AllUnity: Jetzt geht das deutsche Stablecoin-Projekt richtig los
Der Bitcoin hat in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren. Eine spezielle Kryptowährung aber zeigte sich von den Turbulenzen unbeeindruckt und bewegte sich keinen Millimeter vom Fleck: EURAU ist ein Stablecoin – eine Digitalwährung, die an den Euro gekoppelt ist und immer gleich viel wert sein soll.
EURAU ist der erste voll regulierte Stablecoin aus Deutschland. Hinter ihm stehen namhafte Institutionen: Herausgegeben wird er vom Frankfurter Kryptounternehmen AllUnity, einem Joint-Venture, an dem unter anderem die Deutsche-Bank-Tochter DWS beteiligt ist. Ende Juli ist der Token offiziell in den Handel gegangen.
Nun könnte die Stablecoin-Adaption einen größeren Schub bekommen: AllUnity ist eine Partnerschaft mit der Deutschen Börse eingegangen. Das teilte das Unternehmen der WirtschaftsWoche vorab mit.
Ziel der Kooperation ist es, das zentrale Versprechen von Stablecoins einzulösen: Transaktionen schneller und günstiger als mit klassischem Fiatgeld wie dem Euro abzuwickeln. „Unser Ziel ist es, eine nahtlose Brücke zwischen der etablierten Finanzwelt und der Zukunft der digitalen Vermögenswerte zu schlagen“, sagt Stephanie Eckermann, Vorständin der Deutschen Börse.
Um Stablecoins ist ein Hype entfacht
Die Grundlage dafür bildet die Blockchain – das digitale Datenprotokoll, in dem alle Transaktionen mit einer Kryptowährung gespeichert werden. Diese Technologie ermöglicht Zahlungen in Echtzeit, unabhängig vom Standort des Empfängers. Euro-Überweisungen in die USA beispielsweise dauern meist mehrere Werktage.
Banken und andere Profiinvestoren können nun über die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream den Euro-Stablecoin verwahren und an andere Marktteilnehmer übertragen. EURAU ist ausschließlich für Abwicklungen unter Großanlegern konzipiert.
Künftig soll die Kooperation noch einen Schritt weitergehen und etwa auf den Bereich Abwicklung ausgeweitet werden. Damit ließe sich der Euro-Stablecoin von AllUnity auch bei Aktienorders einsetzen. Auch hier sollen die Kryptotoken den Prozess beschleunigen. Momentan dauert es oft noch mehrere Tage, bis Wertpapiere von einem ins andere Depot wandern. Weil Stablecoin-Transaktionen in Echtzeit geschehen und weniger Intermediäre eingebunden sind, soll die Übertragung schneller geschehen.
„Europa übernimmt weltweit eine Führungsrolle im Bereich der regulierten digitalen Finanzen, und wir sind stolz darauf, dass AllUnity mit unserem Euro Stablecoin EURAU zu diesem Meilenstein beiträgt“, wirbt Alexander Höptner, Chef von AllUnity, für sein Produkt. Stablecoins haben in den vergangenen Monaten tatsächlich an Bedeutung gewonnen. Ihre Marktkapitalisierung ist seit Jahresbeginn um gut ein Drittel auf nun 300 Milliarden Dollar gewachsen. Aber: Euro-Stablecoins spielen kaum eine Rolle.
Mit einem Anteil von knapp 60 Prozent dominieren Dollar-Stablecoins den Markt für wertstabile Token. Ihr Einfluss könnte weiter zunehmen. US-Präsident Donald Trump hat im Sommer ein weitreichendes Stablecoin-Gesetz auf den Weg gebracht.
Alle im Umlauf befindlichen EURAU-Token sind gerade nur etwa 18 Millionen Euro wert. Zum Vergleich: Der Euro-Stablecoin des US-Anbieters Circle (EURC) bringt 279 Millionen Euro auf die Waage. Für die ganz große Adaption müsste der AllUnity-Token also noch deutlich wachsen.