Location-based Services: Wie das Smartphone die Einkaufsmeile retten soll
Digitalisierung des stationären Einzelhandels.
Foto: Getty ImagesEin paar Schritte über die gepflasterte Durlacher Einkaufsstraße und schon ploppen die ersten Push-Mitteilungen auf: „Schipper’s: Frische Smoothies für je 2€ im ‚Schipper’s’. Schauen Sie vorbei!“; „Modehaus Nagel: Kleider machen Leute! Entdecken Sie die neue Frühlingsmode und erhalten 10% Rabatt auf ihren Einkauf!“; „Meißburger Hans GmbH: Jetzt kostenlosen Sehtest und Hörtest machen.“
Das Smartphone ist gleichermaßen Rabattkarte, Empfänger maßgeschneiderter Informationen und Navigator durch die Einkaufsmeile einer Kleinstadt. Sieht so die Zukunft des Einkaufens und die Rettung für den gebeutelten stationären Handel aus? Das wollen die Gelben Seiten herausfinden gemeinsam mit der Hochschule der Medien Stuttgart und Bitplaces, einem Berliner Unternehmen.
In Durlach, dem größten Stadtteil Karlsruhes - 30.000 Einwohner, eine typische deutsche Mittelstadt - veranstalteten sie deswegen am vergangen Wochenende einen einzigartigen Feldversuch: Mehr als 50 Einzelhändler nahmen teil, darunter Buchhandlungen, Möbelgeschäfte, Restaurants, ein Spielzeugwarengeschäft – all das, was sich in kleinen, verschlafenen Einkaufsstraßen eben so tummelt.
Ihre Filialen wurden über das verkaufsoffene Wochenende kostenfrei mit virtuellen Umkreisen ausgestattet. Nähert sich ein Smartphone-Besitzer, der die Gelbe-Seiten-App installiert und Bluetooth sowie die Ortungsdienste aktiviert hat, dem Geschäft auf 30 Meter, schickt ihm der Händler automatisiert Text- und Bildnachrichten, Coupons oder QR-Codes zu. Zudem können Händler festlegen, ob Kunden beim Betreten oder Verlassen des Geschäfts eine Nachricht erhalten.
Location-based Services (LBS) heißen die Tools, die so etwas ermöglichen, zu Deutsch: standortbezogene Dienste. Das Smartphone dient dabei als Sender und Empfänger. Über GPS, WLAN, Bluetooth und Daten des Netzbetreibers lässt sich ein Smartphone-Nutzer auf Meter genau orten.
Im Alltag sind solche Dienste bereits angekommen: Google Maps etwa schafft es so, Staus und ihre Länge zu erkennen, Apps wie Runtastic wissen dank dieser Daten, wie viele Kilometer wir joggen. In den USA experimentieren größere Handelsketten mit solchen Tools und auch hierzulande macht der Handel erste Versuche. Allerdings sind es eher größere Ketten wie Saturn oder Obi, die mit Shopkick kooperieren. Warum also das Experiment in Durlach? „Hier findet sich ein lebendiger, authentischer Einzelhandel“, sagt Stephan Theiß, der Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft. „Durlach soll zeigen, dass diese Technologie auch einem mittelständischen Händler mit wenig Aufwand neue Kunden bringen kann.“
Platz 10: Douglas
Kategorie: Drogerien
Bewertung: 79,6
Veränderung zu 2014: -0,8
Zwar ist Douglas laut OC&C Spitzenreiter im Segment „Beratung und Empfehlung“, in den anderen Kategorien schneidet die Parfüm-Kette aber schlechter ab als manch anderer Händler. Im Vergleich zum Vorjahr büßt das Unternehmen 0,8 Bewertungspunkte und fünf Plätze im Ranking ein.
