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ThyssenKruppJetzt droht der Bruch mit dem Stahlgeschäft

Der Ruhrkonzern kämpft ums Überleben. Der Rauswurf dreier Top-Manager stärkt Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Der kann nun leichter Firmenanteile abstoßen und mit der Stahltradition brechen – auch gegen den Widerstand der Gewerkschaft.Andreas Wildhagen 10.12.2012 - 15:00 Uhr

Berthold Beitz

Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung hätte am 26. September 2013 seinen 100. Geburtstag gefeiert, doch er starb Ende Juli in seinem Ferienhaus auf Sylt. Sein wichtigster Mann im Konzern war über viele Jahre Gerhard Cromme, zunächst als Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp, später als Aufsichtsratschef. Cromme sollte auch den Stiftungsvorsitz übernehmen, wenn Beitz einmal nicht mehr sein sollte. Doch im März 2013 war plötzlich alles aus. Cromme trat von allen Ämtern zurück. Zuvor hatte es Razzien wegen des Verdachts auf Kartellabsprachen bei Karosseriestahl gegeben. Cromme fiel bei Beitz in Ungnade.

2011 erschien eine Biographie über Beitz, die er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist dort nun wenig Kritisches zu lesen. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das Leben, indem er sie als Direktor der Karpathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrte.

Foto: dpa

Berthold Beitz, Alfried Krupp

Berthold Beitz zusammen mit Alfried Krupp. Das Tandem war ein wichtiger Motor zur Rettung des schwer beschmutzten Namens Krupp nach dem Krieg. Als Waffenschmiede hat das Unternehmen international einen zweifelhaften Ruf erworben. Alfried Krupp wurde in Nürnberg als Kriegsverbrecher (Krupp hatte 25.000 Zwangsarbeiter beschäftigt) verurteilt und 1951 begnadigt. Danach suchte er sich einen Testamentsvollstrecker, den er in dem fast vierzigjährigen ehemaligen Ölmanager Berthold Beitz fand. Er lernte ihn bei einer Vernissage auf Sylt kennen. Beitz war im Ruhrgebiet Außenseiter und nutzte diese Position für einen Neustart für Krupp, der das Unternehmen vollständig wandelte. Seinen Vorschlag, Krupp an Volkswagen zu beteiligen, lehnte Alfried Krupp jedoch ab ("wir sind ein Stahlunternehmen"). Krupps Sohn Arndt, der am Unternehmen kein Interesse hatte, sondern als eine Art Playboy das Leben lieber genoss, entlockte Beitz den Verzicht auf das Erbe. Somit war Beitz der unumschränkte Herrscher über das Krupp-Unternehmen, das er zusammen mit Gerhard Cromme 1999 in die Fusion mit Thyssen steuerte und somit vor der Pleite rettete. Da es bei Thyssen keinen beherrschenden Aktionär gab, nahm die Krupp-Stiftung diese Rolle fast mühelos und wie selbstverständlich ein. Damit war das Erbe von Alfried Krupp ehrenvoll gerettet.

Foto: ThyssenKrupp AG

Villa Hügel - das Stammhaus der Familie Krupp, das sie bis Kriegsende auch bewohnte. Heute ist die Villa Hügel ein Ort für Ausstellungen, wie etwa zum 200. Firmengeburtstag, oder von Konzerten. Gelegentlich findet hier auch eine Aufsichtsratssitzung statt, dafür sorgte Berthold Beitz, der dieses Traditionssymbol bewusst einsetzt. Auch Treffen von ehemaligen Krupp-Direktoren findet auf Villa Hügel statt. Das leicht muffig riechende Haus ist ein Paradebeispiel für den Lebensstil einer großen Industriellenfamilie im 19. Jahrhundert. Schloß Landsberg, ebenfalls im Ruhrgebiet, war die Residenz von August Thyssen. Sie ist heute auch noch Ort für Konzerntagungen und nimmt sich gegen die Villa Hügel fast bescheiden aus.

Foto: AP

Er trieb das Unternehmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Größe. Schon vor Bismarck erfand er ein Sozialsystem für "seine" Arbeiter, das allerdings mehr der Gesundheit und damit der Arbeitsfähigkeit der Krupp-Beschäftigten diente als reiner Menschenliebe. Auch sollten Kruppianer von dem Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei abgehalten werden. Politisieren war nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Freizeit verboten.

Foto: ThyssenKrupp AG

Margarethe Krupp, Bertha Krupp

Sie ließ eine Mustersiedlung für Krupp-Arbeiter in Essen errichten, die noch heute zur einen der Sehenswürdigkeiten gehört, die Essen zu bieten hat. Sie richtet die Villa Hügel nach dem Geschmack der Zeit liebevoll ein. Die Unternehmergestalt in der Familie ist Bertha Krupp (links), die 1902 kurzzeitig den Konzern leitet und das Unternehmen mit Hilfe ihrer Berater zu einer Aktiengesellschaft umwandelt.
Krupp bekommt damit Zugang zum Kapitalmarkt und leitet damit einen weiteren gigantischen Wachstumsschub auf dem Markt der Waffenherstellung ein. Die Kanone, die Krupp herstellt, wird - nicht nur liebevoll - "Dicke Bertha" genannt.

Foto: unbekannt, ThyssenKrupp AG

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Alfried Krupp war ein Übergangspatriarch, dessen Leistung es war, das Unternehmen in eine Stiftung umzuwandeln und damit zukunftssicher machte. Seine große Entdeckung war Berthold Beitz, der sich heute als eine Art "letzter Krupp" fühlt.
Versuche von einzelnen Familienmitgliedern, sich mit Hilfe von Büchern Gehör zur Geschichte der Familie und zur Unternehmensgeschichte zu verschaffen, bekämpft Beitz, wo er nur kann. Nach ihm soll es keinen mehr geben, der Willen und Geist von Alfried Krupp interpretiert oder einfordert.

Foto: dpa

Radreifen-Skizze von Alfred Krupp

Das Produkt Radreifen machte Krupp groß. Es waren vor allem Radreifen für Eisenbahnwaggons, die Krupp nahtlos schmiedete (im Bild eine eigenhändige Skizze Alfred Krupps) und für die es im 19. Jahrhunderts einen riesigen Bedarf gab. Überall in Europa wurde das Eisenbahnnetz ausgebaut.

Foto: ThyssenKrupp AG

Gerhard Cromme

1989 wurde Gerhard Cromme Chef bei Krupp. 1992 wurde unter seiner Regie der Dortmunder Konkurrenten Hoesch übernommen, 1999 folgte die Fusion von Krupp und Thyssen zur ThyssenKruppAG.

Foto: AP

Nirosta

Der rostfreie, hochglänzende Stahl ist eine Erfindung von Krupp-Ingenieuren zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Heute soll der Bereich verkauft werden. Es gibt enorme Überkapazitäten im Edelstahl in Europa. ThyssenKrupp bekommt das Nirosta-Geschäft nicht in den Griff - und will verkaufen.
Konzernchef Heinrich Hiesinger (Foto) sah Nirosta nicht mehr als Kernkompetenz von ThyssenKrupp an. Im Dezember 2012 kauft der finnische Konzern Outokumpu die Edelstahl-Sparte.

Foto: AP

Lastkraftwagen Titan

Krupp investierte in der ersten Zeit des jungen Konzernchefs Berthold Beitz in das Geschäft von Schwerlastwagen mit klingenden Namen wie zum Beispiel Krupp Titan. MAN war noch eine kleine Nummer im Geschäft, es gab einen großen Bedarf an Brummis.
Mit dem Ausbau der Autobahnen in der Nachkriegszeit wuchs das Speditionsgeschäft und damit die Kundschaft für solche rollenden Giganten. Heute noch treffen sich in regelmäßigen Abständen die Brummi-Oldtimerfahrer mit ihren Schätzchen vor der Villa Hügel zur Parade.

Foto: CC

Flachstahlfertigung in Alabama (USA)

Der Versuch die Stahlkocherei um 2001 an die Börse zu bringen und sich langsam davon zu lösen, scheiterte am Widerstand der Mitarbeiter und der bei ThyssenKrupp sehr einflussreichen Arbeitnehmerbank. Das defizitäre Stahlwerk in Alabama will ThyssenKrupp seit 2012 ebenso loswerden wie den Hochofen in Brasilien.

