Börsencrash: Das Zündholz war schon da
Es ist ein schwarzer Montag an den Börsen. Auch aufgrund der Zeitverschiebung. Europa und Asien waren schon im Feierabend, als vergangenen Freitag Amerikas Börsenindizes S&P 500 und Nasdaq je um sechs Prozent abstürzten. Jetzt zieht der Rest der Welt nach.
Der Dax bricht am Montagmorgen um zehn Prozent ein. In Japan gibt der Nikkei-Index um acht Prozent nach, Chinas Leitindex CSI 300 verliert sieben Prozent. Es sind dramatische Einbrüche, wie Anleger sie zuletzt während des ersten Schocks der Coronapandemie erlebten.
Die große Unsicherheit
Apple ist ein gutes Beispiel für die grassierende Unsicherheit. Der iPhone-Konzern ist auf Importe aus China angewiesen, wo seine Kassenschlager produziert werden. Die höheren Zölle werden nun entweder Apples Gewinnspanne schmälern oder der Konzern muss seine Preise erhöhen – und riskiert dabei einen geringeren Absatz.
Die Aktie hat in den vergangenen Monaten mehr als ein Viertel an Wert verloren, und das, obwohl sie lange als stabiles Wertpapier galt. Als direkte Reaktion auf die Zollankündigung verlor der Apple-Konzern an nur einem Tag über 300 Milliarden Dollar an Börsenwert. Es war der zweithöchste Wertverlust in der US-Börsengeschichte.
Der Markt blendet aber auch positive Nachrichten nicht komplett aus. Vergangenen Freitag lag die Aktie von Sportartikelhersteller Nike zum Beispiel trotz tiefroter US-Märkte drei Prozent im Plus. Trump hatte mit Vietnam freundliche Gespräche zur Zollthematik geführt. Nike produziert einen großen Teil seiner Produkte in Vietnam.
Das Zündholz war schon da
Die Kurseinbrüche an den Börsen sind aktuell dramatisch – auch, weil die aktuelle Zolleskalation in einem besonderen Umfeld stattfindet. Die Börsen waren zuvor sehr gut gelaufen und wahrscheinlich zu sorglos. Deshalb ist selbst nach den immensen Kursrückgängen auf Sicht von zwölf Monaten nicht viel verloren. Der Dax liegt über diesen Zeitraum sogar immer noch knapp im Plus.
Noch zum Jahreswechsel waren Marktteilnehmer geradezu leichtfertig optimistisch. Ein zweiter Trump-Boom wurde schon vorgemerkt. Eine viel beachtete Umfrage unter Fondsmanagern der Bank of America kam zu dem Ergebnis, dass weltweit Fondsmanager so wenig Barmittel hielten wie noch nie, seitdem die Umfrage 2001 das erste Mal durchgeführt wurde. Sie waren dementsprechend schlecht auf fallende Märkte vorbereitet.
Die großen Kursverluste führen gerade bei Hedgefonds laut Daten der Großbank J.P. Morgan nun vermehrt zu Margin Calls. Bei einem Margin Call sind Finanzakteure gezwungen, teils per Kredit finanzierte Vermögenswerte zu veräußern, weil die Kreditbeleihung sonst aus dem Ruder läuft. Anders gesagt: Den Kreditgebern wird ihr Risiko zu heiß und sie zwingen den Kreditnehmer zu Geldnachschüssen. Meist ist der einzige Weg an Geld zu kommen dann ein Verkauf von Wertpapieren.
Es ist einer der Mechanismen, durch die sich ein Abwärtstrend verselbstständigen kann. Auch die Bewertung der Aktienmärkte bietet aktuell keinen sicheren Boden. Zum einen, weil sich die Gewinnschätzungen aktuell verschieben. Zum anderen, weil Aktien vor dem Zollhammer üppig bewertet waren. Jede gute Nachricht kann den Trend zwar wieder drehen, aber Anleger sollten nicht überrascht sein, wenn die Börse noch viele rote Tage vor sich hat. Die Unsicherheiten bleiben groß.
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