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Grundregeln der UnternehmensführungUnternehmerfamilien geben sich einen Ehrenkodex

Unternehmer legen Werte und Grundsätze in einem Kodex nieder. So wie bei Familie Leibinger-Kammüller, die den Maschinenbauer Trumpf führen. Der Kodex hilft, Streit zu vermeiden und das Lebenswerk zu sichern.Claudia Tödtmann 11.12.2017 - 11:35 Uhr

Dem Familienkodex verpflichtet: Nicola Leibinger-Kammüller (l) und Gatte Mathias Kammüller (r).

Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

An ihrem 16. Geburtstag bekommen alle Kinder der Familie ein ganz besonderes Geschenk. Feierlich überreichen ihre Eltern ihnen eine in Leder gebundene Familiencharta. Die haben Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller und ihre zwei Geschwister selbst verfasst, um der folgenden dritten Unternehmergeneration ihre Werte mit auf den Weg zu geben.

In dem Schriftstück geht es um Anstand, um Regeln, um Maßhalten und Bescheidenheit, um Leitlinien zum Umgang mit anderen Menschen, zum sozialen Engagement und zur Haltung gegenüber der Kirche. Ein reines Moralkompendium ist der Kodex aber nicht. So legt er etwa auch fest, was Familienmitglieder können müssen, wenn sie selbst im Unternehmen arbeiten wollen.

Die Familie fühlt sich dem Kodex verpflichtet

Rechtlich verbindlich sind die Grundsätze nicht, mehr als salbungsvolles Dekor aber schon. Jedes Familienmitglied fühle sich dem Kodex verbunden, sagt Leibinger-Kammüller. Wenn die Kinder ihn an ihrem 16. Geburtstag unterschreiben, kommt das einer Initiation gleich. Fortan gehören sie zur Familienrunde, sind in deren Entscheidungen eingebunden. Das Prozedere mag altmodisch wirken. Der Nachwuchs aber wisse die ehrenvollen Vorgaben zu schätzen, so die Trumpf-Chefin.

Dass ein Kodex sinnvoll ist, meint nicht nur Leibinger-Kammüller. 35 Prozent der deutschen Unternehmerfamilien haben sich eine eigene Verfassung gegeben, zeigt eine Untersuchung der WHU – Otto Beisheim School of Management und der Beratung PwC. „Der übergeordnete Zweck von Familienverfassungen ist es, durch transparente Regeln für wiederkehrende Themen Enttäuschungen zu vermeiden“, sagt PwC-Partner Dominik von Au. „Hat man sich erst mal auf Spielregeln verständigt, ist eine Familiencharta ein richtiger Erfolgsfaktor.“

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Über die Inhalte ihrer Grundordnung schweigen sich die Clans meist aus. Im Schnitt legen die Chartas auf 30 bis 40 Seiten keine detaillierten Geschäftsprozesse, sondern Grundregeln der Unternehmensführung und des Zusammenwirkens fest. Nur in ganz alten Verfassungen fänden sich noch antiquiert wirkende Vorschriften wie die zwangsweise Nachfolge durch den ältesten Sohn, berichtet von Au.

Dafür geben sich gerade große Unternehmen zunehmend sogar neue Verfassungen, um weit verzweigte Eigentümerfamilien zusammenzuhalten. Der 80-seitige Kodex der unter anderem an Metro beteiligten Unternehmerfamilie Haniel etwa ist erst kürzlich fertig geworden. Er soll die Interessen der rund 680 Gesellschafter in Einklang bringen. Das jährliche Familientreffen in Duisburg dürfte harmonisch ablaufen, wenn sich alle an die Regeln halten.

Modern ist auch der Kodex der mit einem Vermögen von geschätzt 33 Milliarden Euro reichsten Sippe Deutschlands. Die Reimanns, unter anderem am Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser und mehreren Kaffeeunternehmen wie Jacobs beteiligt, sollen sich aus dem operativen Geschäft heraushalten und möglichst diskret leben. So dürfen sie sich nicht bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken im Internet anmelden, keine Fotos veröffentlichen und erst recht keine Interviews geben. Zur medialen Enthaltsamkeit sollen sich die Kinder am 18. Geburtstag per Unterschrift verpflichten.

