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HirnforschungDas miese Geschäft mit unserem Gehirn

Ein Reigen von Beratern will mit Erkenntnissen der Hirnforschung unser Alltags- und Berufsleben erleichtern. Und bringen die Forscherzunft in Verruf. Denn eins zu eins übertragen lassen sich die Ergebnisse nicht.Maximilian Nowroth 11.10.2015 - 08:05 Uhr

Besonders junge Menschen vertrauen der Neurowissenschaft

Foto: Fotolia

Vergessen Sie Steve Jobs oder Mark Zuckerberg. Der wahre Held der modernen Arbeitswelt heißt Hans-Dietrich Genscher. Hirnforschung sei Dank erfahren wir endlich, warum der ewige FDP-Außenminister immer den gleichen gelben Pullunder trägt: Lange vor Apple-Gründer Jobs (stets im schwarzen Rollkragenpullover) und Facebook-Chef Zuckerberg (nie ohne graues T-Shirt) muss Genscher die neuronalen Prozesse erkannt haben. Anders ist nicht zu erklären, dass er morgens bei der Wahl der Oberbekleidung stets die gleiche Entscheidung traf.

Klingt abwegig? Ginge es nach der amerikanischen Beraterin Tara Swart, wäre Genscher ein Paradebeispiel für angewandte Hirnforschung im Arbeitsalltag. Swart vermarktet ihr Buch „Neuroscience for Leadership“, will also Führungskräften erklären, wie sie mithilfe von „neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung“ zu besseren Managern werden. Ein simpler Tipp: Schafft euch morgendliche Routinen und spart eure geistige Energie für wirklich wichtige Entscheidungen. Macht es wie Zuckerberg und Jobs oder wenigstens wie US-Präsident Barack Obama –und verwendet möglichst wenig Energie auf die Kleidungswahl. Denn: Es ist wissenschaftlich erwiesen.

Angst um den Ruf der Hirnforschung

Tipps wie diese bereiten nicht nur der Modeindustrie Kopfschmerzen. Hirnforscher Peter Mohr, Professor für Neuroökonomie an der Freien Universität Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe für Neuroökonomie am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), sieht eine Gefahr für seine ganze Branche: „Wenn allgemeine Erkenntnisse überverkauft werden, schadet das dem Ruf der Hirnforschung und lässt sie unseriös erscheinen.“ So ist es bei dem Rat zur einheitlichen Arbeitsuniform: Zwar zeigen Studien, dass eine geringere Zahl von Entscheidungen bessere Entscheidungen ermöglicht. Daraus auf die Zahl der Farben im Kleiderschrank zu schließen, ist reine Spekulation.

Wann Überzeugungen zu Handlungen führen
Ohne einen erkennbaren, individuellen, hohen und relativ sicheren Gewinn, ändert kein Mensch sein gewohntes Verhalten. Dieser Gewinn muss und sollte nicht nur materiell sein. Materielle Belohnungen wirken schnell und sättigen schnell. Sozialer Gewinn (zum Beispiel Anerkennung) wirkt nachhaltiger. Die einzige nicht sättigende Belohnung ist die intrinsische, die man sich selbst gibt.
Ins Blaue hinein ändern wir unser Leben nicht gern. Die Umsetzung der Neuerung muss daher klar vorgezeichnet und praktikabel sein.
Pioniere können und wollen nur die wenigsten Menschen sein. Die meisten anderen brauchen Vorbilder, denen sie nacheifern können. Und die müssen vor allem glaubwürdig sein.
Die erwartbaren Widerstände gegen das neue Leben sollten nicht zu groß sein. Das Festhalten an Gewohntem trägt eine starke Belohnung in sich. Der Anreiz muss doppelt so stark sein, wie die Bremskräfte.

Die Lücke in der Forschung ist das Geschäftsmodell von selbsternannten Experten, die ihre Ideen unter dem Schlagwort „Neuroleadership“ vermarkten. Sie verstehen sich als Lautsprecher der zurückhaltenden Wissenschaftler und nehmen für sich in Anspruch, das Beste aus zwei Welten zu vereinen. In Wirklichkeit aber kreieren sie eine Scheinwelt.

1. Zukunft ausmalen

Klingt skurril, kann aber nützlich sein. Davon sind die US-Entscheidungsforscher Jack Soll, Katherine Milkman und John Payne überzeugt. In ihrem Beitrag „A User’s Guide to Debiasing“ empfehlen sie etwa bei einem Hauskauf im Jahr 2015, sich das Jahr 2035 vorzustellen - und sich zu fragen: „Warum ist mein Haus hier im Jahr 2035 weniger Wert als vor 20 Jahren?“ Solche Gedankenspiele helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Ihr Beitrag mit diesem und anderen Tipps ist im „Blackwell Handbook of Judgment and Decision Making“ erschienen.

