Nordrussland: Behörden machen Klimawandel für Anthrax-Ausbruch verantwortlich

Nordrussland: Behörden machen Klimawandel für Anthrax-Ausbruch verantwortlich

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Normalerweise herrschen am Polarkreis Minusgrade. (Symbolfoto)

Seit 75 Jahren hat es keinen Milzbrand-Ausbruch mehr in Sibirien gegeben - nun ist ein Zwölfjähriger gestorben.

In Nordsibirien ist es zum ersten Ausbruch von Milzbrand seit 75 Jahren gekommen - dabei heißt die Krankheit in Russland auch "sibirische Plage". Ein zwölfjähriger Junge ist bereits lang gestorben, insgesamt seien etwa 70 vermutlich Infizierte in Kliniken gebracht worden, teilten die Behörden in Salechard am Nordpolarkreis am Montag mit.

Zudem seien bereits mehr als 2300 Rentiere an dem Erreger gestorben. Experten aus Moskau stellten in der rund 2000 Kilometer entfernten Region ein Feldlazarett auf und begannen, mehr als 40 000 Rentiere zu impfen. Seit zehn Jahren gibt es solche Impfungen nicht mehr, berichtet der Nachrichtensender NBC - eine zu lange Zeit sei seit den letzten Ausbrüchen vergangen.

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Die örtlichen Behörden machen den Klimawandel für den Ausbruch der auch Anthrax genannten Krankheit verantwortlich - die Region leidet seit dem vergangenen Monat unter Höchsttemperaturen von 35 Grad. Ein Eindruck, den auch der Leiter des russischen WWF-Klimaprogramms, Alexei Kokorin, teilt: "Solche Hitze-Anomalien sind für Yamal selten, und das ist wohl eine Manifestation des Klimawandels", sagte er dem Guardian. Denn fast sicher ist, dass der Erreger aus dem Boden kam.

Spurensuche im Boden

Noch ist aber nicht klar, woher genau. Die DPA mutmaßt, dass ein historischer Friedhof von Nomaden die Quelle sein könnte. Dort hat das indigene Volk der Jamal-Nenzen seine Toten in Holzsärgen bestattet - und das nicht besonders tief, der Boden war schließlich gefroren.

Die Washington Post vermutet hingegen, dass es auch die Leichen von Hirschen gewesen sein könnten, die den Erreger in sich trugen. Nicht unwahrscheinlich: Millionen Tiere starben Anfang des 20. Jahrhunderts an Milzbrand und wurden einfach begraben - sie könnten nun nach einem Jahrhundert im Eis wieder auftauen, und mit ihnen die Erreger. Davor warnten russische Forscher schon vor fünf Jahren, die Studie "Thawing of permafrost may disturb historic cattle burial grounds in East Siberia" scheint nun umso aktueller zu sein.

Anthrax ist eine bakterielle Infektionserkrankung, die meist Tiere in Afrika, Asien und Teilen Europas befällt. Gefährdet sind vor allem Paarhufer wie Rinder. Menschen in Industrieländern sind äußerst selten betroffen. Allerdings liegt die Sterblichkeitsrate zwischen 25 und 80 Prozent.

Und es gibt noch ein weiteres Problem: Im Permafrost sind auch Millionen Tonnen Klimagase gebunden, die den Effekt der Erwärmung nun weiter verstärken dürften (wir berichteten). Die Siberian Times veröffentlichte Anfang des Jahres ein Video von Forschern, die in Yamal Methanblasen unter der Erdoberfläche entdeckt hatten.

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