Cloud und Bitcoin: Die ungewisse Zukunft von Northern Data
Investoren von Northern Data dürften sich am Montagmorgen die Augen gerieben haben. Unter Anlegern ist das Unternehmen zwar schon für eine recht offensive Kommunikation bekannt. Regelmäßig informiert Northern Data, wenn etwas gut läuft – oder laufen soll. Doch nun präsentierte das Unternehmen, das Bitcoin schürft und Rechenzentren betreibt, gleich drei relevante Nachrichten in wenigen Minuten.
So soll die Cloud-Sparte von Northern Data an den US-Videodienst Rumble verkauft werden. Zudem gab das Unternehmen bekannt, die Mining-Sparte an Elektron Energy aus Nigeria abgeben zu wollen. Eine „unverbindliche Absichtserklärung“ sei bereits unterschrieben.
Das sorgte für Aufsehen an der Börse – allerdings im negativen Sinn. Der Kurs von Northern Data brach zwischenzeitlich von 24 auf 17 Euro ein, erholte sich im Laufe des Tages wieder etwas und lag am Nachmittag bei 20 Euro.
Tiefrote Zahlen im ersten Halbjahr
Grund für den zwischenzeitlichen Absturz des Wertpapiers dürften nicht nur die beiden Meldungen über den Verkauf der Cloud- und der Miningsparte, sondern die ebenfalls am Montag veröffentlichten Zahlen sein. Im ersten Halbjahr schrieb der Northern-Data-Konzern wieder tiefrote Zahlen: Der Verlust lag bei rund 165 Millionen Euro. Im selben Zeitraum des Vorjahres fiel der Verlust mit knapp 33 Millionen Euro noch deutlich geringer aus. Mit dem Schürfen von Bitcoin setzte Northern Data 2025 bisher etwa 53 Millionen Euro um. Die Cloud-Sparte erwirtschaftete einen Umsatz von etwa 40 Millionen Euro. Doch gerade beim Cloud-Geschäft hakt es bei Northern Data seit April gewaltig.
Während der Umsatz im Mining-Geschäft im zweiten Quartal nur von 28 auf 23 Millionen Euro zurückging, brach das Cloud-Geschäft drastisch ein. Setzte Northern Data in den ersten drei Monaten des Jahres damit noch 40 Millionen Euro um, waren es im zweiten Quartal nur noch 600.000 Euro. Dabei sollte die Cloud-Sparte eigentlich dreistellige Millionenumsätze bringen. Noch im März dieses Jahres prognostizierte Northern Data allein für diese Sparte für das Jahr 2025 einen Umsatz zwischen 150 und 210 Millionen Euro.
Trotz desaströser Zahlen möchte Rumble die Cloud-Sparte übernehmen. Der Video-Spezialist will den Plänen zufolge 2,319 Rumble-Aktien für einen Anteilsschein von Northern Data bieten. Das entspricht etwa 18 US-Dollar je Northern-Data-Aktie. Sicher ist das aber noch nicht. Erst einmal will das Management von Rumble die Bücher von Northern Data prüfen.
Hinter Rumble steckt der IT-Unternehmer Chris Pavlovski, der das Portal 2013 gegründet hat. Rumble vermarktet sich als freie, „anti-woke“ Alternative zu Youtube und wirbt mit dem Schutz der Meinungsfreiheit und als Zufluchtsort für konservative oder unzensierte Inhalte. „YouTube, pass auf. Ich komme und greife deine Monopolstellung auf der ganzen Welt an!“, schrieb Pavlovski Ende 2024 auf dem Kurznachrichtendienst X. Wächst hier also ein ernsthafter Konkurrent für den Tech-Giganten heran?
