Mercedes Maybach SL 680 Monogram Series: Die schnellste Handtasche der Welt: Das kann der Mercedes Maybach
Geld allein macht vielleicht nicht glücklich. Aber es erleichtert definitiv das Leben. Man kann sich Dinge leisten, von denen man eben noch gar nicht ahnte, dass man sie vielleicht mal gebrauchen könnte: Eine Luxusyacht, eine Privatinsel – oder einen Mercedes Maybach SL.
Erstmals in der langen Geschichte der 1921 gegründeten Luxusmarke klebt das Maybach-Emblem an einem zweisitzigen Sportwagen. Und erstmals in der Historie der heutigen Maybach-Mutter Mercedes steht der gute Stern an einem SL aufrecht am Kühler. Wenn ikonische Marken wie Maybach und Mercedes sich etwas ausdenken, muss Besonderes daraus entstehen. Ob man es nun mag, oder nicht.
Der SL mit dem langen Nachnamen 680 Monogram Series – da müssen wir korrekt bleiben – ist zweifellos besonders. In jeglicher Hinsicht. Und, sagen wir es mal so: Wer den Nerz lieber nach innen trägt und seinen Wohlstand hinter hohen Zypressen-Hecken versteckt, dürfte mit diesem expressiven Luftschloss eher fremdeln. Der Zweisitzer ist ein typischer Maybach, prunkvoll und mindestens so extrovertiert wie sein Meister. Beim Gesamtkunstwerk aus Lack, Leder und Leistung führte Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener den Pinsel, mithin einer der schillerndsten Zeitgenossen seiner Zunft.
Und so spart der Edel-SL dann auch nicht mit glänzendem Edelmetall, besonders tiefgründigem Lack und großzügig verteilten Maybach-Insignien. Den Grill an der Sharknose umrandet opulent glänzendes Chromornat, die Kontur der Kühlerverkleidung sowie der Maybach-Schriftzug sind beleuchtet. Eine langgezogene Chromfinne teilt die Motorhaube gerecht in zwei Teile. Seitlich trägt der Zweisitzer verchromte Schwellerleisten zur Schau, absoluter Hingucker sind die edlen 21-Zoll-Schmiederäder im Vielspeichen-Design, für die Maybach 5.950 Euro extra in Rechnung stellt.
Prägendste Charakterzüge an dem ansonsten nur rudimentär veränderten Luxus-Körper sind die eingelassenen Maybach-Pattern auf Verdeck, Verdeckkasten und der schwarz lackierten Fronthaube. Sie erinnern unweigerlich an edle Lederprodukte des exklusiven Modelabels Gucci. Und so sagt Wagener frei raus, was alle denken: „Dies ist schnellste Handtasche der Welt!“.
Besonders die verzierte Haube ist ein Kunstwerk für sich. Sie entsteht in einem separaten Fertigungsprozess und in aufwendiger Handarbeit bei der Mercedes-Manufaktur in Sindelfingen. Hierbei werden die grauen Embleme auf die Motorhaube gedruckt und anschließend mehrfach mit Klarlack überzogen. Rund zwei Wochen dauert die Anfertigung und kostet extra. 7.735 Euro. In der Manufaktur wird auch das Leder aufwendig auf den Holzrahmen des Lenkrads gezogen, Embleme gestickt und Innenteile konfektioniert.
Serienmäßig kommt der Maybach SL immer in Weiß oder Rot, mit unschuldigem, schneeweißem Innenraum. Die Haube ist schwarz, oder auf Wunsch in Wagenfarbe lackiert. Aber natürlich ist alles möglich, was nicht gerade die Geschmacksknospen zum Implodieren bringt oder gegen gängige Gesetze verstößt. Zum Freundschaftspreis von 11.781 Euro mischt die Manufaktur über 50 Sonderfarben an, Familienwappen werden eingestickt, das Leder in jeglicher Couleur eingefärbt.
Doch schon der Maybach SL von der Stange lässt wenig Wünsche für Normalsterbliche im profanen Angestelltenverhältnis übrig. Geblendet vom blütenweißen Innenraum schmiegt sich der Maybach-Aspirant auf kuschelweiche Sessel, die im Sitzbereich noch einmal um 0,7 Zentimeter mehr aufgepolstert wurden, an den Seiten sind es plus 0,5 Zentimeter. Die Füße versinken in hochflorigen Matten, in dem Kleintiere für immer verschwinden könnten. Sie sind so schwer sind, dass man sie zu zweit ausschlagen müsste. Macht man natürlich nicht, dafür hat man ja seine Leute.
Vieles hier ist mit der ganz tiefen Kelle aus dem Vollen geschöpft. Chefkonstrukteur Konstantin Neiss sagt: Wir haben so ziemlich alles einmal angefasst, vor allem mehr Dämmung eingebracht.“ Der Weg des Maybach SL ist mit Ruhe und Gemütlichkeit gepflastert. Noch einmal rund 80 Kilo mehr wiegt der in Watte gepackte Allrad-Roadster, also über zwei Tonnen. Das meiste geht aufs Komfort-Konto. Das Verdeck hat eine Lage extra, die Auspuffanlage wurde modifiziert, um ein Klangbild zu erreichen, das sich für einen Maybach ziemt, die Spreizung von Federn und Dämpfer wurden deutlich Richtung Komfort verschoben. Dieser SL will nicht rasen, sondern flanieren. Auch deshalb wurde die Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h auf 260 abgeregelt. Nicht missverstehen. Der Bling-Bling-Benz könnte sich, wenn er denn wollte, mit den schrägsten Kurven dieser Welt anlegen. Der herrliche, 430 kW/585 PS starke Vierliter-V8 ist ein Gedicht und die Neungang-Automatik schaltet so sanft, wie ein unschuldiges Lämmchen. 4,1 Sekunden auf Tempo 100 stehen auf der goldenen Visitenkarte des Maybach SL, die im Golfclub sicher mal beiläufig auf den Tresen wandern dürfte.
Die Performance insgesamt aber ist frei von jeglichen sportlichen Ambitionen. Status ist wichtiger als Muskeln. Den zusätzlichen Wohlstandsspeck spürt man in jeder zu rasant angepeilten Biegung. Auch deshalb haben Neiss und sein Team dem Super-SL den Maybach-Modus ins Fahrprogramm gespeist. Den muss man sich wie eine Art Diazepam fürs Temperament des SL vorstellen. Aktiviert, läuft alles noch etwas entspannter, gedämpfter und gediegener ab. Das Anfahren, die Schaltvorgänge, der Sound. Wie auf imaginären Daunen gebettet, engleiten Auto und Fahrer gleichermaßen jeglicher Sinn für die Härten des Lebens. Ein himmlischer Schwebezustand für wenige Glückliche, die aus dem Vollen schöpfen können.
Zurück in der Realität müssen wir trotzdem mal übers Geld sprechen. Auch wenn die meisten zukünftigen Kunden bereits ein bis drei Maybachs in der Garage stehen haben, lohnt es sich, die Rechenmaschine anzuwerfen. Denn mit 248,174,50 Euro dürfte der Maybach SL in feinen Kreisen fast schon als Schnäppchen durchgehen. Schließlich hat er fast alles bereits serienmäßig im Repertoire. Auf dieses Niveau gebracht ist ein vergleichbarer Mercedes-AMG SL 63 nicht mehr viel günstiger sein. Okay, wer es sich erlauben kann, nimmt beide – und wird glücklich. Einen für die Hormone und einen für die Show.
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