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Nachfolger von Werner FaymannSo tickt Christian Kern

Christian Kern gilt als aussichtsreichster Kandidat für den Posten als Österreichs Kanzler. Der Bahnchef der Alpenrepublik gilt als pragmatisch und wirtschaftsfreundlich – das kann Österreich gut gebrauchen.KOMMENTAR von Matthias Kamp 10.05.2016 - 11:33 Uhr

Christian Kern.

Foto: REUTERS

Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche in Wien im vergangenen Herbst sagte Christian Kern einen aus heutiger Sicht sehr vorausschauenden Satz: „Es wird einen Aufprall geben“, warnte der Vorstandschef der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) damals mit Blick auf die politische Lage in Österreich. Bei den Regionalwahlen in Wien stand die rechtspopulistische FPÖ seinerzeit vor einem neuerlichen massiven Stimmengewinn.

Jetzt ist der Aufprall da. Nächster Bundespräsident der Alpenrepublik wir aller Voraussicht nach ein FPÖ-Mann; der sozialdemokratische Bundeskanzler Faymann ist zurückgetreten – und als wahrscheinlichster Nachfolger gilt Kern. Im Gespräch wich das SPÖ-Urgewächs auf die Frage, ob er sich ein Spitzenamt in der Partei vorstellen könne, aus.

Klar Position bezieht der ÖBB-Chef, der in den Neunzigerjahren als Pressesprecher für die Sozialdemokraten arbeitete, wenn es um die Wirtschaft Österreichs geht. „Bei der Arbeitslosigkeit ist das Land von Platz Eins in der EU auf Rang Fünf zurückgefallen“, sagt Kern. In Wien liegt die Quote bei mehr als 13 Prozent.

Seit sechs Jahren schrumpfen in Österreich die Reallöhne. Statt Zuversicht und Wohlstand herrschten Abschwung und Zukunftsangst, sagt er. Das Land sei tief gespalten, resümiert Kern.

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Experten attestieren Kern, der als pragmatischer Managertyp gilt und seine Karriere einst als Journalist begann, eine hohe Wirtschaftskompetenz. „Mit ihm als Kanzler würde es einen wirtschaftsfreundlichen Kurs geben“, glaubt der renommierte Politikwissenschaftler Thomas Hofer in Wien. Mancher Gewerkschafter würde da die Stirn runzeln, sagt Hofer über Kern, und vergleicht ihn mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Kern fehlt jede Hemdsärmeligkeit

In seinen bald sechs Jahren als ÖBB-Chef hat Kern es geschafft, das Image des einst schmuddeligen Staatskonzerns radikal zu wandeln: Die ÖBB gilt heute als schickes und effizientes Unternehmen. Als im vergangenen Herbst immer mehr Flüchtlinge in Wien ankamen stellte Kern, den ein Weggefährte als „guten Kommunikator“ bezeichnet, sich selbst an den Westbahnhof und sorgte für eine reibungslose Abwicklung des Bahnverkehrs.

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Kern entstammt einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Elektroinstallateur. Der womöglich nächste Bundeskanzler Österreichs fällt durch schicke Anzüge, eine gewählte Sprache und souveränes Auftreten auf – die Sprache der Linken spricht er nicht.

Kern fehlt jede Hemdsärmeligkeit. Auch hat er sich aus dem berüchtigten Wiener Filz weitestgehend herausgehalten. Mit seinem Pragmatismus und seinen Managementfähigkeiten könnte er es schaffen, die Flügel der SPÖ wieder zusammenzuführen und die Traditionspartei zumindest eine Stück weit aus der Krise zu führen.

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