Management-Moment der Woche: Alle spüren es, aber keiner sagt etwas
Das ist passiert
Egal wie viele „Fake News“ Donald Trump schon verbreitet hat: Anfang der Woche sorgte der US-Präsident für Schlagzeilen, weil er einen wunden Punkt traf. Trump forderte Europa und andere Nato-Länder auf, kein russisches Öl und Gas mehr zu kaufen. Man solle sich endlich unabhängig machen von Russland – und so letztlich nicht den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Damit hatte Trump eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen.
Das können Sie daraus lernen
Es ist mutig, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Und es kann hilfreich sein. Braucht es in homogenen Teams – also in Gruppen, in denen man sich gut kennt, vielleicht schon zu gut – jemanden, der den Mund aufmacht, wenn andere schweigen? Unbedingt!
Unternehmen sind auf Mitarbeiter angewiesen, die – auch wenn es schwerfällt – offen benennen, was alle spüren, aber keiner ausspricht. Das sagt etwa Topmanager-Coachin Gudrun Happich. Sie erlebt, dass Führungskräfte wie Mitarbeiterinnen oft den berühmten Elefanten im Raum sehen – aber trotzdem schweigen. Stattdessen gehen sie zum nächsten Thema über, obwohl das Konfliktthema weiter schwelt. So geht viel Zeit verloren, beschreibt Happich das Problem.
In zu homogenen Teams besteht die Gefahr, dass wichtige Perspektiven verloren gehen. Darum ist es entscheidend, die eigene Meinung offen einzubringen. Unterschiedliche Sichtweisen fördern Innovation und vermeiden blinde Flecken. Wer also seine Meinung teilt, schenkt dem Team die Chance auf bessere Entscheidungen.
Und trotzdem bewegt viele Mitarbeiter die Frage: Soll ich den wunden Punkt offen ansprechen? Und wenn ja, wie – ohne anzuecken?
1. Sache vor Ego
Bevor man eine unbequeme Wahrheit anspricht, sollte das Motiv klar sein: Warum sagt man das eigentlich? Geht es um das Ego? Um Rechthaberei? Oder geht es um die Sache? Happich erläutert: „Unbequeme Wahrheiten wirken dann, wenn man sie ausspricht, ohne das Ego nach vorn zu stellen – sondern wenn es im Sinne der Sache geschieht.“
2. Meinung ist ein Geschenk
Management-Coach Hanns-Ferdinand Müller empfiehlt, Unangenehmes beispielsweise so zu intonieren: „Ich traue mich heute mal, Ihnen meine ganz persönliche Meinung zu schenken.“ Und weiter: „Es ist ein Geschenk, wenn ich Ihnen das ehrlich sage – und wie es mit Geschenken so ist: Sie können es annehmen, weglegen oder wegwerfen.“ Dabei sollte man unbedingt darauf achten, demütig aufzutreten.
3. Klar und respektvoll
Wichtig ist zudem, nicht zu urteilen, sondern zu beschreiben, was man wahrnimmt. Das geht zum Beispiel so: „Mir ist aufgefallen, dass wir immer wieder an diesem Punkt hängen bleiben“ – statt zu sagen: „Sie machen das falsch.“ So hält man die Tür offen für ein Gespräch, statt sie zuzuschlagen. Der Tipp von Expertin Happich ist: Am besten zwei bis drei konkrete Beispiele anführen, um allen Beteiligten die erlebte Erfahrung zu liefern.
Wichtig ist, dabei ruhig zu bleiben und nicht zu provozieren. Es hilft, zu signalisieren, dass das gemeinsame Ziel wichtig ist: „Mir geht es darum, dass wir als Team weiterkommen.“ Damit wissen alle: Das ist kein Angriff, sondern ein Beitrag.
4. Übereinstimmung erzeugen
Um das Team zu vereinen, sollte jeder am Ende zu der vorgebrachten, unbequemen Wahrheit einen Beitrag formuliert oder wenigstens genickt haben. Übereinstimmung ist wichtig für das, was danach umgesetzt werden soll.