Über die Studie:
Der Proposition-Index 2015 der Unternehmensberatung OC&C analysiert die Leistungsversprechen von über 850 Handelsunternehmen (darunter 95 aus Deutschland) auf Basis einer internationalen Konsumentenbefragung. Insgesamt wurden über 300.000 Kundenbeurteilungen aufgenommen, 26.000 davon allein in Deutschland. Für jedes Handelsunternehmen wurden die Kunden zur Gesamtwahrnehmung und den Elementen des Leistungsversprechens befragt. Neben der Kundensicht zu Preisstellung, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis und Service wurden auch die Preis-Leistungs-Wahrnehmung des Kunden und das Kundenvertrauen ermittelt. In die Bewertung fließen hierbei nur diejenigen Konsumenten ein, die das entsprechende Handelsformat in den vergangenen drei Monaten besucht oder dort eingekauft haben. Die vom Kunden wahrgenommene Stärke des Gesamtleistungsversprechens, der „Proposition“, und die einzelnen Elemente des Leistungsversprechens werden jeweils in einem Index gemessen, dessen Maximalwert 100 ist.
Foto: dpaPlatz 9: Aldi
Kategorie: Lebensmitteleinzelhandel
Bewertung: 79,6
Punkteveränderung zu 2014: +1,8
Im Lebensmittelhandel wird der Wettbewerb härter und die Grenzen zwischen einst klar abgesteckten Konzepten verschwimmen: "Supermärkte und Discounter werden austauschbarer", schreiben die Berater von OC&C. Rewe und Edeka passen ihre Preise an. Lidl und Aldi investieren in Auswahl, Einkaufserlebnis und Service. Aldi verhilft das zu einem Sprung von 6 Plätzen und damit in die Top 10. Auch insgesamt wächst die Zufriedenheit der Kunden im Lebensmittelhandel.
Foto: REUTERSPlatz 8: Tchibo
Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser
Bewertung: 80,0
Veränderung zu 2014: +0,8
Im Vergleich zum Vorjahr geht es für Tschibo drei Plätze rauf.
Foto: dpaPlatz 7: Drogerie Müller
Kategorie: Drogerien
Bewertung: 80,0
Veränderung zu 2014: +0,2
Deutschlands Drogerien schneiden im Beliebtheits-Ranking abermals sehr gut ab. Müller verbessert sich um eine Position und kommt auf Rang 7. Die großen Konkurrenten schnitten sogar noch besser ab.
Foto: dpaPlatz 6: Rossmann
Kategorie: Drogerien
Bewertung: 80,5
Veränderung zu 2014: -0,3
Im Vergleich zum Vorjahr büßt Rossmann zwei Plätze ein. Die Drogeriekette aus Burgwedel bei Hannover zählt mit 80,5 Punkten im Proposition Index zu den Kundenlieblingen der Republik.
Foto: dpaPlatz 5: Otto
Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser
Bewertung: 81,1
Veränderung zu 2014: +3,3
Der Handelsriese Otto hat in den Augen der Kunden offenbar einen großen Sprung gemacht: Im Vergleich zum Vorjahr geht es 12 Plätze rauf.
Foto: dpaPlatz 4: Thalia
Kategorie: Andere
Bewertung: 81,4
Veränderung zu 2014: +1,1
Thalia steigt im Ansehen der Kunden ebenfalls und verbessert sich im Vergleich zu 2014 um zwei Plätze.
Foto: dpaPlatz 3: IKEA
Kategorie: Möbelhäuser
Bewertung: 81,8
Veränderung zu 2014: n/a
Erstmals hat OC&C 2015 auch die Möbelbranche ins Ranking aufgenommen. Die Schweden von IKEA starten im Kunden-Ranking dabei gleich auf Rang 3. Der Abstand zum Spitzenfeld ist allerdings noch beträchtlich.
Foto: dpaPlatz 2: Amazon
Kategorie: Multisortimenter/Warenhäuser
Bewertung: 86,5
Veränderung zu 2014: +1,5
Seit einigen Jahren muss sich der Online-Gigant im Kampf um die Kundenliebe regelmäßig knapp geschlagen geben. Auch in diesem Jahr reicht es trotz Punktverbesserung nicht für die Spitzenposition. Zudem holen viele stationäre Händler in der Kundengunst wieder auf. Investitionen in die Läden sowie die Investitionen von stationären Händlern haben den Vorsprung in den vergangenen Jahren schmelzen lassen. "Das Erwachen der Stationären lässt den Vorsprung von Amazon schmelzen", so OC&C.
