Bisphenol A: In unserem Blut fließt Plastik

ThemaGesundheit

Bisphenol A: In unserem Blut fließt Plastik

Bild vergrößern

80 Prozent der Lebensmittel aus deutschen Supermärkten kommen mit Plastik in Berührung.

von Meike Lorenzen

Durch die Luft, über die Haut und vor allem über die Nahrung nehmen die Menschen mehr Plastik denn je auf. Studien deuten drauf hin, dass Krebserkrankungen, Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit darauf zurückzuführen sind. Über das Gift in unseren Adern.

Der Blick in den Einkaufswagen zeigt: Mutter Erde ist in den vergangenen 60 Jahren zu einem Plastik-Planeten verkommen. Der Salat im Supermarkt ist hygienisch sauber abgepackt, der Käse in beschichtetes Papier eingewickelt. Der Joghurt ruht in kleinen Bechern und das Mineralwasser ist in PET-Flaschen abgefüllt. 80 Prozent der im Supermarkt verfügbaren Waren kommt mittlerweile mit Plastik in Kontakt. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts haben Kunststoffe einen regelrechten Siegeszug hingelegt. Die Industrie schätzt das Material als stabil, leicht und individuell einsetzbar. Schon bei niedrigen Temperaturen lässt sich Plastik formen. Die Herstellung der Verpackungen ist entsprechend kostengünstig.

Weit über 280 Millionen Tonnen Plastik werden jährlich weltweit produziert, 19,5 Millionen davon allein in Deutschland. Entsprechend häufen sich die Müllberge. Inzwischen gibt es sechs Mal mehr Plastik als Plankton im Meer. Und selbst vor dem menschlichen Körper macht das Material nicht halt. Studien haben gezeigt, dass in unserem Blut und Urin mittlerweile Bestandteile von Plastik schwimmen.

Anzeige

„Die Menschen in den industrialisierten Staaten sind mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A (BPA) belastet, also sozusagen ‚plastiniert‘“, sagt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn. „In nahezu jeder Urinprobe lassen sich nennenswerte Konzentrationen von BPA nachweisen.“ Das Bisphenol A gilt als besonders gesundheitsschädlich. „Dabei handelt es sich um ein synthetisches Hormon, das östrogene Wirkung hat. Man hat herausgefunden, dass seine Aufnahme zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen führen kann“, erklärt Swandulla.

Inhaltsstoffe in Kosmetik Wie wir uns täglich selbst vergiften

Kosmetikprodukte des täglichen Bedarfs enthalten hormonell wirkende Stoffe, die unseren Körper beeinflussen und krank machen können. Wie man die Giftgefahren erkennt.

Fast ein Drittel aller Kosmetika sollen hormonell wirksame Substanzen enthalten. Sie stehen im Verdacht, mit Unfruchtbarkeit oder Brustkrebs zusammenzuhängen. Quelle: Fotolia

Eingang in das Plastik erhält BPA durch den chemischen Prozess, der kleine Erdöl- oder Erdgas-Molekülen in eine lange Molekülkette verwandelt. Dabei fügt die Industrie in der Regel bestimmte Stoffe (Monomere) hinzu, die das Material besonders hart machen soll. „Bisphenol A ist so ein Monomer, das für Polykarbonat und Epoxidharze als Ausgangsprodukt dient“, sagt Swandulla.

Ohne BPA wäre Hartplastik nicht denkbar. Es ist die meistproduzierte Chemikalie der Welt. Sie kommt in vielen Alltagsprodukten, wie Konservendosen, CDs, Autoarmaturen, Zahnfüllungen, Spritzen und Spielzeug vor. Außerdem findet sich der Stoff auf Thermopapier, aus dem zum Beispiel Kassenzettel oder Zugtickets gedruckt werden. Und über all diese Produkte findet er seinen Weg in unsere Körper.

„Das BPA ist sehr gut fettlöslich. In den Körper gelangt es sowohl über die Nahrung, als auch über die Haut. Es kann sogar mit dem Hausstaub über die Atmung in unseren Körper gelangen“, so Swandulla. Neueste Untersuchungen zeigen, dass es vor allem sehr gut über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Und das bleibt nicht ohne Folgen.  

Anzeige

5 Kommentare zu Bisphenol A: In unserem Blut fließt Plastik

  • Na,jetzt blos keine grünen Gutmenschethemen hier breittreten!
    Sowas ist der WIWO doch egal,bzw.wird von ihren Lesern regelmäßig mit Hasskommentaren überschüttet und ins Reich des Sozialismus verbannt.
    Wirtschaft,Wirtschaft über alles...scheffel,scheffel rund um die ganze Welt.

  • "Joghurt und Tomatensauce gibt es auch im Glas. Auch Dosenfrüchte sollten Verbraucher meiden. Getränke, die es auch in Flaschen gibt, sollten eher als Dosen oder PET-Flaschen gekauft werden. Auch die PET-Flasche am Arbeitsplatz lässt sich gegen einen Glaskrug austauschen, der mit Wasser gefüllt werden kann."

    Hier hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen. Man soll auf Plastik verzichten, bei den Getränken dann aber lieber auf PET oder Dosen setzen statt auf Glas?

  • Was ich nun gar nicht verstehe ist, wenn bereits seit Jahren bekannt ist das der Stoff schädlich ist, warum wird er dann nicht verboten? Ist das die gute Lobbyarbeit der Industrie?
    Das erinnert mich an einen alten James Bond Film in dem der Bösewicht einen Sateliten in die Umlaufbahn schießen will der die Erde bestrahlt damit die Menschen unfruchtbar werden.
    Nun die Realität hat dieses Szenario schon längst eingeholt, nur diesmal bleibt der "gute" James Bond nicht zur Stelle ist.

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%