Grüner fliegen: Lufthansa startet 5000 Flüge mit Biokerosin

Grüner fliegen: Lufthansa startet 5000 Flüge mit Biokerosin

von Benjamin Reuter

Die Lufthansa Gruppe startet eines der größten Biosprit-Programme: Ab Mai sollen Maschinen in Oslo mit grünem Treibstoff abheben.

Ab Mai wird das norwegische Energieunternehmen Statoil am Flughafen in Oslo für die Dauer eines Jahres knapp 9,5 Millionen Liter Biokerosin zur Verfügung stellen. Tanken werden den grünen Treibstoff die Flugzeuge der Lufthansa Gruppe (Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Germanwings und Brussels Airlines).

Im Laufe des Jahres werden rund 5000 Flüge der Lufthansa Gruppe in Oslo starten. Allerdings fliegen die Maschinen nicht mit reinem Biokerosin - Statoil mischt den grünen Treibstoff mit herkömmlichen Flugzeugsprit. Nur rund fünf Prozent des Treibstoffs werden bei jedem Flug aus Biokerosin bestehen. Dennoch ist es eines der größten Biosprit-Programme in der jüngeren Luftfahrtgeschichte.

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Keine Alternativen zu BiotreibstoffenLufthansa gehört zu den Pionieren bei der Erprobung von Biotreibstoffen im Luftverkehr. Schon 2011 flogen Maschinen zwischen Frankfurt und Hamburg mit Kerosin unter anderem aus der Jatropha-Pflanze. Umweltschützer äußerten damals aber Zweifel an der Nachhaltigkeit des Sprits.

Das Problem bei den aktuellen Biotreibstoffen, egal ob sie für Flugzeuge oder Autos gebraucht werden: Die Pflanzen, die als Rohstoffe dienen, verdrängen häufig Nahrungsmittelpflanzen von den Äckern. Mais oder Soja landet statt auf dem Teller gleich im Tank. Manche Experten kommen auch zu dem Schluss, dass Biotreibstoffe wegen des aufwendigen Anbaus nicht klimafreundlicher als herkömmliches Benzin, Diesel oder Kerosin sind.

Lufthansa verweist immerhin darauf, dass das Biokerosin in Oslo zertifiziert sei. Das bedeutet unter anderem, dass für den Anbau der Pflanzen kein Regenwald gerodet werden darf. Woher die Rohstoffe für das Bio-Kerosin stammen sollen, stünde aber noch nicht fest, heißt es aus dem Unternehmen.

Treibstoff aus AbfällenBleibt die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll, dass Airlines herkömmliches Kerosin zumindest teilweise durch Biotreibstoffe ersetzen? Die Antwort lautet Jein. Jedes Jahr nimmt die Anzahl der Flüge weltweit  zu – und so steigt auch der CO2-Ausstoß der Luftfahrtbranche. Flugzeuge können aber im Gegensatz zu Autos nicht mit sauberem Strom oder Wasserstoff angetrieben werden, sondern benötigen Flüssigtreibstoffe mit hohem Energiegehalt. Dieses Kriterium erfüllen als Alternative zum Kerosin derzeit nur Biotreibstoffe, synthetischer Sprit befindet sich noch in der Entwicklung.

Insofern bleiben den Airlines derzeit nur Biotreibstoffe, wenn sie den Ausstoß von Treibhausgasen verringern wollen. Das Dilemma  "Tank oder Teller" muss künftig aber nicht mehr unbedingt auftreten.

Denn der Flugzeugbauer Boeing arbeitet an Treibstoffen aus Wüstenpflanzen und der finnische Energieversorger Neste Oil stellt Diesel aus Lebensmittelabfällen her. Das US-Biotech-Unternehmen Amyris arbeitet zusammen mit dem französischen Ölmulti Total an Kerosin aus Pflanzenresten – sie alle gelten als Biotreibstoffe der zweiten Generation.

Das Projekt von Lufthansa ist damit ein erster Schritt in die richtige Richtung – doch weitere müssen folgen. Nur Biosprit aus Pflanzenresten, Abfällen oder Pflanzen, die auf ansonsten nicht nutzbaren Böden wachsen, wäre wirklich nachhaltig.

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