Foto: ThyssenKrupp AG

Rolltreppe von Thyssen

Rolltreppen und Aufzüge verbindet Otto-Normalverbraucher mit dem Namen Thyssen. Der Schriftzug steht auf vielen Kaufhaus- und U-Bahntreppen. Krupp geriet an dieses lohnende Wartungs- und Dienstleistungsgeschäft mit der Quasi-Übernahme von Thyssen.

Foto: AP

Am Eingang des pompösen, 50 Meter hohen und 13-stöckigen Hauptgebäudes der ThyssenKrupp-Zentrale am Essener Berthold-Beitz-Boulevard steht ein Korb mit blank polierten Äpfeln. „An apple a day keeps the doctor away“ steht auf dem Schild daneben. So sorgt der Stahl- und Technologiekonzern für die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Ein Manager einer Auslandstochter, der gerade zu Besuch am Stammsitz weilt, nimmt sich einen Apfel, lächelt sarkastisch und meint: „Schokolade wäre besser gewesen.“

Der Mann hat recht. Äpfel sind zwar gut für die Gesundheit, Schokolade aber für die Nerven. Und die liegen blank in Essen und Duisburg, den beiden Sitzen des Unternehmens mit 49 Milliarden Euro Umsatz und 155 000 Mitarbeitern.

Verluste der ThyssenKrupp-Stahlwerke in Brasilien und den USA in Milliarden (zum Vergrößern bitte anklicken).

Foto: WirtschaftsWoche

Auf einen Schlag beschloss der Aufsichtsrat unter Gerhard Cromme am Mittwochabend den Rauswurf von Stahlchef Edwin Eichler, Technologievorstand Olaf Berlien und dem Verantwortlichen für gute Unternehmensführung, Jürgen Claassen. Schwerste Managementfehler, Korruption, Kartellabsprachen und Intrigen zwangen vor allem Cromme, die Reißleine zu ziehen. Denn der Abwärtsstrudel, der ThyssenKrupp nach unten zieht, droht auch ihn zu erfassen. Zehn Jahre lang agierte Cromme, wie sich jetzt zeigt, offenbar zu sehr nach dem Motto „abnicken und zuschauen“.

Für ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist das die große Chance zum Total-umbau des Konzerns, um ihm eine überlebensfähige Form zu verleihen. Wohin die Reise geht, lässt sich in ersten Umrissen erahnen. Sicher ist das langfristige Ende der Stahlära. Sogar das Hauptstahlwerk in Duisburg-Bruckhausen könnte zur Disposition stehen, wie die WirtschaftsWoche aus Aufsichtsratskreisen erfuhr.

Verschuldung des Konzerns ThyssenKrupp (zum Vergrößern bitte anklicken).

Foto: WirtschaftsWoche

Wie nahe ThyssenKrupp im Rahmen des Umbaus vielleicht sogar an Siemens heranrückt, wo Hiesinger zuvor arbeitete, werden die kommenden Jahre zeigen.

Vor dem großen Wurf muss Hiesinger aber den prominentesten Ruhr-Konzern von der bedrohlichsten Krise seiner Geschichte befreien. Die Verschuldung ist so hoch und das Geschäft so mau, dass intern fast der Ausnahmezustand herrscht.

Desaströses Ergebnis

Der 99-jährige Berthold Beitz sieht sein Lebenswerk in Gefahr, das Erbe von Alfried Krupp. Als dieser 1967 starb, war Beitz dessen Testamentsvollstrecker geworden und hatte geschworen, den ThyssenKrupp-Vorgänger, die „Firma Krupp“, zu stärken und zu kräftigen. Darum bemüht sich Beitz seit 45 Jahren als Vorsitzender der Krupp-Stiftung unbeirrt: mit desaströsem Ergebnis. Denn viel schlechter als jetzt könnte es um ThyssenKrupp kaum noch stehen. Auf den ersten Blick wirkt die Lage zwar gar nicht so ernst.

Stärke 1: Das Unternehmen besitzt ein solides Liquiditätspolster. Zwar hat Thyssen-Krupp gerade den zweiten Milliardenverlust in drei Jahren eingefahren. Dennoch ist der Konzern, dank eines sehr konservativen Finanzengagements, erstaunlich gut bei Kasse. Im vierten Quartal gelang es Finanzchef Guido Kerkhoff, die liquiden Mittel auf 3,6 Milliarden Euro zu erhöhen. Maßgeblich dazu beigetragen hat der Verkauf eigener Aktien, die ursprünglich als strategische Reserve für Übernahmen gedacht waren. Der Verkauf brachte einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Das aktuelle Liquiditätspolster reicht – abzüglich einer halben Milliarde Euro, die fest im operativen Geschäft gebunden sind – aus, um die in wenigen Monaten fälligen Finanzschulden von 0,6 Milliarden Euro abzulösen. Außerdem kann Thyssen-Krupp auf nicht gezogene Kreditlinien zurückgreifen, um sich bei Bedarf weitere 4,7 Milliarden Euro bei seinen Hausbanken zu borgen. Dank der hohen Liquidität sind die Anleihen von Thyssen-Krupp sogar für einen kleinen Kreis institutioneller Investoren interessant, die ihr Geld auch bei Unternehmen mit einer schlechten Bonitätsnote anlegen. Thyssen-Krupp gibt überwiegend Anleihen mit einem Nennwert von 1.000 Euro aus , wendet sich also gezielt an Privatanleger. Der Ruhrkonzern steht für Seriosität und finanzielle Solidität. Die Sorge, das Unternehmen könne pleitegehen, haben viele Privatanleger nicht. Bei den meisten Dax-Konzernen ist eine Mindeststückelung von 50.000 Euro üblich.

Foto: dapd

Stärke 2: Innovative Ingenieure sichern Vorsprung gegenüber den Konkurrenten. Der Investitionsgüter- und Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist überwiegend auf bereits entwickelten Märkten tätig – und trifft dabei auf Konkurrenten mit günstigeren Kostenstrukturen. Um gegen sie zu bestehen, setzt der Konzern auf die innovative Kompetenz seiner Ingenieure. Denn erfahrungsgemäß sind die Kunden bereit, für bessere Qualität, größere Zuverlässigkeit und längere Lebensdauer eines Produktes einen Aufpreis zu bezahlen.

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Auch im Geschäft mit seinen wichtigsten Kunden, den deutschen Autokonzernen, folgt Thyssen-Krupp diesem Prinzip. Und bei der wichtigsten Kennzahl, dem operativen Gewinn vor Abschreibungen pro Tonne Stahl, liegt der Konzern mit 124 Euro vor der Konkurrenz: Voestalpine verdient 105, Weltmarktführer Arcelor-Mittal sogar nur 44 Euro.

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Allerdings musste Thyssen-Krupp auch lernen, dass ein vermeintlich günstiges Angebot am Ende richtig teuer werden kann: Um das Budget für das neue Stahlwerk in Brasilien nicht zu überziehen, hatte der Vorstand entschieden, die für das Milliardenprojekt wichtige neue Kokerei von einem chinesischen Anbieter bauen zu lassen. Der Experte im eigenen Haus, der Anlagenbauer Uhde, kam nicht zum Zug. Das Ergebnis ist bekannt: Die Chinesen lieferten Schrott, und jetzt muss Uhde für viel Geld die Kokerei ans Laufen bringen.

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Stärke 3: Führende Marktposition in den meisten Geschäftsbereichen. Für einige Experten ist Thyssen-Krupp ein Paradebeispiel für einen Mischkonzern. Für andere ist der Essener Konzern ein unübersichtliches Industriekonglomerat. Tatsächlich zählt das Essener Traditionsunternehmen allein 636 Tochtergesellschaften in mehr als 80 Ländern, deren Geschäftszahlen, also Umsätze und Ergebnisse, voll in die Konzernbilanz einfließen.

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Viele dieser Unternehmen sind in ihren Märkten tonangebend. Die Tochter Thyssen-Krupp Steel Europe beispielsweise ist nach Umsatz gemessen der zweitgrößte Anbieter auf dem Kontinent – hinter dem Branchenprimus Arcelor-Mittal. Weltweit belegt Thyssen-Krupp mit sämtlichen Stahlaktivitäten in Europa, Nord- und Südamerika sowie der Edelstahlstahlsparte nach Umsatz den siebten Rang. Nach Produktionsmenge zählt der Konzern nicht zu den Top 15.

