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Neuromarketing: Kauf mich!

von Martin Lindstrom und Redaktion: Susanne Kutter

Mit moderner Technik entschlüsseln Hirnforscher und Marketingexperten die subtile Wirkung von Werbung auf unser Unterbewusstsein. Neuromarketing erklärt, warum wir kaufen, was wir kaufen.

Wie Werbung uns beeinflusst Quelle: Olaf Hajek
Wie Werbung uns beeinflusst Quelle: Olaf Hajek
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Wo kommen Werbebotschaften an? Wann wirken Düfte und Geräusche? Wie funktioniert Markenbindung? Und vor allem: Wie reagiert das Unterbewusstsein auf Werbung? Seit Jahren beschäftigen sich Marketingexperten mit diesen Fragen. Doch erst zusammen mit Hirnforschern finden sie endlich Antworten. Mit modernster, aus der Medizin entliehener Diagnosetechnik untersuchen sie, was Werbung und Produktgestaltung in unserem Gehirn auslösen.

Die Werbebranche und Marketingfachleute beobachten diese Entwicklung mit großem Interesse. Denn alleine deutsche Unternehmen stecken jedes Jahr rund zwei Milliarden Euro in Marktforschung. Dafür werden Tausende Menschen nach ihren Wünschen und Meinungen befragt. Oft allerdings ohne Erfolg. Denn ihre Antworten scheinen nur selten etwas mit ihren wahren Kaufgewohnheiten zu tun zu haben. Immer klarer wird, dass kaum ein Konsument weiß, weshalb er sich für eine Marke entscheidet oder Stammkunde eines bestimmten Unternehmens wird. Produkteinführungen gleichen deshalb einem Vabanquespiel: Acht von zehn erweisen sich in den ersten drei Monaten als Flop.

Deshalb setzen die Unternehmen so große Hoffnungen in die neuesten Forschungsergebnisse des Neuromarketings. Forscher aus München, Bonn, Münster und Magdeburg gehören in diesem Feld zur Weltspitze. Nun hat der in Australien lebende Markenexperte Martin Lindstrom die bisher umfangreichste Neuromarketing-Studie mit über 2000 Teilnehmern in fünf Ländern abgeschlossen. Sein in den USA bereits erschienenes Buch „Buyology – Warum wir kaufen, was wir kaufen“ landete innerhalb weniger Wochen auf den Bestsellerlisten. Das „Time“-Magazin wählte Lindstrom sogar zu den 100 einflussreichsten Personen des Jahres 2009. Die WirtschaftsWoche druckt exklusiv Auszüge seines Buches ab, das am 10. August in Deutschland erscheint.

Es ist nicht zu leugnen: Wir alle sind Verbraucher. Ob wir ein Handy kaufen, eine Antifaltencreme oder eine Coca-Cola – Einkaufen spielt eine große Rolle in unserem Leben. Darum werden wir auch tagtäglich mit Dutzenden, ja Hunderten von Werbe- und Marketingbotschaften überflutet. Fernsehspots und Großplakate, Werbe-banner im Internet, Ladenschilder und Shop-Fronten: Wir werden ständig mit Marken und Informationen über Marken bombardiert, aus allen Richtungen und mit Höchstgeschwindigkeit. Wie kann man erwarten, dass wir angesichts der Fülle an Werbung, der wir täglich ausgesetzt sind, irgendetwas davon länger im Gedächtnis behalten? Was entscheidet darüber, welche Informationen in unser Bewusstsein dringen und welche unser Gehirn sofort entsorgt?

Bei meiner Beratertätigkeit, wie man bessere Marken mit langer Lebenserwartung schafft, fiel mir auf: Etwas war faul im Werbe-Staat. Zu viele Produkte erwiesen sich als Flops, schafften keinen richtigen Durchbruch oder wurden gar nicht erst großflächig eingeführt. Die herkömmliche Marktforschung funktionierte nicht. Ich wollte herausfinden, warum Verbraucher von einer bestimmten Bekleidungsmarke, einem bestimmten Automodell, einem Rasierschaum, einem Haarwaschmittel oder einem Schokoriegel angezogen werden. Mir war klar, dass die Antwort irgendwo im Gehirn zu finden war. Wenn die Marketingleute herausfinden könnten, was in unserem Gehirn vor sich geht und uns eine Marke einer anderen gegenüber bevorzugen lässt – welche Information den Filter unseres Gehirns passiert und welche nicht –, dann könnte man anhand dieser Erkenntnis wirklich Marken für die Zukunft schaffen.

