1. Startseite
  2. Politik
  3. Europa
  4. Türkei: Mindestens 90 Tote bei Putschversuch

TürkeiMindestens 90 Tote bei Putschversuch

Die Türkei hat einen Putschversuch von Militär-Streitkräften abgewendet. Dabei starben laut jüngsten Angaben vom Samstagmorgen mindestens 90 Menschen, mehr als 1000 wurden verletzt. Präsident Erdogan kündigt Vergeltung an. 16.07.2016 - 09:44 Uhr aktualisiert

Dramatische Szenen spielten sich Freitagnacht nicht nur auf dem Taksim-Platz in der Türkei ab.

Foto: dpa

Die Ereignisse des Tages im Überblick

Putschversuch in der Türkei abgewendet

Bei einem Putschversuch von Streitkräften in der Türkei gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. „Die Situation ist weitgehend unter Kontrolle“, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim am frühen Samstagmorgen. Die Lage ist derzeit noch unübersichtlich. Im Morgengrauen waren in Istanbul noch Schüsse und Explosionen zu hören. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sind mindestens 90 Menschen getötet worden. Es gebe zudem 1154 Verletzte, meldete Anadolu am Samstag. Am Hauptquartier der Gendarmerie in Ankara starben nach Angaben aus Regierungskreisen 16 mutmaßliche Putschisten. Am frühen Morgen war zunächst von 60 Toten die Rede gewesen.

Nach Angaben eines hochrangigen türkischen Regierungsvertreters von Samstagmorgen sind 1563 Mitglieder der Armee im ganzen Land festgenommen worden. Fünf Generäle und 29 Oberste seien ihrer Posten enthoben worden. Der als Geisel genommene Generalstabschef Hulusi Akar ist am Morgen bei einem Militäreinsatz auf einem Luftwaffenstützpunkt bei Ankara befreit worden. Er sei an einen sicheren Ort gebracht worden, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der Sender CNN-Turk hatte berichtet, Akar sei in der Militärzentale in Ankara als Geisel genommen worden und mit einem Hubschrauber auf den Luftwaffenstützpunkt Akincilar gebracht worden. Akar werde nun wieder den Oberbefehl gegen die Verschwörer übernehmen.

Erdogan sagte, bei den Putschisten handele es sich um eine Minderheit in den Streitkräften. „Wir haben mit der Operation begonnen, das Militär vollständig zu säubern. Und wir werden diese Operation weiterführen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Putschversuch in der Türkei „aufs Schärfste“ verurteilt. „Es ist tragisch, dass so viele Menschen diesen Putschversuch mit dem Leben bezahlt haben. Das Blutvergießen in der Türkei muss jetzt ein Ende haben“, sagte Merkel am Samstag in Berlin. „Es ist und bleibt das Recht des Volkes, in freien Wahlen zu bestimmen, wer es regiert. (...) Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht“, erklärte sie.

Foto: dpa

„Im Sinne von „alles hat auch etwas Gutes“ ist dieser Aufstand, diese Bewegung letztendlich ein Segen Gottes. Warum ein Segen Gottes? Diese Bewegung ist eine, die als Anlass dazu dienen wird, dass unsere Streitkräfte, die vollkommen rein sein müssen, gesäubert werden", sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstagmorgen auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul zum Putschversuch.

Foto: AP

Nach dem Putschversuch in der Türkei hat sich Europaparlaments-Präsident Martin Schulz positiv über die Beruhigung der Lage geäußert. „Ich begrüße, dass an diesem Morgen wieder die Herrschaft des Rechts gilt“, teilte Schulz am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das Blutvergießen müsse nun vollständig enden, die Gewaltenteilung gewährleistet sowie individuelle Rechte garantiert werden. „Die Stabilität des Landes ist entscheidend für die gesamte Region“, sagte Schulz weiter.

Foto: dpa

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich „zutiefst beunruhigt“ über den Putschversuch in der Türkei geäußert. „Alle Versuche, die demokratische Grundordnung der Türkei mit Gewalt zu verändern, verurteile ich auf das Schärfste“, sagte Steinmeier in einer ersten offiziellen Reaktion am Samstag in Berlin.

