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Merz b. SchwanenHippe Hemden aus Großvaters Zeiten

Der Berliner Designer Peter Plotnicki entdeckt uralte Textil-Maschinen neu und setzt auf Biohemden made in Germany.Nele Hansen, Peter Steinkirchner 19.01.2013 - 06:00 Uhr

Herr der Hemden - Designer Plotnicki in der Albstädter Produktionshalle

Foto: Hardy Müller für WirtschaftsWoche

Die alten Holzdielen knarren. Rundstrickmaschinen rattern. Spindeln versorgen sie mit Garn, während der fertige Stoff in Schlauchform ausgespuckt wird. Der türmt sich auf dem Boden wie ein immer höher werdender Sahneberg. Säckeweise lagern die zusammengeknoteten Stoffbündel am Eingang der Wirkerei, wie der museumsreife Produktionsraum in der historischen Textilhochburg Albstadt auf der Schwäbischen Alb genannt wird. Die 32 museumsreifen Maschinen hat der Berliner Designer Peter Plotnicki zu neuem Leben erweckt, fasziniert von der uralten Produktionsweise.

Mit seiner fast originalgetreuen Produktion alter Arbeiterhemden aus den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hat er die beiden Zeitgeistkonzepte „bio“ und „regional“ erfolgreich auf die Modewelt übertragen. Merz b. Schwanen heißt sein Label – in Anlehnung an den Hemdenhersteller Merz, der früher in Albstadt die Gaststätte „Beim Schwanen“ betrieb und so seine Textilfabrik getauft hatte.

Albstadt ist ein Muster für den Niedergang der deutschen Textilindustrie. Seit die Konkurrenz aus Billiglohnländern lockt, haben viele Textilhersteller ihre Produktion nach China oder Bangladesch verlagert. War Ende der Sechzigerjahre noch knapp eine Million Mitarbeiter in rund 10.000 Betrieben in Deutschland beschäftigt, waren es 40 Jahre später nur noch rund 120.000 Beschäftige in 1.200 Betrieben.

In Mailand ist der Modezirkus eingetroffen: Der Startschuss zur Milano Moda Donna fällt am 18. September (Mittwoch). Mehr als 70 große Shows stehen bis zum Montag auf dem offiziellen Programm, dazu kommen noch einmal etwa ebenso viele kleinere Präsentationen. Die Laufstege werden in prachtvollen Palazzi der Innenstadt, nüchternen Industriebauten oder großen Zelten aufgebaut.

Den ersten Höhepunkt der Mailänder Modewoche bildet am Mittwochnachmittag die Vorführung von Gucci. In den Folgetagen präsentiert sich unter anderem mit Prada, Versace und Armani die Elite der italienischen Mode. Auch einige der extravagantesten Designer werden dabei sein...

Foto: REUTERS

Platz 10: Jean Paul Gaultier

Das einstige „Enfant terrible“ der Mode hat es geschafft: Nach 36 Jahren im Modebusiness ist Jean Paul Gaultier auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Dabei ist der 60-Jährige mit seinen unkonventionellen Entwürfen alles andere als angepasst. Seine Models entsprechen weder den Idealmaßen noch den Schönheitsidealen, sind gepierct, tätowiert oder übergewichtig wie Beth Dito, die letztes Jahr in Netzstrümpfen und Bustier über den Laufsteg stakste. Gaultier ist der Andy Warhol der Mode, der Mann, der Madonna den Kegel-BH und Männern den Rock anzog. Er selbst betrat den Runway Jahre lang nur in Schottenrock und Ringelpulli und entwickelte den Matrosenlook schnell zu seinem Markenzeichen.

Mittlerweile hat es seine Mode sogar in die großen Museen dieser Welt geschafft: Bis zum 19. August 2012 läuft die Ausstellung „The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk” im de Young Fine Arts Museum, San Francisco.

Foto: dpa

Platz 9: Viktor & Rolf

Opulente Inszenierungen und Extreme: Das holländische Design-Duo Viktor & Rolf liebt das Spiel mit der Extravaganz. Seit ihrem Abschluss an der Modeakademie von Arnheim 1992, arbeiten Viktor Horsting und Rolf Snoeren zusammen und teilen sich, so beide wörtlich, ein „kreatives Hirn“. Ihre Kleidung ist skulptural, experimentell und so manches Design nicht vorrangig zum Tragen geschneidert. Im Vordergrund steht die Idee, nicht der Absatz.

Ganz nach dem Motto „Mode trifft Kunst“, verstehen sich die Designer als Künstler, die mit ihren Entwürfen provozieren wollen. Jede Kollektion ordnet sich einem Thema unter, dass mit einer Prise Ironie seinen Weg auf den Laufsteg findet: Überzeichnete Proportionen, abnormes Volumen und bizarre Silhouetten nicht ausgeschlossen. So trug Model Maggie Rizer einst neun Outfits übereinander.

Foto: dpa

Platz 8: Philip Treacy

Umso extravaganter das Hutmodell, umso wichtiger die Stellung in der Gesellschaft. So oder so ähnlich könnte das Motto lauten, wenn sich die Schönen und Reichen mit ihren opulenten Kopfbedeckungen mal wieder ein Schaulaufen bieten. Dass das nicht immer gut geht, bewies Prinzessin Beatrice letztes Jahr auf der Hochzeit von Prinz William: Kritiker verglichen ihren Hut zwischenzeitlich mit einem Elchgeweih, einem Alien oder gar Innereien. Am Ende wurde das gute Stück zumindest für einen guten Zweck im Internet versteigert.

