Social Media: Ein Verbot sozialer Medien für Unter-13-Jährige ist das absolute Minimum

Wer wirklich konzentriert arbeiten will, sollte sein Smartphone in der Schublade versenken. Denn es reicht, wenn das Handy mit dem Bildschirm nach oben auf dem Tisch liegt, um abzulenken. Und wenn das Wegpacken schon Erwachsenen schwerfällt, was bedeutet das für Kinder, deren Selbstregulation noch nicht so entwickelt ist?
Die Warnungen vor dem stark gestiegenen Social-Media-Konsum von Kindern und Jugendlichen werden lauter: 71 Prozent der 12- bis 13-Jährigen sind mindestens einmal pro Woche auf TikTok, zeigen neueste Zahlen.
Aber weil die Studienlage wenig aussagekräftig ist (und viele mit gefühlten Wahrheiten argumentieren), sind die Antworten darauf, wie man Kinder am besten schützt und welche Folgen lange Bildschirmzeiten konkret haben, immer noch schwammig.
In die Schlange der Warnenden hat sich am Montag eine prominente Stimme eingereiht: Die Nationale Akademie der Wissenschaft Leopoldina empfiehlt, die Nutzung Sozialer Medien für Unter-13-Jährige und Smartphones in Schulen bis zur 10. Klasse zu verbieten.
Das ist richtig. Und auch das absolute Minimum.
Denn TikTok, Instagram und Co. haben es perfektioniert, unser Gehirn für kommerzielle Zwecke auszutricksen. Kurzvideos beeinflussen gezielt Emotionen, um Nutzer zu binden, zum Kaufen anzuregen oder politische Botschaften zu verbreiten. Wer würde sein Kind so etwas ungeschützt aussetzen wollen?
Das Problem daran: Alleine ist man gegen die Plattformlogik machtlos. Ein Kind auszuschließen, während alle anderen weiterscrollen, ist quasi unmöglich.
Und gerade deshalb ist ein Verbot sozialer Medien besonders effektiv. Es betrifft alle. Niemand muss sich mehr Sorgen machen, etwas zu verpassen.
Ein ökonomisches Forschungsteam spricht bei TikTok und Instagram sogar von einer „Produktfalle“: Ihren Ergebnissen zufolge würde eine Mehrheit der befragten Nutzer Geld zahlen, damit das Netzwerk für alle abgeschaltet wird. Sie würden eine Welt ohne soziale Medien vorziehen. Für viele wäre es also eine Erleichterung, sich gar nicht erst entscheiden zu müssen.
Ein Verbot bedeutet natürlich nicht, auf Aufklärung zu verzichten. Denn früher oder später werden Jugendliche ohnehin auf diesen Plattformen landen oder Wege finden, die Identifizierung auszutricksen. Das Verbot zielt schlicht darauf ab, diejenigen zu schützen, die im jungen Alter besonders anfällig sind. Und das ist überfällig.
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