Sauberes Wasser: Waschsack gegen giftiges Mikroplastik

Sauberes Wasser: Waschsack gegen giftiges Mikroplastik

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Dieser Waschsack soll Kunststoffteilchen vom Wasser fernhalten. (Alle Bilder: Langbrett / Guppy Friend / Kickstarter)

von Peter Vollmer

Kunststoffkleidung verliert mit jeder Wäsche Fasern, die dann ins Grundwasser gelangen. Ein innovativer Waschsack soll das verhindern.

Die Weltmeere sind voller Müll, mittlerweile über 100 Millionen Tonnen. Und auch wenn wir hierzulande nur einen Bruchteil dazu beitragen - ein wenig Plastik kommt auch von uns. Denn neben Recycling und Verbrennung der Abfälle fließt über unser Abwasser sehr wohl Kunststoff ins Wasser.

Alexander Nolte hat unsere Kunststoffkleidung als Problem ausgemacht: Sporthosen, Funktionsjacken und Wintersocken enthalten Elasthan, Polyester und andere Kunststoffe, die Jahrhunderte brauchen, um sich aufzulösen. Kleinstpartikel lösen sich allerdings bei jeder Wäsche ab – und landen so in der Kläranlage.

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"Dort ist es eigentlich egal, ob die Teilchen herausgeklärt werden oder nicht", erklärt Nolte. "Entweder sie landen in den Flüssen oder sie werden mit dem Klärschlamm auf Feldern ausgebracht und landen im Grundwasser." Nur wenn der Klärschlamm anders verarbeitet wird, etwa zu Kohle (wir haben hier ausführlich darüber berichtet), geht von dem Plastik keine Gefahr aus.

Das ist zwar klein - "aber bei einer Stadt von 100.000 Einwohnern entspricht der Plastikabrieb aus den Waschmaschinen etwa 15.000 Plastiktüten", erklärt Noltes Geschäftspartner Oliver Spies. Und zwar täglich. Um das zu ändern, haben sich die beiden selbstständig gemacht. Schon vorher arbeiteten sie im Innovationsbereich, etwa für VW und Siemens, nun sagen sie mit ihrer Langbrett GmbH Umweltsünden den Kampf an.

Waschsack gegen Plastikfasern

Gegen das Mikroplastik soll der "Guppy Friend Washing Bag" helfen. Ein Waschsack, der extrem fein gewoben ist. Auf einem Zentimeter werden 250 Fasern per Hand eingespannt und hitzebehandelt, damit nur Wasser und Waschmittel durchdringen.

Der engmaschige Aufbau des Stoffs soll verhindern, dass Plastikfasern den Beutel verlassen.

Der engmaschige Aufbau des Stoffs soll verhindern, dass Plastikfasern den Beutel verlassen. (Zum Vergrößern klicken.)

Dieser Stoff ist teuer – 25 Euro kostet ein solcher Beutel im Crowdfunding, über das sich Langbrett eine erste, aber natürlich nicht ausreichende Finanzierung verspricht. (Die Kampagne läuft noch bis Sonntag.) Mit Gewinnen rechnen Nolte und Spies ohnehin nicht - Langbrett entwickelt den "Guppy Friend" im Rahmen eines Non-Profit-Projekts namens "Stop! Micro Waste".

Profitieren soll der Käufer von einer längeren Lebensdauer seiner Wäsche. Denn der Beutel verhindert auch Abrieb. Aber das ist nur ein kleiner Aspekt: Hauptsächlich soll Mikroplastik aus dem Grundwasser verschwinden. Nach ein paar Waschgängen kann man die Kunststofffasern einfach entnehmen und über den Kunststoffmüll entsorgen.

Das macht das Wasser sauberer - und das Problem bekannter. Denn Nolte sagt selbst: "Das ist ein Zwischenschritt, nicht die Lösung. Hersteller von Waschmaschinen, Kleidungsproduzenten, alle müssen dieses Problem angehen."

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Die Kunststoffreste lassen sich leicht aus dem Guppy Friend entfernen.

Recycling-Kunststoffkleidung verschlimmert die Verschmutzung

Wer ohnehin nur Wolle trägt - egal ob tierisch oder pflanzlich - kann sich den Beutel sparen. Denn diese löst sich mit der Zeit auf. Kunststoff hingegen bildet in seinem 300 bis 400 Jahre langen Leben eine Heimat für verschiedene Bakterien - und auch die enthaltenen Giftstoffe, etwa hormonell wirksame Weichmacher, sind für Mensch und Tier ungesund.

"Gerade wenn Kleidung aus Recycling-Kunststoff besteht, lösen sich die Fasern schneller ab", erklärt Nolte. Ein kleiner Seitenhieb auf große Hersteller wie Adidas, das zuletzt den FC Bayern München mit einem Recycling-Trikot auflaufen ließ.

Einerseits ist es natürlich gut, wenn Kunststoffe wiederverwertet werden – andererseits verschärft dies das Kunststoffproblem in deutschen Gewässern. Fans des Rekordmeisters sollten also darüber nachdenken, ob sie den Zeugwarten ihres Vereins nicht für die Rückrunde auch einen "Guppy Friend Washing Bag" schenken.

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