Neuromarketing, diese faszinierende Verbindung von Marketing und Wissenschaft, stellt das „Fenster“ zum menschlichen Gehirn dar, auf das wir lange gewartet haben. Neuromarketing ist der Schlüssel zu dem, was ich als „Buyology“ [den Kaufauslöser in unserem Hirn] bezeichne: die unbewussten Gedanken, Gefühle und Wünsche, die alle Kaufentscheidungen bestimmen, die wir treffen.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.09.2009, 23:56 UhrAnonymer Benutzer: Marketer

    ich muss gleichermaßen zugeben, dass ich mich durch beide Artikel des Herrn Lindström quälen musste. Nicht, weil es am Thema liegt - ich komme aus der branche. Das Problem ist, dass wie die anderen MaFo-Konzepte es auch versuchen, auch hier nach der übergreifenden Wahrheit für den goldenen Weg gesucht wird. Nicht unberechtigt, es geht um viel, viel Geld.
    Aber: bislang wird zuviel auf Ergebnisse geachtet. Was heißt das? Der kreative Entstehung-Prozess wird vernachlässigt. Und der entscheidet in meinen Augen ebenso wie richtige Konzertierung von Marketinginstrumenten in den richtigen Kanälen.

    in diesem Sinne: Marketing - und Werbekommunikation sind eine komplexe Vernetzungsleistung, die vor einem bestimmten Geschäftsmodell falsch oder richtig erstellt werden können. insofern hat eine gute Vernetzungsleistung sicherlich auch einen "positiveren" neuronalen Ausschlag zur Folge, der sich von schlechter Werbung unterscheidet. Aber das ist, wie ein anderer Kommentator bereits geäußert hat, eine vorhersehbare Leistung.

    ich denke, dem Marketing würden mehr interdisziplinärer Dialog und mehr Fachkenntnisse gut tun. Aber ich habe mir mehr von den neuronalen Ergebnissen erhofft. Nur quäle ich mich seit Jahren durch immer neue Hiobsbotschaften, wie komplexe Zusammenhänge auf best-Practice oder Every-is-Changing-Erkenntnisse zusammen gedampft werden. Aber diese Erkenntnisse sind kein WiWo-Titel wert, höchstens eine buchvorstellung...

    Den Artikel zur Religion und zur Marke: ein lustiges Sammelwerk für Einsteiger, dem Experten wird die Vernetzungsleistung allerdings etwas trivial vorkommen.

    in der Hoffnung, dass in Zukunft nicht alle Preisschilder mit Smileys versehen werden - die haben nämlich in einer anderen Neuro-Studie auch großartigen Erfolg gehabt...

  • 17.08.2009, 23:10 UhrAnonymer Benutzer: Mr. Markenlexikon

    Habe vor kurzem die englische Ausgabe des oberpeinlichen buches "buyology" von Martin Lindstrom gelesen. Das muss man erst einmal verdauen. Was sich Lindstrom einbildet, und wie er sich zum Supermarketingexperten aufbläst, ist kaum noch zu toppen. Ein paar Kostproben:

    > "The results ... [will] transform the way you think about how and why you buy." (S. 12)
    > "i felt i could help uncover our minds' truest motivations - and just maybe push human brain science forward at the same time." (S. 22f.)
    > "The brain scan study i decided to undertake would be the first attempt to examine not just a specific brand ... but to explore what the concept "brand" really means to our brains." (S. 33)
    > "it was the first time that anyone had tried to prove a scientific link between brands and the world's religions." (S. 121)
    > "Thanks to our brain-scan experiments, for the first time ever, we know the brain science behind why." (S. 190; referring to the use of sex and beauty in advertising)
    > "in this book, you've witnessed a historic meeting between science and marketing." (S. 194)
    > "My study has, i hope, helped to demystify much of what goes on in our subconscious minds." (S. 203)

    Mir tun all die ehrbaren Wissenschaftler leid, deren Studienergebnisse er unter seinen Namen vermarktet!

    Rahel Willhardt hat es Anfang des Jahres in der Absatzwirtschaft auf den Punkt gebracht: "Vielleicht ist das größte Manko des buches seine (für europäisch sozialisierte Gehirnwindungen) zum Größenwahn neigende Vermarktung." (1/2009, S. 39)

    Dem kann ich nur beipflichten: No-buy-ology!!!

  • 17.08.2009, 11:51 UhrAnonymer Benutzer: Hamanda

    Alles ist Universum - auch du und ich. Aber wer bin ich? Gibt es mich überhaupt? Eigentlich nicht. Ergo: Es gibt auch kein Dopamin oder pseudowissenschaftlichen Nonsens.

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