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EditorialDie kleinen und großen Probleme der Bahn

Ausgerechnet zu den Ferien verschwinden die Spielzeug-Züge aus dem ICE. Wenn selbst Details nicht verlässlich laufen, wie soll dann alles andere gelingen?KOMMENTAR von Maja Brankovic 22.08.2025 - 16:27 Uhr
Hauptbahnhof Stuttgart Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Im ICE sind die Spielzeugzüge verschwunden. Ausgerechnet zu den Sommerferien. Eigentlich sollen Der kleine ICE und seine Freunde die kleinen Fahrgäste bei Laune halten. Wer sein Kinderticket vorzeigt, bekommt im Bordbistro einen dieser bunten Miniaturzüge ausgehändigt.

Doch jetzt ist alles anders. Nick Nachtzug, Opa Adler, IC-Bus Benni – keiner da. Sie wurden aussortiert, erklärt uns der nette Schaffner auf der Rückreise aus unserem Urlaub. „Materialmängel“ seien der Grund. Bei Sally S-Bahn soll es besonders schlimm gewesen sein. „Sie hat richtig gestunken. Das konnte man so nicht an die Kinder rausgeben.“ Mein Nachwuchs ist fassungslos. WAS JETZT, MAMA?, rufen mir ihre weit aufgerissenen Augen zu. Mama denkt: Das wüsste ich auch gern. Wenn die Bahn schon an solch kleinen Versprechen scheitert, wie soll es dann mit den großen weitergehen?

Einige Tage später wird klar, dass sich auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder diese Frage stellt. Bahn-Chef Richard Lutz muss gehen. Wer ihm folgt? Noch offen. Die Jobbeschreibung aber ist bekannt: Den eingeschlagenen Sanierungskurs entschlossen vorantreiben, die Personalnot lindern, die Konflikte mit den Gewerkschaften lösen, den Aufsichtsrat entpolitisieren und mit Fach­leuten besetzen – und alle absehbaren Zumutungen früh und offen kommunizieren. Kunden ­zeigen mehr Verständnis, wenn sie die Gründe für die Störungen kennen. Das hat die Sanierung der wichtigen Riedbahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim gezeigt.

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Natürlich war die Totalsperrung der Strecke über Monate ein Aufreger. Aber das Gemecker macht keinen Zug pünkt­licher. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, jede Zumutung bei der Bahn hinzunehmen. Denn sind wir uns nicht einig, dass es auch eine Mentalitätswende braucht, damit in diesem Land wieder was vorangehen kann?

Als Pendlerin auf der Strecke Frankfurt–Köln ist das oft eine Herausforderung. Aber ehrlich? Oft auch nicht. Die Bilanz unserer Urlaubsrückreise zum Beispiel fällt, durch Erwachsenenaugen betrachtet, durchweg positiv aus: Der Zug ist pünktlich, das Bordrestaurant offen, die Klimaanlage funktioniert, und wir sitzen alle beieinander im Kleinkindabteil.

Und auch beim kleinen ICE scheint die Welt wieder in Ordnung. Wie ich höre, wird er wieder im Bordbistro ausgehändigt. Zumindest ein kleines Problem hat die Bahn in diesen Sommerferien also schnell und geräuschlos gelöst.

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