Amazon bietet laut Studie aber nach wie vor den „schnellsten und einfachsten Einkauf“ und liegt hier mit 89,7 Punkten mit Abstand auf Platz 1 und ganze 13,5 Punkte über dem Schnitt aller Händler. Zudem liegt Amazon mit Platz 4 beim „Umgang mit Problemen“ ebenfalls weit vorn.
Foto: dpaPlatz 1: dm
Kategorie: Drogerien
Bewertung: 87,7
Veränderung zu 2014: +1,2
Wie schon in den vergangenen Jahren führt die Drogeriemarkt-Kette das Ranking an. In den Einzelwertungen schneidet dm entsprechend gut ab. Im Bereich „Kasse/Bezahlvorgang“ hat das Unternehmen mit 82,1 Punkten die höchste Zufriedenheit aller 95 in Deutschland untersuchten Handelsunternehmen und liegt auch bei „Beratung und Empfehlung“ mit Platz 3 und bei einem „schnellen und einfachen Einkauf“ mit Platz 5 weit vorn.
Foto: dpaDen Ansatz, standortbezogene Dienste auch für kleinere Geschäfte zugänglich zu machen, ist spannend, sagt Klaus Goldhammer, Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und Unternehmensberater: „Dawanda und Google AdSense dienen als Plattformen, die viele Klein- und Kleinstanbieter zusammenführen.“ Ähnlich wie diese das im Netz machen, könnte es über Apps wie der von den Gelben Seiten für den Filialhandel funktionieren.
Soweit die Theorie. Ein Ehepaar um die 40 aus Stutensee, einer Kleinstadt wenige Kilometer von Durlach entfernt, hat sich von der Digitaloffensive locken lassen. „Ich fand das spannend“, sagt der Mann, der in der Stadtverwaltung arbeitet.
Das Smartphone in der linken Hand, die Frau in der rechten, durchstreift er die Einkaufsstraße. Das erste Angebot, das aufpoppt, erregt seine Aufmerksamkeit: „Kräuterladen: 5% Rabatt auf kulinarische Spezialitäten!“
Im Geschäft liegt der Geruch von hunderten Kräutern in der Luft. Trotz der mannigfaltigen Auswahl kauft das Paar eine Packung Salz. „Da wirken sich die fünf Prozent Rabatt natürlich nicht so aus“, sagt der Mann. „Aber was soll’s?“
Ob Location-base Services im wenig technikaffinen Deutschland wirklich eine Chance haben?
Die Gelben Seiten jedenfalls rechnen sich gute Chancen aus. Eine von ihnen beauftragte Studie kommt zu dem Schluss, dass 43 Prozent der Smartphone-Nutzer ihren Aufenthaltsort verraten, wenn sie Informationen über Geschäfte in ihrer Nähe suchen. Allerdings gaben auch 36 Prozent an, ihren Aufenthaltsort nie zu verraten.
Zur Studie:
Der Handel im Internet boomt. Mittlerweile generieren Händler im Netz hierzulande einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro. Die Online-Gutschein-Plattform savoo.de hat die 100 größten deutschen Online-Shops auf ihre Kundenfreundlichkeit hin untersucht.
Foto: dpa
Erreichbarkeit
Vor, während oder nach der Online-Bestellung kann es mitunter zu Redebedarf kommen. Der einfachste Weg ist der Griff zum Telefon. Allerdings bietet nur ein Drittel der untersuchten Shops eine kostenlose Hotline an. Die anderen Anbieter verlangen entweder den Ortstarif oder Zusatzkosten. Die Hälfte der Anbieter ist sieben Tage die Woche telefonisch erreichbar.
Foto: dpaErreichbarkeit
Der Live-Chat steht bei den Online-Händlern in Deutschland noch nicht allzu hoch im Kurs. Nur acht Prozent bieten einen solchen an. Beliebt ist der Live-Chat vor allem bei Mode-Anbietern.