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2. Magen füllen

Äußere Einflüsse wirken sich auf unsere Entscheidungskompetenz aus. Wenn wir hungrig, traurig oder wütend sind, fallen gute Entscheidungen schwer. Mit einem ausreichend gefüllten Magen lässt sich zumindest eines dieser Probleme aus der Welt schaffen. Eine Studie unter israelischen Richtern, die über vorzeitige Haftentlassungen entscheiden sollten, zeigt: Kurz nach einer Pause entschieden sie wesentlich milder. Je mehr Zeit verstrich, desto strenger wurden sie allerdings - und desto mehr Häftlinge mussten weiter hinter Gittern sitzen. Um solche willkürlichen Entscheidungen im Alltag zu vermeiden, sollte man immer wieder zwischendurch etwas essen.

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3. Emotionen hinterfragen

Emotionen lassen sich zwar nicht ausschalten, aber reflektieren. In ihrem Buch „Sidetracked: Why Our Decisions Get Derailed, and How We Can Stick to the Plan” rät die Wissenschaftlerin Francesca Gino, stets die eigene „emotionale Temperatur” zu überprüfen. Dabei sollte man sich fragen, was hinter diesen Gefühlen steckt - und inwiefern sie Entscheidungen beeinflussen.

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4. Um Rat fragen

Je mehr Menschen wir um Rat bitten, desto besser ist das Bild, das wir uns machen können. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, sagen die Autoren des „User’s Guide to Debiasing“ .

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5. Perspektive wechseln

Selbst wenn wir andere um Rat fragen, neigen wir bei unserer Einschätzung doch dazu, unsere ursprüngliche Meinung zu bevorzugen. Diese Eigenschaft können wir überlisten, wenn wir uns in eine andere Person hineinversetzen und aus ihrer Perspektive die verschiedenen Ratschläge abwägen. Dies fand unter anderem eine israelische Studie heraus. Dabei sollten die Teilnehmer zunächst aus dem Bauch heraus ihre Meinung zu einer möglichen Entscheidung äußern, verschiedene Ratschläge durchgehen und schließlich eine Einschätzung treffen. In der Versuchsbedingung, in der sie die Einschätzung aus der Perspektive einer dritten Person abgeben sollten, neigten sie weniger dazu, sich ihrem anfänglichen Eindruck anzuschließen.

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6. Mittelweg wählen

Die Wahrheit liegt häufig in der Mitte - auch bei wichtigen Entscheidungen. Daher empfehlen die Autoren des „User’s Guide to Debiasing“, zu einem Problem zwei Einschätzungen vorzunehmen, diese miteinander zu vergleichen und den Mittelweg zu wählen. So lassen sich Fehler bei der Entscheidung reduzieren.

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7. Pläne fassen

Wenn der Nutzen einer Entscheidung erst in der Zukunft liegt, sind Menschen oftmals zu schwach, um an ihr festzuhalten. Das zeigt sich beispielswesie bei einer Diät: Der Nutzen - die gute Figur -, liegt noch in weiter Ferne, während die leckeren Versuchungen so nah sind. Um künftige Erfolge nicht zu torpedieren, sollten Menschen sich konkrete Pläne und Ziele stecken und diese niederschreiben. Dafür spricht eine US-Studie, in der die Teilnehmer eine Schutzimpfung wahrnehmen sollten. Jene, die das Datum und die Uhrzeit ihres Impftermins notierten, nahmen die Impfung eher wahr.

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8. Vorab entscheiden

Entscheidungen sollten frühzeitig und mit Weitsicht getroffen werden – und nicht in dem Moment, in dem sie uns tatsächlich betreffen. Denn dann ist unser Kopf nicht so klar, schreiben die Autoren des „User’s Guide to Debiasing“. So sollte man beispielsweise nach einer Mahlzeit entscheiden, was man als nächstes isst – und nicht erst in Zukunft, wenn man gefräßig ist.

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9. Entscheidungen analysieren

Wichtig ist vor allem, dass eine Entscheidung und die Entscheidungsfindung zu einem passen. Um seinen individuellen Königsweg zu finden, empfiehlt Autorin Maria Konnikova in ihrem Buch „Mastermind: How to Think Like Sherlock Holmes“ zu notieren, welche Entscheidungen man gefällt hat und wie sie funktionierten. Mit der Zeit erhält man einen Überblick und findet heraus, was klappt - und was nicht.

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10. Orientierung suchen

Mit Referenzpunkten können wir herausfinden, wo wir stehen. Um in einem Entscheidungsprozess einen kühlen Kopf zu bewahren, empfiehlt Wissenschaftlerin Francesca Gino, immer wieder seine Referenzpunkte zu überprüfen und sich neu zu orientieren.