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Bei der Planung und dem Bau von Düngemittelfabriken ist die Konzerntochter Uhde weltweit die Nummer eins, ebenso in der Kokereitechnik, der Bergbauausrüstung und bei Elektrolyseanlagen. Bei Zementanlagen und dem Bau von Aufzügen belegt Thyssen-Krupp rund um den Globus den dritten Platz. Vor allem bei den Aktivitäten, die nicht zur Stahlproduktion oder zum Stahlhandel gehören, zahlt sich das auch in hohen Gewinnen und hohen Cash-Flows für den Gesamtkonzern aus.

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Schwäche 1: Konjunkturanfälliges Geschäftsmodell. Thyssen-Krupp ist überwiegend in Märkten aktiv, die den zyklischen Schwankungen der Weltkonjunktur stark ausgesetzt sind. Deshalb schlägt auch das Konzernergebnis heftig aus: In guten Jahren mit hoher Nachfrage und steigenden Verkaufspreisen geht es steil nach oben, in schwachen Jahren dann aber ebenso rasant nach unten. Das Resultat sind Ergebnisschwankungen von mehr als vier Milliarden Euro, wie zuletzt in den Geschäftsjahren 2007/08 und 2008/09. Auf einen Gewinn von 2,3 Milliarden folgte da ein Verlust von 1,9 Milliarden Euro.

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Dem Konzernvorstand ist es trotz umfangreicher Bereinigungen des Portfolios in den vergangenen Jahren auch nicht annähernd gelungen, diese Schwäche zu überwinden. Dabei hat sich das Management redlich bemüht, sich von Aktivitäten mit einer unbefriedigenden Rendite zu trennen. Das Ziel, die beiden Sparten Stahl und Edelstahl so weit zu optimieren, dass sie auch in einer Flaute nicht unter die Nulllinie rutschen, wurde verfehlt.

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Vor allem im Edelstahl liegt das aber auch an den weltweiten Überkapazitäten. Diese verhindern, dass die Werke auch im Boom zu mehr als 75 Prozent auslastet sind. Was die Edelstahlaktivitäten angeht, hat sich Thyssen-Krupp zu einem radikalen Schnitt entschlossen – die Sparte soll verkauft oder über den Weg eines sogenannten Spin-offs an die eigenen Aktionäre abgegeben werden. Ein großes Problem wäre der Konzern dann los.

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Schwäche 2: Hohe Pensionszusagen treiben die Schulden nach oben. Die internationalen Ratingagenturen haben ein Problem mit den deutschen Pensionsrückstellungen. Aus Sicht der angelsächsischen Bonitätswächter handelt es sich bei Betriebsrentenzusagen um finanzielle Verpflichtungen ähnlich einem Bankkredit oder einer Unternehmensanleihe. Und Thyssen-Krupp hat mit 7,3 Milliarden Euro vergleichsweise hohe Pensionsverpflichtungen – zum größten Teil eine Erblast aus der Fusion der beiden einstigen Rivalen Thyssen und Krupp im Jahr 1999.

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Außerdem lasten auf dem Konzern Finanzschulden von 3,6 Milliarden Euro. Insgesamt beträgt die Schuldenlast somit fast elf Milliarden Euro. Um von Standard & Poor’s (S&P) ein besseres Rating zu erhalten – derzeit liegt es mit der Note BB+ auf Ramschniveau –, müsste Thyssen-Krupp entweder seine Schulden kräftig abbauen oder das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das Ebitda, deutlich verbessern.

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Denn S&P leitet die Bonität auch aus dem Verhältnis von Nettofinanzschulden inklusive Pensionsverpflichtungen zum Ebitda ab; der Wert weist den Verschuldungsgrad aus. Thyssen-Krupp hat zuletzt ein Ebitda von 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, mithin beträgt der Verschuldungsgrad 3,2. Das reicht noch nicht für ein besseres Rating, zumal das Ebitda in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich wieder sinken wird, schätzen Analysten.

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Schwäche 3: Die fehlende eigene Rohstoffbasis. Bis Ende der 90er-Jahre waren die für Stahlherstellung benötigten wichtigsten Rohstoffe Eisenerz und Kokskohle im Überfluss vorhanden und entsprechend günstig. Doch mit dem Wirtschaftsboom in China änderte sich die Lage. Die Rohstoffe verteuerten sich, und die Stahlhersteller mussten enorme Kostensteigerungen verkraften.

Foto: dapd

Lakshmi Mittal, Großaktionär des weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal, zog daraus die einzig richtige Konsequenz: Er investierte konsequent in den Aufbau einer eigenen Rohstoffbasis. Und deshalb ist sein Konzern heute im Vorteil: Arcelor-Mittal kann, inzwischen weitgehend Selbstversorger, einen Teil der Rohstoffverteuerung auffangen.

Foto: dpa

Thyssen-Krupp dagegen verkaufte seine Minen frühzeitig und muss sich deshalb nun dem Preisdiktat der großen Rohstoffkonzerne Vale, Rio Tinto und BHP Billiton beugen. Diese kontrollieren zusammen etwa zwei Drittel des weltweiten Angebots an Eisenerz. Die mächtigen Rohstoffgiganten setzten außerdem neue, für sie günstigere Lieferkonditionen durch: Die Preise für Eisenerz werden nun monatlich und nicht mehr jährlich festgelegt. Abzulesen ist dies auch an der Materialaufwandsquote der Stahlsparte von Thyssen-Krupp: Mit fast 67 Prozent war sie nie höher als heute. Von 100 Euro Umsatz bleiben nach Abzug der Materialkosten nur noch 33 Euro übrig.

Foto: Reuters

ThyssenKrupp: Umsätze und Auftragseingänge nach Sparten
Umsatz* (in Mrd. Euro): 14,7Auftragseingang**: -10%* Geschäftsjahr 2010/11; ** 3. Quartal 2011/12zum Vorjahr; Quelle: ThyssenKrupp
Umsatz* (in Mrd. Euro): 7,0Auftragseingang**: + 5%
Umsatz* (in Mrd. Euro): 1,5Auftragseingang**: + 461%
Umsatz* (in Mrd. Euro): 4,0Auftragseingang**: - 12%
Umsatz* (in Mrd. Euro): 5,2Auftragseingang**: - 15%
Umsatz* (in Mrd. Euro): 1,4Auftragseingang**: + 90%
Umsatz* (in Mrd. Euro): 6,1Auftragseingang**: - 15%
Das schwierige Geschäft und die neuen Eigenkapitallücken dämpfen die Aussichten der Aktie. Dennoch ist der Konzern, gemessen am hohen Geschäftsvolumen, inzwischen günstig bewertet. Für mutige Käufer ist die Aktie eine Turn-around-Spekulation (siehe Grafik in der linken Spalte).

„Wir sind für zwei Jahre durchfinanziert“, beruhigt ein ThyssenKrupp-Top-Manager. Insofern gebe es „keinen Grund zur Sorge“: Fremdmitteln von 5,8 Milliarden Euro steht ein Eigenkapital von 9,1 Milliarden Euro gegenüber, die Eigenkapitalquote liegt noch bei 20 Prozent. Doch die vermeintlich gesunde Relation steht nur auf dem Papier. Denn zu dem Eigenkapital von 9,1 Milliarden Euro zählen die neuen, aber unwirtschaftlichen Stahlwerke in Brasilien und den USA. Die beiden Verlustbringer, von denen sich ThyssenKrupp trennen will, stehen mit sieben Milliarden Euro in der Bilanz.

Dieser Wert, so die Erkenntnis des Führungstrios Hiesinger, Cromme und Beitz, dürfte viel zu hoch angesetzt sein. „Es könnte beim Verkauf auf deutlich unter drei bis vier Milliarden Euro hinauslaufen“, sagt ein Aufsichtsrat, „vielleicht sogar auf nur ein bis zwei Milliarden Euro.“ Das bedeute einen „immensen Abschreibungsbedarf von vier, fünf oder im schlimmsten Fall sechs Milliarden Euro“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Die Folgen könnten ThyssenKrupp strangulieren. „Wenn das eintritt, könnten die Banken neue Sicherheiten verlangen“, warnt ein mit dem Konzern vertrauter Anwalt.

Für eine größere Darstellung bitte auf die Grafik klicken.

