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Easyjet„Ständige Streiks machen Geschäft unberechenbar“

Carolyn McCall, die Chefin des Billigfliegers Easyjet, erklärt, warum sie sich auf steigende Kerosinpreise freut. Außerdem äußert sie sich zu den Übernahmegerüchten rund um Air Berlin.Rüdiger Kiani-Kreß 09.05.2016 - 12:00 Uhr

Easyjet-Chefin Carolyn Mccall.

Foto: Bloomberg

Frau McCall, Ihre Branche hat sich immer schnell von Schocks durch Streiks oder Terror erholt. Wie ist das nach der Anschlagswelle von Paris, Ägypten und Brüssel?
Carolyn McCall: Die vergangenen Monate waren die schlimmste Zeit für alle Airlines.

Haben Sie keine Krisenpläne?
Klar. Aber die helfen uns jetzt wenig. Diesmal kommen zur Buchungszurückhaltung nach den Anschlägen die ständigen Streiks von Fluglotsen in Frankreich und Belgien und des Sicherheitspersonals in Deutschland. Diese Kombination ist neu und macht das Geschäft fast unberechenbar.

Die Nebeneinkünfte der Airlines abseits des Ticketverkaufs
Alaska Air GroupJahresergebnis 2014: 921 Millionen US-DollarVorjahr: - Quelle: „Yearbook of Ancillary Revenue 2015” der IdeaWorksCompany
Qantas AirwaysJahresergebnis 2014: 1,4 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 09, 1,3 Milliarden US-Dollar
easyJetJahresergebnis 2014: 1,5 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 07, 1,4 Milliarden US-Dollar
LufthansaJahresergebnis 2014: 1,6 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 08, 1,3 Milliarden US-Dollar
SouthwestJahresergebnis 2014: 1,9 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 06, 1,6 Milliarden US-Dollar
RyanairJahresergebnis 2014: 1,9 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 05, 1,7 Milliarden US-Dollar
Air France/KLMJahresergebnis 2014: 2 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 04: 1,7 Milliarden US-Dollar
DeltaJahresergebnis 2014: 3,2 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 02, 2,5 Milliarden US-Dollar
AirwaysAmerican/US AirwaysJahresergebnis 2014 (Vorjahr): 4,7 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 03, 2 Milliarden US-Dollar (American)/ Platz 10, 1,1 Milliarden US-Dollar (US Airways)
UnitedJahresergebnis 2014: 5,9 Milliarden US-DollarVorjahr: Platz 01, 5,7 Milliarden US-Dollar

Wird Ihr Geschäft dauerhaft leiden?
Ich glaube nicht. Wir werden auch diese Probleme überwinden und 2016 wie geplant sieben bis acht Prozent wachsen.

Und die Branche? Droht das von Ryanair-Boss Michael O’Leary erwartete Blutbad?
Das mit dem Blutbad ist ein wenig übertrieben. Der niedrige Ölpreis schützt die weniger konkurrenzfähigen Linien.

Warum?
Der billige Sprit hilft vor allem Altlast-Airlines, wie wir etwa Air France-KLM nennen. Die können mit ihren alten, ineffizienten Jets viele Strecken anbieten, die sie bei höheren Kerosinpreisen einstellen müssten.

Meiste Verspätungen – Platz 5: Nürnberg
Der zweitgrößte Flughafen Bayerns schneidet in der Verspätungsrangliste schlecht ab. Im Jahr 2015 waren insgesamt 504 Flüge verspätet oder wurden annulliert. Das waren 3,13 Prozent aller Flüge in Nürnberg. Die Prozentzahl gibt dabei den jeweiligen Prozentsatz der Verspätungen ab einer Stunde sowie Annullierungen am Gesamtflugvolumen des Flughafens an.

Quelle: „Welt“, Flightright/OAG, Mindestflugvolumen jeweils 5000 Flüge pro Flughafen.

Foto: dpa

Meiste Verspätungen – Platz 4: Leipzig/Halle
An Sachsens Drehkreuz Leipzig hatten zwar lediglich 292 Flüge mehr als eine Stunde Verspätung oder wurden annulliert, doch die machten 3,21 Prozent des Flugvolumens aus. Sprich: Passagiere mussten im innerdeutschen Vergleich oft warten.

Foto: dpa

Meiste Verspätungen – Platz 3: Köln/Bonn
Auch größere Flughäfen schneiden in der Verspätungsrangliste schlecht ab: Der Airport Köln/Bonn knackte 2015 die Marke von zehn Millionen Passagieren, dabei hatten 1400 Flüge mehr als eine Stunde Verspätung oder fielen aus. Das waren 3,26 Prozent aller Flüge.

