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Krupp-Stiftung: Hier herrscht Berthold Beitz

von Andreas Wildhagen

Berthold Beitz führt als Vorsitzender ein strenges Regiment in der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. So ist das Erbe von Krupp ist eine Mischung aus Wohltat und Macht.

Berthold Beitz

Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung ist 98 Jahre alt und beherrscht noch immer den ThyssenKrupp-Konzern, häufig auch durch informelles Intervenieren. Sein wichtigster Mann im Konzern ist Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der unumschränkter Taktgeber im Unternehmen ist und früher schon Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp war. Keiner kennt das Unternehmen an der Spitze so gut wie Cromme, der mit Beitz ein gehärtetes Duo bildet, an dem keiner vorbeikommt. Beitz gab jüngst eine autorisierte Biographie heraus, der er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist fast nur Positives über ihn dort zu lesen, wenig Selbstkritisches. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das leben, in dem er sie als Direktor der Kapathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrt.

Quelle: AP

Früher fuhren Kunstinteressierte nicht in Industriegebiete mit ihren Stahlwerken, Zechen und ausgedehnten Einheitssiedlungen. Dass Essen eine Ausnahme bildet, verdankt die Stadt der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Der Name geht zurück auf den letzten Krupp, der 1967 verstarb. Und er erinnert an jene Firma, die bis 1945 Europas führender und gefürchteter Hersteller von Panzer- und sonstigen Kanonen war, darunter der Mörser namens „dicke Bertha“ aus dem Ersten Weltkrieg.

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Heute gehört die Krupp-Stiftung zu den größten Stiftungen des Landes. Sie breitet ihre Wohltaten über viele Felder des öffentlichen Lebens aus, über Kultur, Gesundheit und Sport. Das Geld dafür stammt aus den Dividenden des ThyssenKrupp-Konzerns, an dem die Stiftung 25,33 Prozent hält: 53 Millionen Euro waren es 2011, obwohl ThyssenKrupp 1,8 Milliarden Verlust schrieb. Für die Überweisung sorgte Stiftungschef Berthold Beitz, 98. Der große alte Mann kennt kein Pardon.

Diagramm: Sperrminorität Quelle: Krupp-Stiftung
Diagramm: Sperrminorität (Zum Vergrößern bitte klicken) Quelle: Krupp-Stiftung

Der Patriarch nimmt als Stiftungsvorsitzender eine unangefochtene Stellung in Stiftung und Unternehmen ein. Da er selbst von niemandem kontrolliert wird, agiert er zum Unmut vieler Manager im Konzern wie ein Familienunternehmer und zitiert Vorstände zum Rapport auf den Essener Hügel, dem Sitz der Stiftung. Jeden Montagmorgen um halb zehn Uhr wird ihm berichtet, was im Unternehmen passiert ist. Die Stiftung lebt im Konzern als größter Einzelaktionär einen ungehemmten Machtwillen aus. Über Chefkontrolleur Gerhard Cromme, der als stellvertretender Stiftungsvorsitzender fungiert, ist sie zudem engstens mit dem Aufsichtsrat verbandelt.

Handfeste Sonderrechte garantieren der Krupp-Stiftung und damit dem Tandem Beitz/Cromme den vollen Durchgriff bei ThyssenKrupp. Die Stiftung kann drei Mitglieder des Aufsichtsrates ernennen. Ein Beschluss aller Aktionäre auf der Hauptversammlung ist dazu nicht nötig.

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