Foto: WirtschaftsWoche

Damit begänne ein Countdown mit absehbarem Ende. Bisher sind Beitz und Ziehsohn Cromme, der im Februar 70 wird und als Nachfolgekandidat im Stiftungsvorsitz gilt, meist erst zur Hochform aufgelaufen, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Doch nun droht die Wand einzustürzen. Nicht nur die Finanzkraft von ThyssenKrupp schmilzt wie Erz im Hochofen. Auch der traditionelle Kern des Konglomerats ist mittlerweile faul. Die Aufträge gehen zurück (siehe Grafik ).

Im deutschen Stahl-Stammgeschäft in Duisburg und beim als Hoffnungsträger deklarierten Anlagenbau (Errichtung von Zementwerken und Chemieanlagen) sind es zweistellige Prozentzahlen. Anlagenbau, Aufzüge und der Marineschiffbau gelten als künftiges Kerngeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem das Stahlgeschäft – die Urzellen der 1999 fusionierten Ruhrkonzerne Thyssen und Krupp – droht das Unternehmen in den Abgrund zu reißen: Im um gut 20 Prozent schrumpfenden amerikanischen Stahlmarkt verliert ThyssenKrupp mit seinen Werken pro Quartal 150 bis 300 Millionen Euro.

Das deutsche Unternehmen Salzgitter rangiert im weltweiten Vergleich der großen Stahlhersteller auf den hinteren Plätzen. 6,8 Millionen Tonnen betrug die Rohstahlerzeugung im Jahr 2010 und hier ist der HKM-Anteil mitgerechnet. Der Stahlumsatz lag bei 5,2 Milliarden Euro. Heute hat die deutsche Stahlindustrie ihre Prognose für 2011 zurückgenommen. „Die Stahlkonjunktur hat sich in den letzten Wochen vor allem als Folge der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum eingetrübt“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Das trifft auch ...

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Thyssen-Krupp. Der Essener Konzern hat im Jahr 2010 16,7 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt. Der Stahlumsatz betrug 16,7 Milliarden Euro. Die deutsche Energiewende macht der stromintensiven Branche Zukunftssorgen. Die Stahlindustrie spüre die Unsicherheit der Märkte. Die Stahleinkäufer warteten derzeit ab, um zu sehen, wie sich die Konjunktur weiter entwickeln werde - auch die weltweite Konkurrenz ...

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Der indische Stahlproduzent Tata Steel hat im vergangenen Jahr 23,5 Millionen Tonnen Stahl erzeugt, der Umsatz lag bei 18,6 Milliarden Euro. Damit ist er der zehntgrößte Stahlhersteller der Welt.

Foto: Presse

Beim chinesischen Branchen-Neunten Shougang lag die Rohstahlerzeugung im Jahr 2010 bei 25,8 Millionen Tonnen. Umsatzzahlen liegen nicht vor.

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Direkt davor platziert ist der ebenfalls chinesische Stahlbauer Shagang. Die Rohstahlerzeugung lag 2010 bei 30,1 Millionen Tonnen, allerdings liegen auch in diesem Fall keine Umsatzzahlen vor.

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JFE Steel aus Japan hat im vergangenen Jahr 32,7 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt und verzeichnete einen Stahlumsatz von 24,3 Milliarden Euro. Platz sieben.

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Die Rohstahlerzeugung des südkoreanischen Stahlproduzenten Posco lag im Jahr 2010 bei 33,7 Millionen Tonnen. Das Unternehmen verzeichnete einen Umsatz von 28,5 Milliarden Euro.

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Nippon Steel erzeugte im vergangenen Jahr 36,1 Millionen Tonnen Rohstahl und erwirtschaftete einen Stahlumsatz von 30,7 Milliarden Euro. Damit sind die Japaner der fünftgrößte Stahlhersteller der Welt.

Foto: rtr

36,6 Millionen Tonnen Rohstahl wurden in den Werken des chinesischen Produzenten Wuhan im Jahr 2010 erzeugt. Zum Umsatz liegen wie bei den meisten chinesischen Stahlherstellern keine Angaben vor.

Foto: rtr

Auf Platz drei findet sich ein chinesisches Unternehmen, das aus seinen Umsatzzahlen kein Geheimnis macht: Die Rohstahlerzeugung von Baosteel im Jahr 2010 lag bei 44,5 Millionen Tonnen, der Stahlumsatz betrug 19,4 Milliarden Euro.

Foto: rtr

Hebei Steel komplettiert die Reihe der chinesischen Stahlbauer mit einer Rohstahlerzeugung von 52,9 Millionen Tonnen im Jahr 2010. Umsatzzahlen liegen auch hier nicht vor. Das Unternehmen liegt klar hinter dem Spitzenreiter aus Luxemburg:...

Foto: dpa

...Arcelor-Mittal ist mit 99,5 Millionen Tonnen erzeugtem Rohstahl und 57,3 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr der größte Stahlhersteller der Welt.

Foto: AP

Analysten erwarten eine weitere Abschwächung des Marktes. Zugleich drohen Schandtaten an den Konzernfinanzen zu nagen. Wegen Kartellabsprachen im Geschäft mit Bahnschienen zwischen ThyssenKrupp und dem österreichischen Stahlhersteller Voestalpine will die Deutsche Bahn die Essener auf Schadensersatz verklagen. Zwar hat die Bahn signalisiert, sich auch außergerichtlich einigen zu wollen.

Zur Debatte stehen 500 Millionen Euro. Kommt es zu einem Vergleich, dürfte an ThyssenKrupp mindestens die Hälfte hängen bleiben. Weitere Geschädigte – das städtische Düsseldorfer Nahverkehrsunternehmen Rheinbahn sowie Ruhrgebietskommunen – schätzen ihren Schadensersatzbedarf vorerst auf 71 Millionen Euro. Abschließende Rechnungen werden 2013 präsentiert.

Evonik

Der Chemiekonzern Evonik Industries AG sitzt in Essen und ist eines der weltweit größten Unternehmen der Spezialchemie. Das Unternehmen beschäftigte 2011 rund 34.000 Mitarbeiter und hatte einen Jahresumsatz von 14,5 Milliarden Euro.

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Thyssen Krupp

Der Stahlproduzent, Technologie- und Rüstungskonzern Thyssen Krupp mit Sitz in Essen und Duisburg beschäftigte im vergangenen Jahr mehr als 180.000 Menschen. Der Umsatz, den das 1999 aus einer Fusion von Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervorgegangene Unternehmen erwirtschaftete, lag bei mehr als 43 Milliarden Euro.

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ABUS

Abus ist ein Akronym des eigentlichen Firmennamens: August Bremicker und Söhne. Das in den 1920er Jahren gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Wetter ist Weltmarktführer bei Vorhängeschlössern. Außerdem stellt Abus Rauchmelder, Alarm- und Schließanlagen, Videoüberwachungssysteme, sowie Sicherungen für Boote und Zweiräder her. Weltweit sind mehr als 2000 Menschen für den Betrieb tätig. Der Umsatz pro Jahr wird auf bis zu einer Milliarde Euro geschätzt.

Foto: Screenshot

Aldi

Der Handelskonzern Aldi mit Sitz in Essen (Aldi Nord) und Mülheim an der Ruhr (Aldi Süd) hat vor allem im Ausland noch Wachstumspotenzial. Aldi Nord ist derzeit mit über 5.260 Filialen in 10 Ländern vertreten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Portugal, Spanien und den USA. Aldi Süd ist dagegen in Australien, Großbritannien, Irland, Österreich, Schweiz, Slowenien, Ungarn und den USA präsent. Zusammen haben beide rund 7000 Filialen in Deutschland. Der Umsatz von Aldi Gesamt liegt bei über 40 Milliarden Euro (Stand: 2009).

Foto: dpa

Rheinmetall

Der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern ist im MDax gelistet und gilt als das achtgrößte Rüstungsunternehmen der Welt. Im Geschäftsjahr 2011 macht der Düsseldorfer Konzern einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Jahr 2012 wird mit weiterem Wachstum gerechnet. Weltweit sind für die Rheinmetall AG rund 20.000 Menschen tätig.

Foto: dpa/dpaweb

Bertelsmann

Der Medienkonzern Bertelsmann aus Gütersloh gilt als eines der größten Medienunternehmen der Welt. Zum Konzern gehören unter anderem die RTL Gruppe und der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (stern, Brigitte, Financial Times Deutschland). Mehr als 100.000 Menschen sind für Bertelsmann tätig, der im letzten Jahr generierte Umsatz lag bei mehr als 15 Milliarden Euro.