Foto: gmsVersand
Gratisversand ist dem Deutschen wichtig. Immerhin: Jeder zwölfte Anbieter liefert laut Untersuchung generell gratis, bei jedem dritten Shop erhalten die Kunden ab einem bestimmten Bestellwert, der zwischen 19 und 300 Euro variiert, ihre Lieferung ohne Aufpreis. Mehr als die Hälfte der Händler bietet keinen Gratisversand. Der durchschnittliche Versandpreis derer, die Geld für die Lieferung verlangen, liegt bei 5,42 Euro.
Foto: dpaVersand
Allzu lange will der Kunde auf sein Päckchen nicht warten. Das Gros der Händler liefert binnen weniger Tage – die meisten brauchen zwischen einem und fünf. Es gibt Händler, die deutlich länger brauchen. Wer nicht die Muße hat zu warten, kann bei fast der Hälfte der Shops für rund fünf Euro eine Expresslieferung anfordern.
Foto: dpa
Versand
So manch einer will gar nicht erst auf den Päckchenmann warten. Für diejenigen bieten wenige Händler die „Click & Collect“-Variante. Hier reservieren Kunden über den Online-Shop Waren und holen diese in einer Ladenfiliale in ihrer Nähe ab. Diese Option bieten allerdings nur 15 Prozent der Händler an.
Foto: dpaRückversand
Im Durchschnitt haben Kunden ab Erhalt der Ware rund 20 Tage Zeit, um den Anbieter schriftlich darüber in Kenntnis zu setzen, dass die bestellte Ware doch nicht gekauft wird. Der Gesetzgeber schreibt lediglich 14 vor. Ein Drittel der Händler lässt den Kunden aber mehr Zeit.
Foto: dpaRückversand
Grundsätzlich ist der Shopbetreiber seit Juni 2014 nicht mehr verpflichtet, die Versandkosten für Retouren oder eines Umtauschs zu übernehmen. Da Kosten in diesem Punkt allerdings Kunden vergrätzen, bieten acht von zehn Händlern weiterhin kostenlosen Rückversand an.
Foto: dpaZahlungsart
Das Bezahlen via Kreditkarte (97 Prozent) ist die am öftesten akzeptierte Bezahlmethode, gefolgt von Paypal (83 Prozent) und dem Kauf auf Rechnung (82 Prozent). Jeder zweite Shop bietet die Zahlung per Sofortüberweisung an, bei 43 Prozent der Shops ist die Zahlung per Vorkasse möglich. 38 Prozent ermöglichen ihren Kunden die Zahlung per Nachnahme, rund jeder dritte Shop erlaubt Lastschriften.
Foto: dpaIn den USA ist der Nutzeranteil für Location-based Services deutlich größer: Dort nutzen neun von zehn Smartphone-Besitzern solche Dienste, wie aus Daten des Pew Research Center hervorgeht.
otential aber ist auch hierzulande vorhanden: „Ein nicht zu verleugnender Verbraucheranteil ist offen für solche Angebote“, sagt Goldhammer. „Menschen, die heute schon begeistert Mitgliedskarten und Coupons sammeln, um sich Preisvorteile und Rabatte zu verschaffen, werden sich auch für Shopping-Apps begeistern.“ Allein 20 Millionen Deutsche etwa nutzen Payback-Karten. Allerdings schickt einem eine Payback-Karte nicht andauernd Push-Mitteilungen. In Durlach blickt das Einkaufs-Ehepaar schon wieder auf das Smartphone.
17 weitere Push-Mitteilungen verlangen nach Aufmerksamkeit. „Da verliert man schon den Überblick“, sagt der Mann etwas genervt. Trotzdem gibt das Paar der App noch eine Chance. Nach etwas Scrollen finden sie ein Angebot, das sie interessiert: Die Parfümerie Stephan verspricht 20 Prozent Rabatt.
