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"Merkelphone"Sicherheitshandys: Blackberry sticht Telekom aus

Nach dem NSA-Skandal decken sich deutsche Politiker massiv mit abhörsicheren Smartphones ein. Davon profitiert Blackberry, denn mit dem Konkurrenzmodell der Telekom kann man alles, nur nicht sicher telefonieren.Oliver Voß 28.09.2013 - 07:27 Uhr

Blackberry Z10

Bundeskanzlerin Angela Merkel verfügt über Handy mit dem sie abhörsicher telefonieren und auch geheime Dokumente speichern kann. Dazu wird eine Speicherkarte in das Gerät geschoben, die einen Smart-Card-Chip zur Verschlüsselung enthält. Es ist durch aus möglich zwischen der privatem und der dienstlichen Nutzung zu unterscheiden - und dann auch Facebook, Twitter oder Instagram zu nutzen. Das Gerät mit Verschlüsslungskarte kostet 2500 Euro.

Foto: REUTERS

Blackberry

Eigentlich sollte US-Präsident Barack Obama seinen Blackberry zu Beginn seiner ersten Amtszeit abgeben, weil Regierungsanwälte Sicherheitsbedenken wegen der Übermittlung von E-Mails außerhalb des Regierungsapparates hatten. Er setzte sich durch, räumte ein, süchtig nach diesem Gerät zu sein - und hat aber zumindest seinen Blackberry-Konsum eingeschränkt. Seine private E-Mailadresse haben jetzt nur noch enge Freunde und eine kleine Anzahl an hohen Beamten.

Foto: AP

HTC-Handys mit Spezial-Software

Das Bundesinnenministerium rät von "herkömmlichen" iPhones, iPads und Blackberrys ab: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und sein Stab nutzen deshalb HTC-Handys, die mit einer Software ausgestattet sind, die die Daten verschlüsselt. Außerdem können Daten nicht nach außen gelingen, weil die Beamten über das Regierungsnetz kommunizieren.

Foto: dpa

huGO-BildID: 29141758 Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) blickt zu Beginn der Sitzung des Vermittlungsausschusses am 12.12.2012 im Bundesrat in Berlin auf sein Mobiltelefon. Die Politiker berieten u.a. über das Steuerabkommen mit der Schweiz. Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

iPhone

Trotz der Sicherheitsbedenken des Innenministeriums nutzt etwa Verteidigungsminister Thomas de Maziére ein iPhone und er ist nicht der einzige...

Foto: dpa

iPhone

... auch Bundesumweltminister Peter Altmaier nutzt das Apple-Produkt. Er ist unter anderem ein eifriger Twitterer.

Foto: dpa

Nach den vielen Hiobsbotschaften kann Blackberry-Chef Thorsten Heins endlich einen Erfolg vermelden – zumindest in Deutschland. Im Berliner Regierungsviertel ist die Nachfrage nach seinen Smartphones stark gestiegen. Bundesministerien haben in den letzten Wochen mehr als 1000 Smartphones des Modells Z10 bestellt, das sich durch einen besonderen Schutz auszeichnet. Im Abhörskandal um den amerikanischen Geheimdienst NSA hat die Bundesregierung zwar abgewiegelt, Deutsche seien nicht betroffen. Aber in den Ministerien ist die Furcht gestiegen, ausgespäht zu werden, und damit der Wunsch nach übertragungssicheren Geräten. „Es gibt eine hohe Nachfrage von Politikern und Beamten“, heißt es im zuständigen Innenministerium.

„Der Bedarf ist riesig, doch die Budgets sind endlich“, bestätigt Hans-Christoph Quelle, Chef des Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart. Das Unternehmen hat Blackberry-Handys mit einer speziellen Chipkarte so aufgerüstet, dass sie Daten und Gespräche verschlüsseln. Etwa 2500 Euro kosten die „Merkelhandys“, die man gleichzeitig auch wie ein herkömmliches Smartphone nutzen kann - die bisher gebräuchlichen Sicherheitshandys waren dagegen vergleichsweise unpraktikabel und entsprechend unbeliebt.

