Intel: Deutschland kann den Verlust der Intel-Fabriken verschmerzen

Bis zuletzt hatte es Hoffnungen gegeben, dass der Silicon-Valley-Chipkonzern Intel seine Fabriken in Magdeburg zu einem späteren Zeitpunkt bauen würde. Die sind nun endgültig gestorben. In einer Nachricht an seine Beschäftigten machte der neue Intel-Chef Lip-Bu Tan am Donnerstag unmissverständlich klar, dass der Konzern auf keinen müden Dollar mehr verzichten kann. Die Zeiten der „Blanko-Schecks“, so der Intel-CEO, seien vorbei. „Jedes Investment muss ökonomischen Sinn ergeben.“
Gestrichen werden nicht nur die geplanten Fabriken in Europa – neben Magdeburg auch in Polen. Die Fertigstellung der neuen Intel-Fabrik in Ohio wird bis ins nächste Jahrzehnt hinausgeschoben. Zugleich muss die Intel-Belegschaft weiter leiden. 24.000 Stellen sollen in diesem Jahr gestrichen werden, vor allem im mittleren Management. Das soll die Zahl der Beschäftigten bis Jahresende auf rund 75.000 senken.
Tan muss hart durchgreifen. Zwar setzte der Konzern im vergangenen Quartal rund 12,9 Milliarden Dollar um. Doch er verlor dabei 2,9 Milliarden Dollar. Es ist das sechste Quartal in Folge mit roten Zahlen.
Im vergangenen Jahr hatte Intel mit 18,8 Milliarden Dollar den größten Verlust seiner Geschichte produziert. Die Zukunft des einst stolzen Branchenprimus steht deshalb auf dem Spiel. Im boomenden Markt für KI-Beschleuniger hat er keine überzeugenden Produkte zu bieten. Das Geschäft machen Nvidia und AMD derzeit unter sich aus.
Schon einmal hatte das Intel-Management voll daneben gelegen, als es den Einstieg in den Markt für Smartphone-Prozessoren verstolperte. Doch diesmal ist der Fehlschlag viel gefährlicher.
Denn er bedroht das zweite Standbein von Intel, das Geschäft mit traditionellen CPUs für Rechenzentren. Nvidia-Chef Jensen Huang behauptet, dass moderne Rechenzentren bald nur noch von KI-Beschleunigern angetrieben werden.
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Das ist übertrieben. Doch immer mehr Rechenzeit und damit Budget wandern in Richtung KI-Beschleuniger. Für Intel kommt damit eine wichtige Umsatzsäule ins Wanken. Tan muss deshalb unbedingt überzeugende KI-Beschleuniger auf den Markt bringen. Er kann ihn nicht einfach verloren geben, so wie seine Vorgänger bei Smartphone-Chips.
Für Deutschland war die Intel-Ansiedlung eine Mega-Wette
Für Deutschland ist der Verlust der Intel-Chipfabriken zu verschmerzen, auch wenn man damit Know-how hätte gewinnen können. Das geopolitische Argument, damit die Abhängigkeit vom Ausland im Krisenfall zu verringern, stand allerdings auf wackligen Füßen. Von der staatlichen Beschlagnahme mal abgesehen, hätten die Intel-Fabriken ihre Produkte ohnehin auf dem Weltmarkt verkauft.
Zudem war unklar, warum der deutsche Steuerzahler die gewaltige Summe von fast zehn Milliarden Euro für die Mega-Wette eines ausländischen Konzerns auf einen Schlag aufs Spiel setzen sollte.
Nicht nur, dass das Chipgeschäft sehr zyklisch ist – Intel muss erst noch beweisen, dass seine Produktion mit der von Auftragsfertigern wie Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) oder Samsung mithalten kann. Die Werke in Magdeburg sollten nicht nur hochmoderne Chips von Intel fertigen, sondern auch im Auftrag produzieren.
Das Chipwerk von TSMC in Dresden, das gerade gebaut und mit fünf Milliarden Euro subventioniert wird, ist weniger riskant, da es mit älteren Fertigungstechnologien auf Anwendungen in der Autoindustrie und Industrie setzt.
Jeder Intel-Arbeitsplatz in Magdeburg wäre mit 3,3 Millionen Euro subventioniert worden. Und mit der zunehmenden Automatisierung war ohnehin fraglich, ob die 3000 versprochenen Jobs in dieser Höhe entstanden wären.
Die Bundesregierung hat nun die Chance, sich eine neue Halbleiter-Strategie zu überlegen, heimische Designer für KI‑Infrastruktur zu fördern oder stärker auf mögliche Märkte von morgen wie Quantencomputer zu setzen.
Mit einem Teil des Geldes. Mit dem Löwenanteil könnte man schon mal die Energiekosten senken – für alle Unternehmen.
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