Foto: dpa

Meiste Verspätungen – Platz 2: Frankfurt
Frankfurt ist Deutschlands größte Luftfahrtdrehkreuz – und auch einer der unpünktlichsten Flughäfen. Der „Flightright“-Analyse zufolge waren 7754 Flüge von Verspätungen und Annullierungen betroffen. 3,31 Prozent des Gesamtverkehrs war damit nicht pünktlich.

Foto: dpa

Meiste Verspätungen – Platz 1: Dresden
1,7 Millionen Passagiere zählte der Airport Dresden 2015. Ob die zurückgehende Zahl mit den Verspätungen zu tun hat? Denn die sind mit einem Anteil von 3,52 Prozent am Gesamtflugvolumen die höchsten in Deutschland. 321 Flüge besonders unpünktlich oder fielen aus.

Foto: WirtschaftsWoche

Wenigste Verspätungen – Platz 5: Hannover
Der Airport der niedersächsischen Landeshauptstadt eröffnet die Top Fünf der Flughäfen mit den wenigsten Verspätungen. 527 Flüge waren mehr als eine Stunde hinter der geplanten Zeit oder wurden gecancelt – macht 2,55 Prozent am Gesamtflugvolumen.

Foto: dpa

Wenigste Verspätungen – Platz 4: Bremen
Rund vier Prozent weniger Passagiere verzeichnete der Airport der Hansestadt 2015. An den Verspätungen kann das eigentlich nicht gelegen haben 256 Flüge waren in Bremen betroffen, das macht einen Prozentsatz von 2,2 Prozent.

Foto: AP

Wenigste Verspätungen – Platz 3: Dortmund
Der Ruhrgebiets-Flughafen schafft es aufs Treppchen: Lediglich 1,84 Prozent der Flüge waren mehr als eine Stunde verspätet oder wurden gestrichen. Passagiere von 109 Flügen waren davon betroffen.

Foto: dpa

Wenigste Verspätungen – Platz 2: Frankfurt-Hahn
Der Hunsrück-Airport hat nicht den besten Ruf, die Verspätungsstatistik des rheinland-pfälzischen Problemfalls kann sich jedoch sehen lassen. Gerade einmal 138 Flüge waren von Verspätungen oder Annullierungen betroffen – das waren 1,79 Prozent aller Flüge. Nur ein deutscher Airport steht noch besser da...

Foto: dpa

Wenigste Verspätungen – Platz 1: Weeze
Pünktlichkeit wird am Niederrhein groß geschrieben: Der Flughafen Weeze ist der pünktlichste Airport Deutschlands. Lediglich 48 Flüge hatten längere Verspätungen – das waren laut „Flightright“ lediglich 0,89 Prozent aller Flüge. Ob das auch an Ryanair liegt? Die Iren sind wie in Frankfurt-Hahn auch in Weeze der größte Anbieter.

Foto: Presse

Warum greifen Sie nicht an und legen mehr neue Strecken auf?
So denken die in der alten Airline-Welt, aber nicht wir. Wir wollen keine Marktanteile, sondern profitabel wachsen, guten Service bieten und attraktive Dividenden zahlen.

Will das nicht jede Fluglinie?
Den meisten reicht eines der drei Ziele. Doch wir wollen alle drei Ziele erreichen, wenn wir eine neue Strecken auflegen. Die starten wir fast unabhängig vom Ölpreis. Ist der dann niedrig, verdienen wir etwas mehr. Ist er hoch, verdienen wir etwas weniger. Aber am Ende sind bei uns fast alle Strecken profitabel, egal, wie teuer das Kerosin ist.

Mit dem Flieger in den Urlaub oder zum nächsten Geschäftstermin, das ist keine Besonderheit mehr. Doch seitdem sich das erste Linienflugzeug in die Lüfte erhob, hat sich einiges in der Flugbranche verändert – einiges auch zum Schlechten. Insgesamt liegt die Kundenzufriedenheit der Fluggäste laut dem Kundenmonitor Deutschland bei 2,20. Von sieben Fluggesellschaften erreichten nur zwei eine überdurchschnittliche Benotung.

Foto: dpa

Platz 7: Ryanair

Da wird Ryanair-Chef Michael O'Leary Angst und Bange. Die Befragung von 2707 Menschen ergab, dass die irische Airline mit Abstand die unzufriedensten Kunden hat. Die Note: 2,62. Zwar spielt der Preis für Fluggäste eine wichtige Rolle, allerdings sollte auch die Leistung stimmen – und die stimmt bei der irischen Airline nun mal nicht. Besonders ärgerlich: Die Platzverhältnisse. Doch damit ist Ryanair nicht allein.

Foto: dpa

Platz 6: Tuifly

Bei vielen anderen Airlines haben die Fluggäste eher das Gefühl, in einer Legebatterie gefangen zu sein als auf einem komfortablen Linienflug. Deswegen wurde auch Tuifly von den Befragten mit einer 2,41 abgestraft. Die Qualität der Fluggesellschaften leidet vor allem unter der Massenabfertigung der Fluggäste und dem oftmals zu knapp kalkulierten Personal. Viele Fluggäste ärgern sich auch über die Verpflegung an Bord.