Dem Ansehen von Hutmacher Philip Treacy dürfte dieser modische Reinfall dennoch nicht geschadet haben. Schon in seiner Kindheit hat der gebürtige Ire den Puppen seiner Schwester Hüte kreiert. Später designte er für Chanel oder Alexander McQueen. Seine Devise: "Einen Hut zu machen, das ist, als würde man eine Party schmeißen!" Seine Kreationen reichen von avantgardistischen Entwürfen in Hummerform, über Hüte in Schlossform bis hin zu Regenschirmen auf dem Kopf – schließlich soll für jeden, was dabei sein: „Meine Hüte funktionieren wie kosmetische Chirurgie, es gibt keine Frau, die keine Hüte tragen könnte, weil sie ihr nicht stehen. Das ist nur eine Frage des richtigen Hutes.“

Foto: dpa

Platz 7: Jean-Charles de Castelbajac

Kermit der Frosch-Puppen, bunte Legosteine und Superman auf Paillettenminis: Die Kollektionen von Jean-Charles de Castelbajac sind jedes Jahr aufs Neue ein Hingucker. Der 63-jährige Nachfahre eines Adelsgeschlecht aus Casablanca ist sich dabei für nichts zu Schade. Mit großflächigen Prints im Tierlook, Cartoon-Zitaten und Comic-Designs begeistert er schon lange Stars wie Katy Perry, Lady Gaga oder Beyoncé.
Neben Pop-Art, ist der Alltag seine größte Inspirationsquelle. So kann es schon mal vorkommen, dass er sich ein Klebeband schnappt und daraus Mode kreiert. Dabei immer an erster Stelle steht für den Designer konzeptionelles Denken – er bedient sich der Mode, um Geschichten zu erzählen.

Foto: dpa

Platz 6: Yohji Yamamoto

An Yamamotos Stil scheiden sich die Geister. Seine Kollektionen sind durchweg schwarz, provozieren und verhüllen den Träger mehr, als dass sie ihn betonen. „Frauen sollten sich auch wie Männer anziehen dürfen. Es geht mir mehr darum, Frauen zu helfen, weniger zu leiden, mehr Unabhängigkeit und Freiheit zu erlangen“, so Yamamoto. Die Designs seines Labels „Y’s“ gleichen daher auch meistens Männerkollektionen, gemacht für Frauen.
Trotz unkonventioneller Looks schafft es der japanische Designer immer wieder, seine Kunden von sich zu begeistern: Tilda Swinton, Johnny Depp, Sting, oder Juliette Binoche lieben seine Kollektionen. Trends geht Yamamoto, übrigens Träger des schwarzen Gürtels, dabei bewusst aus dem Weg. Sein Stil steht für an zeitloser Eleganz.

Foto: dpa

Platz 5: Alexander McQueen
Der britische Modeschöpfer war Meister der Gegensätze: Mit seiner Mode setzte er politische Statements, er jonglierte zwischen dem Hässlichem und dem Schönen und entwarf nebenbei wundersam poetische Kleider, die mit jedem Design eine andere Geschichte erzählten. Durch seine radikalen Ideen löste er oft Kontroverse aus, die aber nicht über seine Fähigkeiten als Designer hinwegtäuschen konnten: Dramatische Roben, kreative Drapierungen und extravagante Kopfbedeckungen waren seine Welt.

Abseits des Laufstegs führte der Designer mit dem Bad-Boy-Image allerdings ein einsames Leben: Er galt als scheu und zurückhaltend, hatte kaum Freunde. Nachdem sich Isabelle Blow, McQueens Muse, 2007 das Leben nahm, beging auch McQueen 2010 Selbstmord – ein Tag vor der Beerdigung seiner Mutter. Die Autopsie ergab, dass sich der Designer unter Drogeneinfluss erhängt hatte. Trotz seines tragischen Todes wird die Marke weiterhin fortgeführt.

Foto: REUTERS

Platz 4: Rei Kawakubo
Rei Kawakubo, die zierliche Modemacherin mit dem Pagenschnitt, ist die Designerin hinter dem Label „Comme des Garçons“. Ihre Avantgarde ist häufig verstörend, ihre Outfits zerfetzt und übersät mit Löchern. Als sie ihre Looks 1981 das erste Mal auf den Pariser Schauen zeigte, kritisierte die Branche ihre Designs als „postatomarer Fetzenlook“ oder Hiroshima-Chic“. Kawakubo entgegnete, die Mode funktioniere nun mal durch die Vergänglichkeit, der Verfall mache sie erst lebendig. Trotz Kritik blieb sie ihrem Motto treu und schafft jede Saison radikal neue Kleidungsstücke und nie dagewesene Formen.

Foto: dpa

Platz 3: Martin Margiela
Mit Strumpfhosen über dem Kopf und mit verbundenen Augen schickte der belgische Designer Martin Margiela seine Models einst über den Laufsteg in einem Pariser Leichenschauhaus. Seine Idee dahinter: Nicht die Gesichter, sondern allein seine Entwürfe sollen im Mittelpunkt der Schauen stehen. Deswegen hält auch er sich ganz der Öffentlichkeit fern, gibt weder Interviews, noch lässt er sich fotografieren. Stellung bezieht er grundsätzlich nur per Fax, in der er von sich selbst in der dritten Person Plural spricht.


Aufmerksamkeit erlang er trotzdem mit seiner Mode, die durch ihr „Recycling“-Konzept besticht: Margiela zertrennt alte Klamotten, färbt sie um, setzt neue Reißverschlüsse und verwandelt so Jeanshosen in Röcke und Armeestrümpfe in Pullover. Daneben entwirft der 55-Jährige Smokingjacken mit Plastikkugelschreibern als Fransen oder Schallplatten-Jacken, dessen Träger eine schwarze Scheibe um den Kopf tragen soll. Als Marken-Erkennungszeichen dient dabei immer ein eingenähtes Baumwollwäscheband, das an jeder Ecke mit weißen Heftfäden in das Kleidungsstück eingearbeitet ist. Darauf zu sehen sind die Zahlen 0 bis 23, jede Zahl steht für eine Kollektion, die aktuellste mit einem Kreis umkringelt.

Foto: dpa

Platz 2: John Galliano
1960 in Gibraltar als Arbeiterkind geboren, gilt John Galliano als Kostümbildner unter den Designern. Seine Spezialität sind aufwendige Schauen, auf denen er Models in üppigen Volantroben über die Laufstege schickt. Mit prächtigen Blütenkreationen oder figurbetonten Reiterlooks feierte er die Weiblichkeit jede Saison aufs Neue und verstand dabei, historisch inspirierte Mode mit neuen Einflüssen zu mischen.

