Kursrutsch: Jetzt zeigt sich, wer cool bleibt

Ich gebe es zu: Besonders viel Anlegererfahrung konnte ich in meinem Leben noch nicht sammeln – jedenfalls im Vergleich zu vielen meiner Kolleginnen und Kollegen. Das hat aber auch einen Vorteil: Von großen Finanzkrisen bin ich bisher weitgehend verschont geblieben. Zwar war ich als Jahrgang 2000 schon zur Finanzkrise 2008 auf der Welt, doch zu der Zeit war ich eher mit dem Einmaleins als mit dem Dax beschäftigt.
So gesehen war der Corona-Crash meine erste richtige Talfahrt an der Börse. Allerdings hatte ich damals gerade erst mit dem Investieren angefangen – und Online-Vorlesungen der Uni waren für mich das größere Problem.
Heute ist das anders. Als Finanzjournalistin und Privatanlegerin betreffen mich die Kursbewegungen der vergangenen Tage direkt. Und wie bei vielen anderen springt mir derzeit vor allem eine Farbe im Depot ins Auge: Rot.
Gerade die jüngere Generation der „ETF-Sparplan-über-Neobroker“-Anlegerinnen und -Anleger war bisher verwöhnt: viel Wachstum, viel grünes Plus. Kleine Rücksetzer? Ja, die kannte man. Aber so eine Talfahrt wie jetzt – das ist für viele neu.
Und doch wurde Anlegern immer wieder eingetrichtert: Halten, halten, halten – gerade in Krisenzeiten. In der Theorie klingt das gut. Doch jetzt zeigt sich, wer wirklich so cool bleiben kann, wie es immer gepredigt wurde.
Denn Ruhe bewahren funktioniert wunderbar, solange die Kurse steigen. Doch wenn die Ersparnisse plötzlich schmelzen und die roten Zahlen immer größer werden, ist es plötzlich gar nicht mehr so einfach, nicht in Panik zu geraten.
Aber genau das ist jetzt wichtig. Nicht aus Angst verkaufen, nicht nervös werden. Wer breit gestreut investiert ist und langfristig denkt, muss genau solche Phasen – von denen in jeder Anlegerbroschüre die Rede ist – durchstehen.
So schwer es fällt: Nicht verrückt machen lassen! Vielleicht hilft es, das Portfolio nicht täglich oder gar stündlich zu überprüfen. Stattdessen lieber den Blick auf das große Ganze richten – auf das, was man sich langfristig aufgebaut hat und weiter aufbauen will. Denn gerade jetzt ist Durchhaltevermögen gefragt – und es ist wichtig, Panik zu vermeiden.
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