Regierungshandy

So funktioniert das Merkel-Phone

Die Bundeskanzlerin hatte sich das „Merkelphone“ schon auf der CeBit vorführen lassen. Seit Juli sind die Geräte zugelassen, es dürfen Dokumente der  Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch) versendet werden. „Wenige Tage nach der Zulassung gab es bereits 1200 Bestellungen“, sagt Sicherheitsspezialist Quelle. 20 Behörden, darunter 9 der 14 Ministerien, gehören zu den Kunden.

Damit sticht Blackberry die Deutsche Telekom aus, die unter dem Namen Simko3 ein umgerüstetes Samsung Galaxy III anbietet. Die Simko-Geräte sind mit 1700 Euro zwar ein Drittel günstiger, haben aber ein erhebliches Manko: Man kann mit ihnen noch nicht abhörsicher telefonieren. Zwar verfügt die Telekom über eine Sprachverschlüsselungsvariante, die beispielsweise Unternehmenskunden nutzen. Aber für die Bundesbehörden verlangt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einen anderen Standard – und der soll erst Mitte des kommenden Jahres für die Simko-Geräte verfügbar sein.

Auto-Transporter

Wer sensible Daten mit Kollegen oder Freunden über Online-Dienste wie Dropbox & Co. tauscht, läuft Gefahr, dass Spitzel und Hacker mitlesen. Eine smarte Alternative bietet der Speicher- und Synchronisationsdienst des US-Startups Connected Data. Bei dessen Transporter genannten Festplatten kann der Nutzer selbst bestimmen, welche Dateien per Direktverbindung automatisch und verschlüsselt mit den Transporter-Disks anderer Nutzer synchronisiert werden.

Preis: ab 299 Dollar

Foto: Presse

Platten-Sperre

Wer verhindern will, dass Spionagesoftware die Passworteingabe für die verschlüsselte Festplatte aufzeichnet, sollte externe Speicher mit eigener Entsperrtechnik einsetzen – wie die DataLocker-Festplatte von Origin. Das Modell Enterprise 2.0 besitzt ein Tastenfeld für die Code-Eingabe und ist von der US-Technologiebehörde NIST unter anderem für den militärischen Einsatz zertifiziert.

Preis: ab 390 Euro

Foto: Presse

Passwörter-Buch

Wer kann sich noch die Passwörter merken, die er auf Hunderten Web-Seiten eingibt? Der MyIDkey des US-Startups Arkami hilft da weiter: Der USB-Stick, der sich nur über den eingebauten Fingerabdruck-Scanner aktivieren lässt, merkt sich sämtliche Benutzernamen und Passwörter, die der Nutzer in Web-Seiten eingibt – und füllt die Zugangsdaten bereits besuchter Web-Seiten automatisch in die vorgegebenen Eingabefelder ein. Via Bluetooth-Funk funktioniert das auch mit Smartphones.

Preis: 170 Dollar

Foto: Presse

Merkel-Berry

Private Daten und Unternehmensinformationen hält die Spezialversion des Blackberry Z10 vom deutschen Sicherheitsspezialisten Secusmart strikt getrennt. Möglich macht das, neben Sicherungen im Betriebssystem, die Zusatz- verschlüsselung per Smartcard, die der Technik Secusuite gerade die Freigabe als Regierungshandy beschert hat.

Preis: 2500 Euro

Foto: Presse

Sprech-Stelle

Abhörsicher telefonieren, unabhängig von Handy oder Notebook, das ermöglicht das Sprachverschlüsselungssystem Topsec mobile des Berliner Spezialisten Rohde&Schwarz SIT. Die Krypto-Box mit eigenem Headset wird per Bluetooth mit internetfähigen Handys oder Computern gekoppelt und baut hochverschlüsselte Sprachverbindungen zu baugleichen Topsec-Modulen auf.

Preis: 2300 Euro

Foto: WirtschaftsWoche

Abdruck-Analyst

Nicht ganz so sicher wie ein komplexes Passwort, aber deutlich komfortabler – und allemal besser als kein Zugriffscode: Das sind Fingerabdruckleser, die viele Business-Notebooks eingebaut haben, wie etwa das Thinkpad X1 Carbon von Lenovo.

