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Japanische Tee-ZeremonieDer Matcha-Boom verblüfft traditionelle Hersteller in Japan

Ursprünglich wurde der Tee meist im Rahmen einer Zeremonie serviert. Die enorm gestiegene Nachfrage kann kaum noch bedient werden. 26.08.2025 - 09:15 Uhr
Eine Kellnerin trägt ein Tablett mit Matcha-Getränken. Foto: Imago Images

Gekleidet in einen eleganten Kimono legt Keiko Kaneko einen winzigen Löffel voller Pulver in eine Porzellanschale. Mit einer Kelle gibt sie heißes Wasser dazu. Dann nimmt sie einen Bambus-Schneebesen und schäumt die Mischung zu einem Tee mit intensiver grüner Farbe auf. Ihre fast tänzerischen Bewegungen zelebrieren ein jahrhundertealtes Ritual des Teilens eines Getränks.

Die Lehrmeisterin für die klassische Teezeremonie betrachtet Matcha als eine ernsthafte Sache. Ebenso wie viele andere Menschen in Japan ist sie erstaunt, dass der edle grüne Tee plötzlich an allen möglichen Orten und in allen möglichen Dingen auftaucht – in Latte und Eis, in Kuchen und Schokolade. Niemand weiß genau, wie es zu dem globalen Matcha-Boom kam. Klar ist, dass angesichts der vergleichsweise geringen Ernten allmählich Engpässe drohen.

Matcha wird im Schatten angebaut, gedämpft und dann zu einem sehr feinen Pulver gemahlen. Der Anbau unterscheidet sich stark von dem bei herkömmlichen Teesorten. Ein Umstieg auf Matcha ist also mit einigem Aufwand verbunden und braucht vor allem etwas Zeit. Obwohl der Boom bereits seit einigen Jahren anhält, zögern daher viele Teebauern – niemand will alles umkrempeln, nur um dann womöglich festzustellen, dass der Hype doch wieder vorbei ist.

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Das japanische Landwirtschaftsministerium bemüht sich, den Matcha-Anbau zu fördern. Mit neuen Maschinen, spezieller Erde und nicht zuletzt mit finanziellen Anreizen werden Teebauern ermutigt, den Wechsel zu wagen. „Wir wollen, dass es hier nicht bei einer Modeerscheinung bleibt, sondern Matcha zu einer Standard-Geschmacksrichtung und zu einer japanischen globalen Marke machen“, sagt Tomoyuki Kawai, der in der Tee-Abteilung des Ministeriums arbeitet.

Die Produktion von Tencha, den Teeblättern, aus denen Matcha hergestellt wird, hat sich laut Daten der japanischen Behörden im Zeitraum von 2008 bis 2023 fast verdreifacht – von 1.452 Tonnen auf 4.176 Tonnen pro Jahr. Der japanische Export von Tee hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdoppelt. Und diese Entwicklung ist den offiziellen Daten zufolge ganz stark auf Matcha zurückzuführen. Die Hersteller kämpfen derweil mit Fachkräftemangel, nicht zuletzt weil immer mehr ältere Bauern mit der Arbeit aufhören. Die Knappheit könnte sich in den kommenden Jahren also weiter verschärfen.

In China und einigen Ländern Südostasiens wird ebenfalls Matcha hergestellt. Für Japan geht es somit auch darum, eine Aufweichung der Wahrnehmung der edlen Teesorte als etwas traditionell Japanisches zu verhindern. Viele Anhänger der klassischen Teezeremonie haben nicht unbedingt etwas gegen die zunehmende weltweite Popularität des Matcha einzuwenden. Sie hoffen aber, dass sich zumindest einige der vielen neuen Konsumenten auch für die Wurzeln interessieren werden.

Die Teezeremonie „erinnert uns daran, jede Begegnung als einzigartig und nicht wiederholbar zu würdigen“, sagt Kaneko. Sie verweist auf den besonders niedrigen Eingang zu ihrer Teestube. In alten Zeiten hätten sich auch noble Samurai bücken müssen, um einzutreten, sagt sie. Die Botschaft sei die gewesen, dass beim Teetrinken alle gleich seien.

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Die Reinheit und Stille der klassischen Teezeremonie von Kaneko sind Welten entfernt von den Konsum-Mustern, die sich im Rahmen des neuen Booms ergeben haben. Der „Matcha Crème Frappuccino“ ist bei der globalen Kaffeehauskette Starbucks fester Bestandteil des Sortiments. Rezepte für Süßwaren und Drinks mit Matcha sind in allen gängigen Foren der Renner. Viele ausländische Touristen in Japan nehmen Dosen und Beutel mit Matcha als Souvenirs mit.

Minoru Handa, der in dritter Generation das Teegeschäft Tokyo Handa-en leitet, verkauft sowohl Matcha als auch herkömmliche Teesorten. Das Besondere an Matcha sei dessen Vielseitigkeit, sagt er. Anders als die Teeblätter von Grünem oder Braunem Tee könne das Matcha-Pulver ganz leicht praktisch mit allem vermischt werden. „Der Gesundheitsboom und das Interesse an der japanischen Kultur haben die Dynamik noch verstärkt“, fügt er hinzu.

Das Unternehmen von Handa, dessen Geschichte bis auf das Jahr 1815 zurückgeht, pflegt enge Beziehungen zu Teebauern in Kagoshima im Südwesten Japans. Eine beständige Versorgung mit Nachschub ist somit gewährleistet. Um „Hamsterkäufe“ zu verhindern, gilt in seinem Laden am Rande von Tokio eine Verkaufsbegrenzung von einer Dose pro Kunde. Der Händler, der seinen Tee auch schon in Europa und den USA präsentiert hat, geht laut eigenen Angaben aber davon aus, dass die Erntemengen bald weiter steigen werden.

Anna Poian von dem Branchenverband Global Japanese Tea Association plädiert dennoch dafür, dass eher weniger hochwertiger Matcha für Produkte wie Latte-Drinks verwendet werden sollte, da recht große Mengen erforderlich seien, um einen deutlichen Geschmack hinzubekommen. Der beste Matcha sollte möglichst für den reinen Tee verwendet werden, ansonsten sei das ein Stück weit „Verschwendung“, sagt sie. „Es handelt sich um einen sehr feinen, komplexen Tee, der eigentlich hergestellt wird, um nur mit Wasser getrunken zu werden.“

AP
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