Lebensmittel: „Fleisch, für das kein Tier sterben muss“

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InterviewLebensmittel: „Fleisch, für das kein Tier sterben muss“

von Eva Mühle

Vor drei Jahren wurde der erste Hamburger aus der Petrischale verkostet, für den Niederländer Peter Verstrate der Höhepunkt seiner Karriere. Jetzt leitet er das Start-up MosaMeat. Das Ziel: Mit künstlichem Fleisch unsere Ernährung und Viehzucht radikal umkrempeln.

WirtschaftsWoche: Herr Verstrate, im August 2013 haben sie zusammen mit Ihren Kollegen der Öffentlichkeit den weltweit ersten synthetischen, ausschließlich im Labor hergestellten Hamburger präsentiert. Das war ein riesiges Event. Was hat sich seitdem getan?

Peter Verstrate: 2013 konnten wir der ganzen Welt beweisen, dass unser Konzept funktioniert. Wir haben gezeigt, dass man Fleisch in der Petrischale züchten kann. Ein marktreifes Produkt war das aber noch nicht. Der Hamburger bestand nur aus Muskelgewebe. Da waren weder Fettzellen noch Bindegewebe drin und er hatte keine Farbe. Die Forschung ging dann erst mal auf einem akademischen Level an der Universität Maastricht weiter. Irgendwann haben mein Kollege Mark Post und ich beschlossen, dass wir das Projekt unter diesen Rahmenbedingungen nicht erfolgreich weiterführen können. Dann haben wir uns hingesetzt und überlegt, welche Ressourcen wir benötigen, um in rund vier Jahren ein marktreifes Produkt zu haben. Dann haben wir einen Plan aufgestellt und im Mai 2016 das Start-up MosaMeat gegründet.

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Peter Verstrate entwickelte zusammen mit Mark Post den weltweit ersten künstlichen Hamburger. Quelle: PR

Peter Verstrate ist studierter Lebensmitteltechniker. Zusammen mit dem niederländischen Medizinprofessor Mark Post ist es ihm 2013 gelungen, den weltweit ersten künstlichen Hamburger zu produzieren. Seit 2016 leitet Verstrate zusammen mit seinem Kollegen Post das Start-up MosaMeat, ein Spin-Off der Universität Maastricht.

Bild: PR

Was ist das Ziel von MosaMeat?
Das Problem ist klar: Wir brauchen zukünftig eine Alternative zum traditionellen Fleisch, weil wir eine nachhaltige Produktion nicht mehr gewährleisten können. Mit MosaMeat möchten wir beweisen, dass das Züchten von Gewebe im Labor eine Technologie ist, um Fleisch zu produzieren. So könnten wir ein sehr relevantes Problem umgehen – den schädlichen Einfluss, den die klassische Fleischproduktion auf diese Welt hat. Und wenn wir mit unserem Produkt marktreif sind, soll jeder davon profitieren können.

Wie entsteht denn dieses synthetische Fleisch? Reden wir jetzt überhaupt noch von tierischem Fleisch oder eher von einem Ersatzprodukt?
Wir nutzen denselben Wachstumsprozess, der in einem Tier abläuft, nur dass wir diesen Ablauf außerhalb des Tieres nachahmen. Wir umgehen das Tier also und müssen es nicht töten. Denn wir verwenden dieselben tierischen Zellen, die die Muskeln des Tiers bilden und aus denen unser Fleisch aus dem Supermarkt entsteht. Diese Zellen entnehmen wir dem Tier in einem nicht-tödlichen Eingriff, vervielfältigen sie – genau so würden sie es auch im Tier tun – und wandeln sie in Muskelgewebe um, welches dann quasi dem Fleisch aus dem Kühlregal entspricht.

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Am Ende wird es sicherlich eine Preisfrage sein. Ihr Burger von 2013 hat ja eine Viertelmillion Euro gekostet…
Wenn man den heute machen würde, wäre es schon billiger. Damals haben wir den Hamburger wirklich in Handarbeit geschaffen. Jede einzelne der insgesamt 20.000 Muskelzellen des Burgers wurde in einer separaten Petrischale hergestellt. Das ist der Grund, warum der Burger so teuer war. Wenn man die aktuelle Technologie nimmt, um ein Kilogramm synthetisches Fleisch zu produzieren, liegt man aktuell schon bei 70 bis 80 Dollar pro Kilo, aber das ist immer noch zu teuer, um als Alternative zum traditionellen Fleisch wettbewerbsfähig zu sein. Eine unserer wichtigsten Aufgaben in den nächsten drei bis vier Jahren ist es also, die Herstellungskosten und damit den Preis zu senken. Das schaffen wir, wenn wir die Produktion hochskalieren. Man darf nicht vergessen, für unser Fleisch nutzen wir eine Technologie aus der Medizin, um Gewebe im Labor zum Beispiel für Operationen zu züchten, und setzen sie für die Massenproduktion ein.

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