Platz 25: Fritz Kübler GmbH

Schwerpunkt: Positions- und Bewegungstechnik
Umsatz: 54 Millionen Euro
Innovationsscore: 130 Punkte

Die Kübler Gruppe gehört heute zu den weltweit führenden Spezialisten in der Positions- und Bewegungssensorik, funktionalen Sicherheitstechnik, Zähl- und Prozesstechnik sowie der Übertragungstechnik. Das 1960 von Fritz Kübler gegründete Unternehmen wird heute in zweiter Generation geführt und hat über 480 Mitarbeiter.

Foto: PR

Platz 24: Rational AG

Schwerpunkt: Groß- und Industrieküchen
Umsatz: 564 Millionen Euro
Innovationsscore: 131 Punkte

Noch heute arbeitet Rational nach dem Motto den Gründers Siegfried Meister: Der größtmögliche Kundennutzen steht im Vordergrund. Mit einem Innovationsscore von 131 Punkten zeigt Rational, dass auch bei Backöfen und Combigarern noch Innovationen möglich sind.

Foto: PR

Platz 23: Gerhard Schubert GmbH

Schwerpunkt: Verpackungsmaschinen
Umsatz: 224 Millionen Euro
Innovationsscore: 134 Punkte

1966 gründete Gerhard Schubert sein Unternehmen, um Spezialmaschinen für die Verpackungstechnik herzustellen. Heute produziert Schubert mit über 1000 Mitarbeitern Verpackungsmaschinen für Kunden in aller Welt.

Foto: PR

Platz 22: Katjes International

Schwerpunkt: Laktriz- und Fruchtgummi
Umsatz: 210 Millionen Euro
Innovationsscore: 134 Punkte

Hinter Haribo und Storck ist Katjes die Nummer 3 am deutschen Markt für Zuckerwaren. Im Innovationsranking landet die Firma aus Emmerich aber deutlich vor der Konkurrenz.

Foto: PR

Platz 21: Isra Vision AG

Schwerpunkt: Automatisierungslösungen
Umsatz: 112 Millionen Euro
Innovationsscore: 137 Punkte

Isra Vision bietet Automatisierungslösungen an uns hat sich dabei auf die industrielle Bildverarbeitung spezialisiert.

Foto: PR

Platz 20: Selit Dämmtechnik GmbH

Schwerpunkt: Dämmunterlagen für Fußböden
Umsatz: 54 Millionen Euro
Innovationsscore: 138 Punkte

Selit hat sich ganz auf Dämmmatten spezialisiert, die unter Parkett- oder Laminatböden verlegt werden.

Foto: PR

Platz 19: RIB Software SE

Schwerpunkt: Softwarelösungen
Umsatz: 82 Millionen Euro
Innovationsscore: 141 Punkte

Die RIB Software SE mit Hauptsitz in Stuttgart wurde 1961 gegründet und gehört zu den größten Softwareanbietern im Bereich der Enterprise-Resource-Planning-Lösungen für das Bauwesen.

Foto: PR

Platz 18: Alberdingk Boley GmbH

Schwerpunkt: Wasserbasierte Bindemittel
Umsatz: 174 Millionen Euro
Innovationsscore: 143 Punkte

Von einer Ölmühle in St. Tönis bei Krefeld hat sich das Unternehmen nach mehreren Fusionen zu einem Global Player für wasserbasierte Bindemittel entwickelt.

Foto: PR

Platz 17: Stern-Wywiol Gruppe

Schwerpunkt: Zusatzstoffe für Lebensmittel
Umsatz: 443 Millionen Euro
Innovationsscore: 146 Punkte

Unter dem Dach der Stern-Wywiol Holding sind elf Spezialbetriebe für Lebensmittel und Tierernährung zusammengefasst – etwa mit der Spezialisierung auf Backzutaten, Enzyme oder Aromastoffe.