Foto: dpa

Kanzlerin Merkel ist in laufendem Kontakt mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Kanzleramtsminister Peter Altmaier, teilt Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Die Bundesregierung betone ihre "Unterstützung für die gewählte Regierung", ergänzt er.

Im Bild: Angela Merkel geht in Ulan Bator beim Asien-Europa-Gipfel zusammen mit Regierungssprecher Steffen Seibert zu einer Sitzung.

Foto: dpa

Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte am Samstag, alle Verantwortlichen müssten sich an die demokratischen und rechtsstaatlichen Spielregeln halten und dafür sorgen, dass weiteres Blutvergießen verhindert werde. Die Regierung sei zutiefst beunruhigt über die jüngsten Entwicklungen. Es sei ermutigend, dass sich die im türkischen Parlament vertretenen Parteien zu den demokratischen Prinzipien bekannt hätten.

Foto: dpa

Das Auswärtige Amt ruft Reisende in Istanbul (im Bild: türkische Soldaten am Taksim-Platz in der Nacht zu Samstag) und Ankara zu äußerster Vorsicht auf. Das gelte insbesondere auf öffentlichen Plätzen und für Menschenansammlungen. Bei unklarer Lage rät das AA, Wohnungen und Hotels im Zweifel nicht zu verlassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.

Foto: dpa

US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, die demokratisch gewählte Regierung der Türkei zu unterstützen. Gewalt und Blutvergießen müssten vermieden werden, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Foto: dpa

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief zu Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen und der türkischen Verfassung auf.

Foto: AP

EU-Kommissionspräsident Donald Tusk hat sich besorgt über den Putschversuch in der Türkei und die Konsequenzen geäußert. „Die Lage scheint unter Kontrolle, aber die Situation ist weit von einer Stabilisierung entfernt“, sagte Tusk am Samstag zum Abschluss des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. „Die Spannungen und die Herausforderungen in der Türkei können nicht mit Waffen gelöst werden“, sagte Tusk. „Ein Militärputsch hat keinen Platz in der modernen Türkei.“ Es sei zu früh, so wolle er nicht über die Auswirkungen spekulieren. Die Frage sei aber, „was für eine Türkei aus dieser Krise herauskommt“, sagte Tusk. Wie die Türkei damit umgehe, werde entscheidend für das Land sein und die Beziehungen zur Europäischen Union. „Unsere Hoffnung ist, die Türkei als zentralen Partner zu behalten“, sagte er.

Foto: REUTERS

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat der türkischen Regierung Unterstützung zugesichert. „Die Regierung und das griechische Volk verfolgen die Entwicklung in der Türkei und stehen an der Seite von Demokratie und Verfassungsordnung“, schrieb er bei Twitter. Man habe den Amtskollegen des Nachbarlandes eine entsprechende Nachricht zukommen lassen, sagte Regierungssprecherin Olga Gerovasili dem staatlichen Nachrichtensender ERT: „Athen unterstützt die demokratisch gewählte Regierung der Türkei.“
In Griechenland wurde die Entwicklung im Nachbarland besonders intensiv beobachtet. Bereits in der Nacht hatte Verteidigungsminister Panos Kammenos den Generalstab zusammengerufen. Gerovasili zufolge will Tsipras am Samstag so schnell wie möglich Kontakt mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und mit Ministerpräsident Binali Yildirim aufnehmen.

Foto: dpa

Italiens Regierungschef Matteo Renzi hat sich erleichtert über das Scheitern des Putschversuches gezeigt. „Die Sorge über eine außer Kontrolle geratene Situation in einem Nato-Partnerland wie der Türkei weicht dem Sieg der Stabilität und der demokratischen Institutionen“, sagte Renzi am Samstag laut der Nachrichtenagentur Ansa. „Freiheit und Demokratie sind immer der Königsweg, den es zu verfolgen und zu schützen gilt“, ergänzte er.

