Weltkriegsbomben: Bombenentschärfung in Köln ist abgeschlossen
Am Montag wurden sie entdeckt, am Mittwoch wurden sie unschädlich gemacht: Drei Blindgänger-Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg stürzten die Kölner Innenstadt ins geregelte Chaos. Für die Entschärfung mussten Zehntausende Menschen in Sicherheit gebracht werden.
Dabei sind Bombenentschärfungen und die dazugehörigen Evakuierungen in Köln eigentlich Routine. Doch dieser Fall war selbst für die eingespielten Behörden der Stadt eine Herausforderung: Diese Bomben waren besonders groß und lagen sehr zentral. Drei Brücken über den Rhein waren betroffen, die Altstadt in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms sowie fast der komplette rechtsrheinische Stadtteil Deutz.
Wo genau lagen die Bomben in Köln?
Die drei Bomben waren am Montag im Stadtteil Deutz bei Sondierungsarbeiten gefunden worden. Die Blindgänger befanden sich im Bereich der Deutzer Werft.
Wann wurden die Bomben in Köln Deutz entschärft?
Die am Rheinufer in Köln entdeckten Bomben-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sind von Spezialisten entschärft worden. Das teilte die Stadt am Mittwochabend gegen 19:40 Uhr mit. Straßen und Brücken würden nun nach und nach wieder freigegeben, die Anwohner können in ihre Wohnungen zurückkehren.
Wie viele Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden?
Mehr als 20.000 Menschen mussten ihre Wohnungen in einem 1000-Meter-Bereich rund um die Fundstelle im Stadtteil Deutz verlassen. Die Stadt Köln teilte auf ihrer Website mit: „Bei der Evakuierung handelt es sich um die größte Maßnahme nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.“
Wie lief die Evakuierung?
Das Ordnungsamt klingelte an allen Häusern und Gebäuden im Evakuierungsbereich. Üblicherweise erfolgen zwei Klingeldurchgänge. Wer sich weigert, das eigene Zuhause zu verlassen, wird notfalls dazu gezwungen. In diesem Fall kann ein teures Bußgeldverfahren drohen. Wenn alle Menschen den Evakuierungsbereich verlassen haben, kann die Freigabe zur Entschärfung erteilt werden. Den Evakuierungsplan finden Sie hier.
Fuhren Busse, Bahnen und Züge während der Bombenentschärfung?
Die Entschärfung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst beeinträchtigte auch die Verkehrsinfrastruktur im Zentrum der Stadt: Unter anderem waren drei Brücken und damit Nah- und Fernverkehr sowie zahlreiche Pendler betroffen.
Der Kölner Dom sowie der Hauptbahnhof befanden sich nicht im Evakuierungsbereich, wohl aber die auf diese zuführende Hohenzollernbrücke, die meistbefahrene deutsche Eisenbahnbrücke. Die Deutsche Bahn rechnete deshalb mit „erheblichen Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen“, zumal auch der Bahnhof Köln-Messe/Deutz seit 8 Uhr am Mittwochmorgen komplett gesperrt war.
Personenzüge fuhren zunächst weiter über die Hohenzollernbrücke, hielten allerdings nicht im Bahnhof Köln Messe/Deutz, teilte die Deutsche Bahn mit. Umleitungen und einzelne Zugausfälle seien ebenfalls möglich.
Mit Beginn der Entschärfung wurde die Hohenzollernbrücke dann gesperrt. Ab diesem Zeitpunkt konnte der Kölner Hauptbahnhof nicht mehr über die Hohenzollernbrücke angefahren werden. Auch die Schifffahrt auf dem Rhein musste vorübergehend pausieren. Der Luftraum wurde kurzzeitig für den Zeitpunkt der Entschärfung selbst gesperrt.
Welche Gebäude und Einrichtungen waren in Köln Deutz betroffen?
In dem Gebiet um die Blindgänger befinden sich zahlreiche Unternehmen, Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen sowie Veranstaltungsorte wie Lanxess-Arena, Musical Dome und Philharmonie. In der Sperrzone liegen außerdem ein Krankenhaus, zwei Alten- und Pflegeheime, viele Museen und der Fernsehsender RTL. Auch das Technische Rathaus mit Tausenden Beschäftigten der Stadt konnte nicht öffnen.
Warum wurde Köln so stark bombardiert?
Experten gehen davon aus, dass rund 1,5 Millionen Bomben während des Zweiten Weltkrieges auf das Kölner Stadtgebiet gefallen sind. Rund 20 Prozent davon seien nie detoniert und als Blindgänger im Boden geblieben.
Köln wurde im Zweiten Weltkrieg so stark bombardiert, weil es ein wichtiges militärisches und wirtschaftliches Ziel war. Die Stadt war eine bedeutende Industriestadt mit zahlreichen Fabriken, die Kriegsgüter produzierten, und verfügte etwa über ein großes Eisenbahnnetz, das für den Transport von Truppen und Waffen genutzt wurde.
Das ist nicht nur ein Kölner Problem: In ganz Nordrhein-Westfalen würden pro Jahr etwa 1500 bis 2000 Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, von den großen Kalibern so wie jetzt in Köln etwa 200 pro Jahr, sagte der Dezernent für Kampfmittelbeseitigung bei der Bezirksregierung Düsseldorf, Kai Kulschewski.
Mit Material der dpa
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