Medizinische Versorgung: Wie krank unser Gesundheitssystem ist - Seite 9

Medizinische Versorgung: Wie krank unser Gesundheitssystem ist

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Zum Beispiel von Hans-Joachim Maes, einem selbstständigen Profirechercheur in Sachen medizinischer Dokumentation aus Berlin. „Äußerst dubios“, erscheint diesem Sawickis Rolle bei einer Studie für das zur italienischen Menarini-Gruppe zählende Pharmaunternehmen Berlin-Chemie. Sawicki habe über den Blutdruck senkenden Betablockler Nebivolol aus dem Hause Berlin-Chemie ein wenig aussagekräftiges Gutachten erstellt. Die von Maes monierte Studie bescheinige Betablockern, dass sie unbedenklich seien. „Sawicki hat weitreichende Schlüsse für Millionen Patienten auf der Basis von zehn Probanden gezogen“, sagt Maes. Damit entspreche die Untersuchung in keiner Weise den Anforderungen, die das IQWiG normalerweise an medizinische Studien stellt.

Haltlose Anschuldigungen?

Sawicki findet Maes Anschuldigungen völlig haltlos. „Diese Pilotstudie sollte nur die Machbarkeit der simultanen kombinierten Messung der Insulinsensitivität, des Blutflusses und der arteriellen Elastizität bei Typ-2-Diabetikern klären, die entweder diesen Betablocker oder einen ACE-Hemmer schlucken“ sagt Sawicki. „Für so eine eng umrissene Fragestellung reichen zehn Probanden aus.“ Darüber hinaus habe er keine weitreichenden Schlüsse gezogen. Wenn die Berlin-Chemie das getan habe, sei es durch seine Studie jedenfalls nicht gedeckt. Der Abschlusssatz im Fazit von Sawickis Publikation lautet: „Wenn diese Ergebnisse sich in größeren Studien bestätigen ließen, wäre das ein Argument gegen die Vorbehalte gegen Betablocker als Erstlinientherapie bei Patienten mit Diabetes wegen möglicher metabolischer Nebenwirkungen.“

Rezepte gegen den Filz

Auch hier zeigt sich: Die deutsche Gesundheitsbranche ist in sich derartig verfilzt, dass keiner mehr so recht weiß, wem er noch trauen kann. Ein Teil des Sumpfes ließe sich trockenlegen, wenn Bestechlichkeit auch bei niedergelassenen Ärzten strafbar wäre, glauben die Korruptionsexperten Dolata und Michels. Doch an der nötigen grundlegenden Reform des kranken deutschen Gesundheitssystems ist zur Freude der Interessengruppen aus Pharmazie und Medizin bislang noch jeder Politiker gescheitert. Der niedersächsische Minister Rösler wünscht sich manchmal, „einfach wie beim Computer den Reset-Knopf drücken zu können und das System komplett neu aufzusetzen“. Doch den Knopf hat auch er noch nicht gefunden.

35 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.10.2009, 13:41 UhrAnonymer Benutzer: Chris

    .... und wer bezahlt das ganze Thema auch noch? Wir unmündigen Patienten. Schade dass wir alle uns nicht informieren und uns leider wie immer nicht wehren und durchsetzen. Schließlich ist es doch jedem seine eigene Gesundheit. ich persönlich gehe schon seit Jahren nicht mehr zur Schulmedizin, ich habe eine sehr geeignete Alternative gefunden die das Ganze sieht und behandelt.
    LG

  • 16.10.2009, 19:20 UhrAnonymer Benutzer: Public_Health

    @Wilfried impfungen sind die elementare basis eines guten Gesundheitssystems. Sie verhindern auf leichte Art und Weise leicht übertragbare Krankheiten und sind im Verhältnis zum Nutzen geradezu billig.
    So lange es in Deutschland eine Selbstverwaltung des Gesundheitswesens gibt, wird sich jeder Politiker die Zähne daran ausbeißen. Dies führt wiederum zu Pseudo-Reformen.
    Weiterhin ist dieser Mix aus Staatlicher Regulierung und Marktwirtschaflichen Regelungen gerade zu günstig für oben beschriebenes Handeln. ich sehe keinen Markt im bereich des Gedunheitswesens. Alle bekannten Marktmechanismen führen im Gesundheitswesen zum Marktversagen und damit zu keiner Versorgung von Erkrankten.

  • 09.10.2009, 19:31 UhrAnonymer Benutzer: Wilfried

    Schafft die Kassenärztliche Vereinigungen ab. Versichert sollen nur Krankenhausleistungen werden; ambulante Leistungen können privat abgerechnet werden. in diese Grundversicherung der Krankenhausl. müssten alle Personen einzahlen. Reduziert die Anzahl der Krankenkassen und verbessert die Vorsorge. impfungen kosten nur viel Geld, bringen aber keine Verbesserung der Gesundheit.

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