Der Stromspeicher-Check: Wie günstig ist Teslas Powerwall wirklich?

Der Stromspeicher-Check: Wie günstig ist Teslas Powerwall wirklich?

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Teslas Powerwall nach der großen Enthüllung.

von Robert Habi

„Sie sind Mist!“ So lästert Tesla-Chef Musk über andere Speicherhersteller. Ganz schön große Klappe, finden wir. Zurecht?

Spricht man die deutschen Stromspeicher-Hersteller aktuell auf den Namen Tesla an, knirscht es schon mal in der Telefonleitung. Denn Elon Musk, CEO des kalifornischen E-Autoherstellers Tesla, hat ordentlich auf den Putz gehauen bei der Präsentation der neuen Powerwall, einem Solarstromspeicher (wir berichteten) für Eigenheimbesetzer und Gewerbe.

Erst bewertete er die aktuell angebotenen Heimspeicher mit: „They suck“ (zu Deutsch „sie sind Mist“). Dann verblüffte er mit einem nahezu utopisch anmutenden Preis für seine Heimbatterie: Einen Lithium-Akku mit sieben Kilowattstunden Kapazität will Musk für umgerechnet 2670 Euro (3000 Dollar) anbieten. Auch größere Akkus sind im Angebot. Musk nennt seine Heimakkus ganz unbescheiden „eine Revolution des Energiemarktes“.

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Innerhalb von Tagen ausverkauft

Und die Nachfrage scheint ihm Recht zu geben: lm kalifornischen Firmensitz in Palo Alto liefen in der ersten Woche nach der Präsentation die Telefonleitungen heiß: 40.000 Powerwalls seien schon bestellt, heißt es bei Tesla. Reservierungen kommen auch über das Internet. Der Akku soll im Sommer auf den US-Markt kommen, in Deutschland soll die Powerwall Ende des Jahres zu haben sein.

Großkunden wie der Versandhändler Amazon oder der Energieversorger Southern California Edison orderten insgesamt 2.500 Batterie-Pakete im Industriemaßstab. Geschätzter Wert: 625 Millionen Dollar (556 Millionen Euro).

Die Nachfrage ist so groß, dass Musk im Gespräch mit Analysten ankündigte, die Produktion seiner neuen Gigafactory in Nevada  um 50 Prozent zu erhöhen. Die riesige Akkuschmiede ist derzeit im Bau und gilt schon jetzt als größte Batteriefabrik der Welt.

Angesichts dieser Zahlen wirken die Daten eher ernüchternd, die der Bundesverband Solarwirtschaft kürzlich vorstellte. 10.000 Solarstromspeicher hat die staatliche KfW-Bank in Deutschland seit Beginn ihres Förderprogramms vor zwei Jahren finanziell unterstützt. 15.000 Solarstromspeicher sind laut Expertenschätzungen insgesamt in Deutschland in Betrieb.

Und obwohl die Preise für die Heimakkus im vergangenen Jahr um ein Viertel gefallen sind, scheinen die deutschen Anbieter im Vergleich mit Tesla preislich meilenweit abgeschlagen.

Grüne Vision inklusive

Aber ein genauerer Blick lohnt sich. Denn es stellt sich die Frage, ob die Tesla-Batterie nur ein genialer Marketing-Coup ist oder tatsächlich eine Revolution auch für den deutschen Markt?

Sicher ist: Musk inszeniert bestehende Technik als hippes Produkt, deutsche Anbieter kommen dagegen immer etwas bieder daher. Der Kunde kann bei Tesla zwischen zwei eleganten Akku-Varianten in schwarz und weiß wählen. Und der Tesla-Chef packt zur Batterie kostenlos die Vision einer grünen Energiezukunft mit drauf.

Bei aller berechtigten Euphorie steht aber jetzt schon fest: Eine einsatzfähige, an die Wand montierte Powerwall bekommt niemand für 2700 Euro. Den einen Wechselrichter, der den Gleichstrom der Photovoltaikanlage in Wechselstrom wandelt, zahlt der Kunde in jedem Fall noch. Den wird das israelische Unternehmen Solaredge liefern. Preis: unbekannt. Und von allein schließt sich der Speicher auch nicht an - die Kosten für einen Installateur kommen also noch oben drauf.

