Polizist Rainer Wendt: Deutschlands schillerndster Gewerkschaftschef

Polizist Rainer Wendt: Deutschlands schillerndster Gewerkschaftschef

, aktualisiert 21. April 2015, 10:16 Uhr
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Rainer Wendt ist der schillerndste deutsche Gewerkschafter.

von Bert Losse

Populistisch, konservativ, medial allgegenwärtig: Kein deutscher Arbeitnehmervertreter polarisiert so stark wie Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Gestern wurde zum dritten Mal gewählt.

Die Woche fängt gut an für Hauptkommissar Rainer Wendt. Er sitzt im „Bundeszimmer“ des Hotels Adlon, der Blick fällt durch große Fensterfronten aufs Brandenburger Tor, es gibt Kaffee aus feinen Tässchen und Gesprächspartner, die der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) besonders schätzt: ranghohe Vertreter des deutschen Sicherheitsapparats. Im Vorfeld eines Polizeikongresses haben sich an diesem Montagmorgen Ende Februar Verfassungsschützer, BKA-Beamte und Innenpolitiker des Bundestags zum Plausch getroffen.

Später wird man auf dem Kongress über die Digitalisierung der Polizeiarbeit und Gewalt gegen Polizisten debattieren. Abends gibt es einen Empfang in der rumänischen Botschaft, dazwischen liegen ein Strategiegespräch mit Gewerkschaftsfunktionären und ein Fernsehauftritt bei RTL. An solchen Tagen ist Rainer Wendt zufrieden mit sich und der Welt.

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So ähnlich dürfte sein Gemütszustand auch am heutigen Montag sein. Auf dem Bundeskongress seiner Gewerkschaft kandidiert Wendt zum dritten Mal für den Vorsitz, und die Frage ist allein, ob der 58-Jährige wieder über 98 Prozent der Stimmen bekommt wie bei der vergangenen Wahl.

Stammgast in Nachrichtensendungen und Talkshows

Kaum eine andere Gewerkschaft ist so auf ihren Chef zugeschnitten wie die DPolG – und kein anderer Arbeitnehmervertreter polarisiert innerhalb des Gewerkschaftslagers so stark wie der gebürtige Duisburger. Er hat es geschafft, sich in Fragen der inneren Sicherheit mit markigen Worten als Lautsprecher des deutschen Polizeibeamten zu etablieren, obwohl seine Truppe mit rund 94.000 Mitgliedern fast halb so klein ist wie die Konkurrenzorganisation der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die bringt es auf 175.000 Mitglieder und ist unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes organisiert. Wendts DPolG gehört zum Beamtenbund.

Wendt ist eine gewerkschaftliche PR-Maschine, er redet so, wie es viele Journalisten lieben: klar, zugespitzt, ohne Gestotter und in der gebotenen Kürze. Damit ist er Stammgast in Nachrichtensendungen und Talkrunden geworden. Nach dem Attentat auf die Pariser „Charlie Hebdo“-Redaktion hatte er 42 TV-Auftritte an drei Tagen. Im RTL-Hauptstadtstudio kennt sogar die Dame an der Pforte seinen Namen.

Es sei seine Strategie, „durch proaktive Medienarbeit und hohe öffentliche Präsenz meine Gewerkschaft zu pushen“, sagt Wendt. Bei der Konkurrenz klingt das weniger freundlich. „Wendt agiert in seiner Organisation außerhalb jeder Kontrolle und liefert Thesen auf Bestellung“, ätzt ein hoher GdP-Funktionär.

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Rechter Arbeitnehmerführer

Den Vorwurf des Populismus streitet Wendt nicht ab, er findet ihn auch im Prinzip nicht schlimm. Zumindest so lange nicht, wie man „fachlich keinen Quatsch erzählt“. Kostprobe gefällig? Als 2010 die Demonstration gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 blutig eskalierte, war er gerade im ICE von Mannheim nach München unterwegs. Wendt witterte die Chance, stieg in Stuttgart unplanmäßig aus und stand wenig später vor dem Bauzaun, um in Interviews den umstrittenen Polizeieinsatz zu verteidigen. Als ihn jüngst ein österreichischer TV-Sender um ein Statement bat und Wendt fragte, wie man auf ihn käme, sagte der Redakteur: „Sie sind doch so etwas wie der deutsche Polizeisprecher.“ In solchen Momenten mag Wendt nicht widersprechen.

Wie tickt dieser Mann? Wofür steht er? In jedem Fall haben wir es mit einer Person der Gegensätze zu tun. Wendt ist zwar Chef einer Gewerkschaft, aber kein anderer deutscher Arbeitnehmerführer steht so weit rechts wie CDU-Mitglied Wendt. Dass er sogar dem Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ 2014 ein Interview gab, hat ihm viel Kritik eingebracht.

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