Toxisch bis tödlich: Die giftigsten Pflanzen der Welt
Wunderbaum (Ricinus communis)
Der Wunderbaum (auch: Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Kreuzbaum, Castorpflanze) sieht hübsch aus, birgt aber eine tödliche Gefahr: Schon der Verzehr weniger (zwei bis vier) Samen ist für den Menschen letal. Verantwortlich dafür ist das Lektin Ricin, ein Protein, das zur Verklumpung der roten Blutkörperchen und zu einer Hemmung der Proteinbiosynthese lebensnotwendiger Eiweiße in den Zellen führt. Symptome einer Ricin-Vergiftung sind Schleimhautreizungen, Schädigungen der Verdauungsorgane, Übelkeit und Erbrechen. Dieses Erbrechen ist auch die einzige Möglichkeit, das Gift bei oralem Verzehr wieder loszuwerden - und so sein Leben zu retten, denn ein Gegengift ist nicht bekannt. Ricin wird in Deutschland schließlich nicht umsonst im Kriegswaffenkontrollgesetz aufgeführt. Allen, die im Alltag auf Produkte mit "Rizinusöl" oder "Castor Oil" stoßen - etwa in Cremes oder Badezusätzen, in Medikamenten oder Lacken, sei versichert: Das giftige Ricin ist wasser- aber nicht fettlöslich und im Rizinusöl nicht enthalten.
Wasserschierlinge (Cicuta)
In Europa gibt es nur einen einzigen Vertreter der durchweg giftigen Gattung der Wasserschierlinge: den Wüterich (oder: Wasserschierling), lat. Cicuta virosa. Als Sumpfpflanze ist der Wasserschierling an seinen schlammigen Untergrund angepasst: Die unterirdischen Sprossachsen (Rhizome) des Wasserschierlings enthalten Hohlkammern, die das Gewächs schwimmfähig machen. Hier findet sich die höchste Konzentration des giftigen Cicutoxins, das aber auch in allen anderen Pflanzenbestandteilen enthalten ist. Gefährlich ist vor allem die Verwechslungsgefahr des Rhizoms mit (essbaren) Pastinaken. Das Gift stört die Funktion wichtiger Neurotransmitter und die Vergiftung äußert sich 15 bis 30 Minuten nach der Einnahme durch Krämpfe, Atemlähmung, erweiterte Pupillen, Erbrechen, Schwindel, Übelkeit. Ein Gegengift gibt es auch hier nicht, 30 Prozent der Vergiftungsfälle enden tödlich.
Oleander (Nerium Oleander)
Schön, aber gefährlich: Der Oleander (Rosenlorbeer) ist giftig - das verrät schon sein Familienname: Er ist Teil der Familie der Hundsgiftgewächse. Wild wächst er hauptsächlich im Mittelmeergebiet, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Indien und China, wird aber auch in Mitteleuropa gerne als dekorative Kübelpflanze genutzt. Alle Teile der Pflanze enthalten das stark giftige Oleandrin. Symptome einer Vergiftung bei Einnahme des Saftes können von Übelkeit über Erbrechen und Durchfall bis hin zu Herzbeschwerden, Schläfrigkeit und Muskelzittern reichen. Auch eine Vergiftung mit Oleandrin kann tödlich verlaufen. Äußerlich kann der Saft zu Hautreizungen, Augenentzündungen und allergischen Reaktionen führen. Also: Diese Schönheit besser nur aus der Ferne bewundern.
Weißfrüchtiges Christophskraut (Actaea pachypoda)
Das in Nordamerika beheimatete "Weißfrüchtige Christophskraut" trägt dort den Namen "Doll´s Eyes", auf die weißen, mit einem schwarzen Punkt versehenen Früchte der Pflanze Bezug nehmend. Während Vögel die Beeren ohne Probleme zu sich nehmen können, müssen Menschen mit einem sedierenden Effekt auf den Herzmuskel bis hin zum Herzstillstand und Tod rechnen.
Paternostererbse (Abrus precatorius)
So stellt man sich eine Giftpflanze vor: Schön knallig gefärbt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die vermutlich aus Indien stammende, aber heute in den gesamten Tropen verbreitete Pflanze ein beliebter Schmucklieferant ist: Die (giftigen), rot-schwarzen Samen dienen, durchbohrt und auf eine Kette gezogen, als Halsschmuck. Träger dieses Schmucks sollten sich allerdings in Acht nehmen: Gedankenverloren an der Kette zu nuckeln ist verboten. Denn die dekorativen Samen enthalten das Eiweiß Abrin, dessen Eigenschaften denen des Ricin des Wunderbaums ähneln und das zu den tödlichsten Giften überhaupt gezählt wird. Auch Abrin hemmt, wie Ricin, die Synthese essenzieller Proteine. Potenziell gefährlich sind sowohl das Einatmen des Stoffes als auch die Einnahme und die Injektion. Zwar befasst sich das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz nicht mit Abrin (im Gegensatz zu Ricin), jedoch wäre es aufgrund der toxischen Wirkung bei der Einatmung des Stoffes möglich, ein Aerosol mit Abrin als Biowaffe zu nutzen. Eine Vergiftung mit Abrin kann zu beschleunigtem Pulsschlag, Koliken, Durchfall, Erbrechen und Tremor führen. Todesursache bei Abrin-Vergiftungen können Nieren-, Herzversagen oder Atemlähmung sein.