Außerdem sind die von Musk genannten 3000 Dollar ein Großhandelspreis. Was deutsche Verkäufer der Powerwall draufschlagen, ist noch ungewiss.

Günstig gegen erfahren

Ist es mit dem Tesla-Akku also wie mit den Billigfliegern, die so viel versteckte Gebühren verlangen und Extra-Kosten aufschlagen, dass sie am Ende doch so teuer wie die Lufthansa sind?

Um diese Frage zumindest annähernd zu beantworten, haben wir die gängigsten deutschen Anbieter von Speicherlösungen in der folgenden Liste mit der Powerwall verglichen (Voraussetzung war, dass die Unternehmen WiWo Green die Preise und Gerätedetails zur Verfügung stellen):

Wie ist die Liste (hier auch nochmal als PDF) nun zu interpretieren?

Ersteinmal listet sie auch Speicher, die sich öfter be- und entladen lassen als der Tesla-Akku und damit ihren höheren Preis wettmachen können. Bei den Akkus der Anbieter handelt es sich um in Deutschland erprobte Heimspeicher, die auch einen Wechselrichter im Preis integriert haben, der im von Musk genannten Preis nicht inbegriffen ist. Ein Energiemanagement-System hat der Tesla-Akku dagegen integriert.

In den USA bietet das Unternehmen Solarcity den Tesla-Speicher mit 10 Kilowattstunden für einen Verkaufspreis von rund 7000 Dollar an (ca. 6200) Euro. Die kleinere Version dürfte also unter 6000 Euro liegen.

Eine weitere wichtige Einschränkung: Tesla verbaute bisher Autoakkus, die ihre Fahrer gern vollgeladen nutzen. Wie stark die Leistung im Heimspeicher nach vielen Entladezyklen abfällt, lässt sich nicht sagen. Allerdings lösen die Kalifornier dieses Problem über ihre Zehn-Jahres-Garantie.

Nächster Punkt ist die abrufbare Leistung: Einige deutsche Hersteller wie Sonnenbatterie können gleichbleibend mehr als drei Kilowatt Leistung zur Verfügung stellen. Die Powerwall schafft maximal zwei Kilowatt und 3,3 in der Spitze – eine Waschmaschine benötigt zum Beispiel 2,5 Kilowatt, um zu waschen, ein Herd braucht noch mehr.

Allerdings benötigen Laptops, Fernseher oder auch Kaffeemascheinen deutlich weniger Leistung, sie könnte ein Tesla-Akku also zusammen versorgen.

Dennoch: Wie viel man bei einem Speicher aus dem Hause Tesla ungefähr spart, zeigt der Preis pro Kilowattstunde. Die in Deutschland etablierten Anbieter liegen dabei deutlich über dem Tesla-Preis.

Experten sehen die günstigen Speicher derzeit bei 1000 Euro pro Kilowattstunde; in ein paar Jahren könnten es 800 Euro sein. Diesen Wert erreicht Tesla heute schon, allerdings im Großhandelspreis. Aber auch wenn Lichtblick noch etwas auf den Akku aufschlägt und Steuern hinzukommen, dürfte er immer noch unter den herkömmlichen Systemen liegen.

Fazit: Selbst inklusive der zusätzlichen Kosten ist der Preisunterschied der Powerwall zur Konkurrenz deutlich. Wie die in Deutschland etablierten Hersteller auf die Preisoffensive reagieren, bleibt abzuwarten.

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Wer die Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde noch etwas genauer errechnen will, kann sich an folgende Formel halten: Die Investitionskosten geteilt durch die praktisch speicherbare Energiemenge (Nennleistung multipliziert mit der Anzahl der Vollzyklen, der Entladetiefe und des Systemwirkungsgrades). Wann sich ein Speicher lohnt, hängt natürlich auch von der Strommenge ab, die die Solaranlage produziert und wie viel Strom ein Haushalt oder ein Gewerbe zu welcher Tageszeit verbraucht.

Korrektur: Lichtblick ist nicht, wie in einer ersten Version des Textes beschrieben, "Vertriebspartner" von Tesla in Deutschland, sondern "Kooperationspartner". Lichtblick wird die Powerwall nicht notwendigerweise verkaufen, sondern Powerwall-Kunden verschiedene Services anbieten.

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