Einen Namen machte er sich vor allem bei dem geschichtsträchtigen Modehaus Dior, das gleichzeitig auch sein Ende als Designer markierte. 2011 suspendierte ihn das Unternehmen wegen antisemitischen Äußerungen und Hasstiraden in einem Pariser Restaurant. Kurze Zeit später wurde Galliano erneut ausfallend, äußerte, er liebe Hitler. Daraufhin feuerte ihn Dior endgültig. Nun soll Raf Simons, ehemaliger künstlerischer Direktor bei Jil Sander, den modischen Chefsessel bei Dior übernehmen

Foto: REUTERS

Platz 1: Vivienne Westwood

Die selbsternannte „Queen of Punk“ zählt zu den wichtigsten Modemachern unserer Zeit. Mit ihren exzentrisch zusammengesetzten Kombinationen aus historischer Kleidung, Webmustern und ihrer Vorliebe für schottische Karos revolutionierte sie die Mode. Über Geschmack lässt sich dabei bekanntlich streiten, nicht nur, wenn man ihre Latex-Outfits betrachtet oder Models mit kindlich-verspielten Kronen auf dem Kopf: "Geschmack ist eine der schwierigsten Sachen, noch viel seltener als Intelligenz", räsonierte die Britin in einem Interview. "Nicht viele Menschen haben Geschmack.“


Begonnen hat ihre modische Karriere in den 1970er Jahren. Ihr damaliger Mann und Manager der Sex-Pistols, Malcolm McLaren, überredete sie, eine eigene Boutique unter dem Namen „Let it rock at Paradise Garage“ zu eröffnen. Es folgten Entwürfe im Stil der „Teds“, eine modische Hommage an James Dean, Fetisch-Kollektionen und schließlich die ersten Punk-Looks. Seitdem ist sie die Mutter der modischen Punk-Szene und Fetisch-Queen: Immer wieder zeigt sie Latex-Kollektionen, die direkt einer Sadomaso-Party entstammen könnten. Denn Mode habe immer was mit Sex zu tun, so die 72-Jährige.

Foto: AP

Wieder belebt

Doch Designer Plotnicki zeigt, wie eine Textilproduktion in der Nische hierzulande überleben und aussehen kann. Er fertigt komplett in Deutschland, verarbeitet Biobaumwolle von heimischen Feldern und aus Griechenland. Die Hemden mit Dreiviertelarm und Knopfleiste dienten den Arbeitern früher als Unterwäsche, sie waren rundgestrickt, damit an den Seiten keine Naht scheuern konnte.

Für rund 30 Euro verkauft Plotnicki seine Hemden an den Handel (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Foto: Presse

Heute werden Plotnickis Vintage-Hemden meist als T-Shirts getragen. Sie kommen an und verhelfen dem Designer zu internationalem Erfolg. 70 Läden weltweit vertreiben inzwischen seine Hemden – zu Preisen jenseits von 70 Euro. Auch Modeunternehmer Karl-Heinz Müller, der die diese Woche startende Messe Bread & Butter von Köln nach Berlin brachte, führt die Merz-Hemden in seinem Laden „14 oz.“ in Mitte und seit Kurzem auch in einem neuen Geschäft auf dem Ku’damm: „Wir verkaufen Merz hervorragend“, freut sich Müller, „es gibt echte Fans, die kaufen immer gleich mehrere Teile.“

Merz punktet bei anspruchsvollen Kunden gleich mehrfach. Zum einen mit seiner authentischen Geschichte: „Viele Verbraucher schauen sehr viel genauer hin als noch vor einigen Jahren, wo ihre Kleidung herkommt, wer sie hergestellt hat und unter welchen Bedingungen“, sagt Müller, „die Leute sehen sich das Etikett an.“

Museumsreif - Alte Rundstrickmaschinen produzieren den Stoff für die Merz-Hemden

Foto: Hardy Müller für WirtschaftsWoche

Die Modenschau des französischen Designers Julien Fournie setzte am Dienstag voll auf den Butterfly-Effekt. Farbenfrohe Accessoires ergänzten helle Töne.

Foto: dpa

Die Kollektion gehört zur neuen Frühling-Sommer-Reihe des Designers.

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Die neuen Kreationen kommen leicht und verspielt daher und werden dem Schmetterlings-Image auf voller Länge gerecht.

Foto: Reuters

Für die Designer sind die Haute-Couture-Läufe in Paris für das Sommergeschäft extrem wichtig.

Foto: dpa

Der Designer wagt sich sehr nah an die Grenze des Kitsches. Doch zumindest am Leib der Models machte die Mode einen guten Eindruck.

Foto: dpa

Auffälliger Kopfschmuck, auffällig transparentes Kostüm: Ganz ohne explizite Eindrücke kommt auch die Kollektion von Fournie nicht aus.

Foto: Reuters

Fournie präsentierte fließende Grenzen, wie hier ein Bikini-ähnliches Kostüm zeigt.

Foto: dpa

Manche Kreationen erinnern an Kleidung aus der Hippie-Zeit.

Foto: dpa

Julien Fournie setzt auf schlichte Kreationen.

Foto: dpa

Am Dienstag waren nur wenige Ausnahmen von diesem Prinzip zu sehen. Doch im Vergleich mit anderen Designern verzichtet Fournie weitgehend auf ausgefallene Accessoires.

Foto: dpa

Die Kollektion von Fournie hatte einiges zu bieten.

Foto: Reuters

Entscheidend ist, dass die anwesenden Fotografen und Modeagenten beeindruckt werden. Da setzen viele Designer auch auf nackte Haut.

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Umstritten ist allerdings, ob die Mode im Vordergrund steht - oder die nackte Haut.

Foto: Reuters

Der Modeschöpfer jedenfalls scheint mit den Reaktionen des Publikums zufrieden zu sein.

Foto: Reuters

Schau mir in die Augen: Der Designer Alexandre Vauthier setzt auch im Sommer auf dicken Pelz.