Foto: PR

Platz 16: Dermalog Identification

Schwerpunkt: BBiometrische Identifikationssysteme
Umsatz: 42 Millionen Euro
Innovationsscore: 147 Punkte

Dermalog mit Hauptsitz in Hamburg ist der größte deutsche Biometrie Hersteller und weltweit eines der führenden Unternehmen der biometrischen Identifikation.

Foto: PR

Platz 15: Ravensburger AG

Schwerpunkt: Spiele und Puzzles
Umsatz: 444 Millionen Euro
Innovationsscore: 154 Punkte

Innovation bei Puzzles? Eher weniger. Dafür bietet Ravensburger interaktive Spiele an, mit denen Kinder zum Beispiel die Schwerkraft spielend erleben sollen.

Foto: PR

Platz 14: Schock GmbH

Schwerpunkt: Küchenspülen
Umsatz: 50 Millionen Euro
Innovationsscore: 157 Punkte

Schock ist für seine Spülen aus Quarzkomposit bekannt. Heute führt das Unternehmen über 200 Modelle in 40 Farben.

Foto: PR

Platz 13: ProXES Group

Schwerpunkt: Maschinenbau
Umsatz: 96 Millionen Euro
Innovationsscore: 161 Punkte

In der ProXES-Gruppe haben sich vier Unternehmen aus der Prozesstechnologie zusammengeschlossen: Stephan Machinery (Hameln/Deutschland), FrymaKoruma AG (Rheinfelden/Schweiz), Terlet (Zutphen, Niederlande) Pharma- und Health Care-Prozesstechnik.

Foto: PR

Platz 12: Schell GmbH & Co. KG

Schwerpunkt: Sanitärarmaturen
Umsatz: 85 Millionen Euro
Innovationsscore: 163 Punkte

Der Sanitätsspezialist Schell bezeichnet sich selbst als "eine der ersten Adressen für hochwertige Armaturen rund um Gebäudetechnik". Bei den Innovationen ist der Mittelständler aus dem Sauerland auf jeden Fall vorne mit dabei – etwa mit einem intelligenten Wassermanagement in Gebäuden, das durch die vernetzten Armaturen möglich wird.

Foto: PR

Platz 11: Bahlsen GmbH & Co. KG

Schwerpunkt: Süßgebäck
Umsatz: 534 Millionen Euro
Innovationsscore: 164 Punkte

Bahlsen, einer der größten Keks-Bäcker Deutschlands, wurde 1889 gegründet. Heute gehören auch bekannte Marken wie Leibniz, Pick-up oder Brandt zu dem Unternehmen.

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Platz 10: Clage GmbH

Schwerpunkt: Durchlauferhitzer
Umsatz: 31 Millionen Euro
Innovationsscore: 166 Punkte

Der Hersteller aus Lüneburg bringt immer wieder neue Varianten von Durchlauferhitzern auf den Markt.

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Platz 9: Zwick Roell AG

Schwerpunkt: Materialprüfsysteme
Umsatz: 205 Millionen Euro
Innovationsscore: 170 Punkte

Das Unternehmen aus Ulm ist ein weltweit führender Anbieter von Prüfmaschinen für die Werkstoffprüfung.

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Platz 8: Lautsprecher Teufel GmbH

Schwerpunkt: Lautsprechersysteme
Umsatz: 83 Millionen Euro
Innovationsscore: 172 Punkte

Der Berliner Lautsprecher-Spezialist setzt auf Direktvermarktung und hat früh die Chancen des Internets erkannt. Einen Internet-Katalog zum Downloaden gab es bei den Berlinern bereits in den Neunzigerjahren. Als YouTube 2005 online ging, war Teufel schon fast zehn Jahre im Netz unterwegs.

