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Kommentar Schlecker-Aus: Verdi hat sich zu Tode gesiegt

von Henryk Hielscher

Verdi hat sich verzockt. Die Gewerkschaft trifft eine Mitschuld am Untergang von Schlecker.

Im Herbst 2004 als die ersten Risse in der Erfolgsgeschichte von Schlecker sichtbar wurden, gab sich Patriarch Anton Schlecker gegenüber Journalisten der WirtschaftsWoche noch siegessicher. „Die Konkurrenz wird auch nicht mehr so stark wachsen", war er damals überzeugt. Sein Unternehmen? „Das Konzept stimmt, es muss nur weiter verfeinert werden", befand der Drogeriefürst und deutete voller Stolz auf eine Karikatur an der holzgetäfelten Wand des Besprechungsraums: Anton Schlecker als strahlender Gondoliere, seine Frau als Galionsfigur am Bug der schönsten und größten Gondel. Dahinter paddeln Schleckers Rivalen, dm-Gründer Götz Werner und Dirk Roßmann.  „Bis die anderen Schlecker überholt haben, gibt es mich nicht mehr", sagte der Drogeriekönig damals.

Bild: dpa

Jetzt ist der Aufschrei groß: Schlecker wird abgewickelt, Tausende Mitarbeiter müssen gehen und lautstark jammert die Gewerkschaft Verdi über den Zeitdruck und Ablauf des Insolvenzverfahrens. Für den Nachmittag plant die Gewerkschaft denn auch eine Kundgebung von Schlecker-Beschäftigten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Was bei dem Getöse um den Zusammenbruch des Pleite-Drogisten nicht vergessen werden sollte: Auch Verdi trifft eine Mitschuld am Untergang.

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Sicher, die Gewerkschaft hat in den vergangenen Jahren Schlecker komplett umgekrempelt. Betriebsräte wurden installiert, die Arbeitsbedingungen verbessert und Tarifverträge abgeschlossen. Der alte Erzfeind Anton Schlecker schien nach reichlich Druck endlich auf Kurs gebracht. Bei der vermeintlich erfolgreichen Strategie verpasste die Gewerkschaft allerdings jenen Moment, als Zugeständnisse das Unternehmen womöglich gerettet hätten. Schon im Sommer letzten Jahres war die finanzielle Situation verheerend, die Personalkosten im Vergleich zum Wettbewerb eine Katastrophe. Hätte die Gewerkschaft sich damals bereit gezeigt, einen Sanierungskurs mitzugehen – wer weiß, womöglich wäre mehr vom Konzern übrig geblieben. Statt schnell zu reagieren, entsandte die Gewerkschaft erst einmal einen Wirtschaftsprüfer.

Besonders rasant liefen die Entscheidungen auch nicht nach dem Insolvenzantrag ab. Anfangs kamen allerlei hübsche Ideen aus den Reihen der Gewerkschaft, etwa den Konzern in eine Genossenschaft zu verwandeln, der den Mitarbeitern gehört. Erst nach und nach setzte die Überzeugung ein, dass Schlecker harte Schnitte benötigt, um zu überleben. Die Bereitschaft zu Zugeständnissen blieb jedoch gering sei es aus Rücksicht auf den Flächentarifvertrag oder aus mangelnder Einsicht in die wirtschaftliche Lage.

Ihn "frustriere" die Haltung der Gewerkschaft, klagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz in einem Interview, nachdem Sondierungsgespräche zur Reduzierungen der Personalkosten ergebnislos verlaufen waren.  Letztlich bot Verdi 10,5 Prozent Verzicht über drei Jahre an – Geiwitz hatte 15 Prozent gefordert, um Investoren zu überzeugen. Anschließend befragte die Gewerkschaft die Mitarbeiter – und wieder verstrich wertvolle Zeit, wurden Investoren verunsichert.

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Erst vor wenigen Tagen – der ursprünglich geplante Entscheidungstermin war bereits verstrichen – veröffentlichte Verdi das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung: 75 Prozent aller Mitarbeiter hätten dem  Sanierungsbeitrag zugestimmt. Doch das Ergebnis war letztlich ohnehin obsolet – kein Investor, wollte das Abenteuer Schlecker wagen. Damit ist auch für die Gewerkschaft Verdi ein Leuchtturmprojekt gescheitert. Bei Schlecker hatten die Gewerkschafter und Betriebsräte in den vergangenen Jahren viel erreicht – am Ende vielleicht zu viel.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.06.2012, 15:41 Uhrunikat

    Danke GERECHTIGKEIT!!!! Ich hätte es nicht anders gemacht! 15 Jahre wollte ich nur meinen Job machen, aber VERDI hat mich permanent ausgebremst!
    Meine Kollegen hätten bei vielen Ding nicht mit gemacht aber die Damen hatten ja immer Ihre angeblichen Rechte und scheuten sich nicht davor, diese massiv gegen eigene Leute einzusetzen! Peinlich was da gelaufen ist, gerade im BR Bezirk Frankfurt! Schön das gerade Ihr jetzt einen neuen Job suchen müsst, denn es war doch eh alles sooooo schlecht! Warum seid Ihr nicht einfach gegangen? Will ich Euch sagen......Ihr bekommt keinen Job mehr wo Ihr Eure Nasen so hoch tragen könnt!
    Unikat

  • 06.06.2012, 01:43 Uhranonym

    verdi soll sich dann mal jetzt endlich um die anderen arbeitgeber kuemmern...ich hab bei schlecker ueber 16,50 verdient... und jetzt werden mir im handel jobs fuer 6,50 angeboten. dann doch lieber schlecker!!!
    10% weniger, ist immer noch doppelt soviel lohn,als bei bei mc donalds oder in einer zeitarbeitsfirma.

  • 04.06.2012, 13:16 UhrObjektiv

    @ Fenchel: Genau, du bist/warst arbeitslos. Interessant wie du Dir ein Bild des Unternehmens und der Mitarbeiter machen kannst. Wie immer neidisches und unqualifiziertes Gesültze von Superstars. Warte halt auf Hartz IV, das ist bei uns ja möglich.
    @ WW: Die Gewerkschaft hat also zuviel erreicht? Was wäre denn o.k.? Wo ist euer Bericht über die Arbeitsverhältnisse bei DM oder Rossmann. Das wäre gut recherchiert ganz interessant. Was man Verdi vorwerfen kann, ist das Sie sich nur auf Schlecker konzentriert haben und die Wettbewerber fleißig Lohndumping betreiben. Unbezahlte Überstunden, Regaleinräumen für 6 € etc.
    Vielleicht wäre das ja ein Job für dich FENCHEL!
    P.S.: Schlecker und Nazis in einen Topf zu werfen ist schon bemerkenswert dümmlich!

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