Foto: Reuters

Leichte Mode trifft auf leichte Models. Manche der Modegöttinnen bringen bedenklich wenige Kilos auf die Waage.

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Vauthier setzte auf grazil anmutende Schnitte und auffälligen Halsschmuck.

Foto: Reuters

Vauthier bewies am Dienstagabend , dass man nicht in Glitzer und Prunk schwelgen muss, um vollendete Schönheit zu erzeugen. Mal züchtig, ...

Foto: dpa

... mal aufgeschlossener präsentierte sich die neue Sommerkollektion.

Foto: Reuters

Vauthier setzte auf schlichte Farbkontraste.

Foto: dpa

Blick geradeaus: Vauthier präsentierte eine Kollektion mit viel Selbstbewusstsein. Vauthiers Entwürfe erinnerten an den Glanz von Manhattan - in einer kleinen Kollektionsbeschreibung erwähnte er das Waldorf Astoria und die Art-Déco-Ära. Mehr noch schien er jedoch an Halston (1932-1990), den Star-Designer der 70er-Jahre gedacht zu haben.

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Die Kreationen erinnern zum Teil an Uniformen aus einem Science-Fiction-Film. Halston fließende Entwürfe schienen in moderner Form wieder aufzuerstehen. Lockere, schmeichelnde Seidenoberteile in blendendem Weiß kombinierte Vauthier zu fein drapierten Hosen - ein goldener Metallkragen stand zum weichen Stoff im Kontrast.

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Zuletzt gab es auch für Vauthier Applaus.

Foto: Reuters

Wesentlich abwechslungsreicher ging Gustavo Lins ans Werk. Auch bei ihm spielt Pelz eine Rolle.

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Viel nackte Haut gehört auch bei Lins zum Konzept.

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Gustavo Lins erntete Respekt für seine Kollektion.

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Reptiliengleich glitten die Models am Dienstag bei Giorgio Armani über den Laufsteg. Der italienische Modemaestro hatte sich in seiner Haute-Couture-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2012 am Dienstag von den Metamorphosen der Tierwelt inspirieren lassen und den Fokus dabei auf Schlangen gelegt.

Foto: dapd

Fast giftig erscheinende Grüntöne, Grau, verwischte Schlangenmuster und elegante Windungen bei denen auf Figur geschnittenen Entwürfen übersetzten das Thema modisch.

Foto: dapd

Zierlich erschienen die schmalen Hosenanzüge, die kleinen Jacken mit Pagodenschulter und die schillernden Cocktailkleider.

Foto: dapd

Armani verzichtete weitgehend auf glitzernden Prunk. Eine dezente Ausnahme machte da dieser Ohrschmuck.

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Der Clou jedoch lag in den Stoffen, die verführerisch schillerten und durch mehrlagige Drapierung, Strukturen oder glänzende Beschichtungen fast dreidimensional wirkten.

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Äußerst glamourös erschien diese Schau, fast wie eine Kostümprobe für die Oscar-Nacht.

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Fast die Hälfte der Show bestand aus aufwendigen, oft kostbar bestickten Abendroben, deren Röcke sich dank einer raffinierten Schnitttechnik förmlich um den Körper schwangen.

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Ein Entwurf aus Tüll nahm die Struktur von Schmetterlingslarven auf, zahlreiche andere imitierten Schlangenhaut auf Seide.

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Giorgio Armani hat nichts von seiner Leidenschaft für richtungsweisende Mode eingebüßt.

Foto: Reuters

Die gleiche Beobachtung hat auch Ellen Bendt gemacht: „Es gibt eine wachsende Klientel, die daran interessiert ist, nachhaltige Produkte zu bekommen, die in Deutschland produziert werden“, sagt die Professorin für Strick- und innovatives Produktdesign von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. „Zielgruppe sind meist Menschen, die Wert legen auf einen nachhaltigen Lebensstil.“ Gleichzeitig sorgt die im Vergleich mit internationalen Wäscheriesen nur kleine Produktionskapazität auf der Alb dafür, dass Merz’ Hemden nicht zum Massenprodukt werden, sondern etwas Besonderes bleiben: „Der Peter will gar nicht groß werden. Lieber verkauft er seine Hemden nur bei ausgewählten Adressen“, lobt Müller. „So bleibt die Marke authentisch.“

Aufstieg zum Trendshirt

Tatsächlich hievt die zurückhaltende Strategie die Marke Merz in Sphären, die früher kaum denkbar waren – sie ist hip, ihre Kundschaft ist international: „Modebewusste Japaner stehen auf die Sachen“, erzählt Modehändler Müller.

Auch das stilprägende britische Monatsmagazin „Monocle“, dessen Verlag mehrere eigene Ladenlokale von London über Tokio bis Toronto unterhält, bietet seiner wählerischen Kundschaft die Hemden von der Schwäbischen Alb an.

32 museumsreife Rundstrickmaschinen kommen bei der Herstellung der Merz-Hemden zum Einsatz (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Foto: Hardy Müller für WirtschaftsWoche

Eine Kette glücklicher Zufälle brachte Plotnicki und die Marke Merz zusammen. Der gelernte Herrenschneider und studierte Modedesigner trägt eine Brille der New Yorker Traditionsmarke Moscot. Mit seiner kurzen, grauen Haartolle, dem ebenso grauen Dreitagebart und Hosenträgern gibt er den perfekten Werbeträger für seine Hemden ab. Zuerst entwarf er zusammen mit seiner Frau Kollektionen für Puma, Sport 2000, Master Smith oder FLY London. Parallel suchte der heute 51-Jährige nach Ideen für eine eigene Marke: „Etwas Ursprüngliches wie die Jeans, die als Arbeitshose in Amerika entstand, sollte es sein“, erinnert sich Plotnicki.

