Pflegekosten: Wo das Pflegeheim in Deutschland am teuersten ist
Die Pflegekosten in Deutschland schwanken regional deutlich. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Das IW hat die Preisdaten von rund 10.000 Pflegeheimen in Deutschland ausgewertet. Laut IW-Studie ist der durchschnittliche Eigenanteil an den Pflegekosten in Coburg mit 4078 Euro pro Monat am höchsten. Das ist deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt von 2948 Euro monatlich. Als Gründe für die regionalen Unterschiede nennt das IW vor allem die Differenzen bei den Lohn- und Mietkosten.
Die Personalkosten der Pflegeheime werden von einer Gesetzesänderung beeinflusst. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das 2019 in Kraft trat, hat einheitliche Personaluntergrenzen für Pflegeheime festgelegt. Viele Einrichtungen stellen nicht mehr Personal ein, als die gesetzliche Untergrenze vorschreibt. Das heißt, die Höhe der Personalkosten unterscheidet sich vor allem durch das jeweilige Lohnniveau und weniger durch die Personalstärke.
Die Mieten, die Pflegeheime an die Eigentümer der Immobilien zahlen müssen, hängen nach Angaben des IW in erster Linie von den Wohnkosten der jeweiligen Region ab. Es ist daher nicht verwunderlich, dass beispielsweise die Pflegekosten in Düsseldorf besonders hoch sind. Ähnliches gilt für München und Stuttgart. In diesen Metropolen ist auch Wohnen vergleichsweise teuer.
Das IW fand ebenfalls heraus, dass die Höhe der Pflegekosten in den Regionen auch von der Größe der Heime abhängt. Je größer die Einrichtung ist, desto geringer sind in der Regel die Kosten pro Heimplatz.
Landkreise und Städte mit vielen kleinen Pflegeheimen haben dagegen höhere Kosten als solche mit vielen großen Einrichtungen. In Coburg beispielsweise ziehen teure, auf Kinder spezialisierte Pflegeeinrichtungen, die vergleichsweise weniger Bewohner betreuen, den durchschnittlichen Eigenanteil an den Pflegekosten nach oben.
In Ballungsräumen ist Pflege teurer
Auffällig ist, dass in Nordrhein-Westfalen (NRW) viele Städte und Landkreise mit überdurchschnittlich hohen Pflegekosten liegen. Das hat mit dem hohen Urbanisierungsgrad zu tun, sagt das IW. Je dichter eine Region besiedelt sei, desto höher seien auch die durchschnittlichen Investitionskosten der Pflegeheime. Denn Bauunternehmen und Handwerker verlangen in den Ballungsräumen mehr Geld für ihre Arbeit.
Ein weiterer Grund für die hohen Investitionskosten in NRW sei die besondere Form der Förderung durch das Bundesland, so das IW. Investitionen von Pflegeheimen werden in NRW nach tatsächlich belegten Pflegeheimplätzen unterstützt. Das führe zu höheren Zuschüssen als eine Förderung, die Festbeträge an einzelne Heime vergibt.
Hohe Rentnerquote treibt Personalkosten
Die Differenzen in den Pflegekosten werden durch weitere regionale Faktoren beeinflusst. Einer der wichtigsten ist der Altersquotient. Er misst das Verhältnis der Bevölkerungsgruppe zwischen 20 und 60 Jahren zu der Gruppe über 60 Jahre. Je kleiner der Quotient ist, desto älter ist die Bevölkerung im Schnitt und desto mehr Pflegefälle gibt es in der Region.
In Regionen mit hohen Altersquotienten ist der Bedarf an Pflegekräften besonders groß. Das treibt die Personalkosten. Besonders niedrig sind die Altersquotienten in den neuen Bundesländern. In Suhl in Thüringen liegt der Quotient nur bei 0,96. Anders sieht es dagegen in der westdeutschen Universitätsstadt Heidelberg aus. Dort liegt der Quotient bei 2,74. Die vielen Studenten senken den Altersdurchschnitt.
Lesen Sie auch: 3108 Euro Pflege-Eigenbeitrag: Wofür eigentlich?