ACS/Hochtief: Wann kommt das Ende von Hochtief?

KommentarACS/Hochtief: Wann kommt das Ende von Hochtief?

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Helme mit dem Logo des Baukonzerns Hochtief

von Harald Schumacher

Die Tage von Hochtief sind gezählt. Ein Aktienrückkaufprogramm jagt das nächste. Warum der ehemals größte deutsche Baukonzern wohl in wenigen Jahren als Unternehmen untergeht.

„Was soll ACS denn noch mit zwei Bauunternehmen in Europa?“, fragt mich gestern ein prominenter Manager, der einmal sehr hohe Verantwortung bei Hochtief hatte. Der Mann meint die Frage rhetorisch. Er will damit sagen, dass die Tage von Hochtief gezählt sind. Und er hat Recht: Das Ende des Konzerns ist jetzt absehbar.

Sowohl bei Hochtief wie bei der wichtigen Australien-Tochter Leighton jagt ein Aktienrückkaufprogramm das nächste. Die stete Nachfrage stützt den Kurs unabhängig von der Unternehmenssubstanz – zumal ACS kein Geheimnis daraus macht, weiter Aktien kaufen und den Anteil an Hochtief auf 100 Prozent steigern zu wollen. Hat ACS 75 Prozent erreicht, bekommen die restliche Aktionäre vielleicht ein Übernahmeangebot oder ACS verfügt einen Gewinnabführungsvertrag. Am Ende folgt dann der Squeeze-out, also der zwangsweise Ausschluss von Minderheitsaktionären via Abfindung. Parallel dazu steigen von Jahr zu Jahr die Dividenden sowohl bei Hochtief als auch bei Leighton. Finanziert wird das aus ständigen Verkäufen aus der Substanz beider Unternehmen.

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Schon heute ist das Europa-Geschäft von Hochtief durch Verkäufe und Abbauprogramme auf rund 1,75 Milliarden Euro geschrumpft, wovon 1,5 Milliarden die Bauaktivitäten ausmachen – so viel wie bei einem großen Mittelständler. 90 Prozent des heutigen Hochtief-Geschäfts verantworten die australischen und US-amerikanischen Töchter. Die müssen auch nicht von Essen aus gemanagt werden - das kann auch das ACS-Hauptquartier in Madrid.

Hochtief-Tochter Leighton verkauft Geschäftsteile an Chinesen

Für einen dreistelligen Millionenbetrag stößt die Hochtief-Tochter Leighton eine Sparte ab. Die Verschuldung sinkt dadurch - die Einnahmen sollen sogleich in weiteres Wachstum investiert werden.

Leighton verkauft Sparte John Holland Quelle: dpa

„Es ist der langfristige strategische Plan von ACS, Hochtief auszuhöhlen und dann verschwinden zu lassen“, sagt ein Analyst. Die anderen Aktionäre sagen nichts dagegen, weil sie von dieser Strategie ebenso profitierten wie der Großaktionär.

Den Verdacht, dass es so kommen wird, hatten die größten Skeptiker schon bei der feindlichen Übernahme durch ACS im Frühjahr 2011. Altgediente Hochtiefler und Wortführer der Wirtschaftsverbände warnten laut vor dem Umflaggen des Flaggschiffs der deutschen Bauindustrie. Das Thema war damals emotional extrem aufgeladen.

Heute hingegen sind es nüchterne Beobachter, die wie selbstverständlich und ungefragt prognostizieren, dass ACS Hochtief als eigenständigen Konzern bald vom Markt nimmt. Nicht als Klage äußern sie das, als Warnung oder als Sorge vor drohendem Verlust einer Industrie-Legende - sondern als unvermeidliche Gegebenheit, als logischen letzten Schritt des durch ACS eingeschlagenen Weges.

Und wie lange nun dauert die existenziell vorletzte Etappe des 1873 gegründeten Konzerns noch?

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„Zwei, drei Jahre“, sagt der eingangs genannte Top-Manager, „dann führt ACS seine deutsche Bau-Tochter Hochtief und seine spanische Bau-Tochter Dragados zusammen - unter der Regie von Dragados.“ 2018, vielleicht schon 2017 also dürfte Schluss sein mit dem ehemals führenden deutschen Baukonzern. Der Name Hochtief als Marke bleibt vielleicht erhalten, wäre faktisch aber nur noch ein Regionalbüro von Dragados. Die Entscheidungen würden erkennbar in Madrid gefällt, und das wäre in der Tat effizienter als die heutige Struktur. Zentrale Abteilungen würden nach Spanien wandern, um Doppelfunktionen zu vereinheitlichen und interne Verwaltung zu reduzieren. Die Hochtief-Aktie würde von der Börse genommen.

ACS dementiert solche Szenarien stets, aber leidenschaftslos. Den Spaniern war es seit 2010 eigentlich ziemlich egal, wie die deutschen Kritiker ihr Management finden. Sie gingen unbeirrt ihren Weg, machten keine krassen Fehler und werden rund sieben Jahre nach der feindlichen Übernahme am Ziel sein.

So einfach war das. Respekt!

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3 Kommentare zu ACS/Hochtief: Wann kommt das Ende von Hochtief?

  • Vielen Dank für den ausführlichen Artikel! Wobei es mich immer traurig stimmt wenn ich lese, wenn es mit früher so großen und führenden Unternehmen in den Abgrund geht.

  • Spezialität von HochTief war hochqualitativer, schlüsselfertiger erfolgreicher Flughafenbau - weltweit. Man hätte man in Berlin den breiten, faulen Damenhintern hochbekommen sollen, als Hochtief um politische Unterstützung gegen die feindliche spanische Übernahme bat. Zu spät. Jetzt heißt es kräftig Draufzahlen bei anspruchsvollen Bauprojekten wie dem Flughafen Berlin und zugleich sich der Lächerlichkeit wegen Unfähigkeit preisgeben: "Die Deutschen können nicht mal mehr einen Flughafen bauen".

  • dito, das aktuellste Beispiel ist / wird die Deutsche Bank werden; Deutschland, die Bundesregierung, muss bzw. sollte, wie schon seit 10 Jahren, seit es unzählige Übernahmen, gerade auch im mittelständischen Bereich, gab, das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz anpassen, v. a. die 30 %-Hürde.

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