Allerdings findet sich in der App keine Karte, die den Weg zur Parfümerie weist. Also erst einmal suchen. Als das Geschäft gefunden ist, ist der Besuch nach nicht einmal fünf Minuten vorbei. „Da hatte ich eine andere Preisvorstellung“, sagt die Frau. „ 20 Prozent Rabatt helfen in dem Fall auch nicht.“ Bei den gängigen Parfümerie-Ketten sei es eben günstiger.
Nebenan gibt es Erdbeerkuchen für 1,80 Euro das Stück. Der Bäcker nimmt zwar nicht am Feldversuch teil, das Angebot überzeugt das Paar trotzdem – im Gegensatz zur App.
Platz 10: Parfum
Fast die Hälfte aller Deutschen nutzt einer Agof Umfrage zufolge ihr Smartphone zum Online-Shoppen. Jeder Fünfte von ihnen informiert sich Online über Parfums. Immerhin 9,1 Prozent der über 42.000 Befragten gaben an, über ihr Smartphone Parfums für Damen oder Herren bestellt zu haben.
Platz 9: Flugtickets
Ob per App des Fluganbieters oder einfach auf der Website: Mittlerweile kann man bequem von unterwegs sein Flugticket mit dem Smartphone buchen. So gerät der Fluggast nicht mehr in die Bredouille, weil er sein papiernes Ticket daheim vergisst. 9,9 Prozent der Deutschen buchen ihr Flugticket mittlerweile über das Smartphone.
Platz 8: Computer- und Videospiele
Egal ob für den PC, die Xbox oder die Playstation: Die Spieleproduzenten haben für die unterschiedlichsten Plattformen die Möglichkeit geschaffen, Spiele via App zu bezahlen und auf die jeweiligen Endgeräte herunterzuladen – 10,7 Prozent der Befragten machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Platz 7: Eintrittskarten für das Kino
Egal ob mit QR-Code oder via App – bis kurz vor Vorstellungsbeginn können Filmliebhaber bei sämtlichen größeren Kinoketten in Deutschland ihr Ticket bequem mit dem Smartphone buchen und sich so das Warten an der Ticketkasse ersparen. 13,6 Prozent der Befragten bestellten ihr Ticket via Smartphone.
Platz 6: Herrenbekleidung
Wer ein Mann ist, geht nicht gerne Shoppen. Besonders anstrengend: Klamotten kaufen. Bevor der Mann also von Modekette zu Modekette watet – auf der Suche nach einfarbigen Hemden, Socken oder ähnlich ausgefallenen Kleidungsstücken, durchsucht er bequem vom Sofa aus über das Smartphone sämtliche Online-Shops ebenjener Modeketten. 14,4 Prozent verzichten mittlerweile auf den Gang in die Innenstadt und bestellen über ihr Smartphone.
Platz 5: Bahntickets
15,3 Prozent der Befragten kann es egal sein, wenn der Ticketautomat oder der Fahrscheinentwerter mal wieder defekt ist. Sie bestellen ihre Tickets elektronisch über ihr Handy. Das geht entweder in der App des jeweiligen Verkehrsverbunds oder online.
Foto: dpaPlatz 4: Damenbekleidung
Nicht nur Herrenbekleidung wird vermehrt mobil gekauft – der Anteil der Damenbekleidung, die über das Smartphone gekauft wird, liegt mit 16,4 Prozent noch höher. Ob nun immer mehr Männer die Geschenke für ihre Frau auch vom Sofa aus kaufen, lässt sich anhand der Agof-Studie leider nicht herausfinden.
Platz 3: Schuhe
Onlineshops wie Zalando machen es mit ihren Apps problemlos möglich, mit dem Smartphone den Traumschuh Nachhause zu bestellen. Fast jeder fünfte Befragte macht davon Gebrauch – 19,2 Prozent waren es.
Platz 2: Bücher
Gelesen wird heute auf dem Smartphone, auf dem E-Book-Reader oder eben klassisch. Egal welche Möglichkeit der Literaturfreund präferiert – über verschiedene Apps kann er problemlos mobil einkaufen. 21 Prozent der Deutschen kaufen ihre Bücher mittlerweile über das Smartphone – damit sind sie das zweitbeliebteste Produkt.
