Streit um Glyphosat: "Kein Pflanzengift ist harmlos"

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InterviewStreit um Glyphosat: "Kein Pflanzengift ist harmlos"

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Glyphosat ist eines der derzeit am stärksten debattierten Pflanzenschutzmittel.

von Susanne Kutter

Laut einer Studie der Grünen wurde Glyphosat in Muttermilch nachgewiesen. Wie gefährlich ist das Pflanzenvernichtungsmittel wirklich? Ein Gespräch mit Roland Solecki vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

WirtschaftsWoche: Herr Solecki, derzeit herrscht einige Aufregung um das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat. Einstmals hatten Agrochemie-Hersteller wie der US- Konzern Monsanto den Unkrautkiller, der jegliche Pflanzen umbringt, als besonders umweltschonend und verträglich für Mensch und Tier gepriesen. Den könne man trinken wie ein Glas Wasser.

Roland Solecki: Ich weiß. Es gab auch Werbeanzeigen, in denen sich jemand ein Pflanzenschutzmittel in den Gummistiefel kippte, um zu dokumentieren, wie harmlos das Mittel sei. Zum Glück ist solche Werbung inzwischen Vergangenheit. Denn natürlich ist kein Pflanzenschutzmittel harmlos.

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Wie gefährlich ist Glyphosat?

Das Mittel reizt Schleimhäute und Augen und ist in sehr hoher Dosierung auch sehr gesundheitsschädlich. Dabei reagieren Versuchskaninchen empfindlicher als Ratten und Mäuse. Bei Kaninchen, die pro Kilogramm Körpergewicht 50 Milligramm pro Kilogramm Glyphosat gefüttert bekamen, konnten noch keinerlei Auswirkungen festgestellt werden, ab 100 Milligramm pro Kilogramm beobachteten Forscher schädliche Effekte. Erste Todesfälle sind erst ab einer Dosis von 200 Milligramm pro Kilogramm aufgetreten. Beim Menschen liegt die Dosis deutlich höher.

Zur Person

  • Roland Solecki

    Der Biologe Roland Solecki leitet seit dem März 2014 die neu strukturierten Abteilung „Sicherheit von Pestiziden“ im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Woher wissen Sie das, wo doch selbst Kaninchen und Mäuse so unterschiedlich reagieren?

Weil es in Südamerika und Asien Vergiftungsfälle und auch Selbstmorde mit Glyphosat gab. Daraus lässt sich die tödliche Dosis für den Menschen zurück rechnen.

In der Muttermilch von 16 Frauen wurde vor einer Woche in Deutschland ebenfalls Glyphosat gefunden.

Ja, aber diese von den Grünen beauftragte Studie hat mehrere Schwachpunkte. So ist die Methode, die das Labor verwendete, für den Nachweis von Glyhposat in einer fetthaltigen Matrix weder geeignet noch für amtliche Prüfungen zugelassen. Wir nennen das validiert. Der höchste dort angegeben Wert von 0,43 Nanogramm pro Liter – wobei ein Nanogramm ein Milliardstel Gramm ist – liegt unter der Nachweisgrenze, die mit den üblichen und dafür validierten Methoden überhaupt gemessen werden kann. Auch wissen wir nicht, wie diese 16 Frauen ausgewählt wurden – und die Zahl der Untersuchungen ist viel zu klein, um daraus wirklich aussagekräftige Schlüsse zu ziehen. Aber wir gehen dieser Sache nach, haben mit vielen Labors und den zuständigen Landesuntersuchungsämtern Kontakt aufgenommen und werden notfalls eigene Untersuchungen initiieren.

Und wenn die Angaben Studie stimmen?

Dann ist der höchste dort angeblich gemessene Wert so gering, dass wir beim Bundesinstitut für Risikobewertung gemeinsam mit der nationalen Stillkommission davon ausgehen, dass das gesundheitlich völlig unbedenklich ist. Das heißt, ein sechs Kilo schwerer Säugling könnte über einen längeren Zeitraum täglich 1,8 Milligramm Glyphosat aufnehmen, ohne dass es zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommt.

Also einige tausend Liter Milch?

Das können Sie selbst ausrechnen.

Für Trinkwasser sind aber nur 0,1 Nanogramm Glyphosat zugelassen. Und über diesem Wert würde die Muttermilch ja deutlich liegen, oder?

Die Vorgabe für das Trinkwasser ist ein reiner Vorsorgewert, der für alle Pflanzenschutzmittel gleichermaßen gilt. Er hat nichts mit dem tatsächlichen Gefahrenpotential einer Substanz zu tun. Die Idee dahinter ist, dass wir so wenig wie möglich biologisch aktiver Substanzen im Wasser haben wollen.

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