Foto: dpa/dpaweb

Tengelmann

Zu Tengelmann mit Sitz in Mülheim an der Ruhr, gehören eine ganze Menge verschiedenster Unternehmen. Zur Gruppe gehören die Bau- und Heimwerkermärkte OBI, die Kaiser's- und Tengelmann-Supermärkte und der Textildiscounter Kik. Außerdem ist Tengelmann an der Kette Woolworth, dem Discounter TEDi und dem Discounter Netto beteiligt. In Europa hat die Gruppe mit ihren verschiedenen Marken 4.117 Filialen in 15 Ländern. Mehr als 80.000 Mitarbeiter haben der Gruppe im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von mehr als elf Milliarden Euro erwirtschaftet.

Foto: AP

Haniel

Die Franz Haniel & Cie. GmbH sitzt in Duisburg und vereint diverse Unternehmen unter einem Dach. Zu Haniel gehören die CWS-boco, einem der führenden Anbieter für Waschraumhygiene und textile Dienstleistungen, der Rohstoffhändler ELG, der Geschäftsausstatter TAKKT, der Pharmagroßhändler Celesio und der Handelskonzern Metro. Im vergangenen Jahr arbeiteten rund 60.000 Menschen für Haniel. Der Umsatz im Jahr 2011 betrug 27 Milliarden Euro.

Foto: dpa

G. Siempelkamp

Hinter dem Namen G. Siempelkamp verbirgt sich ein ganzer Konzernverbund: Die Technologiespezialisten rüsten Industriebetriebe rund um die Welt aus. Fachbereiche sind Maschinen- und Anlagenbau, Nuklear- und Gusstechnik. Rund 495 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die Maschinenbauer aus Krefeld im Jahr 2010, rund 3.000 Menschen arbeiten für das Unternehmen.

Foto: Pressebild

Schwing GmbH

Die Schwing GmbH aus Herne ist der größte Hersteller von Betonpumpen weltweit. Das Unternehmen beschäftigt rund 3.300 Menschen in sieben Ländern und war unter anderem am Bau der Hochgeschwindigkeitsstraße für den TGV und des International Finance Center Taipeh 101 in Taiwan beteiligt. Was die Umsätze angeht, hüllt sich der Familienbetrieb in Schweigen, Schätzungen zufolge liegt er unterhalb der Milliarde.

Foto: Screenshot

Grohe AG

Die Grohe AG mit Sitz in Hermer ist Europas größter Hersteller von Sanitärarmaturen. Bei Premium-Badarmaturen hat Grohe einen Marktanteil von rund acht Prozent. Das, sowie der Jahresumsatz in Höhe von 1,2 Millionen Euro (Stand 2011) machen das Unternehmen zum Weltmarktführer. Grohe produziert in Deutschland, Portugal, Thailand und Kanada und ist in mehr als 130 Ländern präsent. 5.400 Mitarbeitern sind für Grohe tätig.

Foto: dpa

Metro AG

Die Metro AG oder Metro Group ist ein Dachverband, unter dem die Marken Metro Cash & Carry, Real, Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof und Metro Properties vereint sind. Der Hauptsitz ist in Düsseldorf. Die Hanieltochter Metro ist weltweiter Marktführer im Selbstbedienungsgroßhandel und gehört weltweit zu den wichtigsten Handelsunternehmen. Der Konzern ist an über 2.100 Standorten in 33 Ländern vertreten. Rund 280.000 Menschen auf drei Kontinenten arbeiten für Metro.

Foto: REUTERS

Henkel

Das 1876 gegründete Unternehmen Henkel ist in drei Geschäftsfeldern tätig und produziert Wasch- und Reinigungsmittel, Klebstoffe für die Industrie und den Privatgebrauch sowie Kosmetik und Körperpflegeprodukte. Bekannte Marken des Mischkonzerns sind Persil, Schwarzkopf und Pritt. Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, tätig ist das Unternehmen in 75 Ländern. Rund 47.000 Menschen arbeiten für Henkel, 80 Prozent davon im Ausland. Weltweit generierte Henkel im Jahr 2011 rund 15,6 Milliarden Euro Umsatz.

Foto: dapd

E.On

Die Düsseldorfer E.On AG ist hauptsächlich im Gas- und Stromgeschäft tätig und gilt als der größte private Energiekonzern der Welt. Der Konzern ist im Dax gelistet und beschäftigt weltweite rund 79.000 Menschen (Stand 2011), 35.000 davon in Deutschland. E.On ist in Europa, Russland und Nordamerika vertreten und erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von etwas mehr als 112 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Grillo Werke

Die Grillo Werke mit Sitz in Duisburg sind nur ein Zweig der Grillo Gruppe, die sich auf die Verarbeitung von Zinkmetall und Schwefel spezialisiert hat. Die Gruppe unterteilt sich in die Geschäftsbereiche:

Metall: vertreten durch die Grillo Werke AG, Zinacor S.A. (Belgien) und die Metra Non-Ferrous Metals Ltd. (Großbritannien)

Chemie: Grillo Werke AG, Chemad GmbH

Zinkoxid: Grillo Zinkoxid GmbH und Zinkweiss Forschungsgesellschaft mbH

Rheinzink: Rheinzink Holding GmbH, Rheinzink Verwaltungsgesellschaft mbH, Rheinzink GmbH

Das Familieunternehmen beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und ist sowohl in Europa, als auch in Asien, Russland und den USA vertreten. Der Jahresumsatz wird auf rund 750 Millionen Euro geschätzt

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Wortmann AG

Der Computerhersteller Wortmann wurde 1986 gegründet und ist mittlerweile Arbeitgeber von rund 440 Mitarbeitern. Im letzten Jahr machte der Betrieb aus Hüllhorst 470 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen gilt als eines der wichtigsten unabhängigen Unternehmen der IT-Branche.

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Dr. Oetker GmbH

Die Dr. Oetker GmbH mit Sitz in Bielefeld ist die Lebensmittelsparte der Dr. August Oetker KG. In Europa ist die GmbH Marktführer bei Tiefkühlpizzen, Backmischungen und Desserts. Seit einiger Zeit gehört auch der Brausehersteller Bionade zum Familienunternehmen. Dr. Oetker ist mit seinen Produkten sowohl in Europa, als auch in Nord- und Südamerika sowie Asien und Afrika vertreten. 2011 betrug der Umsatz der rund 40 Landesgesellschaften 1,9 Milliarden Euro. Fast 10.000 Menschen arbeiten für das Unternehmen.

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Hella KGaA Hueck & Co.

Hella ist ein weltweit aktiver Automobilzulieferer aus Lippstadt. Hauptsächlich fertigt das Unternehmen Lichtsysteme und Fahrzeugelektronik. Weitere Standbeine sind Fahrzeugklimatisierung und Motorkühlsysteme. Der Scheinwerferhersteller beschäftigt rund 25.000 Menschen und gehört zu den Top 50 der Automobilzulieferern weltweit. Außerdem ist Hella eines der 100 größten deutschen Industrieunternehmen. Der Umsatz, den das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010/2011 erwirtschaftete, betrug 4,4 Milliarden Euro.

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Bayer AG

Der Dax-Konzern Bayer aus Leverkusen gilt als eines der größten Chemieunternehmen der Welt. Zum Konzern gehören mehr als 300 Gesellschaften, für die rund 110.000 Menschen tätig sind. Hauptgeschäftsbereiche des Chemie- und Pharmaunternehmens sind Bayer HealthCare, Bayer CropScience und Bayer MaterialScience. 2011 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 36,5 Milliarden Euro.

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Lanxess AG

Das Chemieunternehmen Lanxess AG sitzt ebenfalls in Leverkusen und ging im Jahr 2004 aus der Polymersparte der Bayer AG hervor. Nach Umsätzen ist Lanxess Deutschlands neuntgrößter Chemiekonzern. Lanxess produziert hauptsächlich Kunststoffe, sowie Spezial-, Basis- und Feinchemikalien. Mehr als 16.000 Menschen sind für den Chemieriesen tätig, der 2011 generierte Jahresumsatz betrug 8,8 Milliarden Euro.

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Rewe Group

Zum Kölner Handelskonzern Rewe gehören neben den Rewe-Märkten in Deutschland auch:

die Toom-Märkte, Nahkauf, Penny, Kaufpark, Temma, akzenta, perfetto und Promarkt.