Australische Brennnessel (Dendrocnide moroides)
Ok, ja, Sie haben es bemerkt: Hier haben wir eine ganz normale Brennnessel reingeschummelt. Die Giftpflanze, um die es hier geht, ist aber nicht das Grüne in ihrem Brennnesselkäse oder ihrem Tee, keine Sorge. Die Australische Brennessel oder Gympie gibt es - wer hätte das gedacht - in Australien - und Regenwäldern in Indonesien. Sie wird vier bis 10 Meter hoch und ist dicht mit stachelartigen Brennhaaren besetzt, die durch Kleidung (soweit diese faserbasiert ist) dringen. Das darin enthaltene Toxin Moroidin verursacht Hautreizungen, Schwellungen und heftigste Schmerzen, die monatelang anhalten können. Der Stich der Brennhaare soll sogar schon Pferde dazu gebracht haben, sich aufgrund der Schmerzen in Panik von Klippen zu stürzen.
Eisenhut (Aconitum)
Die Gattung Aconitum enthält Arten, die zu den giftigsten Pflanzen Europas zählen. Schon die Berührung kann zu Ausschlägen führen; der Verzehr führt zu Herzversagen und Atemstillstand. Die Toxizität wird unter anderem bedingt durch mehrere Alkaloide. Auch gegen Eisenhutvergiftungen sind keine spezifischen Gegenmittel bekannt.
Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)
"Atropa" bezeichnete in der griechischen Mythologie die "Göttin, die den Lebensfaden durchschneidet", "belladonna" (ital. schöne Frau) rekurriert vermutlich auf die frühere Verwendung des Saftes als Schönheitsmittel. Das darin enthaltene Atropin ist zwar giftig, wirkt aber auch pupillenerweiternd und sorgt somit für einen besonders betörenden Blick. Neben Atropin enthält die Pflanze auch Scopolamin und Hyoscylamin. Vergiftungserscheinungen reichen von Mundtrockenheit und Pupillenerweiterung über Sehstörungen und Herzrasen bis hin zu Halluzinationen. Eine Tollkirschen-Vergiftung kann tödlich enden: Durch Atem- oder Herzstillstand. Allerdings findet die Schwarze Tollkirsche auch therapeutische Verwendung: Aufgrund ihrer krampflösenden Wirkung werden die in ihr enthaltenen Alkaloide beispielsweise in der Behandlung von Koliken oder in der Augenheilkunde eingesetzt: Zur Pupillenerweiterung. Gegenmittel gegen Tollkirschenvergiftungen gibt es auch: Magenspülungen, Aktivkohle und Physostigminsalicylat. Und: Atropin selbst ist auch ein Gegengift. Jede Apotheke muss es vorrätig haben, um Phosphorsäureester-Vergiftungen zu bekämpfen.
Runzeliger Wasserdost (Ageratina altissima)
Heute fast nicht mehr bekannt, in Amerika früher verbreitet: Die "milk sickness" befiel vor allem Siedler aus Europa, die den Wasserdost nicht kannten und ihn bedenkenlos als Viehfutter auf den Weiden wachsen ließen. Fraßen die Kühe, Schafe und Ziegen die Pflanze, ging das darin enthaltene Tremetol auf ihre Milch über. Tranken die Menschen die Milch (und war die Dosis des Toxingemisches hoch genug), trat die "milk sickness" auf: Appetitlosigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durst, Tremor, Delirium - und manchmal der Tod.
Manchinelbaum (Hippomane mancinella)
Der amerikanische Manchinelbaum ist Vergiftungs-Allrounder: Es empfiehlt sich nicht, bei Regen unter ihm Schutz zu suchen, da der Baum dann eine Substanz absondert, die Blasenbildung auf der Haut verursacht. Es empfiehlt sich ebenfalls nicht, die apfelähnlichen Früchte zu essen, denn das ist tödlich. Außerdem sollte man den Baum auch nicht verbrennen: Der Rauch kann blind machen. Das alles wird möglich durch einen Cocktail aus 12-Deoxy-5-hydroxyphorbol-6-gamma-7-alpha-oxid, Hippomanin, Mancinellin, Phloracetophenon-2,4-dimethylether und Physostigmin.