Ökonomie: Warum kann die Exportstärke die Binnennachfrage nicht beleben?

Ökonomie: Warum kann die Exportstärke die Binnennachfrage nicht beleben?

von Malte Fischer

Beim Export liegt Deutschland weltweit an der Spitze, aber die Inlandsnachfrage liegt weit hinter den anderen europäischen Ländern. Warum eigentlich?

Aus und vorbei. Den Titel des Exportweltmeisters ist Deutschland seit dem vergangenen Jahr los. Der Einbruch der Ausfuhren um mehr als 18 Prozent auf umgerechnet 1,12 Billionen Dollar ließ Deutschland hinter China (Exporte: 1,2 Billionen Dollar) zurückfallen.

Trotzdem bleiben die Lieferungen ins Ausland die wichtigste Stütze für die deutsche Wirtschaft. Denn beim Geldausgeben im Inland halten sich die Bürger zurück. Während sie im vergangenen Jahr nur 13 Prozent mehr Geld fürs Shoppen lockermachten als 1995, steigerten die Konsumenten in Frankreich ihre Ausgaben im gleichen Zeitraum um 37 Prozent, in Großbritannien um 45 und in Spanien sogar um 47 Prozent. Die Konsumschwäche bremst die gesamte Inlandsnachfrage. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde fordert daher von den Deutschen, ihren Verbrauch anzukurbeln. Statt immer mehr eigene Waren in andere Länder zu verkaufen, sollten die Deutschen mehr Produkte aus dem Ausland beziehen.

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Doch so einfach ist das nicht. Denn die Gründe für die Konsumschwäche in Deutschland sind vielschichtig.

Einkommen sinken

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Wichtigste Ursache ist der Abwärtstrend der realen Masseneinkommen. Diese errechnen sich aus den Bruttolöhnen abzüglich der Steuern und Sozialabgaben und zuzüglich der monetären Sozialleistungen. Die Ökonomen der US-Bank Goldman Sachs erklären den Abwärtstrend der Einkommen durch mehrere Faktoren. Von 2002 bis 2005 trieb die Restrukturierung der Unternehmen die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Zugleich nahm die Konkurrenz durch Billigarbeiter aus China und anderen Schwellenländern zu. Beides ließ die nominalen Bruttolöhne stagnieren. In der Aufschwungphase von 2006 bis 2009 gelang es den Gewerkschaften zwar, kräftige Lohnerhöhungen durchzusetzen, die Bruttolöhne stiegen um insgesamt rund zehn Prozent. Doch höhere Steuern (Mehrwertsteuer, Reichensteuer, Ausweitung der Einkommensteuerbasis) und steigende Sozialabgaben (Pflege- und Krankenversicherung) sorgten dafür, dass sich der Abwärtstrend bei den Masseneinkommen fortsetzte. Erst das Konjunkturpaket der Bundesregierung mit seinen umfangreichen Steuer- und Abgabensenkungen stoppte diesen Trend.

Ein weiterer Grund für die Konsumschwäche ist, dass die Bundesbürger immer mehr Geld auf die hohe Kante legen. Brachten sie im Jahr 2000 rund neun Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Bank, so waren es im vergangenen Jahr bereits elf Prozent. Das hat den Konsum von 2000 bis 2009 um kumuliert 206 Milliarden Euro gedämpft.

Auch der Verlust von Arbeitsplätzen für gering Qualifizierte setzt dem Konsum zu. Nach Ansicht von Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo Instituts, hat „Deutschland mit seiner über Jahre hinweg nivellierenden Lohnpolitik, durch die es zum Weltmeister bei der Arbeitslosenquote der gering Qualifizierten wurde, seine arbeitsintensiven Binnensektoren vernichtet“. Der Mangel an bezahlbaren Arbeitsplätzen für gering Qualifizierte bremst die Einkommen und den privaten Konsum.

Dass Deutschland bei der Binnennachfrage hinter Länder wie Spanien, Irland oder Großbritannien zurückgefallen ist, hat auch damit zu tun, dass es hierzulande keinen Boom am Immobilienmarkt gegeben hat. Im Gegenteil: Die Bauwirtschaft schrumpfte, und die Häuserpreise stagnierten in den vergangenen Jahren. Konsumlaune kam da nicht gerade auf.

Will Deutschland seine Binnennachfrage stärken, sollte es jedoch den Einflüsterern aus dem In- und Ausland widerstehen, die fordern, die Löhne kräftig zu erhöhen. Das würde Arbeitsplätze kosten und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechtern. Weniger zu sparen ist angesichts der Alterung der Bevölkerung ebenfalls keine Lösung. Bleibt nur, mehr Jobs für gering Qualifizierte zu schaffen und die Steuern und Abgaben zu senken – eine Herkulesaufgabe für die Bundesregierung.

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