Platz 12: Zara (Inditex)

Inditex ist der Totalausfall unter den weltweit größten Modelabels: Der spanische Klamottenriese, der dem galizischen Oligarchen Amancio Ortega gehört und in Deutschland mit der Marke Zara zu den Platzhirschen in der Fußgängerzone zählt, kümmert sich kaum um seine Lieferanten: Aus der Organisation BSCI, die auf relativ laxe Weise Mindeststandards kontrolliert, wurden die Spanier vor einigen Jahren ausgeschlossen – weil sie nicht einmal ein Minimum an Arbeitssicherheit bei ihren Lieferanten einfordern. Auf Anfrage von wiwo.de will sich Inditex dazu nicht äußern. Auf der Homepage behauptet der Hersteller, dass man sich um das Thema CSI kümmert. Natürlich lässt Inditex Nähereien Selbstverpflichtungen unterschreiben, wonach diese sauber produzieren. Darauf kann man juristisch verweisen, wenn eine Fabrik abgebrannt ist. Zuletzt kam es Ende 2010 zu einem Brand in einer für Inditex schneidernden Textilfabrik in Dhaka, bei dem 28 Menschen ums Leben kamen. Wer sein Modelabel moralisch in der Verantwortung sieht, darf bei Zara nicht oder Massimo Dutti nicht einkaufen.

Transparenz -
Kontrolle -
Verantwortung -

Foto: REUTERS

Platz 11: Tommy Hilfiger

Mitte des letzten Jahrzehnts befand sich die US-Modemarke Tommy Hilfiger in einer wirtschaftlichen Krise. Dann stieg der Private Equity-Fonds Apax Partners ein und verlegte die Firmenzentrale nach Amsterdam. Mit klugem Marketing in Europa wurde aus der kriselnden Marke das Lifestyle-Brand schlechthin – vor allem, weil die Marketing-Strategie in Deutschland aufging. Die Bundesrepublik ist der wichtigste Markt für das Label, das seit zwei Jahren zum US-Modekonzern PVS gehört. Scheinbar ohne Schaden überstand die Marke vor knapp einem Jahr einen Fabrikbrand in Bangladesch, der sich bei einem Lieferant von Tommy Hilfiger ereignete. Klar, Tommy Hilfiger verpflichtet seine Lieferanten auf einen „Code of Conduct“, dessen Inhalt auch auf der Homepage nachzulesen ist. Ob und wie das Modeunternehmen die Einhaltung kontrolliert? Man weiß es nicht. Auf mehrere Fragen zur CSR-Strategie hat das Unternehmen nicht reagiert – und damit jegliche Auskünfte über Zahl und Struktur der Lieferanten verweigert.

Transparenz -
Kontrolle -
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Foto: AP

Platz 10: Primark

Es ist gar nicht einfach, den H&M-Herausforderer aus Irland zu kontaktieren. Primark hat weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Pressestelle, an die Journalisten ihre Anfragen richten können. Erst nach einer knappen Woche melde sich eine externe PR-Agentur und beantwortet einige Fragen zu Recherchen der WirtschaftsWoche: Dass eine Primark-Bestellung bei einem Zulieferer landete, der westlichen Standards nicht entspricht, sei ein Einzelfall gewesen. Ein lizenzierter Lieferant habe die Order ohne Kenntnis und Einverständnis der Iren an diese Fabrik ausgelagert. Was eigentlich gar nicht passieren darf, denn über seine Homepage verpflichtet nagelt sich der irische Discounter auf „ethischen Handel“ und höchste Sozialstandards bei Lieferanten fest. Dies wird allerdings nicht nur durch die Recherchen der WirtschaftsWoche konterkariert – zumal der Hersteller insgesamt bei Details merkwürdig mauert: Primark will weder die Zahl der Lieferanten oder die der internen Auditoren kommunizieren, noch die wichtigsten Lieferländer und den Anteil der Direktimporte nennen.

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Kontrolle -
Verantwortung -

Foto: Screenshot

Platz 9: New Yorker

Die Produkte der Modekette kommen überwiegend aus der Türkei, China, Indonesien, Pakistan und Bangladesch. Weitere Angaben macht das Unternehmen nicht.

Transparenz -
Kontrolle -
Verantwortung -

Das norddeutsche Bekleidungsunternehmen, das vor allem jüngere Zielgruppen anspricht, fällt durch hohle Worte auf: Man könne „versichern, dass sich New Yorker der großen Verantwortung gegenüber den Menschen, die an der Herstellung unserer Produkte beteiligt sind, bewusst ist“, heißt es als Antwort auf eine WiWo-Anfrage, wie das Unternehmen denn ordentliche Verhältnisse unter den Lieferanten sicherstellen will. Eine plausibel begründete Antwort liefert das Unternehmen nicht. Die Sprecherin schwärmt zwar von großartigen Selbstverpflichtungen für Lieferanten und erwähnt eigene Kontrolleure, die die Fabriken besuchen – belegen kann sie das nicht. Vor allem ist der Modehersteller in keiner Business-Organisation Mitglied, die wenigstens ein Mindestmaß an Sozialstandards kontrolliert. Nicht zuletzt weigert sich New Yorker zu kommunizieren, in welchen Ländern wie viele Lieferanten tätig sind. Transparenz schaut anders aus. Daumen runter für New Yorker.

Foto: Screenshot

Platz 8: Ernsting's Family

Nur zehn der 400 Lieferanten der Handelskette sind aus Bangladesch. Kontrolliert werden die hauptsächlich in China, Indien und der Türkei ansässigen Zulieferer durch externe Kontrolleure der "Business Social Compliance Initiative". Die Direktimportquote von Ernsting's Family liegt bei 85 Prozent.

Transparenz O
Kontrolle O
Verantwortung O

Man könnte meinen, Ernsting’s Family lege ganz besonderen Wert auf Transparenz und Sozialverantwortung: Das Unternehmen aus Niedersachen fertigt Klamotten für Eltern und vor allem Kinder – eine Zielgruppe, bei der es um Vertrauen geht. Aber auch Kinderklamotten von Ernsting’s Family findet man in Bangladesch, wovon auf dem Aufnäher nichts zu lesen ist. Im Laden des Herstellers findet sich für kaum ein Produkt die Angabe, woher die Ware stammt. Auf der Webseite zählt das Familienunternehmen immerhin die Lieferländer auf und behauptet, man habe dort „stets ein wachsames Auge auf die Produktionsbedingungen“. Als die WirtschaftsWoche Details zu einer Fabrik erfahren möchte, behauptet ein Sprecher zunächst die Fabrik nicht zu kennen. Erst als er erfährt, dass dort Kinderklamotten für Ernsting's Family vom Band liefen, forscht er nach – und stellt fest, dass ein holländischer Importeur mit der Fabrik in Kontakt stand. Immerhin sind die Niedersachsen seit einigen Monaten BSCI-Mitglied und lassen dadurch Mindeststandards kontrollieren.