Foto: dpa

Platz 5: Germanwings

Die Umfrage ergab außerdem, dass Fluggäste, die ihr Ticket im Reisebüro gebucht haben, im Schnitt zufriedener waren. Das liegt vermutlich daran, dass Reisebüros die Fluggäste über die zu erwartende Qualität aufgeklärt haben. Diese Aufklärung hat Germanwings jedoch nicht helfen können. Mit einer Note von 2,26 liegt die Kundenzufriedenheit bei der Billig-Tochter der Lufthansa unter dem Durchschnitt.

Foto: dpa

Platz 4: Condor

Condor schrammt mit 2,21 nur knapp an der Durchschnittsnote vorbei. Ins Gewicht fällt auch die Freundlichkeit des Boden- und Bordpersonals. Hier können viele Airline punkten. Insgesamt wurde die Freundlichkeit der Flugbegleiter mit einer 2,01 und die des Bodenpersonals mit 2,09 bewertet.

Foto: AP

Platz 3: Air Berlin

Wirtschaftlich geht es Air Berlin alles andere als gut. Worauf die Airline bauen kann, ist die Kundenzufriedenheit. In der Umfrage von Kundenmonitor Deutschland haben die Befragten die Fluggesellschaft mit 2,20 bewertet.

Foto: dpa

Platz 2: Turkish Airlines

Die türkische Fluglinie rühmt sich in der Fernsehwerbung damit, an so viele Orte zu fliegen wie keine andere Airline. Das zahlt sich aus. Die Befragten gaben insgesamt an, mit dem Unternehmen zufrieden zu sein. Sie benoteten Turkish Airlines mit einer 2,18.

Foto: REUTERS

Platz 1: Lufthansa

Mit ihren Piloten hat die Lufthansa eine Menge Ärger. Dennoch scheinen Lufthansa-Kunden der Airline die Treue zu halten. Die Lufthansa hat mit großem Abstand die zufriedensten Kunden. Sie bewerten das Gesamtpaket der Airline mit einer 1,88. Den ersten Platz aber hätte eigentlich eine andere Fluggesellschaft belegt.

Foto: REUTERS

Emirates ohne Platzierung

Wegen zu weniger abgegebener Bewertungen konnte die Kundenzufriedenheit von Emirates nicht bewertet werden. Gefordert waren 100 Meinungen, Emirates kam nur auf 91. Die 91 aber, die sich zu der Qualität der Airline äußerten, hatten nur sehr wenig auszusetzen.

Foto: AP

Also freuen Sie sich, wenn der Preis steigt?
Ich sage es lieber so: Wir freuen uns, weil ein hoher Ölpreis für mehr Disziplin bei der Kapazität sorgt und damit für höhere Preise und Erträge.

Es gab Berichte, Sie hätten mit Air Berlin über eine Übernahme gesprochen.
Wir sind keine Airline, die andere übernimmt. Dann müssten wir schneller wachsen als geplant. Und dafür sehe ich derzeit keinen Grund.

Zur Person
Carolyn McCall ist seit Juli 2010 Easyjet-Chefin. Davor war die 2008 geadelte Exlehrerin Chefin der Mediengruppe um die Tageszeitung "The Guardian".

Ist bei Billigfliegern wie Easyjet nicht bald einmal das Kostensparen ausgereizt?
Wir sparen nicht wie traditionelle Unternehmen und kürzen stur Kosten oder gar Personal. Wir wollen nicht wegschneiden, sondern lean arbeiten, also schlank. Das heißt, wir wollen unseren Mitarbeitern ermöglichen, mehr zu tun mit weniger Ablenkung und Verschwendung ...

... das sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch.
Denken Sie, er setzt das auch um?

Was machen Sie denn anders?
Unsere wichtigsten Mittel sind eine bessere IT und Big Data zur Planung unserer Arbeit, vom Ticketverkauf bis zur Planung des Flugbetriebs. Da stehen wir wie die ganze Branche erst am Anfang. Wir sind zwar ein digitales Unternehmen, doch arbeiten noch zu oft analog. Wir sind etwa bei der Auslastung unserer Jets mit 91 Prozent sehr gut, aber sogar wir können uns noch verbessern.

Würde ein Austritt Großbritanniens aus der EU die Entwicklung von Easyjet stören?
Nein. Wir sind gegen einen Brexit. Aber wir dürfen die Auswirkungen auch nicht überschätzen. Easyjet hat natürlich einen Plan, wenn es zu einem Austritt kommt. Wir sind längst in ganz Europa aktiv und haben auch in anderen Ländern eine Zulassung.

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