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Der amerikanische Unternehmensberater David Rock hat das Konzept 2006 entworfen und das „Neuroleadership Institute“ gegründet. Weder von ihm, noch von seinen Nachahmern sind wissenschaftliche Aufsätze über Hirnforschung zu finden. Unbeirrt davon verspricht Rocks Ratgeberbuch die Erkenntnis darüber, „wie wir mithilfe der Neurowissenschaft die Mechanismen unseres Gehirns effektiv nutzen und so zu Spitzenleistungen gelangen können“.

Hirn-Drinks und neurologische Führungskunst

Anscheinend gibt es genügend kaufkräftige Kunden, die solchen Versprechen glauben. Rock und Swart haben jeweils ihre eigenen Beratungsfirmen und bieten Seminare an, die mehrere Tausend Dollar kosten – pro Tag. Ihre deutschen Kollegen heißen Sebastian Spörer, Unternehmensberater, oder Gerald Hüther, Pop-Hirnforscher. In Weiterbildungs-Workshops für Manager sprechen sie über „Wertschöpfung unter neuro-psycho-sozio-endokrin-immunologischen Aspekten“ (Spörer) und „Neurowissenschaft und Führungskunst“ (Hüther). Tara Swart verkauft auf ihrer Homepage sogar ein Getränk, das auf Basis von neuesten Erkenntnissen aus der Na-Sie-wissen-schon-Forschung gebraut wurde. Die Inhaltsstoffe: grüner Tee, Gurkenwasser und Kokosnussöl. Der Preis für den Neuro-Drink: acht Euro für 0,25 Liter.

Der Mythos: Süßes hilft gegen Stress

Die Wahrheit: Forscher einer amerikanischen Universität haben herausgefunden, dass sich Schokolade positiv auf die kognitive Fähigkeiten auswirkt. So funktionierten das Arbeitsgedächtnis, das abstrakte Denken und das visuell-räumliche Gedächtnis der Probanden besser, wenn sie vor den entsprechenden Test Schokolade gegessen haben. Daraus sollte man allerdings nicht schließen, dass Schokolade ein geeignetes Hirn-Dopingmittel ist.

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Der Mythos: Alkohol tötet Gehirnzellen ab

Die Wahrheit: Mit einem Schluck Wein ist noch keine Gehirnzelle verloren. Es braucht schon einen Rausch, um Schaden anzurichten – und selbst dann sterben keine Zellen ab, sondern die Verbindungen zwischen ihnen werden gekappt. Schon nach einigen Drinks kann es zum Gedächtnisverlust kommen, der umso größer ist, je mehr getrunken wurde. Und exzessives Trinken über einen langen Zeitraum kann das Gehirn nachhaltig schädigen.

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Der Mythos: Wir haben 100 Milliarden Gehirnzellen

Die Wahrheit: Auch das stimmt nicht. Tatsächlich sind es rund 86 Milliarden, wie Wissenschaftler 2009 herausfanden. Das macht einen enormen Unterschied: Schließlich könnten die übrigen 14 Milliarden Zellen das Gehirn eines anderen Lebewesens ausmachen.

Foto: dpa

Der Mythos: Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns

Die Wahrheit: Wir nutzen nie unser komplettes Gehirn auf einmal - trotzdem ist es stets komplett bei der Arbeit. Viele Prozesse laufen automatisiert ab und entziehen sich unserer Aufmerksamkeit.

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Der Mythos: Wir haben nur fünf Sinne

Die Wahrheit: Bei den Sinnen spricht man von Fühlen, Hören, Sehen, Riechen, Schmecken. Dabei gibt es noch zahlreiche weitere Sinne - etwa der Sinn fürs Gleichgewicht, das Zeitgefühl oder die räumliche Wahrnehmung von Lage, Bewegung und Entfernungen.

Foto: Fotolia

Der Mythos: Mozart-Musik steigert die Intelligenz

Die Wahrheit: Diesen Mythos verdanken wir US-Wissenschaftlern um Frances Rauscher. Sie veröffentlichte 1993 ihre Studienergebnisse, wonach Studenten, die zehn Minuten lang Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur (KV448) hörten, in einem Intelligenztest durchschnittlich acht bis neun IQ-Punkte besser abschnitten. Allerdings hielt die Leistungssteigerung nur etwa zehn bis 15 Minuten an. Außerdem schafften es Folgestudien nicht, die Ergebnisse zu bestätigen.

Foto: dpa/dpaweb

Der Mythos: Es kommt auf die Größe an

Die Wahrheit: Menschen haben nicht das größte Gehirn - weder absolut noch im Verhältnis zu ihrer Körpergröße. Mit dem größten Gehirn überhaupt ist der Pottwal unterwegs, verglichen mit der Körpergröße hat das Spitzhörnchen das größte Gehirn. Soll heißen: In Sachen Intelligenz kommt es nicht auf die Größe an.

