DB Cargo: EVG fordert Rauswurf von Cargo-Chefin Nikutta
Der Deutschen Bahn steht der nächste Personalstreit ins Haus. Die einflussreiche Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) forderte am Montag einen personellen Neuanfang bei der krisengeplagten Frachtsparte, in der sie einen massiven Stellenabbau fürchtet. „Sigrid Nikutta muss als Vorstandsvorsitzende der DB Cargo abberufen werden“, forderte EVG-Vize Cosima Ingenschay in einem Schreiben an Bahn-Chefin Evelyn Palla und Konzern-Aufsichtsratschef Werner Gatzer. „Für uns ist klar – nur ein personeller und strategischer Neuanfang kann DB Cargo retten.“
Die Bahn wollte sich nicht konkret äußern. „Wir erwarten an diesem Mittwoch ein Gutachten zur Lage bei DB Cargo, um uns ein objektives Bild zu machen“, sagte eine Sprecherin des Konzerns. DB Cargo muss auf Druck der EU-Kommission umgebaut werden, sonst droht die Zerschlagung.
In der neuen Bahn-Strategie von Verkehrsminister Patrick Schnieder heißt es, die Krisensparte müsse ab 2026 profitabel sein. „Die Sanierungsmaßnahmen der DB Cargo AG sind fortzusetzen und gegebenenfalls zu intensivieren.“ DB Cargo transportierte im ersten Halbjahr 2025 zehn Prozent weniger, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der operative Verlust verringerte sich auf 96 Millionen Euro. Im Güterbereich machen private Konkurrenten der Bahn bereits rund 60 Prozent des Geschäfts in Deutschland. Zuletzt hatte DB Cargo angekündigt, rund 6000 Güterwagen an den Vermietungsspezialisten GATX Rail Europe (GRE) zu verkaufen.
Die EVG hatte zuletzt bereits die Personalpläne von Schnieder verhindert. Der CDU-Politiker hatte als neuen Chef der Bahn-Infrastruktursparte DB InfraGO Dirk Rompf vorgesehen. Die EVG verhinderte diesen aber zusammen mit der SPD, so dass es am Ende keine Mehrheit für Rompf gab und dieser zurückzog, obwohl er öffentlich bereits vorgestellt worden war.
Die EVG fürchtet Insidern zufolge einen Stellenabbau bei Cargo in Deutschland auf gut 10.000 Stellen. Zuletzt war eine Reduzierung von 19.000 auf 17.000 Stellen vorgesehen. Die EVG forderte daher eine Geschäftsperspektive statt reiner Sparmaßnahmen. In dem dreiseitigen Brief von Ingenschay, die Vize-Aufsichtsratschefin bei DB Cargo ist, heißt es, die Lage habe sich in den vergangenen Monaten zugespitzt.
Das Versprechen, die Prozesse zu vereinfachen, sei nicht eingehalten worden. „Pünktlichkeit und Qualität sollten gesteigert werden, erreicht wurde das Gegenteil.“ Der Marktanteil sei rapide gesunken. Die Sparte habe im operativen Geschäft (Ebit) unter Nikuttas Führung in fast sechs Jahren 3,1 Milliarden Verlust eingefahren.
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