Platz 1: Apps
Das Lieblingsprodukt der Deutschen ist die App – zumindest wenn man nach den mobilen Käufen geht. 40,1 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten mindestens eine App gekauft zu haben.
„Der Kunde muss einen Mehrwert geboten bekommen und diesen auch als solchen wahrnehmen“, sagt Niklas Mahrdt, Professor für Digitale Strategien und Direktor des Media Economics Instituts. „Entsteht eine Informationsflut ohne Mehrwert, wird er die App löschen.“
Dass das beim ersten Versuch nicht jedem Händler gelingt, ist nicht verwunderlich. „Der Handel muss diese neue Kommunikationsform erst einmal lernen“, sagt Mahrdt. „Es fehlen im Moment noch die Erfahrungswerte. Hier muss noch viel ausprobiert werden.“
Auf Anhieb Erfolg mit ihrem Angebot hat Vera Schipper. Wer in ihrem Laden zeigt, dass er über die Gelbe-Seiten-App auf sie aufmerksam geworden ist, kriegt den Smoothie für zwei anstatt für drei Euro – was funktioniert, wie Schipper sagt: „Für mich hat sich das bisher durchaus ausgezahlt.“ Nach etwas mehr als einer Stunde haben immerhin schon 15 Kunden ihre Push-Mitteilung vorgezeigt.
Darunter Alexander Schmitt. Der 30-Jährige ist auch ansonsten angetan von der App. „Das ist gut gemacht“, sagt er. Schnäppchenjäger können per Fingerstreich vielfach Angebote und Vergünstigungen finden.
Nun ist so ein Feldversuch inklusive verkaufsoffenem Sonntag natürlich ein Event. Im Vorfeld und während des Wochenendes haben Studenten der Hochschule für Medien Stuttgart die App beworben. Auch deswegen haben bis zum Sonntagvormittag mehr als 1000 Menschen die App in Durlach heruntergeladen.
Wie viele sie dauerhaft nutzen werden, ist offen. Am Anfang ist noch alles neu und spannend, die Kunst für den Anbieter ist es, die Nutzer dauerhaft zu binden. Experten sprechen vom „Honeymoon-Effect“, Flitterwocheneffekt. Zudem ist der Service der Gelben Seiten für die Händler nur an diesem Wochenende kostenlos. Wer ihn danach weiter nutzen möchte, muss zahlen.
Ob sich das für die Händler lohnt? „Die Logik von standortbezogenen Diensten ist mittlerweile allen Händlern bewusst, nur kann keiner aktuell eine große Reichweitenchance in der Nutzung erkennen“, sagt Mahrdt.
Zum Problem könnten insbesondere die Bedenken der Kunden werden. Goldhammer schreibt in einer Studie, dass nur 36 Prozent der Deutschen sich bei der Nutzung standortbezogener Dienste sicher fühlen. „Das ist das deutsche Datenschutzdilemma“, sagt Goldhammer. „Jeder freut sich über die Livedaten aus dem Navi, aber niemand möchte wissen, wie die Staumeldungen zustande kommen.“
Verbraucherschützer bemängeln, dass Nutzer von Shopping-Apps durchleuchtet werden: Einkaufsvorlieben ließen sich über Jahre nachverfolgen und vergleichen, Bewegungs- und Interessenprofile erstellen – bei den Gelben Seiten ist das zwar noch Zukunftsmusik, die technischen Möglichkeiten dafür gibt es aber durchaus.
Ist der Nutzen groß genug, werden Datenschutzbedenken allerdings bei vielen ohnehin verdrängt von dem Gefühl ein Schnäppchen zu schlagen. Traditionelle Treuekarten wie Payback geben schon heute detaillierte Einblicke in die Einkaufsgewohnheiten, weil sie ganze Warenkörbe scannen und diese Informationen anonymisiert an Händler weitergeben. Warum also sollten Nutzer bei einer App Probleme mit der Datensammelei haben? „Der Kunde muss im Endeffekt nicht begeistert werden“, sagt Mahrdt. „Ihm ist es egal, ob er eine Information auf Grundlage von Cookies oder Location-based Services erhält.“
„Jetzt im Bettenfachgeschäft Zurell beraten lassen und zu jedem Einkauf ein Geschenk bekommen!“ – mit dieser Push-Nachricht wirbt ein kleiner Möbelhändler.