Foto: dpa

„Die Türkei wurde Ziel eines versuchten Gewaltstreichs gegen ihre verfassungsmäßige Ordnung, was Frankreich aufs heftigste verurteilt“, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault. „Die türkische Bevölkerung hat ihre große Reife und ihren Mut bewiesen, indem sie sich für den Respekt der Institutionen einsetzte“, fügte er hinzu. Sie habe dafür den Preis bezahlt mit zahlreichen Opfern. Frankreich hoffe, dass die türkische Demokratie gestärkt aus dieser Prüfung hervorgehen werde.

Foto: dpa

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ruft zur Ruhe auf. Die Vereinten Nationen verfolgten die Entwicklungen in der Türkei aufmerksam, sagt ein Sprecher Bans.

Foto: dpa

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew sagte der Agentur Interfax zufolge, die Ereignisse in der Türkei zeigten, dass es eine tiefe Spaltung zwischen der Gesellschaft und der Armee in dem Land gebe. Er rief dazu auf, die verfassungsmäßige Ordnung wieder herzustellen.

Foto: AP

Russland hat sich angesichts des Putschversuchs in der Türkei besorgt gezeigt. „Wir sind daran interessiert, dass die Vorgänge in der Türkei so schnell wie mögliche auf legitime Weise enden und das Land zum Weg der Stabilität, Berechenbarkeit und Rechtsstaatlichkeit zurückkehrt“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Nacht zum Samstag. Einen Kontaktversuch zwischen Präsident Wladimir Putin und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe es nicht gegeben. Nun gehe es zunächst darum, die Sicherheit der russischen Bürger in der Türkei zu garantieren.

Foto: REUTERS

Der Iran hat den versuchten Putsch verurteilt. „Wir unterstützen die vom türkischen Volk demokratisch gewählte Regierung und verurteilen den Putsch“, sagte der Sprecher des iranischen Sicherheitsrats am Samstag. Seit den frühen Morgenstunden verfolge man in Teheran akribisch die Lage. Der Putsch werde auch im Laufe des Tages in einer von Präsident Hassan Ruhani einberufenen Krisensitzung des Sicherheitsrats weiter diskutiert, sagte Sprecher Kejwan Chosrawi der Nachrichtenagentur IRNA.

Auch Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sei seit dem frühen Morgen in ständigem Kontakt mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu. Er hatte sich „zutiefst besorgt“ über die Lage in der Türkei geäußert und zur Besonnenheit und Sicherheit der türkischen Bevölkerung aufgerufen. „Ein Militärputsch hat in unserer Region nichts zu suchen“, schrieb Sarif bei Twitter.

Foto: AP

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt erklärt, die Türkei brauche Demokratie, Menschenrechte und Freiheit. Ein Militärputsch sei die falsche Antwort: "Es muss nun alles daran gesetzt werden, weiteres Blutvergießen zu verhindern."

Foto: dpa

Der türkische Geheimdienst wurde während des Putschversuchs in der Nacht ebenfalls angegriffen, sagte ein Vertreter des Geheimdienstes. Dabei wurden von Militärhubschraubern Schüsse abgegeben. Zudem stand der Geheimdienst unter Beschuss aus Maschinengewehren. Drei Menschen seien verletzt worden. Der Chef des Geheimdienstes, Hakan Fidan, sei an einem sicheren Ort gewesen und habe konstant Kontakt zu Präsident Erdogan und Ministerpräsident Yildirim gehalten.

Am späten Freitagabend begannen türkische Streitkräfte mit einem Putschversuch gegen Erdogan, wie das Militär nach Angaben der privaten Nachrichtenagentur DHA mitteilte. Damit sollten unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden. Zunächst hieß es, die Streitkräfte hätten die Macht in der Türkei übernommen.

Erdogan ruft bei CNN Türk an

Aus dem Präsidialamt wurde dies bestritten. Erdogan sei nicht abgesetzt. „Das ist ein Angriff gegen die türkische Demokratie. Eine Gruppe innerhalb der Streitkräfte hat außerhalb der Kommandostruktur einen Versuch unternommen, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen.“ Erdogan rief in einem live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk das Volk zu öffentlichen Versammlungen gegen die Putschisten auf.