Kein ernsthafter Youtube-Konkurrent
Die Realität hinter den provokanten Worten sieht anders aus: Rumble hat etwa 60 Millionen Mitglieder weltweit und setzte im vergangenen Jahr 95,5 Millionen US-Dollar um (2023 waren es 81 Millionen). Wie auch Northern Data schreibt das an der Nasdaq notierte Unternehmen tiefrote Zahlen. 2024 machte Rumble einen Verlust von 338 Millionen US-Dollar. Und Marktführer Youtube? Mit mehr als 2,5 Milliarden Mitgliedern weltweit und Erlösen von zuletzt mehr als 54 Milliarden US-Dollar dürfte der US-Tech-Gigant den anti-woken Konkurrenten kaum spüren.
Auffallend ist, dass das Krypto-Unternehmen Tether sowohl an Northern Data als auch an Rumble beteiligt ist. Tether erwarb Anfang 2023 erste Anteile an Northern Data für rund 32,3 Millionen Euro und stockte die Investition wenige Monate später um zusätzliche 48 Millionen Euro auf. Über seine Tochterfirma Damoon finanzierte Tether den Erwerb von Grafikkarten des Typs Nvidia H100 im Wert von rund 400 Millionen Euro, welche Northern Data zur Verfügung gestellt wurden. Im Gegenzug erhielt Tether zusätzliche Aktien. Zusätzlich räumte Tether Northern Data zwischenzeitlich eine Kreditlinie von 575 Millionen Euro ein. Laut Geschäftsbericht 2024 hielt Tether zuletzt die Mehrheit an Northern Data.
Ende des vergangenen Jahres investierte Tether 775 Millionen US-Dollar in Rumble. Davon sollten 250 Millionen Dollar dem Unternehmen direkt als Liquidität zur Verfügung stehen. Tether und Rumble planten nach eigenen Angaben Ende 2024 in den Bereichen Werbung, Cloud und Krypto-Zahlungslösungen zusammenzuarbeiten. Tether dürfte für Rumble ein bedeutender Aktionär sein. Die Mehrheit liegt jedoch weiterhin bei Firmengründer Pavlovski.
Nun sollen Rumble und Northern Data also verschmelzen. Ob der Deal klappt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Voraussetzung soll unter anderem sein, dass die Mining-Sparte von Northern Data verkauft wird. Hierfür soll es auch bereits einen Interessenten geben. Nach eigenen Angaben hat das Management von Northern Data am Montagmorgen eine unverbindliche und nicht-exklusive Vereinbarung über den Verkauf der Sparte mit dem nigerianischen Unternehmen Electron Energy geschlossen.
Northern Data ist hoch verschuldet
„Der Gegenwert der Transaktion sieht ein Barangebot von bis zu 235 Millionen US-Dollar vor, einschließlich einer Vorauszahlung in Höhe von 175 Millionen US-Dollar, wobei der Restbetrag von bestimmten Leistungskennzahlen und der erfolgreichen Übertragung einer Einzahlungsvereinbarung mit einem Hersteller von Bitcoin-Mining-Hardware abhängt“, teilt Northern Data mit. Der Verkauf soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Mit dem Verkaufserlös soll das Unternehmen teilweise ein Darlehen ablösen, das Großaktionär Tether gewährt hatte. Das restliche Darlehen soll zu geänderten Konditionen fortgeführt werden. Laut Geschäftsbericht hatte Northern Data Ende vergangenen Jahres mehr als 800 Millionen Euro Schulden.
Noch sind die Deals mit Rumble und Electron Energy nicht in trockenen Tüchern. Ankündigungen und Absichtserklärungen gab es in der Geschichte von Northern Data schon häufiger. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg erwog das Management etwa vor einem Jahr, die Cloud-Sparte an die Börse zu bringen.
Der Börsengang sollte hiernach im ersten Halbjahr 2025 erfolgen und Northern Data soll eine Bewertung von bis zu 16 Milliarden Dollar angestrebt haben, hieß es bei Bloomberg. Zum Vergleich: Northern Data kam damals auf einen Börsenwert von 1,6 Milliarden Euro. Sonderlich realistisch war die Bewertung also nicht. Der Börsengang kam dann auch nicht. Stattdessen steht nun ein Verkauf an Rumble auf der Tagesordnung.
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