Neobroker: Scalable Capital bekommt eine 155-Millionen-Euro-Geldspritze
Der Münchener Neobroker Scalable Capital hat auf einen Schlag so viel Geld eingesammelt wie noch nie zuvor. In einer neuen Finanzierungsrunde sammelte das Fintech, das als Anbieter für günstigen Aktien- und ETF-Handel bekannt geworden ist, bei Investoren 155 Millionen Euro ein. Seit Gründung im Jahr 2014 hat das Unternehmen damit über 470 Millionen Euro von Wagniskapitalgebern erhalten.
Angeführt wird die neue Finanzierungsrunde von den Venture-Capital-Investoren Sofina und Noteus Partners, aber auch bestehende Investoren wie Balderton Capital und Tencent haben sich erneut beteiligt. Zu den konkreten Konditionen verriet Scalable Capital keine Details. Die Bewertung dürfte nun bei 1,5 Milliarden Euro liegen.
Mit dem frischen Kapital will Scalable Capital seine Produkte weiter ausbauen. „Dabei haben wir den Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge für die ganze Familie fest im Blick“, kommentiert Mitgründer und Co-Chef Erik Podzuweit. Erst vor wenigen Wochen hatte der Neobroker verkündet, im Sommer Kinderdepots anzubieten.
Damit bleibt Scalable Capital seiner Strategie treu und fokussiert sich auf Spar- und Anlageprodukte – so weit, so klar. Wie Firmenchef Podzuweit die Tragweite der Geldspritze formuliert, lässt sich daraus aber auch noch etwas anderes interpretieren: Scalable Capital will den Konkurrenten und Marktführer Trade Republic attackieren.
„Die jüngste Finanzierungsrunde ist eine klare Bestätigung und ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, die führende Investmentplattform für Privatanleger in Europa zu werden“, betont Podzuweit. Oder anders gesagt: um Trade Republic den Rang abzulaufen. Aber ist das überhaupt noch möglich?
Trade Republic kommt auf über acht Millionen Kunden, jeden Monat kommen Branchenkennern zufolge Hunderttausende dazu. Scalable zählt aktuell rund 1,5 Millionen Kunden. Trade Republic hält mehr als dreimal so viele Kundengelder. Die Produktwelt ist bei Trade Republic größer – inklusive Hunderter Anleihen, einer relativ großen Auswahl an Kryptowährungen und letztlich dem Girokonto und der Bezahlkarte.
Kann Scalable Trade Republic je einholen?
Auch beim Kinderdepot kam Trade Republic den Münchenern nun doch zuvor. Seit vergangener Woche können Eltern für ihren Nachwuchs dort ein Anlagekonto eröffnen. In der Branche meinen viele, dass Trade Republic den Kampf um die Nummer eins am Neobroker-Markt schon längst für sich entschieden habe.
Auf der anderen Seite: Scalable Capital verfolgt einen anderen Ansatz als Trade Republic. Der Branchenprimus drängt immer stärker ins klassische Bankgeschäft. Das ist laut Szenekundigen mit besonderer Komplexität verbunden, etwa weil das Unternehmen penibel auf Geldwäscheprävention achten muss. Andernfalls drohen Probleme mit dem Regulator. Manche sind besorgt, dass Trade Republic sich mit dem parallelen Ausbau des Bankengeschäfts und der Investmentprodukte verheben könnte.
So ein Risiko will Scalable Capital gar nicht erst eingehen und konzentriert sich voll auf Anlage- und Sparprodukte – eine „Weniger ist mehr“-Strategie sozusagen. Fraglich ist allerdings, ob das reicht, um wirklich zur „führenden Investmentplattform“ aufzusteigen – oder zumindest den Abstand zu Trade Republic zu verkleinern.