Porträt Guido Kerkhoff: Krupp-Rebell mit Hindernissen

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Porträt Guido Kerkhoff: Krupp-Rebell mit Hindernissen

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Guido Kerkhoff hat bei ThyssenKrupp gelernt, nur Dinge zu sagen, die dringend notwendig sind. Das musste er erst lernen.

von Andreas Wildhagen

Finanzchef Guido Kerkhoff ist am Jahresende quasi über Nacht zum Hoffnungsträger im schlingernden Stahlunternehmen geworden. Schon früh gab er bekannt, die hierarchische Kultur bei ThyssenKrupp abschaffen zu wollen.

Guido Kerkhoff zeigt sich so unabhängig wie man es als Finanzvorstand von ihm erwartet. Zusammen mit ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger hält er in den kommenden Wochen das Schicksal des Unternehmens mit einem Jahresverlust in Höhe von fünf Milliarden Euro in der Hand. Aber Kerkhoff ist dem Aufsichtsrat verpflichtet – und sich selbst. Kerkhoff ist Neuling in Essen, nicht einmal zwei Jahre bei ThyssenKrupp. Vorher war er Finanzvorstand der Telekom und damit ganz weit weg von Korruption, Milliarden-Fehlplanungen und Missmanagement im Revierkonzern.

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Cromme und Beitz trugen alles mit...

  • Milliardendesaster

    In einer Sondersitzung am 20. November versuchte der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat erneut, die Verursacher des Milliardendesasters bei den Stahlwerken in Brasilien und Alabama (USA) auszumachen.

  • Freispruch

    Die Kontrolleure unter Gerhard Cromme beriefen sich auf einen internen Bericht, nach dem Antworten des gesamten früheren Vorstands auf Fragen des Aufsichtsrates „unvollständig und teilweise falsch“ gewesen seien. Damit sprach sich Cromme frei.

  • Schuld haben "die anderen"

    Seit 2007 hatte sich aber abgezeichnet, dass die Baukosten der Stahlwerke „erheblich vom Plan abweichen“, wie es in einer Aufsichtsratsvorlage heißt. Cromme und Beitz zogen dennoch nicht die Notbremse. Schuld an Fehlentwicklungen im Konzern seien, so ein früherer Manager, „immer die anderen.“

Da wirkt es prekär, dass Kerkhoff dem Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme verpflichtet ist, seinem Chefaufseher, der selbst knietief drinsteckt, dennoch nichts von den gravierenden Fehlentwicklungen gewusst haben will. Cromme ist seit 1986 bei Krupp, war später Vorstandschef des Fusionskonzerns ThyssenKrupp und seit über zehn Jahren dessen Aufsichtsratschef, Vorsitzender des Investitionsausschusses.

Aus der ThyssenKrupp-Bilanz 2011/2012

  • Auftragseingang

    2010/2011: 50,2 Milliarden Euro

    2011/2012: 48,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von drei Prozent.

  • Umsatz

    2010/2011: 49 Milliarden Euro

    2011/2012: 47 Milliarden Euro. Das entspricht eine Minus von vier Prozent.

  • Jahresüberschuss/ Fehlbetrag

    2010/2011: - 1,3 Milliarden Euro

    2011/2012: - 4,7 Milliarden Euro

  • Eigenkapital

    2010/2011: 10,4 Milliarden Euro

    2011/2012: 4,5 Milliarden Euro. Damit hat ThyssenKrupp sein Eigenkapital mehr als halbiert ( - 56 Prozent)

  • Nettofinanzschulden

    2010/2011: 3,6 Milliarden Euro

    2011/2012: 5,8 Milliarden Euro. Die Nettofinanzschulden sind damit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent gestiegen.

  • Dividende je Aktie

    2010/2011: 0,45 Euro

    2011/2012: keine Dividende

  • Mitarbeiter

    Zum Stichtag am 30. September 2012 beschäftigte ThyssenKrupp 167.961 Mitarbeiter. Das sind mehr als 12.000 weniger als im Vorjahr.

Der Belastete kontrolliert den Unbelasteten? Verkehrte Welt? Dass Cromme mitschuldig sei, sagen viele Aktionäre, die im Vorfeld der Hauptversammlung am Freitag, den 18. Januar, bereits die Messer wetzen. Sie wollen auch Cromme das größte Desaster der Firmengeschichte anlasten. Wen oder was hat Cromme wann in den vergangenen Jahren kontrolliert? Die FAZ forderte bereits in einem Kommentar den Rücktritt von Cromme.

Die Frage stellt sich auch für Kerkhoff: Nützen Gutachten von Rechtsanwälten, die fast schon inflationär von Cromme beauftragt werden, diesem oder jenem die Schuld oder Unschuld zu attestieren? Die einzigen, die wirklich als Schafe im Schafspelz bei ThyssenKrupp auftreten können, sind Hiesinger und Kerkhoff. Dem Finanzchef kommt dabei eine besondere Rolle zu.

„Wir verfügen über ausreichend Liquidität und ein ausgewogenes Fälligkeitsprofil, so dass in Zukunft kein Refinanzierungsbedarf besteht“, hat Kerkhoff bereits erklärt. Wenn ein Finanzvorstand so etwas öffentlich sagt, dann muss es ziemlich schlecht um einen Konzern stehen.

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