Foto: dpa

Der Mythos: Manche Menschen nutzen überwiegend eine Gehirnseite

Die Wahrheit: Eine Unterteilung wie bei Links- und Rechtshändern gibt es bei der Nutzung des Gehirns nicht. Dabei wird kreativen Menschen zwar zugeschrieben, eher die rechte Seite ihres Gehirns zu nutzen, bei logisch-rational denkenden Menschen sei es eher die linke Seite. Studien zeigen, dass auch dies ein Mythos ist. Zwar sind je nach Aufgabe unterschiedliche Hirnbereiche aktiv, allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass es vom Individuum abhängt, welche Gehirnseite eher genutzt wird.

Foto: Fotolia

Der Mythos: Wir lernen im Schlaf

Die Wahrheit: Durch ein Buch unterm Kopfkissen oder ein Hörspiel über Nacht haben Menschen noch nichts gelernt. Sie lernen im Schlaf nichts Neues - sondern verarbeiten und festigen das tagsüber Gelernte.

Foto: CLARK/obs

Der Mythos: Drogen verursachen Löcher im Gehirn

Die Wahrheit: Drogen können die Struktur des Gehirns verändern und die Gehirnfunktionen stören. Aber es ist ein Mythos, dass sie Löcher im Gehirn verursachen.

Foto: dpa

Der Mythos: Das Gehirn arbeitet wie ein Computer

Die Wahrheit: Computer lassen sich nur schwer mit einem Gehirn vergleichen. Sie arbeiten streng logisch, können nicht so viele Prozesse gleichzeitig vollziehen und sind weit weniger komplex.

Foto: AP

Immerhin ist es wissenschaftlich tatsächlich belegt, warum sich solche Wucherei verkaufen lässt: Hirnforscher der amerikanischen Universität Yale haben 2008 herausgefunden, dass der Stempel „neurowissenschaftlich erwiesen“ vor allem jene Menschen überzeugt, die sich gar nicht mit Hirnforschung auskennen. Sie glauben: Wo Neuro draufsteht, muss die Wahrheit drin sein. Dazu noch ein paar kompliziert aussehende Abbildungen des Gehirns – fertig ist die Neuro-PowerPoint-Präsentation. Der Vorteil: Was wirklich dahinter steckt, versteht niemand.

Ein Blick in die populärwissenschaftlichen Abteilungen in deutschen Buchhandlungen zeigt, dass kaum ein Forschungszweig vor der Neuromanie sicher ist. Es gibt Literatur über Neuro-Philosophie, Neuro-Epistemologie, Neuro-Ergonomie und Neuro-Kunstgeschichte. Hauptsache irgendwas mit Hirn. Im Bereich Management lässt sich die angeblich heilende Wirkung der Hirnforschung besonders gut zu Geld machen, weil sie verspricht, den nach Fakten gierenden Alphatieren endlich eine objektive und empirisch belegte Anleitung für Führungsverhalten zu geben.

Leider gibt es einen Haken an der Sache: Die Hirnforschung ist ein sehr junger Forschungsbereich und steht ganz am Anfang. „Wir betreiben hauptsächlich Grundlagenforschung“, betont Hirnforscher Mohr. „Es ist momentan unmöglich, durch Wissen über die Funktion des Gehirns das Hirn direkt zu manipulieren. Das wird man wahrscheinlich auch in 20 bis 30 Jahren nicht können. Denn jedes Hirn ist anders und so verschieden wie Gesichter!“

Außerdem haben neurowissenschaftliche Studien ein generelles Glaubwürdigkeitsproblem: In einem viel zitierten Aufsatz stellte die englische Psychologin Katherine Button 2013 fest, dass die meisten Hirnforschungsstudien eine schwache Aussagekraft haben – wegen einer zu geringen Zahl der Probanden.

Peter Mohr glaubt, dass die Hirnforschung trotz aller Kritik einige mögliche Ansätze bieten kann, die sich im Arbeitsalltag anwenden lassen: Eine in vielen Studien belegte Erkenntnis ist etwa, dass ein menschliches Gehirn das ganze Leben lang anpassungsfähig bleibt. Wer sich viel mit intellektuell anspruchsvollen Aufgaben beschäftigt, hält den Geist fit. Auch die physische Verfassung ist wichtig für klares Denken, weil der Körper bei guter Kondition mehr Ressourcen für das Denken einsetzen kann. Das aber ahnte schon der antike Philosoph Juvenal, als er uns seinen berühmtesten Lehrspruch hinterließ: Mens sana in corpore sano. Über gelbe Pullunder schrieb er leider nichts.

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