Foto: Presse

Platz 7: Tom Tailor

Die Modekette beschäftigt 170 Zulieferer, mehr als zehn davon aus Bangladesch. Damit ist des Südasiatische Staat nach China und vor Indien eine der wichtigsten Regionen für Tom Tailor. Kontrolliert werden die Lieferanten von der "Business Social Compliance Initiative". Grade hat sich das Unternehmen auf "Direct Sourcing" umgestellt und peilt damit eine Direktimportquote von 85 Prozent an.

Transparenz O
Kontrolle O
Verantwortung O

Bislang hat sich das norddeutsche Modeunternehmen wenig um die eigene Lieferkette gekümmert: Tom Tailor bezieht seine Waren bislang vor allem über Importeure aus Billiglohnländern, konkrete Daten über die Herkunft der Lieferanten nennt das Unternehmen nicht. Für Kontrollen sind vor allem externe Organisationen zuständig, die die Mindeststandards der BSCI überprüfen. Aber die Hamburger steuern um: In diesen Wochen eröffnet Tom Tailor ein Büro in Bangladesch, insgesamt will der Mode-Mittelständler 85 Prozent der Waren selbst importieren. Der Weg ist löblich – ob er auch tatsächlich zu mehr Verantwortung führt, harrt noch dem Realitätscheck.

Foto: dapd

Platz 6: Esprit

Der Modekonzern bezieht seine Waren von 945 verschiedenen Lieferanten weltweit, die meisten davon aus China, Indien und der Türkei. Lediglich 27 Lieferanten haben ihren Sitz in Bangladesch. Der Anteil des Direktimports beträgt 99 Prozent. Die Kontrolle übernehmen elf firmeninterne Auditoren.

Transparenz +
Kontrolle O
Verantwortung O

Das in Deutschland stark präsente Bekleidungshaus mit Sitz in Hongkong schämt sich nicht für seine Billigproduktion. Esprit legt offen, wo in der Welt man nähen lässt, vor allem in China und Indien. Dabei verzichtet die Trend-Marke weitgehend auf Importeure und bezieht fast alle Klamotten direkt vom Hersteller. Esprit bemüht sich nach eigenen Angaben, „die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Partner zu erfassen und einander gegenseitig zu unterstützen, damit nachhaltige Geschäftsbeziehungen entstehen können“. Das klingt toll – aber man fragt sich, wie das klappen soll: Esprit lässt 975 Lieferanten aus aller Welt für sich arbeiten, wobei lediglich elf interne Auditoren den Kontakt zu den „Partnern“ halten. Darüber hinaus setzt der Moderiese auf BSCI-Prüfungen, die auf Mindeststandards abzielen.

Foto: dpa

Platz 5: H&M

Die Textilkette Hennes&Mauritz beschäftigt weltweit rund 1650 Lieferanten, davon 250 aus Bangladesch. Der Anteil der Direktimporte beträgt dabei 100 Prozent. Hauptsächlich wird in China, Bangladesch und der Türkei produziert. Untersucht werden die Lieferanten von 100 eigenen Kontrolleuren der Kette.

Transparenz +
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Mit viel Gebrüll stürzen sich Fernsehteams auf H&M, wenn es um Arbeitsbedingungen bei Nähereien in Entwicklungsländern geht. Erst im Februar fand der WDR im „Markencheck“ heraus, dass Kinder für die Schweden arbeiten. Der zweitgrößte Modekonzern der Welt, der als trendig und billig zugleich gilt, ist in Sachen CSR aber besser als sein Ruf: In Bangladesch leistet sich der Konzern ein großes Büro, das einen engen Kontakt zu den Lieferanten vor Ort pflegt. Auf Druck der Schweden gewährleisten die großen Fabriken Brandschutz, anständige Löhne und medizinische Versorgung. Aber auch H&M nutzt seine starke Marktposition nicht, um im Verein mit anderen Großbestellern etwa die Mindestlöhne zu erhöhen. Wie die deutschen und amerikanischen Riesen kochen die Schweden ihr eigenes Süppchen.

Foto: dpa

Platz 4: C&A

785 Lieferanten bringen der Handelskette ihre Waren. Neben China ist Bangladesch mit 130 Bezugsquellen eine der wichtigsten Regionen. Sechs eigene Kontrolleure beschäftigt die Kette, die einen Direktimportanteil von 95 Prozent aufweist.

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Kontrolle +
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Die Sprösslinge der holländischen Familie Brenninkmeijer interessieren sich sehr für Themen rund um Nachhaltigkeit – und entsprechend müssen sich die Manager ihres Handelskonzerns C&A Mühe geben, die textile Lieferkette sauber zu halten. Also listet man beim Düsseldorfer Moderiesen in einem Nachhaltigkeitsbericht minutiös auf, wie viele Kontrollen es in welchen Ländern gegeben hat, was beanstandet wurde und was der Konzern in punkto Umweltschutz oder Mindestlöhnen unternimmt. Die Transparenz ist vorbildlich. Mit seiner Marktmacht kann es der deutsche Riese schaffen, einige Lieferanten auf Linie zu bringen – aber eines versäumt der Konzern: Man nutzt die Marktmacht nicht ausreichend, um den politischen Hebel zu bewegen. Mit einer konzertierten Aktion der Großabnehmer sollte es möglich sein, die Produktionsbedingungen in Ländern wie Bangladesch für alle zu verbessern.