Ministerpräsident Yildirim wies das Militär nach Angaben aus dem Präsidialamt an, von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen. Kampfflugzeuge mit einem entsprechenden Auftrag seien von der Luftwaffenbasis Eskisehir abgehoben. Yildirim bestellte alle Parteien für Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung ins Parlament ein, wie Lokalmedien berichteten.

+++Nachrichten-Überblick+++

Die Nacht des Putschversuchs

Ein Putschversuch erschüttert die Türkei. Militärkräfte wollen Präsident Erdogan stürzen. Schüsse fallen, Panzer fahren durch die Städte, Explosionen sind zu hören, Menschen sterben. Die traurigen Ereignisse der Nacht.


Erdogan macht Gülen-Bewegung verantwortlich

Erdogan machte die Bewegung des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. „Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen“, sagte Erdogan am Samstagmorgen am Atatürk-Flughafen in Istanbul.

Gülen ist ein einstiger Verbündeter Erdogans. Beide haben sich aber 2013 überworfen. Gülens Bewegung bestritt jede Beteiligung. Gülen, der in der Türkei inzwischen als Terrorist gilt, verurteilte den Putschversuch auf das Schärfste. Eine Regierung müsse durch freie und faire Wahlen an die Macht kommen, nicht durch Gewalt, hieß es in einer Mitteilung.

Das ist die Gülen-Bewegung
Fethullah Gülen
Hizmet-Bewegung
Erdogans Vorwürfe

Erdogan sagte, er sei vor seinem Flug nach Istanbul in Marmaris an der türkischen Ägäis-Küste gewesen. Unmittelbar nach seiner Abreise hätten die Putschisten „diesen Ort leider genauso bombardiert“. Während des Putschversuchs hatte es aus dem Präsidialamt geheißen, Erdogan sei in der Türkei und in Sicherheit.

Nach einer zeitweisen Besetzung durch Putschisten nahm der Sender CNN Türk die Berichterstattung wieder auf. Soldaten waren in der Nacht zu Samstag in das Redaktionsgebäude in Istanbul eingedrungen und hatten die Mitarbeiter dazu gezwungen, den Sender zu verlassen.

Präsident Erdogan erklärt den Putschversuch für beendet. Die putschenden Truppen haben sich auf der Istanbuler Bosporus-Brücke ergeben. An der Brücke feiern Regierungsanhänger das Ende des blutigen Militärputsches.

Foto: AP

In der Hauptstadt Ankara soll es weiterhin Schusswechsel geben. Hier gehen Zivilisten in Deckung.

Foto: REUTERS

Ankara in den frühen Morgenstunden. Verletzte werden vor einem Einkaufszentrum versorgt.

Foto: REUTERS

In der Türkei sind bereits 1500 Militärangehörige im ganzen Land festgenommen worden. Zahlreiche Menschen wurden in der Nacht getötet und verletzt.

Foto: AP

Erdogan kehrte am Samstag ungehindert nach Istanbul zurück. Hier ist er am Flughafen Istanbul-Atatürk zu sehen.

Foto: REUTERS

Erdogan-Anhänger erwarteten den Präsidenten am Atatürk-Flughafen in Istanbul.

Foto: REUTERS

„Der Präsident ist an der Macht“, sagte Erdogan bei einer Pressekonferenz nach seiner Ankunft. Die Regierung werde hart gegen die Putschisten vorgehen.

Foto: AP

Türkische Flaggen überall

Unterstützer des demokratisch gewählten Präsidenten Erdogan protestieren gegen den Staatsstreich.

Foto: dpa

Panzer gegen Autos

In Istanbul versuchten Demonstranten, einen Panzer zu kapern.

Foto: dpa

Demonstranten folgen Ruf nach Widerstand

Der türkische Präsident Erdogan rief sein Volk zum Widerstand gegen die Putschisten auf – und Tausende folgten.

Foto: dpa

Demonstranten gegen schweres Militärgerät

Mit bloßen Händen versuchen Demonstranten, den Panzer aufzuhalten.

Foto: AP,AP

Erdogan wehrt sich

Der Screenshot zeigt den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan auf dem Display eines Handys, während er einen live übertragenen Telefonanruf beim Sender CNN Türk macht.

