Kundenkarten: Deutschland im Sammelwahn

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Kundenkarten: Deutschland im Sammelwahn

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Ein bunter Strauß von Prämien, Rabatten und Bonuspunkten. Kundenkarten locken mit viel Mehrwert, nicht alle halten, was sie versprechen.

von Rebecca Eisert

"Sammeln Sie Punkte?!" Die einen reiben sich bei diesem Satz die Hände, die anderen unterdrücken einen Schreikrampf. Kundenkarten teilen die Nation - in Jäger und Gejagte. Über Sinn und Unsinn der Sammelwut.

Haben Sie auch eine? Eine Kundenkarte? Sie können es ruhig zugeben. In Deutschland sind Schätzungen zufolge zwischen 100 und 200 Millionen Kundenkarten im Umlauf. Und damit sind wir Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen in unserer Sammelwut regelrecht zurückgeblieben. "Nur" gut vier Karten - von der EC-über Kredit-und Kundenkarten - stecken in einer durchschnittlichen deutschen Geldbörse.

In Frankreich, Italien oder den USA sind es viel mehr, vor allem eben viel mehr Kundenkarten - das ist ein Stück weit dem Rabattgesetz in Deutschland geschuldet, das erst im Jahr 2001 fiel. Doch wir holen auf, bestätigt Nina Purtscher von Payback, Deutschlands Punktesammelsystem Nummer eins oder, wie sie es lieber nennt, Multipartner-Bonusprogramm. Schon mehr als 20 Millionen aktive Payback-Karten-Nutzer gibt es hierzulande, weltweit sind es über 50 Millionen. Sie alle sind beseelt von dem Gedanken zu sammeln, zu sammeln und nochmal zu sammeln - bis der Punktestand endlich reicht für... tja, wofür eigentlich?

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Sammeln ist ein Urtrieb

Wozu sammeln wir "TreueBohnen", "HappyDigits" (nun ja, die nicht mehr, das System schaffte sich mangels attraktiver Partner selbst ab) "NeussPoints" oder Payback-Punkte? Die Antwort kennt Norbert Wittmann. Er ist Chef der Gruppe Nymphenburg, ein auf den Handel spezialisiertes Beratungs- und Marktforschungsunternehmen in München. "Die Menschen lieben es nun mal zu sammeln, egal ob etwas wertvoll ist oder nicht. Das ist in unserer DNA, eine Art menschlicher Urtrieb. Und es macht einfach Spaß." Schließlich, so ergänzt Wittmann, habe das Jagen und Sammeln das Überleben der Menschheit gesichert. Dem ist nicht zu widersprechen. Aber sammeln wir wirklich "TreueBohnen" aus einem tief in uns steckenden Überlebenstrieb? Wo bleibt in der Welt der Bonuskarten und Prämienpunkte das vernunftbegabte Wesen, das Immanuel Kant beschrieb? Wo bleibt der Nutzen?

Der darf natürlich in einem funktionierenden Kundenkarten-System nicht fehlen, erklärt Nina Purtscher von Payback: "Es ist ganz einfach: Nur wenn der Kunde einen klaren Vorteil erkennt, nutzt er ein Programm auch. Manchmal sind Systeme einfach zu kompliziert und Partnerunternehmen, Angebote und Einlösemöglichkeiten nicht attraktiv genug, und sie werden dann nicht akzeptiert." Payback scheint in diesem Zusammenhang vieles richtig gemacht zu haben - so richtig, dass vor drei Jahren die Kreditkartengesellschaft American Express für 500 Millionen Euro zugriff und die Betreibergesellschaft der Payback-Karte Loyalty Partner kaufte. Seit ein paar Monaten gibt es deshalb auch eine gemeinsame "Payback American Express Kreditkarte". Damit ist also nicht mehr nur Punktesammeln, sondern auch Bezahlen möglich.

Von dieser Entwicklung im Kundenkarten-Markt ist Eddá Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg wenig begeistert. Für sie lassen sich Kundenkarten in drei Kategorien einteilen: Doof, aber harmlos - überschätzt - und potenziell gefährlich. Wer Stempelkärtchen ausfüllen wolle, oder seine Adresse gerne gegen minimalste Preisnachlässe eintausche, der solle das tun.

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