Foto: dpa

Platz 3: Olymp

Nur acht Zulieferer bringen dem Bekleidungsunternehmen ihre Waren, eins davon ist aus Bangladesch. Daneben sind Indonesien, China und Vietnam wichtige Produktionsregionen. Kontrolliert werden die Lieferanten durch die "Business Social Compliance Initiative".

Transparenz +
Kontrolle O
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Der Hersteller für Herren-Hemden leistet sich eine aufwändige Qualitätskontrolle: Fast permanent sind Reisetechniker aus Baden-Württemberg bei Lieferanten in Bangladesch oder Indonesien vor Ort, um die Waren zu prüfen. Nebenbei beobachten sie in den Fabriken die Sozialstandards – die Kontrolle der Standards ist allerdings schwierig, weil die Deutschen keinen direkten Einfluss auf Betriebspolitik des Lieferanten nehmen können oder wollen. Gleichwohl schafft er es durch seine regelmäßige Präsenz bei den Lieferanten, zu ihnen ein partnerschaftliches Verhältnis zu entwickeln – und das ist die Basis dafür, dass die Produktion sauber läuft. Dem Familienunternehmen kommt dabei die überschaubare Lieferanten-Struktur entgegen. Außerdem ist Olymp Mitglied in der Business Social Compliance Initiative (BSCI), die Lieferanten mit Hilfe von Prüfgesellschaften wie den TÜV Rheinland auf die Einhaltung von Mindeststandards kontrollieren.

Foto: dpa

Platz 2: Gerry Weber

Die meisten seiner 143 Zulieferer des Bekleidungsherstellers haben ihre Ware aus China, der Türkei und Bulgarien. Nur zwei sind aus Bangladesch. Alle Waren werden direkt importiert. Mit der Kontrolle der Zulieferer sind 11 Angestellte von Gerry Webber betraut.

Transparenz +
Kontrolle +
Verantwortung +

Der westfälische Hersteller für Damenoberbekleidung importiert zu 100 Prozent direkt und gibt sich erkennbar Mühe, seine 143 Lieferanten im Blick zu behalten. Elf eigene Kontrolleure reisen um die Welt und behalten die Lieferanten im Blick – zusätzlich zu den externen BSCI-Auditoren. Bei Gerry Weber weiß man daher relativ gut Bescheid, woher die Klamotten und Zutaten wie Reißverschlüsse und Knöpfe kommen – und Zahlen hierüber gibt das Unternehmen bereitwillig heraus. Diese Transparenz ist für einen Textil-Mittelständler nicht selbstverständlich. Das mag aber auch daran liegen, dass der Hersteller im M-DAX notiert ist.

Foto: dpa

Platz 1: Hugo Boss

100 Prozent der importierten Ware des Modeherstellers kommt direkt vom Produzenten. Diese haben ihren Sitz hauptsächlich in Osteuropa, China und der Türkei. Von den 250 Lieferanten sind nur zwei aus Bangladesch.

Transparenz +
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Verantwortung +

Der traditionsreiche deutsche Schneider, der seinen Umsatz vorwiegend im Männermode-Geschäft erzielt, ist eher im höherpreisigen Segment zuhause. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich man sich in der Pressestelle geradezu für dafür schämt, aus Billiglohnländern Waren zu beziehen. Die Pressesprecherin legt jedenfalls Wert darauf, dass das "Herzstück" die firmeneigenen Fabriken in der Türkei, Polen, Italien, Deutschland und den USA seien. Aber dem Kostendruck der Globalisierung kann sich auch ein Hugo Boss nicht entziehen – und so pflegen die Schwaben auch Beziehungen zu Lieferanten in China und Bangladesch. Bei Hugo Boss versichert man, dass "wir einen sehr hohen personellen Aufwand betreiben, um die Betriebe kontinuierlich zu begleiteten und fortwährend zu kontrollieren". Intern verfüge man über 130 Auditoren, die sich dem Thema CSR widmen, wobei externe Organisationen hinzukommen. Es scheint, dass Hugo Boss das Thema Verantwortung ernst nimmt. Was plausibel ist, denn der Hochpreis-Marke würde ein Skandal sehr viel mehr schaden als jedem Billigheimer.

Quellen: Unternehmensangaben, eigene Recherchen

Foto: dapd

Die folgenden großen Modeunternehmen sind nicht in unserem Ranking eingestuft

Metro Group

Die Metro Group hat weltweit 2000 Lieferanten, davon sitzen 29 in Bangladesch. Die wichtigsten Regionen für den Konzern sind China, Bangladesch und Indien. Zwar beschäftigt die Metro Group keine eigenen Kontrolleure, dafür wird sie aber durch die "Business Social Compliance Initiative", kurz BSCI, kontrolliert.

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Otto

Der wichtigsten Regionen für den Handelskonzern sind China, Indien und die Türkei. Nur 18 der weltweit 923 Lieferanten sind aus Bangladesch. Diese werden von 24 internen Kontrolleuren überprüft. Der Anteil der Direktimporte beträgt 77 Prozent.

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Tchibo

Der Kaffee-Konzern macht zu den Bezugsländern seiner 800 Lieferanten keine Angaben. Diese werden aber von 230 eigenen Kontrolleuren beobachtet.

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Takko

Der Mode-Discounter erhält seine Waren von etwa 300 Lieferanten. Bangladesch ist dabei mit rund 100 Produzenten noch vor der Türkei und China die wichtigster Region. Die Zulieferer werden von 25 Firmeninternen Auditoren kontrolliert. Der Anteil der Direktimporte liegt zwischen 80 uns 90 Prozent der gesamten importierten Ware.

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Aldi

Woher Aldi seine Ware bezieht ist unbekannt. Nur eins ist sicher: Die Quote der Direktimporte liegt bei null Prozent.

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Kik

Der Textildiscounter ist schon oft wegen der unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Kritik geraten. Weltweit hat das Unternehmen 1000 Lieferanten. 100 davon haben ihren Sitz in Bangladesch. Neben dem südasiatischen Staat ist China die wichtigste Produktionsregion. Die Kontrolle unterliegt elf Auditoren von Kik selbst. 71 Prozent der Waren werden direkt importiert.

Transparenz +
Kontrolle -
Verantwortung O

Der größte unter den deutschen Billigheimer ist das perfekte Opfer: Wenn ein Fernsehteam Kinder bei der Arbeit in Bangladesch gefunden hat oder eine Textilfabrik in Indonesien Flüsse verschmutzte hat, waren die Billigklamotten oft nicht weit. Im September gab ein Skandal in Pakistan Wasser auf die Mühlen der Kritiker: Die Fabrik in Karachi, wo bei einem Brand fast 300 Menschen ums Leben kamen, nähte für Kik. Trotz allem hat der Billigheimer vor Ort keinen schlechten Ruf: In Bangladesch unterstützt der Riese aus Deutschland NGO-Projekte zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Seit der anerkannte CSR-Experten Michael Arretz in der Geschäftsführung sitzt, setzt Kik auf maximale Transparenz und Direktimporte. Aber bei über 1000 Lieferanten ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Das Unternehmen ist kein BSCI-Mitglied.

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s.Oliver

95 Prozent seiner Waren importiert die Modekette direkt vom Hersteller. Die meisten stammen aus Regionen wie Indien, Indonesien, Bangladesch und China. Die weltweit 748 Lieferanten werden von 14 Kontrolleuren beaufsichtigt. 61 der Lieferanten beziehen ihre Waren aus Bangaldesch.

Transparenz O
Kontrolle O
Verantwortung O

Wie der schärfste Konkurrent Esprit leistet sich s.Oliver relativ viele Lieferanten: 748 Nähereien, Färbereien oder Webereien stehen für das Modeunternehmen aus Rottendorf bei Würzburg unter Vertrag. Da fragt man sich, wie die 14 internen Auditoren den Überblick behalten wollen. Wie bei Esprit steht in Zweifel, dass der Aufbau von Vertrauensverhältnissen zu den allen Lieferanten gelingt – allein schon, weil man auf ein breites Netz an Lieferanten verfügt. Immerhin legt s.Oliver dessen Struktur auf Anfrage von wiwo.de offen. Auf der Homepage ist allerdings nichts über die CSR-Strategie zu erfahren. Es findet sich zwar eine Pressemitteilung, wonach die Franken in Bangladesch ein Berufsbildungsprojekt unterstützen. Die Franken sind kein Mitglied der BSCI, die ein Minimum an Sozialstandards überprüft.

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Auf einem Berliner Flohmarkt entdeckte der Vintage-Fan original Rundstrick-Knopfleisten-Hemden aus den Zwanzigerjahren und war von Schnitt, Material und Machart fasziniert. Von da an stand für ihn fest: „So etwas möchte ich auch herstellen lassen.“ Der Flohmarkthändler machte Plotnicki mit Rudolf Loder bekannt, der in Albstadt mit seinem Unternehmen Gota Wäsche produziert und alte Rundstrickmaschinen aus den Zwanziger-, Dreißiger- bis Sechzigerjahren sammelt. Loder ließ sich von Plotnickis Begeisterung anstecken. In Plotnickis Idee sah Loder die Chance, seine geliebten alten Sammlermaschinen wieder zu beschäftigen und damit eine Quelle für zusätzliche Umsätze zu erschließen. Heute produziert Loder auf seinen alten Maschinen exklusiv für Merz-Inhaber Plotnicki.

Im Gegenzug erschließt der Berliner dem Unternehmer von der Alb eine internationale Kundschaft. Denn während Plotnickis Produktionsmethoden uralt sind, sind seine Vermarktungsmethoden hochmodern. Über Facebook und Mode-Blogs machte er seine Geschichte bekannt – mithilfe der Erben des ursprünglichen Hemdenherstellers „Balthasar Merz beim Schwanen“. Das Unternehmen saß ebenfalls in Albstadt und produzierte seit Anfang des 20. Jahrhunderts Arbeiterhemden. Vor vier Jahren wurde die Firma aufgelöst, die Hemdenproduktion stand aber schon länger still. Die Merz-Erben traten ihren Markennamen an Plotnicki ab, der damit an eine traditionsreiche Geschichte anknüpfen konnte. „Bislang hätte kein Businessplan besser funktionieren können“, freut sich Plotnicki.

Für ein Hemd, das im Laden 75 Euro kostet, liegen die Produktionskosten bei rund 15 Euro. Hinzu kommen weitere Ausgaben etwa für Marketing und Vertrieb, Verpackung und Lagerung. Für rund 30 Euro verkauft Plotnicki seine Hemden an den Handel. Zwar sind die Lohnkosten deutlich höher als etwa in Asien: Während eine Näherin in Bangladesch 35 Euro im Monat verdient, sind es in Deutschland bei Loder rund 1.600 Euro.

Begrenzte Kapazität

Dafür brauchen die Maschinen nur ein Zehntel der Energie, die bei modernen Anlagen nötig ist. Sie produzieren aber deutlich langsamer. Dem ganz großen Boom sind daher Grenzen gesetzt: Mehr als 80.000 Hemden pro Jahr sind mit den alten Maschinen nicht drin.

Über seine genauen Umsatzzahlen schweigt Plotnicki. Während er in der ersten Saison 2010 rund 5.000 Hemden verkaufte, dürfte der Umsatz – bei einem Preis an den Handel von 30 Euro – schon bei mehr als 150.000 Euro gelegen haben. 2012 hat der Designer mit seinen drei Mitarbeitern rund 15.000 Hemden verkauft, was einem Umsatz von rund 400.000 Euro entspricht. Im aktuellen Jahr soll Merz b. Schwanen erstmals Gewinn abwerfen. Plotnicki plant mit 20.000 verkauften Hemden und mehr als 600.000 Euro Umsatz.

Dass die museale Technik irgendwann den Geist aufgeben könnte, ficht Plotnicki nicht an: „Aber es könnte schwierig werden, einen Nachfolger für unseren Maschinenexperten zu finden. Es gibt nicht mehr viele Menschen hier, die die alten Maschinen noch bedienen können.“

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