Foto: dpa

Chaos in Istanbul

Das Fernsehbild von CNN Türk zeigt, wie die Polizei eine Brücke absperrt.

Foto: dpa

Militärpräsenz in der Stadt

Soldaten sind auch auf dem belebten Taksim-Platz im Herzen Istanbuls aufgezogen.

Foto: dpa

Putsch-Gegner

Unterstützer von Präsident Erdogan protestieren gegen die Aktion des Militärs.

Foto: dpa

Demonstranten auf dem Taksim-Platz

In Istanbul stellen sich Erdogan-Unterstützer dem Militär entgegen.

Foto: dpa

Selfies vor Soldaten

Ein junges Paar am Taksim-Platz in Istanbul macht in der chaotischen Nacht Fotos.

Foto: dpa

Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

In Istanbul waren in der Nacht Schüsse in den Straßen zu hören. Kampfjets flogen im Tiefflug über die Stadt. Gegen 02.40 Uhr Ortszeit (01.40 MESZ) wurde Istanbul von einer schweren Explosion erschüttert.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei einem Luftangriff der Putschisten auf das Hauptquartier der Spezialkräfte der Polizei in Ankara seien 17 Polizisten getötet worden. Außerdem sei ein Hubschrauber der Putschisten in Ankara von F-16-Kampfflugzeugen abgeschossen worden.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete, in Istanbul seien sechs Zivilisten durch Schüsse getötet und fast hundert verletzt worden. Die Toten und Verletzten seien in ein Krankenhaus auf der asiatischen Seite der Stadt eingeliefert worden. Der Sender NTV berichtete, 13 Soldaten seien bei dem Versuch festgenommen worden, ins Präsidialbüro in Ankara einzudringen.

Missglückter Militärputsch

Präsident Erdogan hat viele Feinde

von AP

Im Istanbuler Stadtteil Tophane waren Dutzende Gegner des Putsches auf die Straße gegangen. Ein dpa-Reporter berichtete am frühen Samstagmorgen, die Menge habe unter anderem „Gott ist groß“ und „Nein zum Putsch“ gerufen. Der US-Fernsehsender CNN International und die britische BBC zeigten Live-Bilder aus der Stadt: Menschen strömten in Massen auf die Straße und schwenkten türkische Fahnen.

Panzer rollen durch Ankara

In Ankara kam es einem Bericht des Senders CNN Türk zufolge zu Gefechten zwischen Polizei und Militär. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen, hieß es. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt.

Einem Medienbericht zufolge hatten Streitkräfte außerdem den Flugverkehr am Atatürk-Flughafen in Istanbul zwischenzeitlich gestoppt. Soldaten hätten den Tower am größten Flughafen des Landes am Freitagabend unter ihre Kontrolle gebracht, hatte die Nachrichtenagentur DHA gemeldet. Nach Erdogans Aufruf drangen Demonstranten in das Flughafengelände ein. Das Militär sei daraufhin wieder abgezogen.

US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, die demokratisch gewählte Regierung des Landes zu unterstützen. Gewalt und Blutvergießen müssten vermieden werden, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Ähnlich äußerte sich die Europäische Union. Die EU verlangte eine „schnelle Rückkehr“ zur verfassungsmäßigen Ordnung, wie es am Rande des Asien-Europa-Gipfels in Ulan Bator in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini hieß. „Die Türkei ist ein wichtiger Partner der EU.“ Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief zu Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen und der türkischen Verfassung auf.

Mehrere Fluggesellschaften strichen Türkei-Flüge. Die Lufthansa, Eurowings und Air Berlin sagten in der Nacht Flüge aus dem Land und in das Land hinein ab. „Wir werden bis morgen Mittag 12 Uhr alle Verbindungen von und in die Türkei streichen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. „Danach werden wir sehen, wie sich die Lage weiterentwickelt.“

In den türkischen Ferienzentren war die Lage nach Angaben der Tui ruhig. Der Reiseveranstalter Thomas Cook forderte die Urlauber auf, „vorsichtshalber bis auf weiteres in ihren Hotels zu bleiben“.

dpa, AP, jre
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick