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Hendrik Wüst besucht zusammen mit einer großen Wirtschaftsdelegation Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Foto: REUTERS/ Fabrizio Bensch

GolfregionAuf der Suche nach der verlorenen Energie

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst reist mit zahlreichen Top-Managern an den Golf. Im Fokus: Wasserstoff, KI und Öl-Milliarden für Rhein und Ruhr.Daniel Goffart 22.04.2025 - 09:07 Uhr

Menschenrechte hin, Meinungsfreiheit her: Seitdem das russische Gas versiegt und die Energiepreise der deutschen Wirtschaft in die Höhe geschossen sind, gehören Reisen in die arabischen Scheichtümer zum politischen Pflichtprogramm. Deshalb kommt auch Hendrik Wüst als Ministerpräsident des Industrielands Nordrhein-Westfalen nicht umhin, den Herrschern der Golfregion seine Aufwartung zu machen.

Wenn der CDU-Politiker an diesem Dienstag nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) reist, ist er allerdings nicht allein. Begleitet wird Wüst von einer Wirtschaftsdelegation, die einen Kanzler erfreuen würde: Allen voran ist RWE-CEO Markus Krebber mit dabei auf dieser politischen Geschäftsreise – die Scheichs haben viele Milliarden ihrer Petrodollars in den Essener Energiekonzern investiert. Die riesigen Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft der Emirate werden in Staatsfonds eingezahlt, die auf der ganzen Welt in breit gefächerte Portfolios investieren – neben RWE noch in andere namhafte deutsche Unternehmen wie Volkswagen oder die Deutsche Bank.

Es geht also bei dieser fünftägigen Golf-Tour von Wüst und seiner Wirtschaftsdelegation auch darum, NRW als guten Standort für ausländische Investoren anzubieten. Nicht ohne Grund ist der Chef der Wirtschaftsförderung NRW Global Business, Felix Neugart, auch dabei. Allein Katar hat knapp 30 Milliarden Euro in Deutschland investiert – und Hunger auf mehr.

Wasserstoff statt Öl und Gas

Mit an Bord sind außerdem Michael Lewis, CEO von Uniper, Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez, Mark Lohweber, CEO von Adesso, Frank Koch von der SwissSteel-Group, der Chef des Duisburger Hafens, Markus Bangen, Wolfram Diener, Chef der Messe Düsseldorf, Katherina Reiche, Vorstandschefin der Westenergie, Thomas Ogilvie, Vorstand von DHL und andere Manager. Auch namhafte Wissenschaftler reisen mit Wüst an den Golf, unter anderem Astrid Lambrecht, Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, und Matthias Wessling, Prorektor der RWTH Aachen.

Sie alle wollen bestehende Engagements vertiefen oder neue Kooperationen und Geschäfte abschließen. Thyssenkrupp-Uhde beispielsweise hat den Zuschlag für die Erweiterung eines großen Werks zur Herstellung von blauem Ammoniak erhalten. Also ein Wasserstoffspeicher, der mithilfe von Erdgas hergestellt wird, wobei das CO2 abgeschieden und im Boden gespeichert wird (CCS). In der Thyssen-Anlage bei Doha sollen bis 2026 rund 3500 Tonnen des Stoffs pro Tag hergestellt werden – Wasserstoff zu akzeptablen Preisen ist immer noch ein Mangelgut und Voraussetzung für die ökologische Transformation der Wirtschaft.

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Eine besondere Mission bei der Golfreise verfolgt Markus Steilemann, CEO des Spezialchemiekonzerns Covestro. Nach der Übernahme des Leverkusener Unternehmens durch die Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) Ende 2024 besucht Steilemann jetzt seine neuen Eigentümer am Golf. Der staatseigene Konzern Adnoc verfügt über mehr als 90 Prozent der landesweiten Öl- und Gasreserven der Vereinigten Arabischen Emirate.

Politischer Neuanfang mit Katar

Neben dem Ausbau wirtschaftlicher Beziehungen verfolgt Wüst in seinen Gesprächen mit den Herrschern und Regierungsmitgliedern in der Region das primäre politische Ziel, die Kooperationen mit den Golfstaaten zu verbessern. Insbesondere zu Katar haben die Beziehungen gelitten. Die von der Bundesregierung und allen voran von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) öffentlich vorgetragene Kritik rund um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2022 hat viel diplomatisches Porzellan zerschlagen. Kernpunkte der Kritik waren die miserablen Zustände an den Baustellen für die Sportstätten und die schlechte Behandlung der zumeist ausländischen Arbeitnehmer. Auch die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen, die Diskriminierung anderer Religionen und das Verbot von Homosexualität haben für schlechte Stimmung gesorgt.

Wüst will nun in seinen Gesprächen versuchen, nach den politischen Reibereien zwischen Deutschland und Katar einen Neuanfang zu finden. Dabei sollen menschenrechtliche Fragen nicht ausgespart werden, heißt es in Düsseldorf im Vorfeld der Reise. Man werde das jedoch hinter verschlossenen Türen ansprechen – und nicht auf offener Bühne.

Neben den Investitionen und den vielfältigen Fragen rund um mehr Energieimporte nach Deutschland steht auch der Bereich Künstliche Intelligenz auf dem Programm. Ein erheblicher Teil der Bruttowertschöpfung soll im Industrieland NRW künftig mit KI erfolgen. Das betrifft Forschung und wissenschaftlichen Austausch sowie Investitionen. Nicht zuletzt werden für den forcierten Einsatz von KI erhebliche Mengen Energie benötigt. Während NRW mit dem Motto „Von der Kohle zur KI“ wirbt, formuliert Katar seine industriepolitischen Ziele ähnlich: „From Oil to AI“.

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