Im Ausland hat die Rewe Group unter anderem die Marken Billa, Merkur, ADEG und BiPa

Neben der Lebensmittelbranche ist Rewe auch im Touristiksegment - unter anderem mit den Marken ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg und lti Hotels - präsent.

Im Geschäftsjahr 2010 erzielte das mehr als 300.000 Mitarbeiter starke Handelsunternehmen einen Umsatz von rund 53 Milliarden Euro. Der Name Rewe ist übrigens ein Akronym für "Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften".

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Rethmann

Das Entsorgungsunternehmen aus dem westfälischen Selm gliedert sich in drei Geschäftsbereiche:

Die Remondis-Gruppe konzentriert sich auf die Aufbereitung von Wasser sowie die Entwicklung von Recyclingprodukten und alternativen Energieträgern. Sie ist eines der größten privaten Dienstleistungsunternehmen weltweit.

Rhenus Logistics bedient das Transportsegment der Rethmann-Gruppe und gilt als einer der führenden europäischen Logistikdienstleister.

Der Geschäftsbereich Bioindustrie wird von Saria bedient. Die Saria-Gruppe stellt unter anderem Futtermittel für die Landwirtschaft her. Dazu verwertet das Unternehmen tierische und pflanzliche Abfallprodukte.

Insgesamt sind für Rethmann in 46 Ländern 750 Gesellschaften operativ tätig. An 820 Standorten arbeiten mehr als 40.000 Menschen für den Entsorgungs- und Logistikunternehmer. Der Jahresumsatz 2010 betrug rund neun Milliarden Euro.

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Claas

Der Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel bei Gütersloh ist der größte Hersteller von sogenannter Erntetechnik in Europa. Das Unternehmen ist neben Europa auch in Indien und den USA tätig. Im Jahr 2011 betrug der Umsatz rund 3,3 Milliarden Euro. Etwa 9000 Menschen arbeiten für Claas.

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Miele

Der Haushaltsgerätehersteller Miele aus Gütersloh ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland aktiv. Mit seinen Staubsaugern ist Miele Marktführer in Europa. Die Produkte - vom Staubsauger über die Waschmaschine bis zum Pürierstab werden mittlerweile in 45 Länder vertrieben. In Deutschland hat der Konzern einen Absatzanteil von rund 28 Prozent, weitere große Absatzmärkte sind Großbritannien, die Schweiz und die Niederlande. Weltweit arbeiten circa 16.600 Menschen für Miele, der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2010/2011 fast drei Milliarden Euro.

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Dorma

Dorma mit Sitz in Ennepetal ist ein Familienunternehmen mit über 100-jähriger Tradition. Mit seinen Systemen für Dreh- und Schwingtüren sowie automatischen Türsystemen gehört Dorma zu den Weltmarktführern. In Deutschland ist Dorma mit Sicherungstechniken für Notausgänge und Rettungswege Marktführer. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 6000 Menschen in Amerika, Europa, China, Malaysia und Singapur. Alle Gesellschaften eingeschlossen ist die Gruppe in 49 Ländern der Welt aktiv. Im Geschäftsjahr 2010/2011 erzielte Dorma einen Umsatz von rund 944 Millionen Euro.

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Kiekert

Der Autozulieferer Kiekert aus Heiligenhaus ist Weltmarktführer bei Pkw-Schließsystemen und nach eigenen Angaben Erfinder der Zentralverriegelung. Das Unternehmen ist im März 2012 vom chinesischen Automobilzulieferer Lingyun aus Peking geschluckt worden. Dadurch will Kiekert das Geschäft mit Schließsystemen auch im asiatischen Raum ausbauen. Außerdem sollen die Produkte von Lingyun nach Europa kommen. Bisher produziert Kiekert in China, Mexiko, den USA und der Tschechischen Republik. 2011 verkaufte das Unternehmen, das rund 4.000 Menschen beschäftigt, mehr als 40 Millionen und machte damit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz.

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Lufthansa AG

Der Dax-Konzern Lufthansa AG hat seinen Sitz in Köln, gecheckt, gewartet und repariert werden die Flugzeuge des internationalen Luftfahrtkonzerns in Frankfurt, Hamburg und auf den Philippinen. Zur Lufthansa gehören die Passage Airline Gruppe, die Lufthansa Cargo (Logistik), Lufthansa Technik, Lufthansa Systems (IT-Services) und die LSG Sky Chefs, die Cateringtochter des Unternehmens.

Im vergangenen Jahr machte Lufthansa mit mehr als 100 Millionen Fluggästen einen Umsatz von 22,3 Milliarden Euro. Für den Konzern arbeiteten im vergangenen Jahr rund 55.000 Menschen.

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Deutsche Post

Die Deutsche Post AG, seit März 2009 Deutsche Post DHL ist das größte Logistik- und Postunternehmen weltweit. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Bonn, ist aber in über 220 Ländern aktiv. Im vergangenen Jahr machte der Dax-Konzern einen Umsatz von 52,8 Milliarden Euro und beschäftigte mehr als 420.000 Mitarbeiter.

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GEA Group

Das Unternehmen GEA Group AG ist im MDax (G1A, WKN 660200) gelistet und hat seinen Sitz in Düsseldorf. GEA ist ein Spezialmaschinenbauer und produziert und liefert Komponenten sowie die entsprechende Technik für die Erzeugung von Nahrungsmitteln. In diesem Geschäftsbereich gehört GEA zu den Markt- und Technologieführern. Derzeit sind weltweit mehr als 24.000 Menschen für die Gruppe tätig. Zur Gruppe gehören weltweit mehr als 250 operativ tätige Unternehmen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete GEA einen Konzernumsatz von über 5,4 Milliarden Euro, 70 Prozent davon mit den Geschäftsbereichen Nahrungsmittel und Energie.

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Deutsche Telekom

Der Dax-Konzern Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen und das größte Unternehmen in Deutschland (laut Monopolkommission). Die Telekom hat ihren Hauptsitz in Bonn und beschäftigt mehr als 240.000 Mitarbeiter, davon rund 120.000 allein in Deutschland. 2011 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz 58,7 Milliarden Euro, davon generierte die Telekom rund 45 Milliarden in Deutschland. Die Bundesrepublik Deutschland hält an dem Unternehmen 15 Prozent, über Beteiligungen der KfW Bankengruppe gehören Deutschland weitere 17 Prozent der Aktien.

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RWE AG

Der Essener Energiekonzern RWE AG ist einer der fünf größten Energieversorger Europas und der zweitgrößte Deutschlands. Die Standbeine von RWE sind die Förderung fossiler Brennstoffe, der Bau und Betrieb von Kraftwerken sowie die Vermarktung von Strom und Gas. Der Dax-Konzern versorgt rund 17 Millionen Haushalte mit Strom und fast acht Millionen Haushalte mit Gas. Für das Unternehmen arbeiten circa 72.000 Menschen. 2011 erzielte RWE einen Umsatz von 52 Milliarden Euro.

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Vaillant Group

Vaillant mit Sitz in Remscheid ist Europas zweitgrößter Heiztechnikhersteller und stellt neben Heizungen, Klima- und Lüftungstechnik auch Solarthermie- und Photovoltaikanlagen sowie Pelletheizungen und Wärmepumpen her. Wachstumstreiber des Unternehmens ist das Geschäft mit den erneuerbaren Energien sowie Hocheffizienztechnologien. 2010 erzielte die Vaillant Group mit ihren mehr als 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Zur Gruppe gehören neben der Kernmarke Vaillant

die französische Saunier Duval

die holländische awb

die belgische Marke Bulex

die türkische Demir Döküm

die britische glow worm

die italienische Hermann Saunier Duval

und protherm, aktiv in Osteuropa, Asien und Afrika

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Gildemeister

Der Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister hatte 2011 den höchsten Auftragseingang der Unternehmensgeschichte. Er erreichte 1.9 Milliarden Euro. Mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielte das Unternehmen den zweithöchsten Umsatz der Geschichte des Betriebs. Die Aktiengesellschaft gehört zu den größten Werkzeugmaschinenherstellern in Deutschland. International ist das Unternehmen führend bei der Herstellung von CNC-Fräsmaschinen. Gildemeister produziert in Deutschland, Österreich, Italien, Polen und China.