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Platz 7: Schwan-Stabilo

Schwerpunkt: Schreibgeräte
Umsatz: 707 Millionen Euro
Innovationsscore: 174 Punkte

Der Schreibgeräte-Hersteller, bekannt für seine bunten Leuchtstifte, investiert auch in Kosmetik sowie die Outdoor-Branche. Speziell in Asien finden neue Textmarker, die nicht leuchten, reißenden Absatz.

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Platz 6: Uzin Utz AG

Schwerpunkt: Bauchemie
Umsatz: 253 Millionen Euro
Innovationsscore: 179 Punkte

Der Bauchemie-Spezialist stellt Kleber und Spachtelmassen für die Bearbeitung von Böden her. Den Großteil seines Umsatzes macht das Unternehmen mit Produkten, die jünger sind als fünf Jahre.

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Platz 5: Schöffel GmbH& Co. KG

Schwerpunkt: Funktionstextilien
Umsatz: 98 Millionen Euro
Innovationsscore: 183 Punkte

Der Outdoor-Ausrüster muss Innovationen liefern, auch um seine hohen Preise zu rechtfertigen. Zuletzt entwickelten die Bayern etwa Windbreaker-Jacken, deren Technologie den Geruch neutralisieren und den Schweiß trocknen kann.

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Platz 4: Infiana Group GmbH

Schwerpunkt: Spezialfolien
Umsatz: 190 Millionen Euro
Innovationsscore: 187 Punkte

Der Mittelständler aus Bayern hat sich auf Spezialfolien spezialisiert, die etwa bei der Herstellung von Windrädern zum Einsatz kommen.

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Platz 3: Stockert GmbH

Schwerpunkt: Medizintechnik
Umsatz: 17 Millionen Euro
Innovationsscore: 188 Punkte

Das Freiburger Unternehmen hat ein Gerät entwickelt, dass die Behandlung von Herzrhythmusstörungen steuert. Die sogenannte Ablation ersetzt in vielen Fällen einen Eingriff am offenen Herzen.

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Platz 2: Seeberger GmbH

Schwerpunkt: Trockenfrüchte und Nussmischungen
Umsatz: 222 Millionen Euro
Innovationsscore: 192 Punkte

Seit 1844 setzen die Ulmer auf Nüsse und Trockenfrüchte. Doch sie schaffen es immer wieder, mit neuen Produkten und Aktionen Handel und Kunden zu begeistern.

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Platz 1: Duravit AG

Schwerpunkt: Badmöbel und Armaturen
Umsatz: 432 Millionen Euro
Innovationsscore: 196 Punkte

Der Badmöbel-Spezialist aus Baden-Württemberg hat eine Toiletten-App entwickelt, die Urin analysieren kann. Daraus können die Benutzer dann Rückschlüsse auf ihren Fitnesszustand ziehen.

Foto: PR

Wichtiger als Regeln zum Umgang mit dem eigenen Bild ist der Einfluss der Verfassungen auf Konflikte innerhalb der Familien. Wenn inhabergeführte Unternehmen scheitern, liegt das vor allem an unterschiedlichen Interessenlagen der Eigentümer, sagt Arist von Schlippe vom Institut für Familienunternehmen an der Universität Witten-Herdecke. Dabei geht es nicht nur um rationale Fragen der geschäftlichen Entwicklung, sondern auch um starke Gefühle wie Liebe, Eifersucht und Rücksichtnahme. Solche Emotionen sind unberechenbar, entfalten aber umso mehr Sprengkraft in der Familie – und damit gleichzeitig im Unternehmen. Eine Charta kann eine rationale Grundlage schaffen und so die Gefühle bremsen.

Wie umfangreich und detailliert sie das tun sollte, hängt davon ab, wie heterogen die Interessen der Mitglieder einer Familie sind. Jeder Kodex sollte individuell ausgehandelt sein und die Werte nur einer Familie abbilden. Denn jede Konstellation ist unterschiedlich und birgt damit unterschiedliches Konfliktpotenzial.