Preis: 1470 Euro

Foto: Presse

Post-Geheimnis

Mit den Verschlüsselungsverfahren PGP und S/Mime gibt es wirksame Technologien, um elektronische Post gegen unerwünschte Mitleser zu sichern. Nur ist die Konfiguration gerade für Laien teils recht aufwendig. Einfacher und für den Unternehmenseinsatz geeignet sind Programme wie gpg4o des Softwarehauses Giegerich&Partner. Das Paket gibt’s als Erweiterung für Microsofts Outlook 2010 und 2013.

Preis: ab 94 Euro

Foto: Screenshot

Blick-Fänger

Längst nicht immer kommen Spione übers Netz. Oft genug – etwa im Zug oder am Flughafen – lesen sie einfach von der Seite mit, was Geschäftsleute auf dem Laptop-Display anschauen. Abhilfe schafft der Vikuiti Blickschutzfilter von 3M, der nur direkt von vorne freie Sicht aufs Display von Smartphone, Tablet oder PC ermöglicht. Neugierige Späher von der Seite sehen dagegen Schwarz.

Preis: ab 30 Euro

Foto: Presse

Gesichts-Login

Auch das eigene Gesicht kann den PC-Zugriff freigeben. Programme wie KeyLemon des gleichnamigen Schweizer Unternehmens nutzen dafür die in fast allen neuen Laptops integrierte Webcam. Die Software erkennt den rechtmäßigen Nutzer an dessen Gesichtsproportionen. Experten warnen aber grundsätzlich, dass sich derartige biometrische Sicherungen leichter knacken lassen als gute Passwörter.

Preis: kostenlos

Foto: Screenshot

Spion-Späher

WLAN-Kameras als Wächter für daheim oder im Büro sind Bestseller. Dumm nur, dass viele Nutzer die Bilderströme offen ins Netz stellen und damit fast jedem Einblick auf ihren Schreibtisch ermöglichen. Die Überwachungskamera In.Sight von Philips dagegen verschlüsselt die Aufnahmen, bevor sie die per WLAN und Internet zur passenden Smartphone-App überspielt.

Preis: 130 Euro

Foto: Presse

Bundes-Fon

Den Komfort eines modernen Smartphones, gepaart mit vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierten Sicherheitsfunktionen, das bietet auch die Simko3-Softwareplattform. T-Systems und der Softwareanbieter Trust2Core haben sie gemeinsam entwickelt und vertreiben sie unter anderem für Galaxy-Handys von Samsung.

Preis: ab 1700 Euro

Foto: Presse

Funk-Fresser

Smartphones sind nicht nur Datenspeicher ersten Ranges, sondern auch ein Paradies für Datendiebe: Sie lassen sich per GPS orten oder über WLAN-Funk attackieren. Spitzel-Apps täuschen sogar vor, dass das Telefon aus- geschaltet ist, und durchsuchen das Gerät dann heimlich. Die Handytasche Rapp It Up unterbindet solche Zugriffe rustikal: Ein ein- genähtes Drahtgitter soll jede Funkverbindung unterbinden.

Preis: 37,50 Dollar

Foto: Presse

Software-Safe

Informationen gegen fremde Zugriffe zu schützen ist viel leichter als gedacht, denn bei den Profi-Versionen von Windows liefert Microsoft die Festplattenverschlüsselung Bitlocker gleich mit. Auf Mausklick wandern die Daten in den Software-Safe. Neue Versionen des Apple-Betriebssystems Mac OS X kommen mit einer ähnlichen Software namens Filevault. Sicherheitsexperten vermuten, dass die Hersteller Schlupflöcher für US-Geheimdienste offen lassen, doch Wirtschaftsspione oder Kriminelle müssen draußen bleiben.

Preis: Teil des Betriebssystems

Foto: WirtschaftsWoche

Geheimnis-Träger

Die Smartphone-App oneSafe verschlüsselt Zugangscodes: Benutzernamen und Passwörter, Kreditkarten- und Pin-Nummern, Texte oder Fotos. Via Apples Online-Service iCloud lassen sich die Daten zwischen iPhones, iPads und Mac-Rechnern synchronisieren. Um die App zu öffnen, gibt der Nutzer ein Passwort ein. Wer ein falsches Passwort eingibt, den fotografiert die Frontkamera des Handys.

