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Kommentar Fütterungsversuch: Minenfeld Genfood

von Susanne Kutter

Sind gentechnisch veränderte Lebensmittel doch gesundheitsschädlich, wie eine aktuelle französische Studie an Ratten bewiesen haben will? Oder sind es die Pflanzenschutzmittel, die den Gentech-Pflanzen verabreicht werden? Oder ist alles pure Übertreibung?

Eine neue französische Studie geht davon aus, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel doch gesundheitsschädlich sind. Quelle: dpa
Test an Ratten: Eine neue französische Studie geht davon aus, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel doch gesundheitsschädlich sind. Quelle: dpa

Kaum ein Forschungsfeld ist derartig vermint wie die grüne Gentechnik: Entweder sind die Forscher kategorisch für diese Technologie – oder sie sind strikt dagegen. Eine moderate, sachlich abwägende Haltung und Betrachtungsweise, wie man ihn von Naturwissenschaftlern eigentlich erwarten würde, hat beim Thema Genfood Seltenheitswert.

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Der Effekt: Sobald eine neue Studie erscheint, wird den jeweiligen Autoren von der Gegenseite unterstellt, sie seien entweder von Greenpeace oder von der Agro-Industrie gekauft.
Deshalb ist auch der wissenschaftliche Gehalt und die Bedeutung der aktuellen Studie des französischen Forschers Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen nur sehr schwer einzuschätzen. Er warnte bereits 2007 vor Vergiftungssymptomen durch Genpflanzen und darf eher zum Lager der Gentechnik-Kritiker gerechnet werden.

Jetzt veröffentlichte er im Fachjournal „Food and Chemical Toxicology“ neue – und erschreckende - Ergebnisse von Fütterungsversuchen an 200 Ratten.

  • 60 von ihnen hatten zwei Jahre lang gentechnisch veränderten Futtermais der Sorte NK 603 des Agrarkonzerns Monsanto in verschiedenen Dosierungen – 11, 22, und 33 Prozent des Futters – bekommen. Diese Gen-Mais-Sorte wird in Europa nicht angebaut, aber importiert und ist als Futtermittel und für die Lebensmittelproduktion zugelassen.

  • Weitere 60 Ratten bekamen konventionellen Mais, der mit dem Totalherbizid Roundup behandelt wurde. Mit diesem Pflanzenschutzmittel werden die Felder des Gentech-Mais behandelt: Er ist dagegen dank eines Resistenz-Gens immun (hier der Link auf die Infografik im Seitenblick in Heft 25/2012). Alle anderen Pflanzen und Unkräuter gehen dagegen ein.

  • Wasser mit Roundup in verschiedenen Dosierungen bekamen 60 Ratten zu ihrem sonst konventionellen Futter gereicht. Die niedrigste Dosierung entsprach dabei Roundup-Verunreinigungen, die verschiedentlich im Trinkwasser nachgewiesen wurden.

  • 20 Ratten dienten als Kontrollgruppe, sie bekamen normales Wasser zu trinken und ihr Futter bestand zu einem Drittel aus konventionellem Futtermais.

Séralinis Versuche ergaben, dass Tiere, die Genmais oder Roundup bekamen früher starben und vermehrt Tumore entwickelten: Weibliche Tiere bekamen vor allem Brustkrebs, männliche erkrankten an Haut oder Nierenkrebs. Diese Ergebnisse seien auf den Menschen übertragbar, sagt der Forscher.

Das hieße im Klartext: Nicht nur die gentechnisch veränderten Pflanzen könnten lebensgefährlich für ihre Konsumenten sein. Es wären viel mehr auch all jene Menschen gefährdet, die im Einzugsgebiet von Äckern leben, auf denen transgene Pflanzen mit solchen Herbizid-Toleranzen angebaut werden.

Tatsächlich trägt nicht nur die untersuchte Monsanto-Mais-Sorte NK 603 diese gentechnische Veränderung – ein Großteil aller derzeit vermarkteten Gentech-Pflanzen ist mit dieser oder sehr ähnlichen Herbizidresistenzen ausgerüstet.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.09.2012, 14:13 UhrJockey

    Ich könnte mir vorstellen, dass EIN Beitrag zur Versachlichung schon dadurch geleistet würde, wenn sich Journalisten umfänglicher mit den wissenschaftlichen Ergebnissen auseinandersetzten, bevor sie einen Beitrag verfassen. Das bloße Wiederkäuen der vermeintlichen primären Erkenntnisse sollte sich ein Wissenschaftsjournalist besser verkneifen.

  • 24.09.2012, 09:15 UhrJany

    Sehr geehrte Frau Kutter,
    mit gewissen Bauchschmerzen und -grimmen habe ich ihren Beitrag "Forscher bewerfen sich mit Dreck" in der Wirtschaftswoche gelesen. Ich habe die Fütterungsstudie von Seralini einmal als eine seriöse, valide Arbeit betrachtet und habe mir die Mühe gemacht, die Daten aus Publikation, soweit es möglich war, ausgewertet. Ich werfe sicherlich nicht mit Dreck aber, das Ergebnis für Round-uo im Trinkwasser ist eindeutig: Round-up (Glyphosat), insbesondere in hohen Konzentration hat bei Männer, hier Ratten, eine positive Wirkung auf die Lebensspanne und schützt vor Tumoren. Aus meiner wissenschaftlichen Tätigkeit habe ich aber andere Erkenntnisse. Ich bin verunsichert, da diese neue Erkenntnis aus dieser Seralini-Arbeit denen von anderen Seralini-Arbeit widersprechen und andere Autoren dies auch nicht so feststellen konnten. Für mich ist jedenfalls dieses Ergebnisse seltsam und macht mich nachdenklich.

    Sterblichkeit bei Aufnahme von Round-up über das Trinkwasser

    Round-up
    mg/L männlich
    spontan / Tötung weiblich
    spontan / Tötung Todesfälle
    insgesamt
    0 3 0 (3) 0 2 5
    0,00005 1 2 (3) 0 5 8
    400,0 2 2 (4) 0 5 9
    2250,0 1 0 (1) 0 4 5

    Lebenssrate: Kontrolle: ca: 490 Tage; 2252 mg/L Round-up ca. 580 Tage

  • 24.09.2012, 00:46 Uhrrobiniawood

    Da das Genom bis heute noch nicht gänzlich verstanden wird und da das Genom sich mit den Umweltbedingungen verändert, also nicht "fest" sondern "flüssig" ist, kann es keine biotechnologisch hergestellten Arzneimittel geben, die dem Menschen nützen.
    Siehe unter anderem der Zwischenfall mit dem "elephant man" in England, der eine biotechnologisch hergestellte Substanz gespritzt bekam. Die heutige Biotechnologie hat noch keine Basis, zunächst muss das Genom verstanden werden.

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