Streit in Familienunternehmen

Wie man Zoff mit Angeheirateten vermeidet

Besonders sinnvoll sind Regeln etwa dann, wenn von mehreren Geschwistern nur eines die Geschicke der Firma im Tagesgeschäft lenkt und die anderen daran nicht beteiligt sind oder nur im Beirat sitzen und kontrollieren. Wie hoch sollen dann die Ausschüttungen sein? Wie fallen Entscheidungen? Welches Mitspracherecht haben die passiven Gesellschafter? Solche Fragen lassen sich zumindest in Grundzügen in einem Kodex beantworten.

Damit sich niemand übergangen fühlt, sollte die Verfassung der Familie in Teamarbeit entstehen. Im Prozess der gemeinsamen Willensbildung lassen sich Differenzen ausloten und Lösungen erarbeiten. Die meisten Familien lassen sich hierbei extern helfen. Infrage dafür kommen spezialisierte Coaches, Unternehmensberater oder Anwälte. Auch große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie KPMG, PwC und EY bieten entsprechende Dienstleistungen an. Experten können auch dazu beraten, wie sich Regeln des Kodex rechtsverbindlich in den Gesellschaftervertrag übertragen lassen.

Festlegen lässt sich so etwa, wer unter welchen Bedingungen am Unternehmen beteiligt werden kann. Wie wird etwa der Übergang auf die kommende Generation organisiert? Regelungsbedürftig sind auch Fragen der Kontrolle: Nach welchen Spielregeln läuft diese ab und wie wird entschieden, wer in den Beirat oder Aufsichtsrat einzieht und dort den Vorsitz übernimmt.

Prozesse innerhalb der Familie dauern manchmal Jahre und gehen nicht immer ohne Blessuren ab. Bei der Familie Mack etwa, die den Europa-Park bei Freiburg betreibt, übergab Vater Roland kürzlich die Unternehmensleitung an seinen ältesten Sohn Michael. Zwei Jahre dauerte der von einem Berater begleitete Mediationsprozess. Es flossen sogar Tränen, wie der Vater erzählt, der sich wohl nur schwer von seinem Posten lösen konnte. Aber auch die Frage, wann es Zeit ist, zu gehen, lässt sich per Charta regeln.

Sinnvoll sind auch klare Kriterien für die Führung des Unternehmens. Hier lassen sich zwar keine detaillierten Qualifikationen, aber doch verbindliche Anforderungen festlegen. Manche Familienunternehmen etwa haben festgelegt, dass für Angehörige die gleichen Einstellungsregeln wie für Fremdgeschäftsführer gelten. Eigene Nachkommen dürfen demnach nur in die Unternehmensleitung Einzug halten, wenn sie dieselbe Position bereits aus eigener Kraft in ungeschützter Umgebung bei einem anderen Unternehmen erreicht haben.

Entscheidend sind auch Regeln für Familienmitglieder, die sich aus dem Verbund verabschieden wollen: Wie können sie ihre Anteile veräußern – und an wen? In der Praxis gibt es unterschiedliche Bestimmungen: Manche legen fest, dass ein Verkauf nur an Angehörige möglich ist, mitunter sogar nur an einen bestimmten Stamm. Damit lässt sich die Balance im Unternehmen wahren. „Dazu muss man eine Haltung entwickeln, damit die Firma auch in diesem Fall ein Familienunternehmen bleibt“, sagt Experte von Schlippe. Auch allgemeine Regeln zur Preisfindung lassen sich bereits festlegen.

Gerade autoritäre Patriarchen halten eine Charta manchmal für eine Art Gesetz, dessen Inhalt sie allein bestimmen. Familienexperte von Au berichtet von Clanchefs, für die er einen Kodex verfassen sollte, den sie dann allen Familienmitgliedern zur Unterschrift vorlegen wollten. Ein friedliches Miteinander sichert die Charta aber nur, wenn sie im friedlichen Miteinander entsteht.

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