Quelle: APBerthold Beitz
Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung ist 98 Jahre alt und beherrscht noch immer den ThyssenKrupp-Konzern, häufig auch durch informelles Intervenieren. Sein wichtigster Mann im Konzern ist Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der unumschränkter Taktgeber im Unternehmen ist und früher schon Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp war. Keiner kennt das Unternehmen an der Spitze so gut wie Cromme, der mit Beitz ein gehärtetes Duo bildet, an dem keiner vorbeikommt. Beitz gab jüngst eine autorisierte Biographie heraus, der er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist fast nur Positives über ihn dort zu lesen, wenig Selbstkritisches. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das leben, in dem er sie als Direktor der Kapathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrt.

Berthold Beitz zusammen mit Alfried Krupp Das Tandem war ein wichtiger Motor zur Rettung des schwer beschmutzten Namens Krupp nach dem Krieg. Als Waffenschmiede hat das Unternehmen international einen zweifelhaften Ruf erworben. Alfried Krupp wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher (Krupp hatte 25. 000 Zwangsarbeiter beschäftigt) verurteilt und 1951 begnadigt. Danach suchte er sich einen Testamentsvollstrecker, den er in dem fast vierzigjährigen ehemaligen Ölmanager Berthold Beitz fand. Er lernte ihn bei einer Vernissage auf Sylt kennen. Beitz war im Ruhrgebiet Außenseiter und nutzte diese Position für einen Neustart für Krupp, der das Unternehmen vollständig wandelte. Seinen Vorschlag, Krupp an Volkswagen zu beteiligen, lehnte Alfried Krupp jedoch ab ("wir sind ein Stahlunternehmen"). Krupps Sohn Arndt, der am Unternehmen kein Interesse hatte, sondern als eine Art Playboy das Leben lieber genoss, entlockte Beitz den Verzicht auf das Erbe. Somit war Beitz der unumschränkte Herrscher über das Krupp-Unternehmen, das er zusammen mit Gerhard Cromme 1999 in die Fusion mit Thyssen steuerte und somit vor der Pleite rettete. Da es bei Thyssen keinen beherrschenden Aktionär gab, nahm die Krupp-Stiftung diese Rolle fast mühelos und wie selbstverständlich ein. Damit war das Erbe von Alfried Krupp ehrenvoll gerettet. Foto: ThyssenKrupp
Quelle: APVilla Hügel - das Stammhaus der Familie Krupp, das sie bis Kriegsende auch bewohnte. Heute ist die Villa Hügel ein Ort für Ausstellungen, wie jetzt zum 200. Firmengeburtstag, oder von Konzerten. Gelegentlich findet hier auch eine Aufsichtsratssitzung statt, dafür sorgt Berhold Beitz, der dieses Traditionssymbol bewusst einsetzt. Auch Treffen von ehemaligen Krupp-Direktoren findet auf Villa Hügel statt. Das leicht muffig riechende Haus ist ein Paradebeispiel für den Lebensstil einer großen Industriellenfamilie im 19. Jahrhundert. Schloß Landsberg, ebenfalls im Ruhrgebiet, war die Residenz von August Thyssen. Sie ist heute auch noch Ort für Konzerntagungen und nimmt sich gegen die Villa Hügel fast bescheiden aus.

Er trieb das Unternehmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Größe. Schon vor Bismarck erfand er ein Sozialsytem für "seine" Arbeiter, das allerdings mehr der Gesundheit und damit der Arbeitsfähigkeit der Krupp-Beschäftigten diente als reiner Menschenliebe. Auch sollten Kruppianer von dem Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei abgehalten werden. Politisieren war nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Freizeit verboten. Foto: dpa