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Demag Cranes

Der Düsseldorfer Kranhersteller Demag Cranes AG gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von Industriekranen und Hafenkranen. Außer der Produktion der Krane bietet der Konzern auch Wartung und Instandhaltung sowie Technologien zur Hafenautomatisierung an. Das Unternehmen ist in Europa, Asien, der Pazifikregion, Nord- und Südamerika sowie Afrika aktiv. Seit August 2011 gehören die Düsseldorfer mehrheitlich dem US-Konkurrenten Terex. Die Terex-Gruppe hatte zunächst ein Übernahmeangebot von 41,75 Euro je Aktie unterbreitet und später auf 45,50 Euro pro Anteilsschein erhöht. Im vergangenen August erwirtschaftete Demag Cranes mit rund 6.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.

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Zwilling J. A. Henckels AG

Die Solinger Zwilling J. A. Henckels AG gehört seit 1970 zur Wehrhahn-Gruppe und produziert neben Messern und Bestecken auch Kochtöpfe, Scheren und Haushaltswaren. Außerdem gehören Nagelpflegeprodukte wie Nagelscheren und -feilen ins Portfolio des Unternehmens. Zwilling gehört mit seinen Produkten zu den Weltmarktführern, "made in Solingen" steht für besonders hochwertige Messer. Zur Aktiengesellschaft gehören außerdem noch die Marken

Staub: Gusseisen-Emaille-Kochgeschirr (USA und Frankreich)
Demeyere: Induktionskochgeschirr (Belgien)

BSF: Bestecke

Jaguar: Friseurscheren, Bürsten, Kämme
Tondeo: Haarscheren und sonstiger Friseurbedarf
Tweezerman: Maniküre-Artikel (USA und Kanada)

Die Zwilling-Gruppe steigerte im Geschäftsjahr 2010 ihren Umsatz um zwölf Prozent auf 391 Millionen Euro, 80 Prozent davon erzielte Zwilling im Ausland. Weltweit arbeiten mehr als 3000 Menschen für das Unternehmen.

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Brabus AG

Die Brabus GmbH mit Sitz in Bottrop ist überwiegend im Bereich Fahrzeugtuning tätig, ist aber auch ein eingetragener Autobauer. Hauptsächlich veredelt das Unternehmen Modelle von Mercedes-Benz, Smart und Maybach. Zu den Geschäftsfeldern gehören neben professionellen optischen Autotunings auch Chiptuning und Felgen aus eigener Entwicklung. Brabus ist in rund 80 Ländern vertreten und seit 1986 auch auf dem russischen Markt aktiv. Dort macht das Unternehmen auch den meisten Umsatz. Nur ein Drittel der geschätzten 250 Millionen Euro pro Jahr generieren die Bottroper in Deutschland. Der Name des 1977 gegründeten Unternehmens geht übrigens auf die Gründer Klaus Brackmann und Bodo Buschmann zurück.

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Cromme und Beitz trugen alles mit...
In einer Sondersitzung am 20. November versuchte der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat erneut, die Verursacher des Milliardendesasters bei den Stahlwerken in Brasilien und Alabama (USA) auszumachen.
Die Kontrolleure unter Gerhard Cromme beriefen sich auf einen internen Bericht, nach dem Antworten des gesamten früheren Vorstands auf Fragen des Aufsichtsrates „unvollständig und teilweise falsch“ gewesen seien. Damit sprach sich Cromme frei.
Seit 2007 hatte sich aber abgezeichnet, dass die Baukosten der Stahlwerke „erheblich vom Plan abweichen“, wie es in einer Aufsichtsratsvorlage heißt. Cromme und Beitz zogen dennoch nicht die Notbremse. Schuld an Fehlentwicklungen im Konzern seien, so ein früherer Manager, „immer die anderen.“

Dabei wird es für Hiesinger und die Nachfolger seiner gefeuerten Vorstandskollegen nicht leicht, schnell Kasse zu machen, um ThyssenKrupp vor dem Kollaps zu bewahren. Neun Interessenten haben sich dem Vernehmen nach gemeldet, um das brasilianische oder das amerikanische Stahlwerk zu kaufen. Zu ihnen gehören aus Brasilien der Stahlkonzern CSN und der Erzförderer Vale sowie der Stahlkocher US-Steel.

Lange Verkaufsliste

Was von den neun bisher als Angebot durchsickerte, wäre für ThyssenKrupp eine Katastrophe. Kolportiert wird ein Betrag von nur einer Milliarde Euro für beide Werke. Für diesen Betrag werde ThyssenKrupp aber nicht verkaufen, sagt ein Insider. Schon wird im Vorstand die radikale Alternative erwogen, die Stahlwerke herunterzufahren, einzumotten oder abzureißen.

Bessere Chancen, schnell Geld zu bringen, haben die anderen Kandidaten auf Hiesingers und Crommes Verkaufsliste. So soll der Bagger-Radlagerhersteller Berco nach Angaben von Aufsichtsratskreisen Anfang 2013 verkauft werden.

Auf einen dicken Batzen hofft die ThyssenKrupp-Spitze auch durch den Verkauf des Stoßdämpferherstellers Bilstein. Vorher allerdings will Hiesinger noch kräftig investieren, um den Autozulieferer möglichst teuer zu machen. „Wir haben den Fehler gemacht, abzuwarten, bis die schlecht laufenden Teilbereiche nichts mehr wert sind“, sagt selbstkritisch ein ThyssenKrupp-Manager. Auch der Lenksäulenproduzent Presta gehört zu den Schätzen, von denen sich der Konzern nun schnell trennen will oder muss. Nach Analystenschätzungen könnten Presta und Bilstein je eine Milliarde Euro einbringen.

Für Hiesinger ist die Verkaufsorgie aber nur Vorgeplänkel für den ganz großen Befreiungsschlag. Deshalb hat er seine neueste Vorlage bisher nur ausgewählten Aufsichtsräten und Vorständen gezeigt. Zur Debatte steht die Zukunft des deutschen ThyssenKrupp-Hauptstahlwerks in Duisburg-Bruckhausen, einem Industriekomplex, in dem 20 000 Stahlarbeiter im Dreischichtbetrieb Stahl schmelzen. Die Anlagen haben in Boomzeiten hohe Gewinne eingefahren, im Auf und Ab der Konjunktur aber unter dem Strich geschadet.

Aus diesem Grund hat Hiesinger einen Plan entwickelt, den er überschrieben hat mit „Let’s go to the Next Chapter“ – lasst uns ein neues Kapitel aufschlagen. Der Zeitplan steht fest. „Bis Juni 2013 soll über die Zukunft der deutschen Stahlproduktion entschieden werden, alle Lösungsmöglichkeiten und Alternativen kommen bis dahin auf den Tisch“, sagt ein Eingeweihter.

Personalentscheidung

Wer ist noch die ThyssenKrupp AG?

Kommentar von Andreas Wildhagen

Bertelsmann Stiftung

Die Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet Der Anteil der Stiftung am Unternehmen beträgt 78 Prozent. Die Stiftung engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Internationale Verständigung und Kultur.

Umsatz: 15,8 Mrd. Euro

Rendite: 11,7 %

Eigenkapitalquote: 35 %

Foto: dpa

Wichtige deutsche Stiftungen:

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

1967 ging das Vermögen des verstorbenen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in die gleichnamige Stiftung über. Die Stiftung hält derzeit einen Anteil in Höhe von 25 Prozent am Unternehmen. Präsident der Stiftung ist seit Jahrzehnten Berthold Beitz, der langjährige Generalbevollmächtigte des Krupp-Konzerns.

Umsatz: 49,1 Mrd. Euro

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 1,1

Eigenkapitalquote: 24 %

Foto: dapd

Robert Bosch Stiftung

Die Stiftung, die 1964 gegründet worden ist, hält einen Anteil in Höhe von 92 Prozent an dem Unternehmen. Der Sitz der Stiftung befindet sich in Stuttgart, im ehemaligen Wohnhaus von Robert Bosch. Gesundheit und Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur, Völkerverständigung, Bildung und Gesellschaft sind die Hauptschwerpunkte der Stiftung.

Umsatz: 47,3 Mrd. Euro

Rendite: 7,4

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 8,1

Eigenkapitalquote: 50 %

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Else-Kröner-Fresenius-Stiftung

1983 gründete Else Kröner die Stiftung, die 29 Prozent am Unternehmen hält. Zunächst erhielt die Stiftung ein Startkapital in Höhe 50.000 Mark. Nach dem Tod von Else Kröner, die überraschend im Alter von 63 starb, erhielt die Stiftung ihr komplettes Privatvermögen: unter anderem 95 Prozent des Fresenius-Stammkapitals. Ziel der Stiftung ist unter anderem die Förderung medizinischer Projekte und Forschungen, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sein sollen.