In der Filiale warten Angelika Zurell und ihr Mann gemeinsam auf Kundschaft. Vergeblich. Eine Sogwirkung durch das via Push-Mitteilung angebotene Geschenk will sich nicht einstellen.
Enttäuscht ist Zurell nicht. „Wie viel Lehrgeld bezahlt man als Händler sonst, wenn man etwas ausprobieren will?“, fragt sie. Teilgenommen an dem Versuch haben sie und ihr Mann, um die neuen Möglichkeit auszuprobieren. „Wir wollen so herausfinden, was den Kunden interessiert und welche Botschaften ankommen – vor allem bei den Jüngeren.“ Dass das nicht funktioniert könnte an der falschen Ansprache liegen, vielleicht auch am Produkt selbst: Große Möbelstücke sind selten etwas, das Kunden spontan kaufen. Trotzdem: Spannend findet sie den Service weiterhin.
Dass standortbezogene Shopping-Apps noch mehr Potenzial haben, sagt Jürgen Seitz, Professor für Marketing, Medien und Digitale Wirtschaft an der Hochschule der Medien Stuttgart und Mitbetreuer des Projekts: „Wir kratzen aktuell natürlich nur an der Oberfläche.“
Zukünftig ließen sich etwa Interessensprofile über Angaben innerhalb der App von Gelbe Seiten erstellen, sodass die Kunden auf sie zugeschnittene Nachrichten erhalten – sofern sie denn wollen. Wer etwa bestimmte Schuhe sucht, würde dann keine Push-Mitteilungen für Kräuter mehr kriegen, dafür aber den Hinweis aus einem Geschäft, an dem er vorbei läuft, das ebenjenes Paar gerade vorrätig hat. Durchaus ein Mehrwert. Ebenso ist es möglich, Kunden spielerisch zu gewinnen. „Gamifcation“ nennt Seitz das.
Ob das genügt, um das Filialgeschäft zu retten?
Markenstrategie-Professor Mahrdt glaubt daran nicht so recht: „Location-based Services lösen nicht die Probleme des Einzelhandels, jedoch sind solche Dienste ein wichtiger Ansatz.“ Sie brächten Vorteile in die Filialen, die bis dato Online-Shops vorbehalten waren – zum Beispiel künftig die Möglichkeit, Kundenprofile zu bilden.
Die eigentlichen Probleme des Handels seien andere: Höhere Preise, geringere Sortimentsbreite und Produktverfügbarkeit sorgen dafür, dass der klein- und mittelständische Einzelhandel gegenüber den Online-Händlern und den großen Ketten das Nachsehen hat. Und da helfe auch eine App nicht.
Zudem wisse ein Online-Händler , wann ein Nutzer nach welchem Buch geschaut hat, wie oft er sich einen Fernseher angeguckt hat, ohne ihn zu kaufen und kann entsprechend mit Angeboten locken.
Diesen Vorsprung werden die Händler mit Shopping-Apps wohl vorerst nicht aufholen. „Technologisch sind zwar die gleichen Analysemöglichkeiten wie im E-Commerce denkbar“, sagt Mahrdt. „Sie werden aber aktuell noch nicht ausgenutzt.“ Die Händler würden sich zu wenig mit Analysetools auseinandersetzen.
Ob und inwiefern in Durlach die Umsätze durch die App angekurbelt geworden sind soll sich in den nächsten Monaten zeigen. Anfang Juli will Seitz die ersten Ergebnisse zum Feldversuch liefern. Für ihn und Theiß, den Geschäftsführer von Gelbe Seiten Marketing steht aber fest: Das war nur ein erster Schritt.