Margarethe Krupp, Bertha Krupp
Sie ließ eine Mustersiedlung für Krupp-Arbeiter in Essen errichten, die noch heute zur einen der Sehenswürdigkeiten gehört, die Essen zu bieten hat. Sie richtet die Villa Hügel nach dem Geschmack der Zeit liebevoll ein. Die Unternehmergestalt in der Familie ist Bertha Krupp (links), die 1902 kurzzeitig den Konzern leitet und das Unternehmen mit Hilfe ihrer Berater zu einer Aktiengesellschaft umwandelt.
Krupp bekommt damit Zugang zum Kapitalmarkt und leitet damit einen weiteren gigantischen Wachstumsschub auf dem Markt der Waffenherstellung ein. Die Kanone, die Krupp herstellt, wird - nicht nur liebevoll - "Dicke Bertha" genannt.
Quelle: dpaAlfried Krupp von Bohlen und Halbach
Alfried Krupp war ein Übergangspatriarch, dessen Leistung es war, das Unternehmen in eine Stiftung umzuwandeln und damit zukunftssicher machte. Seine große Entdeckung war Berthold Beitz, der sich heute als eine Art "letzter Krupp" fühlt.
Versuche von einzelnen Familienmitgliedern, sich mit Hilfe von Büchern Gehör zur Geschichte der Familie und zur Unternehmensgeschichte zu verschaffen, bekämpft Beitz, wo er nur kann. Nach ihm soll es keinen mehr geben, der Willen und Geist von Alfried Krupp interpretiert oder einfordert.
Quelle: ThyssenRadreifen-Skizze von Alfred Krupp
Das Produkt Radreifen machte Krupp groß. Es waren vor allem Radreifen für Eisenbahnwaggons, die Krupp nahtlos schmiedete (im Bild eine eigenhändige Skzizze Alfred Krupps) und für die es im 19. Jahrhunderts einen riesigen Bedarf gab. Überall in Europa wurde das Eisenbahnnetz ausgebaut.
Quelle: APNirosta
Der rostfreie, hochglänzende Stahl ist eine Erfindung von Krupp-Ingenieuren zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Heute soll der Bereich verkauft werden. Es gibt enorme Überkapazitäten im Edelstahl in Europa. ThyssenKrupp bekommt das Nirosta-Geschäft nicht in den Griff - und will verkaufen.
Konzernchef Heinrich Hiesinger (Foto) sieht Nirosta nicht mehr als Kernkompetenz von ThyssenKrupp an.
Krupp investierte in der ersten Zeit des jungen Konzernchefs Berthold Beitz in das Geschäft von Schwerlastwagen mit klingenden Namen wie zum Beispiel Krupp Titan. MAN war noch eine kleine Nummer im Geschäft, es gab einen großen Bedarf an Brummis. Mit dem Ausbau der Autobahnen in der Nachkriegszeit wuchs das Speditionsgeschäft und damit die Kundschaft für solche rollenden Giganten. Heute noch treffen sich in regelmäßigen Abständen die Brummi-Oldtimerfahrer mit ihren Schätzchen vor der Villa Hügel zur Parade. Foto: CC
Quelle: ThyssenFlachstahlfertigung in Alabama (USA)
Stahl ist immer noch das Brot- und Buttergeschäft von ThyssenKrupp. Der Versuch die Stahlkocherei um 2001 an die Börse zu bringen und sich langsam davon zu lösen, scheiterte am Widerstand der Mitarbeiter und der bei ThyssenKrupp sehr einflussreichen Arbeitnehmerbank.
Im Winter vergangenen Jahres eröffnete ThyssenKrupp ein neues Stahlwerk in den USA.
Berthold Beitz
Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung ist 98 Jahre alt und beherrscht noch immer den ThyssenKrupp-Konzern, häufig auch durch informelles Intervenieren. Sein wichtigster Mann im Konzern ist Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der unumschränkter Taktgeber im Unternehmen ist und früher schon Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp war. Keiner kennt das Unternehmen an der Spitze so gut wie Cromme, der mit Beitz ein gehärtetes Duo bildet, an dem keiner vorbeikommt. Beitz gab jüngst eine autorisierte Biographie heraus, der er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist fast nur Positives über ihn dort zu lesen, wenig Selbstkritisches. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das leben, in dem er sie als Direktor der Kapathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrt.
Früher fuhren Kunstinteressierte nicht in Industriegebiete mit ihren Stahlwerken, Zechen und ausgedehnten Einheitssiedlungen. Dass Essen eine Ausnahme bildet, verdankt die Stadt der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der Name geht zurück auf den letzten Krupp, der 1967 verstarb. Und er erinnert an jene Firma, die bis 1945 Europas führender und gefürchteter Hersteller von Panzer- und sonstigen Kanonen war, darunter der Mörser namens „dicke Bertha“ aus dem Ersten Weltkrieg.
Heute gehört die Krupp-Stiftung zu den größten Stiftungen des Landes. Sie breitet ihre Wohltaten über viele Felder des öffentlichen Lebens aus, über Kultur, Gesundheit und Sport. Das Geld dafür stammt aus den Dividenden des ThyssenKrupp-Konzerns, an dem die Stiftung 25,33 Prozent hält: 53 Millionen Euro waren es 2011, obwohl ThyssenKrupp 1,8 Milliarden Verlust schrieb. Für die Überweisung sorgte Stiftungschef Berthold Beitz, 98. Der große alte Mann kennt kein Pardon.

Der Patriarch nimmt als Stiftungsvorsitzender eine unangefochtene Stellung in Stiftung und Unternehmen ein. Da er selbst von niemandem kontrolliert wird, agiert er zum Unmut vieler Manager im Konzern wie ein Familienunternehmer und zitiert Vorstände zum Rapport auf den Essener Hügel, dem Sitz der Stiftung. Jeden Montagmorgen um halb zehn Uhr wird ihm berichtet, was im Unternehmen passiert ist. Die Stiftung lebt im Konzern als größter Einzelaktionär einen ungehemmten Machtwillen aus. Über Chefkontrolleur Gerhard Cromme, der als stellvertretender Stiftungsvorsitzender fungiert, ist sie zudem engstens mit dem Aufsichtsrat verbandelt.
Handfeste Sonderrechte garantieren der Krupp-Stiftung und damit dem Tandem Beitz/Cromme den vollen Durchgriff bei ThyssenKrupp. Die Stiftung kann drei Mitglieder des Aufsichtsrates ernennen. Ein Beschluss aller Aktionäre auf der Hauptversammlung ist dazu nicht nötig.













