joachim Gauck schrieb an Erdogan: „Mit Trauer und Entsetzen habe ich von dem Angriff auf friedlich feiernde Menschen in der Neujahrsnacht in Istanbul erfahren, dem so viele zum Opfer gefallen sind. Diese perfide Tat verurteile ich auf das Schärfste.“
Foto: dpaPapst Franziskus hat nach seiner Neujahrsmesse der Opfer des neuen Anschlags in Istanbul gedacht. „Leider hat die Gewalt auch wieder in dieser Nacht der Wünsche und der Hoffnung zugeschlagen“, sagte der Pontifex beim traditionellen Angelusgebet am Sonntag auf dem Petersplatz vor rund 50.000 Gläubigen. Er sei im Gebet nahe bei den Familien der Angehörigen, bei den Verletzten und bei dem gesamten türkischen Volk.
Foto: APNato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb auf Twitter: „Tragischer Start 2017 in Istanbul. Meine Gedanken sind bei denen, die von diesem Angriff auf Menschen getroffen wurden, die Neujahr feierten und beim türkischen Volk.“
Foto: dpaDie EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini schrieb auf Twitter: „2017 startet mit einem Angriff in Istanbul. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Wir arbeiten weiter daran, solche Tragödien zu verhindern.“
Foto: dpaDie Bundesregierung hat sich entsetzt über den Angriff gezeigt. „Wir sind tief bestürzt und trauern mit den Menschen in #Istanbul“, twitterte das Auswärtige Amt am frühen Sonntagmorgen.
Foto: dpaBei einem Terrorangriff auf eine Silvesterparty in einem Club in der türkischen Millionenmetropole Istanbul sind mindestens 39 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Ausländer. Nach Regierungsangaben wurden 65 Menschen verletzt. Mindestens ein bewaffneter Angreifer drang kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den bekannten Club Reina am Bosporusufer ein, schoss um sich und richtete ein Blutbad unter den Feiernden an.
Von dem Angreifer oder den Angreifern fehlte nach der Tat jede Spur. Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat, die international scharf verurteilt wurde. Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin sagte: „Das ist ein Terrorangriff.“ Schon 2016 hatte der Nato-Staat eine ganze Reihe verheerender Anschläge verkraften müssen.
Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um „die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten“. Ziel der Terroristen sei es, „Chaos“ zu stiften.
Berichte über Weihnachtsmann-Kostüm dementiert
Innenminister Süleyman Soylu sagte, 20 der 39 Toten seien identifiziert worden. Bei ihnen handele es sich um 15 Ausländer und 5 Türken. Medienberichten und Angaben der jeweiligen Regierungen zufolge sind unter den Opfern Menschen aus Saudi-Arabien, Marokko, dem Libanon, Libyen, Tunesien, Frankreich, Israel und Indien.
Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es: „Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht sagen, ob auch Deutsche betroffen sind.“ Das Ministerium bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe dazu in engem Kontakt mit den türkischen Behörden.
Auch Stunden nach dem Angriff war der Verbleib des Angreifers oder der Angreifer unklar. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Behörden arbeiteten mit Hochdruck daran, die Identität des Täters festzustellen. Er dementierte Medienberichte, wonach der Angreifer ein Weihnachtsmannkostüm getragen habe. „Das ist nicht wahr.“ Yildirim sagte, es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.
Innenminister Soylu sagte, Ermittlungen der Sicherheitskräfte deuteten darauf hin, dass es sich nur um einen Schützen gehandelt habe. Die Nachrichtenagentur DHA hatte gemeldet, zwei als Weihnachtsmänner verkleidete Terroristen seien in den Club eingedrungen und hätten das Feuer mit automatischen Waffen eröffnet. Auch eine Augenzeugin sprach von zwei Angreifern.
Gouverneur Sahin sprach von einem Attentäter, der sich um 01.15 Uhr Zugang zum Club verschafft habe, indem er am Eingang einen Polizisten und einen Zivilisten erschossen habe. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, zum Zeitpunkt des Angriffs seien 700 bis 800 Menschen in dem Club gewesen. Einige seien in den Bosporus gesprungen, um dem Angriff zu entkommen, berichteten Augenzeugen. Sie seien von Polizisten gerettet worden.
Erst drei Wochen zuvor waren bei einem Doppelanschlag in Istanbul 45 Menschen getötet worden, die meisten davon Polizisten. Dazu hatte sich die TAK bekannt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die TAK und die PKK greifen vorrangig Sicherheitskräfte an. Ebenfalls im Dezember war in Ankara der russische Botschafter Opfer eines Anschlags geworden. Der Attentäter war ein türkischer Polizist. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dieser Tat zu stecken.
Der Zeitung „Hürriyet“ zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen.
Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem IS verwickelt. Nach dem türkischen Einmarsch im August hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen.
Zum Schutz vor Anschlägen waren in der Silvesternacht türkischen Medienberichten zufolge 17.000 Polizisten in Istanbul im Einsatz. An der zentralen Ausgehmeile Istiklal Caddesi kontrollierten Sicherheitskräfte die Zugänge und durchsuchten Taschen.
Die deutsche Botschaft hatte in einer Mitteilung an Deutsche angesichts der Terrorgefahr mitgeteilt: „Die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und Festlichkeiten an Silvester und Neujahr sollte verantwortungsvoll geprüft werden.“
Wenige Stunden vor dem Angriff hatte Präsident Erdogan in seiner Neujahrsansprache gesagt, die Türkei sei einem „neuen Unabhängigkeitskrieg“ ausgesetzt. „Die nationale Einheit, territoriale Integrität, Institutionen, Wirtschaft, Außenpolitik, kurz alle unsere Elemente, die uns als Staat aufrecht erhalten, werden scharf angegriffen“, erklärte er am Samstag.