Preis: 5,49 Euro

Foto: Presse

Zweit-Schlüssel

Doppelt hält besser – das gilt auch für die Absicherung von Rechnern und Datennetzen. Experten empfehlen daher, bei der Anmeldung am PC oder für den Zugriff auf gesicherte Datenbanken eine Kombination aus Passwort und digitalem Sicherheitsmedium zu nutzen. Der SecurID 800 Hybrid Authenticator des US-Sicherheitsunternehmens RSA Security speichert solche Signaturen und dient so bei der sicheren Anmeldung als zweite Sicherheitsstufe. Preis: 60 Dollar

Foto: WirtschaftsWoche

Daten-Tunnel

Sicherheitsexperten staunen immer wieder, wie schlecht Unternehmen ihre Netze absichern. Der IT-Spezialist Lancom Systems bietet jetzt als erster Anbieter Übertragungsrechner an, deren Verschlüsselung vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert ist; wie den Router 1781A-4G CC. Über so gesicherte Daten-Tunnel dürfen nun selbst Behörden und Militärs Dokumente abhörsicher austauschen und Telefonate führen.

Preis: 1100 Euro

Foto: Presse

Wolken-Schloss

Was nützt die sicherste Internet-Verbindung, wenn sensible Daten auf den Cloud-Servern von Google bis Microsoft unverschlüsselt für Hacker oder Geheimdienste erreichbar sind? Die Software Boxcryptor des Augsburger Startups Secomba ändert das, indem sie Dokumente vor der Ablage im Netz verschlüsselt. Beim Öffnen auf PC, Tablet oder Smartphone werden die Dateien wieder entschlüsselt.

Preis: Basisversion gratis

Foto: WirtschaftsWoche

Sicherheits-Glas

Strategiemeetings, vertrauliche Projektbesprechungen: In vielen Situationen sind Zuschauer unerwünscht. Nun lassen sich ganze Fensterfronten, etwa die Glaswände von Konferenzräumen, blitzschnell gegen neugierige Blicke absichern: Die Klebefolie Sonte wird per WLAN-Funk vom Smartphone aktiviert und verwandelt sie in Milchglasscheiben.

Preis: 280 Dollar

Foto: Presse

Taschen-Tresor

Das iWallet des gleichnamigen US-Startups besitzt ein Karbongehäuse, das Geld, Kreditkarten oder Zugangsausweise fest umschließt. Wer es öffnen will, muss es über den eingebauten Fingerabdruck-Sensor öffnen.

Preis: ab 459 Dollar

Foto: Presse

Dafür will die Telekom noch vor Jahresende einen sicheren Flachrechner anbieten, der derzeit getestet wird. „Das Tablet hat derzeit Priorität“, sagt Stephan Maihoff, der bei T-System für die Sicherheitsgeräte verantwortlich ist. „Wir wollen das mobile Arbeiten mit allen Geräten über einen sicheren Zugang ermöglichen“.

Secusmart hat jedoch gute Chancen, auch bei den künftigen Bestellungen den Vorzug zu bekommen, da sich die Ministerien häufig für eine einheitliche Lösung entscheiden. Wenn nach der Regierungsbildung die neuen Mitarbeiter ausgerüstet werden, dürften weitere Bestellungen folgen. Sicherheitsspezialist Quelle prophezeit: „Wir gehen davon aus, dass 2014 noch einmal große Stückzahlen bestellt werden.“

Dabei waren Blackberrys lange in Ministerien untersagt, da die Daten über britische Server liefen. Doch das hat sich mit der neuen Generation geändert. Auch die jüngsten Snowden-Enthüllungen, laut denen die normale Blackberry-Verschlüsselung geknackt wurde, seien laut BSI kein Grund zur Sorge: „Die beschriebenen Angriffsmethoden liegen im Rahmen der auch vorher schon bekannten technischen Möglichkeiten.“ Sie bezogen sich zudem auf Seriengeräte der älteren Generation.

Da kein chinesisches Unternehmen, wie Lenovo, zum Zuge kommt, ist auch ein nun anstehender Verkauf kein Anlass für neue Sicherheitsbedenken. Noch gibt es vom BSI zwar keine abschließende Bewertung - „ein Anlass zu Befürchtungen besteht jedoch ebenso wenig“.

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