Schlecker-Aus: Verdi hat sich zu Tode gesiegt

KommentarSchlecker-Aus: Verdi hat sich zu Tode gesiegt

von Henryk Hielscher

Verdi hat sich verzockt. Die Gewerkschaft trifft eine Mitschuld am Untergang von Schlecker.

Jetzt ist der Aufschrei groß: Schlecker wird abgewickelt, Tausende Mitarbeiter müssen gehen und lautstark jammert die Gewerkschaft Verdi über den Zeitdruck und Ablauf des Insolvenzverfahrens. Für den Nachmittag plant die Gewerkschaft denn auch eine Kundgebung von Schlecker-Beschäftigten vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Was bei dem Getöse um den Zusammenbruch des Pleite-Drogisten nicht vergessen werden sollte: Auch Verdi trifft eine Mitschuld am Untergang.

Sicher, die Gewerkschaft hat in den vergangenen Jahren Schlecker komplett umgekrempelt. Betriebsräte wurden installiert, die Arbeitsbedingungen verbessert und Tarifverträge abgeschlossen. Der alte Erzfeind Anton Schlecker schien nach reichlich Druck endlich auf Kurs gebracht. Bei der vermeintlich erfolgreichen Strategie verpasste die Gewerkschaft allerdings jenen Moment, als Zugeständnisse das Unternehmen womöglich gerettet hätten. Schon im Sommer letzten Jahres war die finanzielle Situation verheerend, die Personalkosten im Vergleich zum Wettbewerb eine Katastrophe. Hätte die Gewerkschaft sich damals bereit gezeigt, einen Sanierungskurs mitzugehen – wer weiß, womöglich wäre mehr vom Konzern übrig geblieben. Statt schnell zu reagieren, entsandte die Gewerkschaft erst einmal einen Wirtschaftsprüfer.

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Besonders rasant liefen die Entscheidungen auch nicht nach dem Insolvenzantrag ab. Anfangs kamen allerlei hübsche Ideen aus den Reihen der Gewerkschaft, etwa den Konzern in eine Genossenschaft zu verwandeln, der den Mitarbeitern gehört. Erst nach und nach setzte die Überzeugung ein, dass Schlecker harte Schnitte benötigt, um zu überleben. Die Bereitschaft zu Zugeständnissen blieb jedoch gering sei es aus Rücksicht auf den Flächentarifvertrag oder aus mangelnder Einsicht in die wirtschaftliche Lage.

Ihn "frustriere" die Haltung der Gewerkschaft, klagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz in einem Interview, nachdem Sondierungsgespräche zur Reduzierungen der Personalkosten ergebnislos verlaufen waren.  Letztlich bot Verdi 10,5 Prozent Verzicht über drei Jahre an – Geiwitz hatte 15 Prozent gefordert, um Investoren zu überzeugen. Anschließend befragte die Gewerkschaft die Mitarbeiter – und wieder verstrich wertvolle Zeit, wurden Investoren verunsichert.

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Erst vor wenigen Tagen – der ursprünglich geplante Entscheidungstermin war bereits verstrichen – veröffentlichte Verdi das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung: 75 Prozent aller Mitarbeiter hätten dem  Sanierungsbeitrag zugestimmt. Doch das Ergebnis war letztlich ohnehin obsolet – kein Investor, wollte das Abenteuer Schlecker wagen. Damit ist auch für die Gewerkschaft Verdi ein Leuchtturmprojekt gescheitert. Bei Schlecker hatten die Gewerkschafter und Betriebsräte in den vergangenen Jahren viel erreicht – am Ende vielleicht zu viel.

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