Umsatz: 16 Mrd. Euro

Rendite: 15,1 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 1,5

Eigenkapitalquote: 38 %

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Zeppelin-Stiftung

Die Stiftung hält 94 Prozent an der ZF Friedrichshafen AG. Gegründet wurde sie 1908 von Ferdinand Graf von Zeppelin aus einer Vielzahl von Bürgerspenden. 1947 fiel das Stiftungsvermögen an die Stadt Friedrichshafen, die die Stiftung weiterführt. Sie unterstützt mildtätige und gemeinnützige Zwecke, beispielsweise in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur.

Umsatz: 12,9 Mrd. Euro

Rendite: 5,2 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 5,0

Eigenkapitalquote: 37 %

Foto: dpa

Carl Zeiss

Die Stiftung hält einen Anteil in Höhe von 100 Prozent am Unternehmen. Gegründet wurde sie 1889 von Ernst Abbe, der sie nach seinem 1888 verstorbenen Geschäftspartner Carl Zeiss benannte. Der Zweck der Stiftung: Die wirtschaftliche Sicherung der Unternehmen Carl Zeiss und Schott Glaswerke und die soziale Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern. Zudem soll die Forschung und die Lehre in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaft gefördert werden.

Umsatz: 4,2 Mrd. Euro

Rendite: 14,3 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 8,5

Eigenkapitalquote: 28 %

Foto: dpa

Carl Zeiss Stiftung

Die Stiftung hält 100 Prozent an dem Unternehmen Jenaer Glaswerk Schott & Genossen.

Umsatz: 2,9 Mrd. Euro

Rendite: 6,5 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 3,0

Eigenkapitalquote: 25 %

Foto: dpa

Diehl Stiftung

Die Stiftung wurde 1902 gegründet, seit 1998 wird das Unternehmen als Familienstiftung & Co. KG geführt.

Umsatz: 2,7 Mrd. Euro

Rendite: 6,5 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 9,2

Eigenkapitalquote: 22 %

Foto: dpa

Körber Stiftung

Gegründet wurde die Stiftung im Jahr 1959, sie ist heute alleinige Aktionärin der Körber AG. Ihre Engagements liegen in den Bereichen Internationale Politik, Bildung, Wissenschaft, Gesellschaft und Junge Kultur.

Umsatz: 1,7 Mrd. Euro

Rendite: 10,8 %

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent vom Umsatz: 5,6

Eigenkapitalquote: 58 %

Foto: dpa

Ein heißeres Eisen könnte Hiesinger kaum anfassen. Bis heute erinnert sich jeder altgediente Manager im Konzern an die bittere Schließung des 1908 gegründeten Krupp-Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen 1988. Es kam fast zu Straßenschlachten vor den Toren der Hütte, die Cromme auf Geheiß von Beitz dichtmachte. Krupp wollte den Flachstahl nicht mehr – und bekam ihn wieder, als Krupp mit Thyssen fusionierte. Cromme versuchte, die gemeinsame Stahlsparte an die Börse zu bringen, musste das Projekt aber auf Druck der Gewerkschaften und der stahlverliebten Thyssen-Fraktion fallen lassen.

Aber die Abneigung gegen den Stahl hat Cromme und Beitz nie verlassen. Umso unverständlicher war es, dass sie dem Bau der Stahlwerke in Süd- und Nordamerika zustimmten und damit das aktuelle Desaster auslösten. Hiesinger hat als Ex-Siemens-Mann und gebürtiger Schwabe keine emotionale Beziehung zum Stahl.

Die Chancen der Gewerkschafter, Cromme und Hiesinger von ihrem Plan abzubringen, sind gering. ThyssenKrupp-Manager berichten, Hiesinger sei bereit, alle Register zu ziehen, um ThyssenKrupp unabhängiger vom schwankenden Stahlgeschäft zu machen: von der Auslagerung in eine Teilgesellschaft bis zum teilweisen oder vollständigen Börsengang.

Den Nukleus des künftigen Konzerns sollen das lukrative Aufzugsgeschäft, der Anlagenbau und Teile des Komponentengeschäfts (Kurbelwellen) bilden. Das hat Hiesinger intern verkündet. Das Aufzugsgeschäft soll technisch aufgemöbelt werden. Dabei steht Siemens, mit dem sich ThyssenKrupp den Chefaufseher Cromme teilt, parat: Da in Asien und den USA mehr Aufzugssysteme mit integrierter Zugangs- und Sicherheitskontrolle nachgefragt werden, die ThyssenKrupp nicht anbietet, üben die Essener engen Schulterschluss mit den Siemensianern. Die bei der Gebäudetechnik das elektronische Know-how beherrschen. Hiesinger war mal Chef dieser Siemens-Sparte.

Seit voriger Woche ist klar, dass der Schnitt an der Spitze die Machtverhältnisse zugunsten von Hiesinger verschoben hat. Cromme muss sich als geschwächt betrachten. Denn zerrissen ist nun die unselige Kette, die von Beitz über Cromme und dessen Kommunikator Claassen bis zu Hiesinger reichte und diesen einschnürte. Wer auch immer aus dem Konzern Claassens teure Auslandsreisen an die Öffentlichkeit brachte: Damit zerstörte er das entscheidende Glied dieser Kette. Claassen war einst Krupp-Direktor und dann Büroleiter von Cromme, bevor er vor zwei Jahren in den ThyssenKrupp-Vorstand berufen wurde.

Der Lohn war Cromme und seinem Gönner Beitz gewiss. Jeden Montag erstattete Claassen in Beitz’ Villa über dem Essener Kruppwald Bericht über das innere und äußere Erscheinungsbild von ThyssenKrupp.

Damit war Claassen zugleich Beitz’ und Crommes Horchposten im Konzern und eine Art Dauerkontrolleur von Hiesinger. Zudem saß Claassen bis vor vier Jahren im Aufsichtsrat des ThyssenKrupp-Teilkonzerns Steel. In dieser Funktion verfolgte er die Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA, ohne dass er, Cromme und Beitz diese verhinderten.

Wer war Schuld?

Eine ThyssenKrupp-interne Untersuchung soll nun bis Anfang 2013 Aufschluss über Details dieser Verfehlungen, die Verantwortlichen und ihre Mitwisser bringen. Des Weiteren hat der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats in einer Sitzung am 20. und 21. November beschlossen, weitere aktien- und strafrechtliche Gutachten über mögliche Managementfehler, Falschinformationen und Fahrlässigkeiten beim Bau der Stahlwerke in Auftrag zu geben. Das erste Gutachten dazu, verfasst von der Anwaltskanzlei Linklaters für Cromme im Januar 2012, stellte keine gravierenden Fehler des Aufsichtsrates fest.

Nun müssen die Herren von heute und damals noch einmal eine Untersuchung über sich ergehen lassen. „Die Führungsmannschaft war noch nie so aufgewühlt“, sagt ein Manager. Gespannt sind die ThyssenKruppianer vor allem, ob Cromme die neue Untersuchung wieder mit reiner Weste überstehen wird.Beobachtern fällt nämlich auf, dass Hiesinger seit Herbst häufiger zum Krupp-Stiftungssitz Villa Hügel fährt, um mit Beitz zu sprechen – auch ohne Cromme. „Das gab es früher nie“, wundert sich ein Kruppianer.

Und noch etwas sorgt für Staunen: Auch Beitz geht offenbar stille Wege. So habe er auf der Kuratoriumssitzung der Stiftung im September die Arbeit des Kuratoriumsmitgliedes Susanne Henle sehr gelobt. Sie mache hervorragende Arbeit, wird Beitz von einem Teilnehmer zitiert. Henle ist nicht irgendwer, sondern Beitz’ Tochter, die er ohne öffentliches Aufheben im Januar 2012 an seine Seite ins Kuratorium berief.

Dort sitzt die 65-Jährige nun neben Cromme, der seit Jahren als designierter Beitz-Nachfolger gilt. Doch Worte sind vergänglich wie die Menschen selbst. Und schon spekulieren altgediente ThyssenKrupp-Manager: Sollte Cromme weitere Fehler machen, könnte sich Beitz jemand anderes als Nach- folger vorstellen: die geborene Beitz. Immerhin wäre diese fünf Jahre jünger als Cromme.

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