Preisfrage: Warum Fertiggerichte immer teurer werden
Es ist spät am Abend, der Arbeitstag war lang, und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Statt noch Gemüse zu schnippeln, landet schnell eine Tiefkühlpizza im Ofen oder ein Fertiggericht in der Pfanne. Solche Momente kennt fast jeder. Sie erklären, warum Fertiggerichte für viele längst fester Bestandteil des Alltags sind.
Laut dem Convenience-Food-Report 2025 von YouGov greift fast jeder Zweite in Deutschland mindestens einmal im Monat zu Pizza, Nudeln aus der Dose oder einem Instant-Becher. Bei Jüngeren ist der Anteil sogar noch höher. Der Umsatz im Markt der Fertiggerichte liegt 2025 in Deutschland bei rund 6,58 Milliarden Euro, 2018 lag er noch bei 4,16 Milliarden Euro. Tendenz weiter steigend.
Der Hauptgrund für den Boom: Zeitmangel. Laut YouGov wollen 60 Prozent der Deutschen abends nicht länger als 30 Minuten in der Küche stehen. In vielen Haushalten arbeiten beide Partner – da bleibt wenig Raum für aufwendiges Kochen.
Zugleich sind Fertiggerichte in den vergangenen Jahren im Schnitt teurer geworden – zum einen durch die allgemeine Inflation bei Lebensmitteln, zum anderen durch Veränderungen im Angebot: Immer mehr Hersteller setzen auf Premiumprodukte, die Bio-Qualität, den Verzicht auf Zusatzstoffe oder gesündere Rezepturen betonen. Viele Konsumenten achten auch bei Fertiggerichten stärker auf gesundheitliche und ökologische Aspekte – und greifen gezielt zu höherwertigen Varianten, die meist mehr kosten.
Viel gesunde Auswahl
Darauf reagieren die Hersteller. Neben den klassischen Produkten wie Pizza und Lasagne entstehen immer mehr kalorienarme, proteinreiche und nachhaltige Varianten. Auch regionale Zutaten, neue Rezepturen oder der Onlinevertrieb über Abo-Modelle und Essensboxen tragen zum Wachstum bei. Der Markt entwickelt sich so in Richtung einer Mischung aus Komfort, bewusster Ernährung und Vielfalt.
Auch in den Preisen zeigt sich das deutlich: Während günstige Produkte häufig mit Zusatzstoffen und Füllstoffen arbeiten, setzen höherpreisige Anbieter auf natürliche Zutaten und aufwendigere Herstellungsprozesse.
Teure Fertigkost: Das Rechenbeispiel
Ein Beispiel: Ein Bio-To-Go-Becher mit Linsen-Dal zum Aufgießen von IchBleibWacker kostet im Handel 3,99 Euro. Rund 1,70 Euro gehen auf das Konto von Zutaten und Verpackung – darunter fallen ausgewählte Bio-Zutaten ohne Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker oder versteckten Zucker sowie die Abfüllung inklusive Becher und Umverpackung. Laut IchBleibWacker liegt allein dieser Posten bereits über dem Verkaufspreis vieler konventioneller Instantmahlzeiten, die häufiger mit Füllstoffen und Zusatzstoffen arbeiten.
Für Entwicklung, Qualität und Sicherheit veranschlagt das Unternehmen 1,09 Euro pro Becher. Darin stecken die Rezepturentwicklung, Tests der Zutaten, sensorische Prüfungen und ernährungsphysiologische Abstimmung. Nachgelagert kommen die Qualitätskontrollen nach der Produktion hinzu. Auch Marketingkosten sind in diesem Block enthalten.
Weitere 1,20 Euro entfallen auf Infrastruktur und Logistik. Dazu zählen Lagerhaltung, Energiekosten, Raummiete, Logistik und Versand. Nach eigenen Angaben liefert der Anbieter direkt an Handel und Onlinekundschaft, also ohne zwischengeschalteten Großhandel. Das soll Kosten sparen, die sonst an Zwischenhändler gingen, und Spielraum für bessere Zutaten schaffen, ohne den Endpreis zu erhöhen.
Lesen Sie auch: Wird der Döner jetzt noch teurer?